Mittwoch, 24. Juni 2026

Jerry - the caretaker

... von Iron Creek Lodge am Alaska Highway bei historischer Mile 596.

Nachdem wir vom Muncho Lake gestartet waren und sechs ehemalige Lodges am Alaska Highway passierten, von denen jedoch derzeit nur noch zwei betrieben werden, erreichten wir die Iron Creek Lodge. Eine Vorläufer-Lodge existierte hier bereits ab 1957. Nach einem letzten Verkauf im Jahr 2005 war das Anwesen viele Jahre nicht bewirtschaftet, ehe es die First Nations von Lower Post erwarben und beabsichtigten ein „Therapiezentrum“ zu errichten.
Im Jahr 2024 war ein Bauunternehmer damit beschäftigt, das Innere der Lodge zu erneuern. Dazu gehörte nicht nur die Installation einer Heizung auf Basis von Warm-Wasser und eine komplette Erneuerung des Bodenbelages, sondern auch der Einbau einer Kaminverblendung und die Herrichtung aller Zimmer im Obergeschoss. Gleichzeitig wollte man den Außenbereich neu gestalten, neue Hütten errichten u.v. mehr: ein Vorhaben für diese Region und den damit verbundenen Ausgaben -  außergewöhnlich!
Kamin
Kaminverkleidung wird fertiggestellt  -  16.06.2024
Ich wollte mich vom Baufortschritt überzeugen und sah zuerst folgendes Bild.
zaun
Nun, der Bretterzaun wurde im Sommer 2025 errichtet, ebenso die Außenveranda am Haus, doch Tore fehlten und im Außenbereich hatte sich so gut wie nichts getan.
bretterzaun - closed
Als ich auf der anderen Seite des Grundstücks auch noch das Schild „CLOSED“ sah, wollte ich schon weiterfahren, da ich dachte: trotz großer Vorhaben hat sich  an der Iron Creek Lodge doch nichts getan,
als plötzlich ein friedfertiger Wachhund auftauchte und kurze Zeit später das dazugehörige „Herrchen“. Jetzt wollte ich es genauer wissen und fragte nach dem derzeitigen Baufortschritt.
Jerry, wie er sich mir vorstellte, sei der "caretaker" dieses Anwesens. Er bedauerte, dass es trotz aller guten Absichten nicht besonders vorangehe. Es fehlen die Teile – z. B. fürs Tor, für die geplanten Hütten usw.. Aber das große Gebäude sei fertig.
Jerry
Folglich fragte ich nach einer möglichen „Hausbesichtigung“, die er spontan ermöglichte. Voller Stolz zeigte er mir das komplette Unter- und Obergeschoss und erwähnte, dass bereits Versammlungen in diesem Haus stattfinden; für Kinder, aber auch Erwachsene. So wurden z. B. Kurse abgehalten, um Stammesangehörige in „trap-line“ zu unterrichten.
Kamin
großer saal
Großer Saal
Im großen Saal und in der Küche fand ich einen neuen Fußboden vor, ansonsten hatte man allerdings nahezu alles vom Vorgänger übernommen, stehen gelassen (Kücheneinrichtung / Empfangstresen, Ausgabetresen für Essen / ...).
Zimmer
Im Obergeschoss zeigte er mir jedes Zimmer incl. den dazugehörigen Nasszellen - nagelneu und sofort bezugsfertig, wie er betonte.
Zum Schluss durfte ich mit ihm noch auf die Veranda, um einen Blick auf den See zu werfen. Die ganze Veranda ist mit Mückenschutz versehen - deshalb auch das etwas unscharfe Bild.
See
Nach der Hausbesichtigung lud er mich auf eine Fahrt mit dem Quad ein; er wolle mir noch das weitere Gelände zeigen.
Zuerst fuhren wir hinter das Haupthaus, wo er mir den Generator und die Heißwasserbereitung für die Heizung zeigte.
Haupthaus
Das Haupthaus von hinten - links Generator / Heizung
Dann fuhren wir hinunter zum ehemaligen großen Campinglatz.
campingplatz
ehemaliger Campingplatz 
Dort standen in einer Ecke sogar noch die (zugewachsenen) Schaukeln aus längst vergangenen Tagen.
Schaukeln
Anschließend zeigte er mir den Platz, wo die Mitglieder der Band bei Treffen ihre Zelte aufstellen können; die „Tipi-Pfosten“ / lodgepole waren an einer Seite aufgereiht.
tipipfosten
Daneben war ein Gestell zu sehen, das sie im Herbst / Winter nutzen, um eine Elchhaut zum Trocknen aufzuspannen.
spanngestell

Eine weitere Hütte am See wolle er mir unbedingt noch zeigen. Mit fließendem Wasser und komplett eingerichtetem Bad bietet es neben einem großen Doppelbett noch einen großen mit Holz zu befeuernden Ofen für kältere Jahreszeiten im Aufenthaltsbereich mit zahlreichen Sitzgelegenheiten.
Hütte
Fast entschuldigend erklärte er mir, dass er sich mit einem weiteren „Caretaker“ alle zwei Wochen abwechseln würde, man also derzeit alleine auf dem Anwesen sei und man somit kaum mit den Außenarbeiten (Gras mähen, Wege frei schneiden, …) nachkommen würde.
Zum Schluss meinte er, ich solle ruhig wiederkommen, allerdings nicht so bald, aber es wird weiter Veränderungen geben.
Für mich war es ein besonderes Erlebnis, dass mich Jerry auf diese Erkundigungstour der Iron Creek Lodge eingeladen hatte.

