Samstag, 1. August 2026

Von Haines Junction nach Tok


Da wir die oben markierte Strecke von Haines Junction / Yukon Territory nach Tok / Alaska bereits in den Jahren 2018 und 2024 befuhren und ausführlich darüber berichteten, sollen hier nur einige wenige Eindrücke geschildert werden. Im Gesamten legten wir im Yukon Territory bis zur Grenze für diese Strecke 320 Kilometer auf dem Alaska Highway entlang des Kluane Lakes und durch die Orte Destruction Bay, Burwash Landing und Beaver Creek zurück. Nach dem Grenzübertritt in die USA waren es noch einmal 150 Kilometer bis nach Tok in Alaska.
berge
Nach unserem Start bogen wir nach etwas mehr als 100 Kilometern kurz vor dem Kluane Lake nach Silver City ab. Dieser Ort entstand Anfang des 20. Jahrhunderts im Rahmen der Goldrausch-Zeit, ist heute aber nur noch eine Geisterstadt mit wenigen verfallenen ehemaligen Blockhäusern.
kluane Lake
Der alte, der ursprüngliche Alaska Highway aus dem Jahr 1942/43  verlief durch Silver City.
old road
Ein Schild einer Tankstelle und zwei Straßenlampen sind hier die einzigen Übrigbleibsel einer ehemaligen Relaisstation am Alaska Highway, der Kluane Lake Lodge, die wegen der Begradigung des Highways und damit ihrer Umgehung bereits im Jahr 1975 schloss.
Gulf
Heute versuchen in unmittelbarer Nachbarschaft einige engagierte Menschen der Region neues Leben einzuhauchen. Dazu gehören Pauly Sias und Jady Hurlburt, die eine/n „Bakery/Coffee Shop“ in ihrer Black Sheep Trading Post betreiben - geöffnet freitags bis sonntags. Neben dem Café bieten die beiden Workshops zur Kultur ↗ der Kluane First Nation und haben Angebote für Wanderungen und Naturerlebnisse.
Cafe
Black Sheep Trading Post
Erwähnenswert wären für uns zwei Veränderungen, die wir im Ort Burwash Landing antrafen. Zum einen waren an der 1944 eröffneten katholischen Missionskirche „Lady of the Rosary Church“ , die wir vor zwei Jahren in einem ziemlich heruntergekommenen Zustand antrafen. Zwischenzeitlich wurden einige kleinere Renovierungsmaßnahmen durchgeführt.
Kirche
Die kath. Missionskirche in der Gründerzeit
Kirche
Die Kirche mit Wohn- und Schlafraum für den Priester - 2026
Zum zweiten wurde das zweistöckige Gebäude der ehemaligen Alaska Highway Lodge, „Burwash Landing Resort“, ursprünglich 1904 von den Brüdern Jacquot als Handelsposten gegründet, nach jahrelangem Leerstand in den Jahren 2025/26 endgültig abgerissen und komplett "entsorgt".
Resort
So stand das Gebäude noch im Jahr 2024
Leer
Der ehemalige Gebäudestandort am See - 2026
getrennt
holz
Getrennt sortiert
Während unserer Weiterfahrt mussten wir feststellen, dass der Belag des Highways immer schlechter wird. Bedingt durch den Permafrost (tauen / frieren) und den damit bedingten Bodenverschiebungen häufen sicht nicht nur die Bodenwellen im Straßenbelag, schlimmstenfalls bricht der Asphalt auf und tiefe Löcher sind zusätzlich die Folge.
Die Straßenmeisterei versucht die Löcher mit etwas Heißasphalt zu flicken, doch dies hält nicht lange. Großflächige Reparaturen werden nur mit einer dünnen Schicht Asphalt mit Schotter darüber getätigt. Der Schotter soll sich in den Asphalt eindrücken, doch die Bodenunebenheiten werden dadurch nicht ausgeglichen.
wasser
Zur Vorbereitung der Straßenreparatur wird oft versucht, den Schotterboden zu verdichten, einzuschlämmen. Eine Passage mit dem Auto durch solch eine Baustelle zieht zwangsläufig eine Autowäsche nach sich.
Allerdings auch nachdem man diese fertigen Streckenabschnitte in respektablem Abstand (wegen möglichem Steinschlag) zum Vordermann hinter sich gebracht hat.
staub
In Beaver Creek suchten wir wieder einen guten Bekannten auf, Sid van der Meer. Er kam 1960 aus den Niederlanden in das Yukon Territory - und blieb. Er sammelte im Laufe der Jahrzehnte vieles aus dem Bereich "Alaska Highway" und betreibt ein eigenes kleines Museum, was er uns auch dieses Jahr wieder gerne zeigte - insbesonders die "Neuzugänge". Neben vielen anderen Leidenschaften gehört zu ihm das Sammeln von ALTEN Autos. Wenn diese nicht mehr fahrbereit sind, macht er sie fahrtüchtig und poliert außerdem noch ihr Äußeres und das Innere auf.
auto
fahrbereit
rot
Seine neueste Errungenschaft: ein klassischer viertüriger Mercury Eight Sedan (Baujahr ca. 1939), hier mit geöffneter Motorhaube, da die Batterie gerade geladen wurde.
Dieses Fahrzeug zeichnet sich durch geschwungene Kotflügel, Weißwandreifen und das typische Vorkriegs-Design der Ford-Luxusmarke aus.
Übrigens: ALLE seine Fahrzeuge sind fahrbereit. So ist es nicht verwunderlich, wenn der 89jährige Sid van der Meer während des Sommerhalbjahres täglich mit einem anderen Fahrzeug zu seiner Arbeitsstelle in das "Visitor Information Center" ↗ in Beaver Creek fährt.
Sid and Jo 
Auch in diesem Jahr waren wir während der gesamten Fahrt erneut von der bergigen, abwechslungsreichen und beeindruckend weiten Landschaft begeistert.
Berge
Berge

