Dienstag, 29. Juli 2025

Besuch in Annapolis Royal

Auf der gegenüberliegenden Seite der Port Royal Historic Site befindet sich das heutige Städtchen Annapolis Royal, das bis 1749 Hauptstadt von Nova Scotia war. Danach wurde die Stadt Halifax dafür ausgewählt.
Annapolis
Vor etlichen Wochen hatten wir den Ort Gaspé im Nordosten von Quebec besucht. Gaspé nennt sich „Geburtsort von Kanada“, weil hier Jacques Cartier 1534 anlandete und das Land beanspruchte. Annapolis nennt sich „Wiege (cradle) von Kanada“, was in der nachfolgenden Beschreibung des Ortes erklärt wird.
Annapolis liegt an der Südseite des Annapolis Rivers, der in das Annapolis Basin einmündet. Zeitgleich, also 1605, entstand mit dem befestigten Handelsposten Port Royal auf der Nordseite des Beckens am Fluss eine Siedlung, die damals ebenfalls Port Royal genannt wurde.
Annapolis
Der Ort blickt auf eine extrem wechselvolle Geschichte ↗ zurück. In kurzen Zeitabständen gehörte er manchmal den Franzosen, manchmal den Engländern, zuweilen den Amerikanern und sogar die Schotten belagerten den Ort.
Ab 1755 fällt die Verwaltung komplett in die Hände der Briten.
Annapolis verdankt seinen Namen dem Fort Anne  , heute ebenfalls eine Historic Site, auf der allerdings nur ein einziges Offiziersgebäude mit einer kleinen Ausstellung und ein Außengelände mit einigen Monumenten, Erinnerungstafeln und einem historischen Friedhof zu besichtigen ist.
Fort Anne wurde 1629 als kleine Verteidigungsanlage unter dem ursprünglichen Namen Charles Fort, benannt zu Ehren von König Charles I (1600-1649), erbaut.
Dies geschah zu einer Zeit, als schottische Siedler in der Region lebten. Danach übernahmen wieder die Franzosen die Herrschaft über die Region. Später zogen wieder die Briten in das Fort und nannten es zu Ehren von Queen Anne (1665-1714) um. Ab 1710 hieß Port Royal endgültig Annapolis Royal.
Hier kann man sehen, welches Hin und Her die Europäer veranstalteten, um die Vorherrschaft über die damaligen Kolonien in Nordamerika zu bekommen.

Im heutigen Annapolis Royal wohnen knapp über 500 Einwohner, allerdings ist der Ort Verwaltungssitz des Annapolis Countys mit über 21.000 Einwohnern.
Zahlreiche prächtige alte Häuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert stehen entlang der Hauptstraße, der St. George Street, beispielsweise sogar ein Fachwerkhaus aus dem Jahr 1708. Man ist stolz, in einen Stadtpark einladen zu können, der als „historic gardens“  gestaltet ist.
Lange war ein weiteres Projekt für Annapolis Royal von großer Bedeutung. Das Gezeitenkraftwerk „Annapolis Royal Tidal Power Project“; es liegt an der Mündung des Annapolis Rivers.
ehemaliges Gezeitenkraftwerk
Das ehemalige Gezeitenkraftwerk
Gezeitenkraftwerk
Gezeitenkraftwerk
Es wurde 1984 eröffnet und in Dammbauweise errichtet (Dammlänge: 225 Meter).
Da der Gezeitenunterschied in diesem Bereich bis sieben Meter beträgt, konnte man über die Wasserkraft der Gezeiten immerhin eine Jahresleistung von etwa 50 GWh (Gigawattstunden) erreichen, was einer Leistung eines mittleren Kraftwerkes entspricht.
Das Gezeitenkraftwerk wurde allerdings im Frühjahr 2019 geschlossen, da ein Stromausfall in einem der Systeme des Kraftwerks die eigentliche Stromerzeugung verhinderte.
Da nahezu zeitgleich das Canadian Science Advisory Secretariat ein "erhebliches Fischsterben" durch die Turbine nachweisen konnte, wurde dem Betreiber Nova Scotia Power die Genehmigung zum Weiterbetrieb entzogen. Da das Gezeitenkraftwerk noch nicht abgeschrieben war, fordert nun das Stromerzeugungsunternehmen $25 Mio ein.
Eigentlich gibt/gab es weiterhin ein Besucherzentrum , das „Annapolis Tidal Generating Station Interpretive Centre“, in dem wir uns informieren wollten. Wir standen jedoch vor verschlossenen Türen – „closed“, ohne Erklärung.
closed
Dennoch fließt weiterhin 2 mal am Tag, insgesamt etwas mehr als 6 Stunden, Wasser in beide Richtungen durch das ehemalige Kraftwerk, jedoch ohne Stromerzeugung.
Gezeitenkraftwerk