Samstag, 20. Juni 2026

Zum Muncho Lake

 

Die Distanz, die wir heute zurücklegen wollten, gehört mit den etwa 60 Kilometern weiter auf dem Alaska Highway Richtung Norden, wieder zu den relativ kurzen Strecken während unserer gesamten Fahrt.
Berge

Schon nach wenigen Minuten erreichten wir das Eingangstor zum Muncho Lake Provincial Park (Gesamtfläche: etwas mehr als 860 km²). 
PP
Zunächst fuhren wir am Toad River entlang.
Toad River
Geröll
Eine Geröll-Lawine kam vor Jahren aus einem Seitenarm
in den Toad River (im Vordergrund)
Wenige Kilometer weiter konnten wir uns die interessanten Strukturen der Folded Mountain (gefaltete Berge) anschauen. Vor Millionen von Jahren (der Prozess begann vor 175 Millionen Jahren und endete etwa vor 45 Millionen Jahren) schoben sich hier tektonische Platten aufeinander - in diesem Fall die pazifische Platte, die sich unter die nordamerikanische Kontinentalplatte schob. Dadurch wurden die Gesteinsschichten, die sich an der Oberfläche befanden, zunächst gestaucht, dann „gefaltet“ ineinander geschoben und anschließend in die Höhe gedrückt.
Foldet Mountain
gefaltet
gefaltet
Aufgrund einer Baustelle, in der der frisch aufgetragene Asphalt mit Schotter abgedeckt wurde, war diese Passage extrem staubig.
staubig
staub
Nach den geologischen Betrachtungen durften wir eine ungewöhnliche Tierbeobachtung erleben – direkt neben der Straße in einem kleinen Sumpfgebiet stand eine Elchkuh. Sie ließ sich von uns überhaupt nicht stören und so konnten wir sie aus nächster Nähe und ihr hochbeiniges Staken durch den Sumpf bewundern.
Elch
Elch
Elch
Weiter ging es durch die malerische Bergwelt und bald erreichten wir den Muncho Lake. Dieser Bergsee mit einer Gesamtfläche von 15 km², einer Länge von 12 Kilometern und einer Breite zwischen ein und sechs Kilometern, beeindruckt mit seiner intensiv türkisen Farbe. 
Munch Lake
Im Winter friert dieser See komplett zu. „Muncho“ bedeutet in der Sprache der hier lebenden First Nation, den „Kaska“, „Großes Wasser“. Die Berge am Ufer des Muncho Lakes gehören zu den Northern Rocky Mountains und werden im Westen „Terminal Range“ (range – Gebirgskette) und im Osten „Sentinel Range“ (sentinel – Wächter) genannt. Der See selbst liegt auf einer Höhe von 820 Metern, die umgebenden Berge erreichen eine Höhe von über 2.000 Metern.
blauer see
Je nach Sonneneinstrahlung zeigten sich Himmel und See tief blau
Regen
Ein aufziehender heftiger Regenschauen war bald vorüber
sonnenschein am Muncho Lake
Ehe wir unseren Campingplatz erreichten, begrüßte uns eine Gruppe von „Stone Sheep“, die genüsslich auf der Straße und am Straßenrand nach Mineralien leckte.
Stone-sheep
Muttertier
Muttertier mit zwei Kleinen
stone-sheep
Stone-Sheep am Straßenrand
Wir übernachteten anschließend auf dem RV Park der Northern Rockies Lodge und konnten aufgrund der erst um 22:30 Uhr untergehenden Sonne noch stundenlang die Wolken- und Farbspiele am Muncho Lake bewundern.
am see

