Dienstag, 21. Juli 2026

Die Haines Road

... oder der Haines Highway


Offiziell wird die Straße, die wir von Haines Junction im Yukon Territory über gut 240 Kilometer bis nach Haines in Alaska nutzen wollten, als Haines Highway #7 bezeichnet; die Einheimischen nennen die Straße aber immer noch die Haines Road. Die Kilometer für diese Straße werden normalerweise ab Haines mit Kilometer 0 und bis Haines Junction mit Kilometer 246 angegeben.
Die Haines Road wurde erst 1943 als militärische Versorgungsstraße gebaut, verläuft aber entlang einer Strecke, die über Jahrhunderte von den First Nation als Handelsweg genutzt wurde. Ab 1892 erkundete der Pionier und Transportunternehmer Jack Dalton (1856-1944) diesen Handelsweg genauer,  errichtete feste Stationen und baute ihn von Haines bis nach Champagne so aus, dass er ihn ab dem Klondike-Goldrausch als Mautstraße nutzen konnte. Der Weg erhielt den Namen Dalton Trail und ist auch heute noch teilweise in der Haines Road integriert.
Wir starteten ab Haines Junction (KM 246) über die zwei Brücken, die über den Dezadeash River (KM 245) führen, passierten nach neun Kilometern den Parkplatz (KM 239), den man nutzen kann, wenn man den Auriol Rundwanderweg laufen möchte und erreichten nach 28 Kilometern den Kathleen Lake, der zehn Kilometer lang und sieben Kilometer breit ist und eine Fläche von fast 3.400 Hektar hat.
Einen ersten Blick auf den Kathleen Lake konnten wir bereits fünf Kilometer vorher vom Haines Highway aus genießen (KM 226). 
see
Das obige Bild zeigt den Kathleen Lake vom Highway aus. Wenn man ihn besser sehen möchte, muss man vom Highway abfahren. Dann hat man allerdings dieses Panorama vor sich:
Kathleen Lake
Wenn man dann noch in die Bildmitte hineinzoomt - sieht man die schneebedeckten Berge und Gletscher, in deren Region wir erst in gut zwei Wochen fahren werden.
schnee
Direkt hinter dem See erhebt sich der King’s Throne Peak (Höhe: 1.990 Meter), der uns an diesem zunächst sonnigen Tag mit einem traumhaften Panoramablick beschenkte. Ein Polizist der North-West Mounted Police, William Hume (1868-1950), benannte den See um 1900 nach seiner ehemaligen Geliebten in Schottland.
Übrigens befindet sich direkt hinter dem Kathleen Lake ein weiterer See, der Lake Louise, der natürlich nichts mit dem in den Rocky Mountains bei Banff zu tun hat.
Vierzehn Kilometer weiter erreichten wir den Parkplatz (KM 202), der zu einer Wanderung zum sogenannten Rock Glacier (Felsengletscher) einlädt. Die Distanz zur Aussichtsplattform beträgt nur 800 Meter, aber man muss recht steil bergauf steigen.
Am Rock Glacier befindet sich auf einer längeren Strecke ein Gemisch aus Felsen und Geröll, das durch tieferliegendes Permafrost-Eis zusammengehalten wird.
Allerdings bewegt sich diese Geröllmasse im Laufe der Zeit minimal und zähflüssig bergab, oft nur wenige Zentimeter im Jahr. Gewissermaßen verhält sich diese „Gesteinslawine“ wie ein Gletscher mit dem Unterschied, dass das Eis von Geröll bedeckt ist.
zum trail
Schuhe
Durch das nasse z.T. moorig sumpfige Gebiet in den Niederungen führt ein Holzsteg, doch danach führt der Pfad über loses Gestein weiter hinauf.
Weg
Steingletscher
Der Felsen-Gletscher in der Bildmitte
Gletscher
Auf der weiteren Fahrt konnten wir auf der linken Seite den recht großen Dezadeash Lake sehen (Länge: 19,5 Kilometer, Breite: 7 Kilometer, Fläche: etwa 89 km²).
Lake