Freitag, 31. Juli 2026

Weiter auf dem Highway

Nach einem längeren Aufenthalt in Haines / Alaska fuhren wir bei wechselhaftem Wetter wieder zurück nach Haines Junction, um von dort weiter auf dem Alaska Highway gen Norden zu fahren.
Regen
Regenschauer kurz vor Haines Junction
Wir verbrachten dann in der Region "Kluane Lake" erneut einige Tage und nutzten sie u.a., um weitere Informationen für das nachfolgende Projekt zu sammeln.

Donnerstag, 30. Juli 2026

Sheldon Museum in Haines

Wir besuchten das Sheldon Museum ↗ in Haines direkt am Hafen in der Main Street gelegen.
Das kleine, aber hervorragend organisierte Museum verdankt seine Existenz der Sammelleidenschaft des Ingenieurs, Geschäftsmanns und US-Marshals für Haines und Skagway, Stephen Sheldon (1885 – 1960), dessen Töchter Harriet und Elisabeth die von ihm und seiner Ehefrau Elisabeth über fünf Jahrzehnte zusammengetragene Sammlung seiner „historischen, kulturellen und vor allem indigenen Schätze“ der Stadt Haines stifteten. Die Sheldon-Sammlung ist das Kernstück des Museums, zusätzlich wurden in den letzten Jahren weitere Artefakte gespendet bzw. zugekauft.
Wir mussten zur Ausstellung die Treppe hinauf in die Main Gallery steigen und waren dort begeistert von der guten thematischen und chronologischen Präsentation in dem gar nicht so großen Raum.
Tlingit
Der Lebensraum der Tlingit 1879
Tlingit
Frühe Handelsrouten ins Landesinnere
Am Eingang wird schwerpunktmäßig das Leben und die Kultur der ersten Bewohner dieser Region gezeigt, den Tlingit First Nation. Wir konnten dort einige besondere Stücke bestaunen wie etwa eine umfangreiche Sammlung von Chilkat-Decken, Einbaum-Kanus und Waffen, moderne (Kriegs-) Masken, zahlreiche kleinere Freundschaftspfähle und weitere Clan-Objekte.
Maske
Decke
Handgewebte Chilkat Decke
Weiter geht es mit der Präsentation der Wandlung der von der Lebensweise der Tlingit bestimmten Region zum heutigen Ort Haines – zunächst beginnend mit einer Darstellung der Entdeckung Alaskas im Jahr 1741 durch sie Seefahrer Vitus Bering (1681-1741) und Aleksei Chirikov (1703-1748) gefolgt von einer längeren Phase, in der der Pelzhandel (Robben, Otter) im Vordergrund stand, und der russischen Kolonialzeit.
Pelzhandel
Pelzhandel
Pelzhandel

1867 erfolgte dann der Verkauf Alaskas an die USA.
Wesentliche Veränderungen fanden in den folgenden Jahrzehnten einmal durch die Gründung von Missionsstationen und durch die Folgen des Klondike- Goldrausches statt. Hierzu konnten wir eine Vielfalt von Informationen „studieren“.
Haines

Das letzte Jahrhundert wurde schwerpunktmäßig mit vielen Artefakten zum hiesigen Fort Seward und zum Bau des Alaska Highways dargestellt. Haines wurde nach dem zweiten Weltkrieg wesentlich durch den Kauf von Fort Seward durch ehemalige Veteranen und ihre angestrebten Veränderungen für den Ort bestimmt. Auch zu dieser Ortsgeschichte wurden viele Bilder aus der damaligen Zeit und weitere Exponate gezeigt.
Fort

Neben der Main Gallery konnten wir im Obergeschoss noch einen kurzen Blick in die Hakkinen-Gallery werden, benannt nach einer Tochter von Stephen Sheldon. Hier zeigen lokale Künstler ihre Bilder in wechselnden Ausstellungen.
Gemälde
Gemälde in der Ausstellung der Hakkinen-Galerie

Sonntag, 26. Juli 2026

Ausflüge von Haines zum Chilkoot- und Chilkat River

Der Küstenort Haines wird von zwei Flüssen dominiert. Im Nordosten handelt es sich um den Chilkoot River, im Nordwesten um den Chilkat-River ↗. Entlang beider Flüsse unternahmen wir Ausflüge.
Haines

Zunächst fuhren wir auf der Lutak Road in Richtung Chilkoot River. Die Straße schlängelt sich entlang des Lutak Inlet (Tlingit-Sprache: „Reichtum an Nahrung“), einem 9 Kilometer langen Fjord am nördlichen Ende des Lynn Canals. In diesen Fjord mündet der 32 Kilometer lange Chilkoot River, der in den Coast Mountains entspringt und danach in den und wieder aus dem Chilkoot Lake (Fläche: 6,9 km²) fließt.
Blick von der Lutak Road Richtung Chilkoot Inlet / Pazifik.