Montag, 28. Juli 2025

Margaretsville

Ein kleiner, aber bemerkenswerter Ort an der Küste.
Von Grand Pré fuhren wir für 70 Kilometer auf der NS-101 W, um den kleinen Küstenort Margaretsville zu erreichen.
Der weitläufige Ort ist winzig - er zählt heute nur 200 Einwohner - und liegt malerisch an der Küste der Bay of Fundy. Man hat einen wunderbaren Blick auf den ehemaligen Hafen, den Kieselstein-Strand und die rötlichen Klippen rechts und links des Hafens.
Kirche
Margaretville - United Church
Steilufer
Hafenbucht
Ehemalige Hafenbucht
Der sechs Meter hohe, schwarz-weiß-gestreifte Leuchtturm von Margaretsville  wurde bereits 1859 erbaut, wird heute noch genutzt und stellt ein herrliches Fotomotiv dar.
Angler
Von den großen Granitsteinen und von der Pier aus angeln während der Sommermonate Einheimische nach Makrelen.
So ruhig und verschlafen wie der Ort heute wirkt, war er früher nicht. Sowohl die Fischerei als auch der Schiffbau boten früher viele Arbeitsplätze. Leider ist davon nichts mehr übrig geblieben.
Magaretsville
Fischerei
Wir nutzten den bequemen „Boardwalk“ am Hafen und besuchten das kleine Boathouse Heritage Center“ ↗. Im Bootshaus befindet sich eine kleine, aber interessante Ausstellung zur Geschichte der Fischerei und des Schiffsbaus in Margaretsville.
Hier im Hafenbereich existierten einmal zwei Kai-Anlegeplätze. Die "Big Wharft" - hier im Bild - wurde erst 1960 durch eine Flut zerstört.
Werft
Von den Kaianlagen aus wurden die von hier abfahrenden Schiffe Richtung Boston und New York mit Produkten aus der Annapolis County Region beladen. Dazu gehörten u.a. Holzschindeln, Kartoffeln und Äpfel.
Verladung
Schiffsbeladung etwa 1890
In der Werft in Margaretsville wurden von 1840 - 1921 die nachfolgend aufgelisteten Schiffe gebaut.
Am einzigen kleinen Kai liegen noch zwei kleinere Boote  -  ich würde sie gerade noch an Land betreten und vermutlich durch die Planken brechen. Als "Seelenverkäufer" würde ich sie bezeichnen, doch ein Fischer hier nutzt sie, um damit aus seinen im Meer ausgelegten Körben Hummer an Land zu holen und diesen auch vor Ort zu verkaufen.
Seelenverkäufer
Auf seinem LKW im Hafen kann man zwar die Werbung einer sehr bekannten Fisch-Lieferanten-Werbung sehen, doch dieses Familienunternehmen ist eigentlich eher im Westen von Kanada, in Vancouver und Victoria zu Hause. Von dort aus werden zwar auch einige Bereiche in Montreal bzw. Ottawa abgedeckt, doch hier?
Seafood

Nichts dergleichen, was auf der LKW-Seite steht! Nur Lobster, "Live Lobster".
Aus diesem Stahlkontainer heraus, in dem zwei mit Wasser und Hummer gefüllte Behälter stehen, die dank eines Kompressors mit Luftsauerstoff versorgt werden, werden "seine" lebenden Hummer verkauft.
Kontainer
Dieser brachte 1450 Gramm auf die digitale Waage und kostete  -  Can$ 15 (~ 10€) !!!
Hummer
Margaretsville