Freitag, 19. Juni 2026

Schwalbe im Nistkasten

An einem Baum am Reflection Lake sah ich einen Nistkasten. Nichts besonderes, denn an manch anderen Bäumen hingen ebenso Nistkästen, jedoch alle mit dem Einflugloch in verschiedene Himmelsrichtungen ausgerichtet.
Dieser eine Nistkasten allerdings weckte mein Interesse, da offentsichtlich ein Bewohner aus dem runden Flugloch herausschaute.
Schwalbe
Neugierig, welcher Vogel das wohl sein könnte, beobachtete ich diesen Nistkasten eine Weile. Noch ehe ich jedoch meine Kamera fur eine zweite Aufnahme fertig machen konnte, war der Bewohner auf und davon.
Es dauerte aber nicht lange, da kam der Partner angeflogen.
Schwalbe
Schwalbe
Schwalbe
Jetzt konnte ich den Nistkastenbewohner einordnen - eine Schwalbe!
Nun, die einschlägige Literatur weist diesen Vogel als Baumschwalbe, Tree Swallow [Tachycineta bicolor] aus, eine mittelgroße Schwalbe Nordamerikas. Sie hat ein glänzend blaugrünes Gefieder auf der Oberseite und eine weiße Unterseite. Baumschwalben seien geschickte Flieger, die ihre Nahrung – hauptsächlich Insekten – im Flug fangen. Sie brüten bevorzugt in Baumhöhlen oder Nistkästen und halten sich häufig in der Nähe von Gewässern und offenen Landschaften auf.
Baumschwalbe
Baumschwalbe, Tree Swallow

Nur wenig weiter sah ich eine Felsenschwalbe (Petrochelidon), die gerade dabei war, ihr Nest aus Lehm zu bauen.
Diese Schwalbenart ist dafür bekannt, ihre Nester in Kolonien an Felswänden oder, wie hier, unter geschützten Gebäudeteilen anzubringen. Die Nester sind oft kuppelförmig oder becherartig und bestehen aus hunderten von kleinen Lehmkügelchen.
Diese Vögel stehen unter Schutz, und ihre Nester dürfen nicht beschädigt werden, was aber den Besitzer dieser Hüttenwand nicht daran hinderte, die entstehenden Nester immer wieder zu entfernen, wie unschwerlich aus dem Bild zu erkennen.
Felsenschwalbe (Petrochelidon)

Donnerstag, 18. Juni 2026

Zur Toad River Lodge


Vom Summit Lake ging es über eine kürzere Strecke von knapp 50 Kilometern weiter bis zur Toad River Lodge (historic mile 422). Auf diesem Weg passierten wir zunächst das historische Rocky Mountain Auto Camp / Rocky Mountain Lodge (historic mile 397) von Chris Winkelmeyer, der das Anwesen bereits seit 1985 besitzt. Leider ist die Lodge (in letzter Zeit auch eher nur noch eine Tankstelle) seit dem letzten Jahr geschlossen.
winkelmeyer
Rocky Mountain Lodge - geschlossen - 18.06.2026

zu
Rocky Mountain Lodge mit verschlossener Tür - 18.06.2026
Weiter fuhren wir durch den beeindruckenden Stone Mountain Provincial Park, einem Park in den Northern Rocky Mountains, der sich über mehr als 25.000 Hektar überwiegend in einer felsigen Gebirgslandschaft befindet.
Abfahrt
Diese Landschaft wird der alpinen Tundra zugerechnet. Sie liegt oberhalb der Baumgrenze. Die Pflanzen, die hier wachsen, sind sehr klein, was man z.B. an diesen Orchideen sehen kann, die wir am Wegesrand fanden.
orchideen
Besonders grell gelb leuchtend, und damit besonders auffallend, ist die sehr giftige Wolfsflechte.
Wolfsflechte
Links neben dem Highway 97 Richtung Nordwesten fließt der McDonald Creek, der wenig später in den Racing River mündet. Der Racing River ist einer der Quellflüsse des Toad Rivers.
McDonald Creek
Das Gewässer, das sich hier tief in das Tal eingeschnitten hat, wird mit Creek (= Bach) bezeichnet!
Tief hingen die Regenwolken über dem McDonald Creek, als wir zu ihm hinunter ins Tal fuhren.
Mehrere Wanderwege, beispielsweise der Baba Canyon Trail (hin und zurück:11 Kilometer) führen durch enge Schluchten zu interessanten Steinformationen.
Hier oben begegnete uns am Straßenrand der erste Schwarzbär auf dieser Reise.
Schwarzbär
Schließlich erreichten wir die Toad River Lodge (engl. „toad“: Kröte), die seit 1999 von Mathew Roy und Darrel Stevens betrieben wird. Die beiden haben in den letzten Jahren mehrere der alten Hütten abgerissen und durch neue ersetzt. Die Toad River Lodge befindet sich am Reflection Lake. Hier, in dieser idyllisch gelegenen Region, legten wir für einige Tage Rast ein und schauten uns dabei u.a. das Wolkenspiel und die Reflektionen im See an.
Reflektion
Reflektion
Reflextion
Nordöstlich der Lodge befindet sich die Einmündungsstelle des Racing Rivers in den Toad River (Länge: 180 Km). Einst war die Toad River Lodge für ihre ~ 11.500 Exemplare umfassende „Mützen-Sammlung“ an der Decke des Lodgegebäudes bekannt, die aber aus Brandschutz- und Hygienegründen bereits im Jahr 2021 entfernt und an einen Sammler abgegeben wurde.
Mützen
Foto: 06.2018