Haines liegt im Bild ganz rechts. Mitten im Hügel (halbrechts) kann man den Erdrutsch sehen, der weiter unten beschrieben wird. Unsere Fahrt ging weiter Richtung links.

Der untere Abschnitt des Flusses bis zur Einmündung in den Fjord ist nur noch knapp 2,5 Kilometer lang. Der Name „Chilkoot“ bezeichnet einen Stamm der Tlingit First Nation und bedeutet „Ohne Lagerhaus“, weil sie zu früheren Zeiten gefangenen Fisch direkt im Schnee lagerten. Nach den „Chilkoot“ sind Fluss und See benannt.
Oberlauf
fluss
Oberlauf
Der wildromantische Fluss und der See sind für Tierbeobachtungen bekannt, weil hier von Juli bis Oktober bedingt durch die Lachswanderungen sowohl Weißkopfseeadler als auch Bären zu beobachten sind. Wir sahen leider keine Bären, dafür aber etliche Adler und die „mutigen“ Lachs-Angler, die mitten zwischen den größeren Felsblöcken im Fluss standen.
Adler
Zeichnung unserer Enkelin
Unser Ausflug Richtung Südwesten führte uns zunächst entlang der Beach Road. Dort schauten wir uns die Überreste der „Beach Road Landslide“ von 2020 an, als damals nach tagelangem starkem Regen ein Erdrutsch zur Zerstörung mehrerer Häuser und der Straße führte. Auch zwei Todesopfer waren zu beklagen. Man könnte auf dieser Straße bis zum „battery point“ vorfahren, von dem man dann auf einem 3 Kilometer langen Wanderweg bis zum Ende des Festlandes laufen könnte. Wir entschieden uns, diese Fahrt aufgrund der immer noch schlechten Straßenverhältnisse jedoch nicht zu unternehmen.
Landslide
Landslide
Dafür bogen wir am oberen Ende der Beach Road auf die Mud Bay Road (klingt auch nicht verheißungsvoll) ab, die wir über 14 Kilometer bis zum Ende der Chilkat-Halbinsel befuhren. Diese Straße führt zunächst ein kurzes Stück entlang des über 84 Kilometer langen Chilkat Rivers, der am Chilkat Gletscher entspringt und in die Chilkat Bucht (Chilkat Inlet) mündet.
Danach befährt man die Mud Bay Road entlang dem 26 Kilometer langen Chilkat Inlet; diese Bucht wiederum ist das Nordwest-Ende des Lynn Canals. „Chilkat“, der Namensgeber von Fluss, Bucht und Gebirge, leitet sich vom Stamm „Chilkat“ der Tlingit First Nations ab und bedeutet „Bewahrer der Lachse“.
Cannerie
Ehemalige Konservenfabrik rechts
Besonders interessant fanden wir auf der Strecke die Haines Packing Company ↗, eine 1917 ursprünglich als Konservenfabrik (Cannery) gegründete fischverarbeitende Firma. Sie stellen heute keine Konserven mehr her, verarbeiten aber den in den umliegenden Gewässern von einer eigenständigen Fischerflotte gefangenen Fisch, überwiegend Heilbutt, Lachs und Krabben.
Krabbenfischer
Krabbenfischer
Dieses fischverarbeitende Unternehmen friert i.d.R. den frisch gefangenen Fisch und die Krabben gleich ein und beliefert nicht nur Haines in Alaska, sondern auch Whitehorse im Yukon Territory und Palm Springs in Kalifornien.
Cannerie
Canneries
Früher existierten in der Region zahlreiche fischverarbeitende Konservenfabriken. Die Verarbeitung und Verpackung hat sich im Laufe der Jahre geändert!
Foto: Sheldon-Museum / Haines (Alaska).

Im Bereich der Fischfabrik hielten sich übrigens wieder viele Weißkopf-Seeadler auf und warteten auf "Fischabfälle".
Adler
Die Straße wurde enger und führte uns durch dichten Wald. Rechts und links sahen wir viele verfallene Hütten, die früher einmal während der Fischfangsaison den Fischern als vorübergehende Unterkunft gedient hatten.
Straße.
Dort, wo die Straße in einem Wendehammer endet, hatten wir diesen Blick auf die schnee- und gletscherbedeckten Berge.
ende
Gletscher
Die Gletscherwelt ein bisschen herangezoomt.