Nach 64 Kilometern (KM 182) fuhren wir vom Highway zum Klukshu Village ab, einem Sommerdorf der First Nations. Dieser Ort wird auch heute noch von den Champagne und den Aishihik als Fisch-Camp für den Lachsfang genutzt.
village
Lachs
fischfang
trocknen
hütten
huetten
huetten
schuppen
baer
Im folgenden Straßenabschnitt zweigten mehrmals kürzere und längere Wanderwege ab, bis wir nach achtzehn Kilometer die nach links abbiegende Schotterstraße erreichten (KM 164), die nach fünf Kilometern zu einigen Relikten der ehemaligen „Dalton Post“ führt. Die Straße war so schlecht, dass wir uns gegen diesen Abstecher entschieden.
Fünf Kilometer weiter (KM 159) folgte eine beeindruckende Naturerscheinung – hier fuhren wir über eine kurze Schotterstraße zum „Million Dollar Falls Campground“ direkt am Takhanne River, um von dort zur Aussichtsplattform auf die Wasserfälle, den „One Million Dollar Falls“, zu gehen. Der lustige Name entstand über ein Gerücht aus den 1940er Jahren. Damals befand sich dort ein Bau-Camp der U.S.Army mit einer angeblich sehr luxuriösen Bade-Baracke mit 21 Toiletten. Die Errichtung der Baracke sollte angeblich eine Million Dollar gekostet haben und wurde fast nie genutzt. Die Baracke ist verschwunden, das Gerücht und der Name sind geblieben.
Wir fanden die Wasserfälle sehr beeindruckend. Der Takhanne River stürzt hier durch eine enge Schlucht 60 Meter in die Tiefe.
Nach weiteren sechs Kilometern (KM 145) verließen wir das Yukon Territory und erreichten die Provinz British Columbia. Danach folgten wieder zahlreiche kleinere Aussichtspunkte und viele Abzweigungen zu Wanderwegen entlang verschiedenen kleiner Flüsse und es ging immer höher. Die Landschaft hier wird als alpine Tundra bezeichnet. Es gab kaum noch Bäume, dafür aber moosreiche, sumpfige Feuchtgebiete und karge, sandige Weiten.
sumpf
weite
tundra
Nach weiteren 60 Kilometern erreichten wir endlich den höchsten Punkt der Haines Road, den Summit (KM 102) bzw. den Chilkat Pass, mit einer Höhe von 1.070 Metern. Hier oben befindet sich die geografische Trennlinie zwischen den Elias Mountains und den Coast Mountains, gleichzeitig ist hier oben die Wasserscheide für die hiesigen Flusssysteme zu finden.
rv
top
abwärts
Bald nach dem Chilkat Pass (ab KM 91) erblickten wir die Three Guardsmen, eine markante Berggruppe aus Felsnadeln und felsigen Gipfeln. Aufgrund ihres trutzigen Aussehens haben sie die Menschen schon immer an eine Gruppe von Wächtern (guards) erinnert. Der höchste Gipfel (Glave Peak) erreicht eine Höhe von 1.920 Metern. Das hiesige Berggebiet wird auch „rainy hollow“ genannt und ist ein historischer Bergbaudistrikt, in dem vor allem nach Kupfer geschürft wurde.
berge
top
lake
links der "guardsmen-lake"
Interessant war auch, dass diese doch hohen Berge oft nur aus Sand und Geröll bestehen und mit jedem neuen Niederschlag, jeder Schneeschmelze weiter ausgewaschen werden.
sand
dunkle wolken
Nun mussten wir noch einmal weitere 55 Kilometer durch die Bergwelt auf der Haines Road bewältigen bis wir endlich mit dem Pleasant Camp (KM 40) die kanadisch-amerikanische Grenze erreichten. Die amerikanische Seite wird auch „Dalton Cache“ genannt.
Alaska
Die restliche Strecke über vierzig Kilometer von der kanadisch-amerikanischen Grenze bis nach Haines beschreiben wir in einem weiteren Bericht, weil sich an dieser Strecke, die entlang des Chilkoot Rivers führt und die auch die „Tal der Adler“- Straße genannt wird, zahlreiche touristische Punkte befinden, die wir von Haines aus startend gesondert besucht hatten.
wolken