Sonntag, 27. Juli 2025

Kulturlandschaft Grand Pré

Von Windsor fuhren wir für 25 Kilometer auf der NS-101 und erreichten die sogenannte Kulturlandschaft Grand Pré.
Grand Pre
Warum spricht man in Grand Pré von einer Kulturlandschaft? Es geht erneut um die Akadier, die hier lebten bzw. deren Nachfahren, die nach der großen Vertreibung Mitte des 18. Jahrhunderts zurückkehrten und anschließend hier siedelten.
Die Akadier hatten durch ein von ihnen angelegtes Deich- und Kanalsystem dem hiesigen Meer, genauer dem „Minas Basin“ mit seinen großen Gezeitenunterschieden, beträchtliche Wiesenbereiche für die landwirtschaftliche Nutzung abgerungen und so eine besondere Landschaft geschaffen. Grand Pré bedeutet in der französischen Sprache „große Wiese“.
Bereits im Jahr 2012 erkannte die Unesco die Grand Pré-Region als Weltkulturerbe an, zum einen wegen der besonderen, von Menschenhand geschaffenen Landschaft, zum anderen wegen der historischen Erinnerung an die Vertreibung der Akadier.
Wir besuchten hier die Grand Pré National Historic Site, die von Parks Canada betrieben wird.
Grand Pré
Im Eingangsbereich hängt ein großdimensionales Kunstwerk der akadischen Fahne, es folgt eine Säule mit Holzschnitzereien aus der akadischen Geschichte.
Flagge
In der anschließenden Ausstellung werden die Techniken von Deich- und Kanalbau gezeigt und ausführlich der Verlauf der großen Vertreibung der Akadier durch die Briten mit vielen Bildern und Modellen dargestellt.
Deichfunktion
Immerhin wurden ab 1755 etwa 11.000 Akadier enteignet und deportiert. Dieses Ereignis wird auch „Grand Dérangement“ genannt.
Grand Dérangement
Im Kino des Informationszentrums, das einem Schiff des 18. Jahrhunderts nachempfunden ist, wird ein Film auf einem sogenannten „Splitscreen“ gezeigt, d.h. dass wir auf drei Leinwänden, parallel die Ereignisse und die jeweilige Sichtweise dazu von den Akadiern und den Briten gezeigt bekamen.
Scattered
Im Außenbereich kann man eine längere Wanderung durch die Deichlandschaft unternehmen. Eine kurzer Spaziergang hingegen führt zu einer akadischen Kirche und zur Statue der akadischen Symbolfigur „Evangeline“.
Kirche
Die Kirche wird „Memorial Church“ genannt und wurde 1922 von den Akadiern in Erinnerung an die abgebrannte Kirche „Saint-Charles-des-Mines“ errichtet, in der 1755 der Befehl zur Deportation verkündet wurde.
In der Kirche selbst hängen mehrere großflächige Bilder, die die Deportation zum Inhalt haben.
Verkündung
Hier wird den anwesenden männlichen Acadiern mitgeteilt, 
dass sie das Land verlassen müssen.
Warten auf die Einschiffung
Warten auf die Einschiffung ins Ungewisse
Die Statue der „Evangeline“ steht seit Juli 1920 im Park von Grand Pré und hat als Identifikationsfigur für Treue und Liebe schon viele Besucher angezogen.
Evangeline
Sie ist eigentlich eine fiktive Figur aus einem Gedicht von Henry W. Longfellow (1807-1882) aus dem Jahr 1847. In dem Gedicht wird von der Liebe der akadischen Evangeline aus Grand Pré zu ihrem akadischen Verlobten Gabriel erzählt. Beide werden mit verschiedenen Schiffen nach Louisiana deportiert.
Evangeline versucht über Jahre Gabriel zu finden und als sie eines Tages in Philadelphia als Krankenschwester Sterbende betreut, entdeckt sie ihn im Hospital  -  und er verstirbt in ihren Armen.
Für die Akadier wurde die Figur der Evangeline mit den Werten der Trauer nach ihrer verlorenen Heimat Akadien und der Beharrlichkeit, ihre Liebe zu finden, zur Motivation, weiterhin an Akadien zu glauben und es gewissermaßen zurückzuerobern.

