Samstag, 4. Juli 2026

Die Wüste von Carcross

Da wir Carcross früh erreichten, blieb noch Zeit für einen kleinen Abstecher zu den „Dünen“ von Carcross, auch „Carcross Desert“ (Wüste) genannt, die in Carcross selbst als kleinste Wüste der Welt bezeichnet wird.
Wueste
Obwohl wir uns in der "Wüste" befinden,
liegt auf den nahen Bergen frisch gefallener Schnee
Wueste
Die Dünen sind Überreste der letzten Eiszeit (115.000 bis 12.000 v. Chr.), als sich im Yukon durch die
Gletscherschmelze große Seen bildeten, die schließlich austrockneten. Der getrocknet Schlamm und Sedimente dieser Seen wurden als sandige Dünen verweht. Durch die weiterhin ständig wehenden starken Winde bleiben diese Dünen in Bewegung und unbewachsen.

Über die "Carcross Desert" und den folgenden "Emerald-Lake" kann man Details auch in unserem Artikel aus der Reise im Jahr 2018 nachlesen.

Ein Rundgang im historischen Atlin

Zur Geschichte des Ortes Atlin kann man ein kleines, aber feines Museum besuchen, das im ehemaligen, 1902 erbauten Schulhaus des Ortes von der Historical Society of Atlin betrieben wird. Im Außenbereich befindet sich eine umfangreiche zusätzliche Ausstellung mit vielen originalen Erinnerungsstücken zur Zeit des Goldrausches und dem frühem Tourismus.
Museum
Heute Museum - früher Schulhaus
Bei einem Rundgang durch den Ort stößt man auf viele interessante, historische Gebäude. Solche, die aus ganz frühen Zeiten stammen und verfallen sind ...
verfallen
und auf solche, die noch sporadisch genutzt werden.
sporadische Nutzung
sporadische Nutzung
Das ehemalige Pillmann´s Haus - liebevoll restauriert
(Theaterbesitzer, Kaufmann und Bestatter)
Es kann heute gemietet werden: siehe hier
Die bunten Fassaden vieler Gebäude und viele originell gestaltete Eingangsbereiche laden tatsächlich zu einem gemütlichen Spaziergang durch das historische Atlin ein.
Atlin
Spruchwand
Spruch an der Hauswand

May the stars carry your sadness away,
May the flowers fill your heart with beauty,
May hope forever wipe away your tears,
And, above all, may silence make you strong.
Chief Dan George