Tief hingen die Wolken bei kühlen Temperaturen, als wir nach gut 240 Kilometern auf der Haines Road den Ort Haines in Alaska erreichten.
Haines Road

Samstag, 18. Juli 2026

Haines Junction und seine Kirchen

kurz vor Haines Junction
Kurz vor Haines Junction
HJ
Welcome to Haines Junction
An der Historic Mile 1016 des Alaska Highways befindet sich der Ort Haines Junction, direkt am Kreuzungspunkt des Alaska Highways und des Haines Highways gelegen. Westlich des Ortes erheben sich die gewaltigen, schneebedeckten Gipfel der St. Elias Mountains, dem Zentralgebirge des Kluane Nationalparks.
Haines Junction nennt sich dementsprechend auch „Tor zum Kluane Nationalpark“. Der „Tutchone“-Name des Ortes ist „Dakwakada“, was „hohes Lager / hohes Versteck“ bedeutet. Gleichzeitig kreuzten sich hier verschiedene Handelswege der First Nation. Heute ist Haines Junction der Verwaltungsort der Champagne und der Aishinik First Nations. Sie stellen etwa die Hälfte der Bevölkerung des Ortes, die insgesamt mit um die 850 Bewohner angegeben wird.
Am Ortseingang lädt das Kulturzentrum der First Nation, das Da Ky Culture Center (eröffnet 2012), zu einem informativen Besuch über die Lebensweise der Champagne und der Aishinik ein. Im Gebäude ist außerdem das Besucherzentrum für den Kluane Nationalpark untergebracht, das mit vielen Modellen und Medien über die Landschaft und die Natur der Kluane Ranges (Bergketten) und den Kluane Lake informiert.
Der heutige Ort Haines Junction entstand erst ab 1950 aus einem ehemaligen Versorgungs- und Bau-Camp des U.S.-Militärs aus dem Jahr 1942. Das Camp lag direkt am Ufer des hiesigen Dezadeash Rivers (Länge: 150 km), der im Dezadeash Lake entspringt, sich zwanzig Kilometer nach Haines Junction mit dem Kaskawulch River zum Alsek River vereint und in den Pazifik fließt.
Die wesentliche Bedeutung von Haines Junction ist in der Versorgung für die Durchfahrenden (Tanken, Essen, Schlafen) zu sehen und bietet ansonsten wenig Sehenswertes – außer natürlich der phänomenalen landschaftlichen Umgebung. 
Nett anzusehen in Haines Junction selbst ist ein über sieben Meter hohes Kunstwerk (1988 erbaut) in der Ortsmitte, das den offiziellen Namen „Village Monument“ trägt, von den Einheimischen aber lustigerweise als „The Animal Cupcake“ oder „The Muffin“ bezeichnet wird. Es zeigt einen Berghügel mit Wildtieren aus der Region. Entworfen wurde es von dem Künstler Chris Caldwell (*1958), der in Whitehorse lebt und für seine Bücher und Gemälde über den Norden Kanadas bekannt ist.
Muffin
Denkmal in Haines Junction
Desweiteren sind zwei Kirchen in Haines Junction sehr interessant. Die eine ist die St. Christopher’s Anglican Church, eine sogenannte „Log-Church“. Dies bedeutet, dass sie komplett aus Vollholz-Rundstämmen besteht.
church
kirche
St. Christopher´s Church in Haines Hunction
Nachdem das vorherige Kirchengebäude baufällig geworden war, erstellten lokale Handwerker in Eigenhilfe von 1987 bis 1991 diese interessante „Blockhütten-Kirche“ und verwendeten dabei einen völlig ungewöhnlichen achteckigen Grundriss.
Ein Stückchen weiter den Alaska Highway Richtung Whitehorse hinauf steht die zweite interessante Kirche. Es handelt sich um die katholische Kirche „Our Lady of the Way“. Die Kirche ist eine umgebaute Quonset-Hütte.
Our Lady of the Way
Our Lady of the Way
Our Lady of the Way
Nebengebäude und outhouse hinter der Kirche
"Our Lady of the Way"
Ursprünglich diente die Wellblechhütte bereits ab 1942 Soldaten der US-Armee während des Baus des Alaska Highways als Unterkunft. Im Jahr 1954 wurde sie dann zur eigentlichen Kirche umgebaut, u.a. wurden ein Turm und Fenster hinzugefügt. Quonset-Hütten sind Halbkreis- Bogenhallen aus Wellblech, gewissermaßen halbe Zylinder, die nach ihrem ersten Herstellungsort in Quonset Point / Rhode Island benannt wurden.
Our Lady of the Way
Blick vom Eingang Richtung Alter
Our Lady of the Way
Blick auf den Eingangsbereich der Kirche
"Our Lady of the Way"
1954 kamen zwei Patres der katholischen Ordensgemeinschaft der „Oblaten der Unbefleckten Jungfrau Maria“, Pater E. Morisset und Pater F. VanRooy, auf die Idee, die Quonset-Hütte als ein Gottesdienstgebäude zu nutzen. Mit freiwilligen Helfern aus dem Highway Maintenance Camp in Haines Junction wurde die Hütte zunächst der Länge nach halbiert und zwischen den beiden Hälften wurden Fenster eingesetzt und es wurde ein Turm hinzugefügt. Die Inneneinrichtung (Bänke) und beispielsweise die Kirchenglocke sind Spenden von Gemeinden benachbarter Städte, wie aus Haines in Alaska oder aus Elsa, einer aufgegebenen Bergarbeiterstadt im Nordosten des Yukon Territory. Wenn man in dem außergewöhnlichen Kirchlein sitzt, spürt man die Einmaligkeit dieses Ortes und man fühlt sich wohl. Natürlich haben nur wenige Besucher Platz, aber auch heute können sie hier an Gottesdiensten teilnehmen oder der Kirche einen kleinen Besuch abstatten.