Von der Historic Site fuhren wir anschließend noch drei Kilometer nach Horton Landing, einem Ortsteil von Grand Pré. Dort steht das historisch bedeutende „Deportationskreuz“ (Croix de la Deportation) der Akadier. Das vier Meter hohe, 1924 aufgestellte Schmiedeeisen-Kreuz im gotischen Stil soll hier an die Einschiffung während der Deportation erinnern. Man nennt diesen Ort deshalb auch „pointe noir“.
Kreuz
Deportation
Deportation
Trotz der traurigen historischen Bedeutung hat man von hier einen herrlichen Blick auf das Minas Basin.

Samstag, 26. Juli 2025

Fort Edward

Von Walton aus fuhren wir über die Walton Woods Road für vierzig Kilometer zur Stadt Windsor. Hier besuchten wir die Fort Edward National Historic Site ↗.
Windsor liegt im County Hants, hat knapp 3.500 Einwohner und zählt als Geburtsort des Eishockeys. In verschiedenen historischen Schriften wird berichtet, dass bereits Anfang des 19. Jahrhunderts auf einem örtlichen See „hurley“, ein mit Eishockey vergleichbarer Sport, betrieben wurde.
Am Rand der Stadt auf einer Anhöhe über dem Zusammenfluss des Avons Rivers und des St. Croix Rivers liegt das historische Fort Edward.
Von dem Fort ist leider nur noch das originale Blockhaus erhalten. Dieses wurde aber 1750 erbaut und ist damit das älteste seiner Art in Kanada.
The Last
Über das Gelände führt ein 1,5 Kilometer langer Rundweg mit vielen Informationstafeln zur Bedeutung des damaligen Forts.
Fort Edward
Das Fort  wurde von General und Gouverneur von Nova Scotia Charles Lawrence  (1709- 1760) erbaut, um den Weg zwischen Annapolis Royal an der Westküste, der damaligen Hauptstadt, und Halifax an der Ostküste zu sichern.

Fort
Charles Lawrence erlangte später eine umstrittene Berühmtheit, weil er maßgeblich für die Deportation der Akadier verantwortlich war, gleichzeitig zählte er als tüchtiger Offizier.
Das Fort Edward spielte während der akadischen Deportation (1755), während des siebenjährigen Krieges (1756-1763), während der amerikanischen Revolution (1775-1783) und während des britisch-amerikanischen Krieges von 1812/14 eine Rolle.
Eine weitere Besonderheit findet man zu diesem Fort in seiner Historie:
Fort Edward war während des Ersten Weltkriegs die Ausbildungsstätte für Soldaten der "Jüdischen Legion" aus ganz Nordamerika.
Der Grund war einfach. Man nutzte Fort Edward als "Ausweichgelände", nachdem Ende 1917 die explodierte Waffenkammer  die Ausbildungsstätte in Halifax dem Erdboden gleichgemacht hatte.
Unter den auszubildenden jüdischen Sodaten befanden sich Ben-Gurion und Ben-Zvi, die drei Jahrzehnte später der erste Premierminister bzw. der zweite Präsident des Staates Israel wurden.
Nach Abschluss ihrer Ausbildung wurden sie nach England überführt, wo sie sich anderen jüdischen Bataillonen für die letzte Phase des Feldzugs gegen die Osmanen anschlossen. Diese machten sich als "Jüdische Legion" einen Namen.
Ben
Zeitlich wesentlich früher weilte eine andere interessante Persönlichkeit in Fort Edward, Flora MacDonald.
Den Winter 1778/79 verbrachte Flora MacDonald (1722-1790) in Fort Edward. Diese Frau ist eine Heldin der Schotten, die Charles Stuart (1720-1788), genannt auch Bonnie Prince Charlie, der den schottischen Thron anstrebte, nach der verlorenen Schlacht von Culloden (1746), verkleidet als ihre Magd Betty, durch die Bewachung der Briten schmuggelte und ihm so die Flucht nach Frankreich ermöglichte.
Sie hatte 1750 Allan MacDonald (1720-1792) geheiratet und war mit ihm nach North Carolina ausgewandert. Allan schloss sich während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges der britischen Armee an, verlor 1776 eine Schlacht in North Carolina gegen die amerikanischen Unabhängigkeitskämpfer, war dann längere Zeit Gefangener der Amerikaner und war aber ab 1778 wieder Kommandeur einer britischen Einheit in Fort Edward.
Flora und Allan verloren ihre gesamten Besitztümer in North Carolina und so folgte Flora ihrem Mann 1778 nach Fort Edward. Sie reiste im Jahr danach in ihre Heimat Schottland, zur Isle of Skye, zurück.