Chief Dan George (1988 - 1981) war ein berühmter Anführer, Schauspieler, Autor und Aktivist der Tsleil-Waututh Nation aus Kanada.
Bei einem Rundgang durch den Ort trifft man dabei auf etliche Gebäude, die vor über hundert Jahren auf Rollen oder im Winter auf Kufen von „Discovery“ nach Atlin transportierten wurden.
Vor jedem der alten Häuser informiert eine Tafel über ihre jeweilige Geschichte.
Dazu gehört etwa das „Discovery Jail“. 
Es wurde 1902 in der nahegelegenen Goldgräbersiedlung Discovery mit zwei Zellen erbaut. Die Baukosten beliefen sich auf etwa 800 US-Dollar, und die Wände bestanden aus flach verlegten 66 cm dicken Kanthölzern, wodurch sehr stabile Wände entstanden. Als Discovery in den 1920er Jahren an Bedeutung verlor, wurde das Gefängnis nach Atlin verlegt. Nach dem Umzug diente es viele Jahre als Privathaus, bevor es unter Denkmalschutz gestellt wurde.
Gefängnis
Gefängnis
Oder das Juweliergeschäft von dem aus der Schweiz stammenden Jules Eggert, der 1988 nach Atlin kam. Als der Ort Discovery verlassen wurde, wurde das historische Gebäude des Juweliergeschäfts in den 1920er Jahren nach Atlin verlegt.
Jewellery
Jewellery
Im Jahr 1921 installierte Eggert eine öffentliche Uhr vor seinem Laden, die heute noch als eine historische Sehenswürdigkeit in Atlin gilt.
Uhr von 1921
Uhr von Eggert aus dem Jahr 1921
Besonders interessant ist die Geschichte des „Globe Theatre“, 1917 von Edwin Pillman als Lichtspielhaus erbaut, nachdem ein Brand einen Großteil des Stadtkerns verwüstet hatte.
Edwin Pillman war nicht nur ein angesehener Kaufmann des Ortes, sondern auch der Bestatter und Kinobetreiber. Anfang der 1940er-Jahre verließ Pillman den Ort, was die Schließung des Globe Hotels bedeutete.
Vor dem Restaurierungsbeginn (1995 - 1998) war das Globe Theatre dem Verfall preisgegeben und die Witterungseinflüsse waren deutlich sichtbar. Dank der Historical Society und der tatkräftigen Hilfe vieler Einwohner konnten diese am 01. August 1998 nicht nur das 100-jähige Bestehen des Ortes feiern, sondern auch die Wiedereröffnung des Theaters.
Theater
Theater
Der Laden von Edwin Pillmann. Er war nicht nur Theaterbesitzer, sondern eigentlich der Lebensmittelhändler des Ortes und zusätzlich noch Bestatter.Viele beklagten sich, das er oft den Wagen, der er gewöhnlich für den Lebensmittettransport verwendete, auch für den Transport der Leichen benutzte.
Pillmann
Der alte staatliche Spirituosenladen in Atlin war viel mehr als nur ein Ort, an dem man Alkohol kaufen konnte - er war eines der Wahrzeichen der Gemeinde, das 1931 errichtet wurde. Zu dieser Zeit baute Britisch Kolumbien nach dem Ende der Prohibition das staatliche Spirituosenhandelsnetz aus. Er war damit einer der nördlichsten staatlichen Spirituosenläden in B. C. und für die Einwohner, Bergleute, Fallensteller, Ausrüster aber auch Touristen gleichermaßen wichtig. 
1999 schloss die Provinzregierung den Laden, was insbesondere den Anwohnern auf heftigen Widerstand stieß
Der Alkoholverkauf in Atlin erfolgte schließlich über den örtlichen Gemischtwarenladen.
Liquor store
Schnapsladen
Das John W. Noland House ist ebenfalls eines der historischen Häuser von Atlin. Noland war nachweislich ab 1914 ein bedeutender Goldwäscher und späterer Unternehmerin der Atlin-Region;  Noland betrieb am Spruce Creek seine eigene "Seifengold"-Mine mit zeitweise 50 Beschäftigten und versuchte so, aus alten Bachkiesablagerungen Gold zu gewinnen.
Während Mitte des 20. Jahrhunderts schlossen viele Betriebe, da die leicht zugänglichen Goldvorkommen weitgehend erschöpft waren. Nolands Grundstücke am Spruce Creek hingegen blieben nicht nur historisch bedeutsam, sondern spätere Betreiber bearbeiteten weiterhin Teile des mit seinen Pachtverträgen verbundenen Geländes.

Nolans Haus
John Garrett war ursprünglich ein englischer Cricketspieler und kam um 1910 nach Atlin, um nach Gold zu suchen.
Der Garrett Store ist ebenfalls ein historisches Gebäude in Atlin, das 1917 von John und Mary Garret erbaut wurde, nachdem der ursprünfliche Ortskern durch ein Feuer zerstört worden war. Das Gebäude diente bis 1941 als Gemischtwarenladen, in dem Lebensmittel, Textilien, Pelze und die Backwaren von Mrs. Garrett verkauft wurden. 
Nach längerem Leerstand wurde es saisonal (1998–2004) als Ausstellungsort für lokale Künstler, Kunsthandwerker und Autoren wieder eröffnet. Das Gebäude ist weitgehend im Originalzustand erhalten geblieben, mit originalen Holzarbeiten und historischen Inneneinrichtungen.
Bemerkenswert ist, das das Gebäude aus Douglasienholz errichtet wurde; viele originale Elemente wie Regale, Böden und Holzarbeiten sind erhalten geblieben. Das Holz musste damals über eine lange Transportroute über die Küste, Skagway, die White Pass Railway und anschließend per Boot nach Atlin gebracht werden.
Der obere Bereich der Frontseite besteht aus Metallplatten, die in Steinoptik gepresst sind.
Garret Store
Garret store
Garret store
Garret store
Als nach dem Goldfund am Pine Creek 1898 Tausende Menschen nach Atlin kamen, fehlte es an medizinischer Versorgung. Zwei Missionskrankenschwestern, Helen Bone und Elizabeth Mittchell, kamen 1899 nach Atlin.
Die Bewohner von Atlin waren für ihre Arbeit dankbar und errichteten 1902 ein eigenes Wohnhaus für die beiden Krankenschwestern. Eine historische Tafel am Gebäude erinnert daran, dass die Einwohner („Grateful Atlinites“) dieses Haus für ihre ersten Missionskrankenschwestern bauten.