Unseren Besuch in Haines Junction im Jahr 2024 mit weiteren Bildern findet man hier.

Freitag, 17. Juli 2026

Ausflug zu den Otter Falls

An der Historic Mile 995 des Alaska Highways zweigt in nördlicher Richtung die Aishihik Lake Road ab. Es handelt sich um eine nicht asphaltierte Schotterstraße, die nach etwa 120 Kilometern die kleine Siedlung Aishihik erreicht.
kein service
Da wir den Otter Falls am Aishihik River einen Besuch abstatten wollten, befuhren wir diese Straße allerdings nur für dreißig Kilometer und waren für das trockene sonnige Wetter sehr dankbar, weil wir diese Straße mit dem Wohnmobil bei nassem Wetter und stellenweise dann matschiger Straße nicht hätten befahren können. Außerdem wird die an die Otter Falls anschließende Straßenstrecke immer schlechter, die Schlaglöcher und Bodenwellen nehmen zu und bei Regenwetter hat man nahezu keine Bodenhaftung mehr. Andererseits ist die Landschaft unbeschreiblich schön. 
weite
Der Aishihik River
schotterstraße
Dieser Schotterstraße galt es zu folgen.
Nach kurzer Zeit schlängelt sich sie Straße malerisch durch eine unberührte Wildnis und in der Ferne ragen zahlreiche schneebedeckte Berge auf. Unendliche Wälder und zuweilen ein kleinerer Sumpfbereich erstrecken sich endlos bis zum Horizont. Ansonsten durchfuhren wir dichte Wälder.
schotterstrasse
brücke
Es galt kleinere Brücken zu überqueren,
Bruecke
bruecke
ehe man in zunehmend welligem Gelände "leicht" immer wieder bergauf fahren musste.
berghoch
hoch
Schließlich erreichten wir die Otter Falls, die in früheren Zeiten kanadaweit bekannt waren, weil ein Bild von ihnen ab 1954 die Rückseite des kanadischen 5-Dollar-Scheines zierte. 
5$
Die imposanten Otter Falls haben allerdings seit 1975 ihre ursprüngliche Erscheinung verloren. Damals wurde im Auftrag der Regierung des Yukon Territory ein Wasserkraftwerk erbaut, dass den Aishihik River als Kraftquelle nutzte und damit die Otter Falls aufgrund der Umleitung der ursprünglichen Wassermassen zu einem nur noch recht kleinen Wasserfall werden ließ. Betrieben wird das Wasserkraftwerk heute von Yukon Energy Corporation.
Wasserfall
Am Fuß des Wasserfalls
Wasserfall
Der Wasserfall zwischen den Steinen
Der Wasserfall
Der Wasserfall mit seinem (geringen) Ablauf
Der etwa 40 Kilometer lange Aishihik River entwässert den Aishihik Lake (Länge: 55 km, Breite: 6 km, Fläche: 145 km²) und mündet über den Dezadeash River in den wild fließenden Alsek River, der in den Pazifik fließt. 
stausee
Der Canyon Lake
Das Aishihik Wasserkraftwerk (Aishihik Generation Station) nutzt einen Kanal, in dem Wasser aus dem Aishihik Lake, dann über den Canyon Lake über einen Kilometer mit einem größeren Gefälle abgeleitet wird und so mehrere Turbinen in einem unterirdischen Krafthaus antreibt. Diese Turbinen erzeugen fast ein Viertel der im Yukon benötigten Strommenge (37 Megawatt). Durch den Kanal ist die ursprüngliche Fließkraft des Aishihik Rivers bis zu den Otter Falls im Vergleich zu früher abgeschwächt. Trotzdem sind die Otter Falls auch heute noch malerisch - und einsam!
regulierung
In der Mitte des Bildes befindet sich die Überlauf-Regulierung des Sees. Vorrang hat - wegen der Stromgewinnung - natürlich der Zufluß zu den Turbinen. Erst ein Überschuss an Wasser wird über den Wasserfall entwässert. Dieser kann somit mal mehr bzw. mal weniger Wasser führen.

Hinter den Otter Falls befindet sich eine kleine "Day Use Recreation Site", von der man Boote in den hiesigen Canyon Lake lassen kann (slippen). Der Canyon Lake schließt südlich an den Aishihik Lake an.
otter falls
Hinweisschild für die Raststation am See
Unsere Rückfahrt erwies sich erneut als sehr beeindruckend, weil uns die Umgebung durch die veränderten Lichtverhältnisse ganz andere Eindrücke als auf der Hinfahrt vermittelte.