Freitag, 25. Juli 2025

Das Walton Lighthouse und die Baryt-Mine

Vom Burntcoat Head Park fuhren wir für weitere 20 Kilometer auf dem Glooscap Trail bis zu dem kleinen Hafenort Walton.
Walton
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Als die Akadier in der Gegend des heutigen Dorfes Walton lebten, war die Siedlung als Petite Rivière bekannt, nach dem kleinen Fluss, der dort in das Minas Basin mündet. Nach der Vertreibung der Akadier siedelten sich Plantagenbesitzer und Loyalisten aus Neuengland an. Die Siedlung wurde 1836 zu Ehren von James Walton in Walton umbenannt, dessen Tochter und Schwiegersohn, John und Mary Nutting, in der Gegend ausgedehnte Besitztümer besaßen.
Der Hafen selbst ist schon lange nicht mehr in Betrieb, aber der wunderschöne historische Leuchtturm aus dem Jahr 1873 steht noch und man kann ihn besichtigen. Er wurde von Timothy Parker erbaut und seine Grundfläche misst 4,4 m im Quadrat.
Leuchtturm
Er ist der einzige Leuchtturm, der heute noch in der Gemeinde East Hants im Original erhalten ist. Der hölzerne Turm hat eine Höhe von sechs Metern bis zum Laternendeck, das noch einmal 2,5 Meter hoch ist.
Leuchtturm
Ende der 1970er Jahre wurde der Leuchtturm  mit der Schließung des Hafens stillgelegt. Die Gemeinde East Hants kaufte ihn 1991 und betreibt ihn bis heute als Museum. Er steht seit 1992 unter Denkmalschutz.
Von der Klippe, auf der der Leuchtturm steht, konnten wir einen malerischen Blick in die ehemalige Hafenbucht und auf das Minas Basin genießen.
Felsen
Der heute „bedeutungslose“ Ort Walton hatte für viele Jahre eine große Bedeutung. Auch hier spielte der Schiffsbau Mitte der 1880er-Jahre eine besondere Rolle. Mehr als 25 Schiffe wurden in der Werft gebaut.
Bereits ab 1820 wurden Gips und Holz für die Zellstoffindustrie verladen. Aber das wichtigste Standbein war der Bergbau. Etwa vier Kilometer ins Landesinnere hinein förderte man von 1941-1978 u.a. Baryt (Bariumsulfat).
Baryt wird u.a. bei der Öl- und Gasförderung als Beimischung verwendet, um den Druck im Bohrloch zu erhöhen. Außerdem setzt man es als Füllstoff bei Farben und Kunststoffen, bei der Papierherstellung und selbst als Röntgen-Kontrastmittel ein.
Das Walton-Vorkommen (lesenswerte Seite ) zählte zu den größten Baryt-Vorkommen auf der Welt. Man förderte in Walton während der aktiven Jahre mehr als 4 Millionen Tonnen Baryt. Aber auch Blei, Zink, Silber und Kupfer wurden in nicht geringen Mengen abgebaut und verschifft.
Bereits 1944 wurden zwei große Silos gebaut, um den geförderten Baryt vor der Verschiffung zwischenzulagern. Sie stehen heute noch - gefüllt mit Baryt!
Lagertürme
Baryt-Lagertürme im ehemaligen Hafenbereich
Der Baryt-Kai wurde im August 2012 durch Brandstiftung zerstört
Eine Explosion im Jahr 1970 führte zum Eindringen riesiger Wassermassen in die Mine, die nicht mehr trockengelegt werden konnte. So musste man den Baryt-Abbau im Februar 1972 beenden, die Mine schließen. Das führte zur Abwanderung vieler Minenarbeiter und damit auch zur Schließung des Hafens.