Nurses residence
Nurse residence
Ein ganz besonderes Gebäude in Atlin ist "DIE PYRAMIDE" .  
Sie gehört eigentlich nicht zum historischen Atlin. Erbaut wurde es von Dr. Don Branigan, einem ganzheitlichen Arzt und ehemaligen Bürgermeister von Whitehorse. 
Das Gebäude orientiert sich an den Maßen der Cheops-Pyramide. Branigan wählte Atlin als Standort, weil es angeblich auf zusammenlaufenden „Ley-Linien“ oder starken psychischen Energiefeldern liegt. 
Die Pyramide wurde viele Jahre lang als Kindertagesstätte genutzt und ist heute ein Privatwohnsitz. 
Healin House
Im Hafenbereich kann man Kuchen & Kaffee im 1916 erbauten Kershaws Café genießen. Von der Familie Kershaw wurde im Ort Atlin auch ein Gemischtwarenladen betrieben (Kershaw’s Hardware); er wird heute als Wohnhaus genutzt.
haus
Puppenhaus-Front im Garten des Hauses
Zwei historische Kirchengebäude erinnern daran, dass Glaube und Gemeinschaft vor allem in den für viele Menschen schweren Zeiten des Goldrausches von größerer Bedeutung waren. 
Es sind die 1900 erbaute St. Martin’s Anglican Church und die 1907 errichtete katholische St. Joseph’s Mission Church.
Kirche
 St. Martin’s Anglican Church
Kirche
Innenraum der St. Martin’s Anglican Church
katholische St. Joseph’s Mission Church

Quellen und weiterführende Informationen:

Freitag, 3. Juli 2026

Atlin war beschwerlich zu erreichen

Eine Straße nach Atlin wurde erst 1949 von der kanadischen Armee erbaut, vorher waren andere aufwändige Transportwege nötig.
1898: Mit dem Klondike Goldrausch um Dawson City startete auch der Baubeginn einer Eisenbahnline von Skagway nach Whitehorse.
1899: Die Eisenbahnstrecke erreichte Bennett; damit ist für die, die sich eine Eisenbahnpassage leisten konnten, der mühsame Weg über den Chilkoot-Pass nicht mehr erforderlich.
1899 setzte man auch das erste Dampfschiff auf dem Atlin-See ein, die "Scotia".
1900: Bereits zwei Jahre nach Baubeginn erfolgte die Fertigstellung der Strecke.
Jetzt konnte man Menschen und Material von Skagway /Alaska nach Whitehorse / Yukon tranportieren. Diejenigen Stampeder, die an den Klondike wollten, zogen nach Dawson City weiter gen Norden, diejenigen, die nach Atlin wollten, konnten bereits vor Bennet, an der Log Cabin, nach Osten im Winter auf den "Fantail Trail", oder, wenn das Eis nicht mehr sicher genug war, auf den Tutshi Trail abbiegen.
von skakway nach atlin
Die Route der Stampeder von Skagway nach Atlin
(Quelle: Landkarte im Bahnhof von Carcross)

Als der Run nach dem Gold nachließ, setzte der Tourismus ein - zumindest Richtung Atlin.

Tourismusroute
Die Route der Touristen von Skagway nach Atlin
(Quelle: Landkarte im Bahnhof von Carcross)

Dazu reiste man von Süden her kommend (USA / Kanada) in Skagway an, stieg in den Zug der White Pass & Yukon Route (WP&YR) und fuhr bis nach Carcross/Yukon. Von dort ging es per Boot weiter über den Nares Lake sowie den Tagish Lake bis zu dessen Taku Arm
WP
Die nächste Etappe wurde erneut auf einer kurzen Bahnstrecke bis zum Atlin Lake bewältigt.
Man stelle sich vor, dass man dazu ein "Bahngleis" über ~ 3,5 Kilometer baute, - die sogenannte Taku Tramline -  als "Zugmaschine" dienten anfänglich Pferde, später wurden diese tatsächlich von einer dampfgetriebenen Lokomotive ersetzt. Die Lokomotiven konnten nicht drehen und mussten die Strecke rückwärts zurückfahren.
Duchess
Die Lokomotive Duchess neben dem Bahnhof in Carcross
Die Lokomotive wurde „Duchess“ genannt. Sie wurde bereits 1878 gebaut, kam im Zuge des Goldrausches in den Norden und zog ab 1900 die Waggons der berühmten Taku Tramline. Seit 1931 steht sie als Touristenattraktion direkt neben dem Bahnhof in Carcross.
Nach der kurzen Fahrt mit der Eisenbahn in offenen Wagen nutzte man erneut ein Dampfschiff, später noch ein Motorschiff, um das Ostufer des Atlin Sees und damit endlich den Ort Atlin selbst zu erreichen. Im Winter war man übrigens auf den zugefrorenen Seen per Hundeschlitten unterwegs.