Donnerstag, 24. Juli 2025

Burntcoat Head Park

Von Noel kommend mussten wir auf der Burntcoat Road für fünf Kilometer zum Burntcoat Head Park fahren.
Maitland, Noel sowie Burntcoat sind Orte in der Gemeinde Easthants, in der heute knapp 23.000 Menschen leben. Sie liegt an der Küste des Minas Basins, dem südöstlichen Teil der Bay of Fundy.
Den Landkreis Hants gibt es bereits seit 1781. Er ist heute in die beiden Gemeinden,  Easthants und Westhants, unterteilt. „Hants“ ist die alte Bezeichnung der englischen Grafschaft Hampshire. Dieser Landkreis hat eine sehr wechselvolle Geschichte der Besiedlung. Zunächst einmal wurden die hiesigen First Nation, die Mi:kmaq, vertrieben. Anschließend mussten die europäischen Erstbesiedler, die französischen Akadier, den Briten weichen. Ab 1760 wanderten englische Loyalisten, vor allem Plantagenbesitzer aus Rhode Island, in das „freigewordene“ Land ein. Schließlich folgten vertriebene Iren aus Europa.
„Easthants“ besitzt und betreibt den Burntcoat Head Park. Unter dem dazugehörigen Ort Burntcoat muss man sich eine Ansammlung von Einzelanwesen entlang der Straße vorstellen.
Zu dem Namen Burntcoat gibt es die Legende, dass ein hiesiger Bauer eine Pfeife in seinem Mantel vergaß und dieser dann Feuer fing. Das war wohl die Inspiration für die Namensgebung.
Schon im 35 Kilometer entfernten Fundy Tidal Interpretive Center ↗ am Shubenacadie River hatten wir erfahren, dass in diesem Bereich des Minas Basins bzw. in diesem Bereich der Bay of Fundy die Gezeiten die höchsten der Welt sind.
Am deutlichsten soll man das hier an der Küste am Felsen „Burntcoat Headbeobachten können.
Provincial Park
Kurz vor dem Felsen ist ein kleiner Park angelegt. Ein kurzer Rundweg führt den Besucher zunächst zu einem Leuchtturm-Nachbau von 1994. Der erste Leuchtturm in der Nähe wurde bereits 1857 errichtet, um Schiffe in die Cobequid Bay zu leiten. Dieser Turm wurde jedoch durch die Gezeiten verursacht vom Festland abgeschnitten und später durch einen Brand zerstört.
Leuchtturm
Ausblick
Blick aus der Laterne des Leuchtturms 
In dem Leuchtturm-Nachbau nach Originalplänen selbst findet man eine kleine Ausstellung zu einigen Persönlichkeiten, die in dieser Region früher gewirkt haben.
Anschließend erreicht man nach einigen Informationstafeln schließlich eine Treppe hinunter zum Strand, direkt am Felsen „Burntcoat Head“. Hier könnte man circa drei Stunden vor und nach der Ebbe, also insgesamt etwa sechs Stunden, auf dem Meeresboden spazieren gehen, der bei Flut viele Meter überflutet ist.
Insel
Die vorgelagerte Insel, freigespült duch Ebbe und Flut
Burncoat
Ein Blick nach rechts in die kleine Bucht
halbrechts
Ein Blick nach halblinks und das weit zurückgezogene Wasser
Blick nach links
Ein Blick nach links
Der hiesige Strandabschnitt ist berühmt für Schnecken, Muscheln und Schwämme, die man dort findet. Auch zahlreiche unterschiedliche Watvogel-Arten sind unterwegs.
Der Tidenhub zwischen Ebbe und Flut soll in diesem bereich im Durchschnitt siebzehn Meter betragen.
Da wir bereits die Hopewell Rocks in New Brunswick ↗ besucht hatten, waren wir allerdings vom Burntcoat Head Park ein wenig enttäuscht. Es gibt halt keine so spektakulären Felsformationen - dafür allerdings einen weiten und oft auch sehr steinigen Strand.