1917 baute man, als der Strom der Touristen immer mehr zunahm, zwei weitere Schiffe, in Carcross die S.S.Tutshi und die M.V. Tarahne in Atlin.
1928 halbierte man sogar das Motorschiff Tarahne und verlängerte es um ein Mittelteil von zwölf Metern, weil sich das Schiff für die zunehmende Zahl an Touristen als zu klein erwies. Sie wurde überwiegend für 80 km lange Sightseeing-Touren für Touristen genutzt.
1936 wurde das Motorschiff Tarahne stillgelegt und aus dem Wasser geholt, da die Touristen mit Beginn der Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er Jahre ausblieben.

Während die S.S. Tushi heute (abgebrannt nach einer fast fertiggestellten Komplettrestaurierung) noch in Carcross zu sehen ist, liegt die restaurierte M.V. Tarahne im Hafenbereich von Atlin. Das beliebte „Foto-Motiv“ war übrigens kein Dampfschiff, sondern hatte einen Schraubenantrieb mit Dieselmotoren.
Tutshi
S.S.Tutshi in Carcross
Tarahne
M.V. Tarahne in Atlin
Tarahne
M.V. Tarahne in Atlin

Auch das historische Boot M.V.Atlinto, von Jules Eggert erbaut 1911, liegt seit den 1950er Jahre noch - restauriert - im Hafen von Atlin.
1927 erwarb John Noland das Ausflugsboot „Atlinto“ , das Touristen auf malerischen Fahrten über den Atlin-See beförderte und Jäger in die umliegende Wildnis brachte.

Atlinto
Atlinto
Info
Info zum Boot Atlinto

Nachdem der Ort Atlin im Laufe der Jahre seine Bedeutung als Goldgräberstadt verlor, nahm über Jahrzehnte die Bedeutung des Tourismus für den Ort zu.
1916: Nahezu zeitgleich mit dem Bau der beiden Schiffe ließ die White Pass Co. ein luxuriöses, dreistöckiges Hotel in Atlin errichten, das „Atlin Inn“.
Atlin Inn
Die M.V. Atlinto vor dem dreigiebeligen Atlin Inn von 1916
(Foto an Außenfassade des neuen Atlin Inns)
Innenansicht
Innenansicht von Atlin Inn im Jahr 1916
(Foto auf Infotafel am Hafen)
1935: Dem Ausbleiben der Touristen geschuldet wurde das Hotel 1935 geschlossen und stand anschließend viele Jahre lang leer.
1941: Sechs Jahre nach der Schließung des Hotels wurde ein Flügel abgebaut und an den nördlichen Stadtrand von Atlin zum McBride Boulevard verlegt, wo er zum Atlin-Krankenhaus wurde.
1965: Das ehemalige "Atlin Inn" wurde abgerissen und mit dem verwendbaren Material baute man u.a. für Touristen am selben Standort 10 Blockhütten.
Bloghütten
Blockhütten für Touristen

Ausgestellt in Atlin

Es ist schon recht interessant, was man alles zu sehen bekommt, wenn man durch den kleinen Ort Atlin spazieren geht und sich die einzelnen Anwesen ansieht. Einige zeigen sich "verwildert", andere gepflegt, und andere rühmen sich, eine "Wildblumenwiese" vor ihrem Haus zu haben. Vielen gemeinsam ist aber, dass man rund um Haus und Hof das sammelt, was man früher einmal besessen hat, aber heute nicht mehr benötigt. Dann wird es schnell zur "Ausstellung"!
Schöne Beispiele kann ich hier zeigen, doch sie sind in der Minderheit.
Schuppenwand
Solch eine Seite eines Holzschuppens erinnert an die früheren Zeiten des Goldrauschen, während die folgende Hausgiebelwand sicherlich einmal dasselbe beabsichtigte, doch bereits die davor liegenden Utensilien aus der Neuzeit passen nicht in dieses "Bild".
Ausstellung
Anders hingegen sieht es mit Geweihen aus, die an jedem Haus, jedem Schuppen, jeder Garage hängen.
Oft sind es markante "Hingucker", oft auch nur eine Aneinanderreihung von Funden oder Trophäen!
Geweih
Geweih
Geweih
Geweih