Dienstag, 18. August 2026

Feuer in Tok

Nach unserem Besuch in Valdez starteten wir unsere Rückfahrt aus Alaska nach Canada.
Der Himmel war bei unserer Abfahrt teilweise bizarr wolkenverhangen.
wolken
wolken

Zunächst fuhren wir von Valdez auf dem Richardson Highway über den Thompson Pass nach Glennallen (Entfernung: 190 Kilometer). 
Wolken
Am Pass selbst hatten wir einen weiten Rundblick
am pass
Auf der gegenüberliegenden Seite des Passes
zog allerdings eine dichte Wolkendecke auf.
Nach der dortigen Übernachtung fuhren wir etwa 220 Kilometer auf dem Tok-Cut-Off (Alaska Route 1) weiter nach Tok.
nach tok
Man beachte die Bodenwellen
Wir waren nach ersten Informationen über einen größeren Brand in der Nähe von Tok zunächst unsicher, ob wir auf dieser Strecke überhaupt aus Alaska ausfahren könnten. Uns wurde aber in Glennallen im Visitor Center versichert, dass der Alaska Highway weiterhin offen und befahrbar sei.
Das Feuer startete im Nordwesten von Tok am 17. August 2026. Ausgelöst durch sehr starke Winde fiel ein Baum auf eine Oberleitung. Diese zerriss und als die Stromleitung mit dem Boden in Kontakt kam, sprühten so lange Funken, bis der Strom abgestellt werden konnte.
Das sich dadurch sehr schnell entwickelnde Bodenfeuer wurde rasch zum Flächenbrand. Der Brand selbst wurde nach seinem Entstehungsort - in der Mukluk-Ansiedlung - "Mukluk-Fire" genannt.
Durch die weiterhin starken Winde breitete sich das Feuer extrem schnell aus. In mehreren Wohngebieten mussten die Anwohner umgehend ihre Häuser verlassen. Nach wenigen Tagen Bilanz waren 44 Gebäude und rund 3.000 Hektar Land verbrannt und das Feuer nur zu knapp zwanzig Prozent gelöscht.
Anfänglich waren nur die Einwohner mit Rettungs- und Löscharbeiten beschäftigt, später kamen weitere Hilfskräfte aus Alaska hinzu.
Da mit Beginn des Feuers der Strom in Tok abgestellt worden war, funktionierte auch die Druckleitung-Wasserversorgung nicht mehr. Löscharbeiten konnten nur noch per Tankfahrzeugen durchgeführt werden. Erst später waren mehrere Lösch-Hubschrauber und über 350 Feuerwehrkräfte im Einsatz. Doch für die bereits abgebrannten Häuser kam diese Hilfe zu spät.
Als wir an Tok vorbeifuhren, konnten wir die enorme Rauchentwicklung sehen und riechen und waren froh, dass wir zügig und unbeschadet weiter Richtung Canada unterwegs sein konnten.

Weitere Informationen:
https://akfireinfo.com/2026/08/18/evacuations-remain-in-place-for-mukluk-fire-in-tok/
Rauch
Lange bevor wir Tok erreichten,
konnten wir diese "Rauchwand" sehen
rauch
Weiterhin starker Wind begünstigte die Feuerausbreitung
Rauch
Zum Glück blies der Wind den Rauch
und damit auch das Feuer von der Ortschaft weg
Rauch
An einigen Stellen auf dem Highway
war die Sicht eingeschränkt
Rauch
und es roch extrem nach Rauch

Montag, 17. August 2026

In Valdez

Die Stadt und ihre Umgebung haben sich nicht verändert.
Als wir in diesem Jahr die kleine Stadt Valdez (4000 Einwohner) erneut besuchten, stellten wir fest, dass sich hier im Vergleich zu 2024 nicht viel verändert hatte. Die Bucht, in der der Ort liegt, wurde bereits 1790 von dem spanischen Entdecker und Seefahrer Salvador Fidalgo (1756-1803) nach dem damaligen spanischen Marine- Minister Antonio Valdés (1744-1816) benannt. Besiedelt wurde die Region ab 1898 durch die Goldsucher, die während des Klondike-Goldrausches unterwegs waren.
Noch immer stand der über 8 Meter hohe „Whispering Giant“ (1981 von Peter Wolf Toth (*1947) aus einer Sitka-Fichte geschnitzt) auf dem Gelände des Prince William Sound College. Die Figur stellt einen Häuptling der First Americans dar, dessen Kopfschmuck vier Gesichter zeigt – symbolisch für die Stämme im Südosten Alaskas.
Schnitzfigur
Auch im Fährhafen am Kelsey Dock (Verbindungen von und nach Whittier und Cordova) begrüßte noch immer die Statue einer Meerjungfrau die mit den Autofähren des Alaska Marine Highway Systems ankommenden Besucher. Die „mermaid statue“ wurde vom 30. Juli bis zum 2. August 2018 von der „Kettensäge-Künstlerin“ Marina Cole aus Irvine / Canada im Rahmen des „Alaska Cup Freestyle Chainsaw Carving Championship“ innerhalb von vier Tagen angefertigt.
mermaid
Nach unserem Rundgang durch Innenstadt und Hafen unternahmen wir einen kleinen Ausflug zum Valdez Glacier Lake, erreichbar nach knapp elf Kilometern über die Airport Road. Durch das Schmelzen und das Abbrechen des Valdez Gletschers in den Chugach Mountains entstand der See und wird aufgrund der klimatischen Veränderungen immer größer. Er liegt direkt an der Abbruchkante bzw. der Zunge des Valdez Gletschers. Auf dem See treiben kleinere Eisschollen und hinterlassen je nach Sonnenlicht wunderschöne Reflektionen auf der Wasseroberfläche.
Auch hier erwartete uns ein ähnliches Bild wie im Jahr 2024.
Lake
Panorama
Gletschereis
Spiegelungen
Spiegelungen
Vom Valdez Glacier Lake fuhren wir über 17 Kilometer zunächst zurück zum Richardson Highway und dann weiter über die Dayville Road zur Solomon Gulch Fish Hatchery, ↗ der Lachszucht-Station von Valdez.
Hier konnten wir uns, wie bereits zwei Jahre zuvor, Zeit für beeindruckende Tierbeobachtungen nehmen und das bei strahlendem Sonnenschein. Möwen und Seelöwen stritten sich um die vor dem Wehr ankommenden Lachse, die hier zum Ablaichen eintreffen. Erneut waren wir fasziniert von der Anzahl der Lachse und dem Jagdverhalten der Seelöwen.
ausruhen
Ausruhen vor der nächsten Mahlzeit
Seeloewen
Laichbereit
Sie alle kamen zum Laichen
Lachse
Lachse / Lachse und nochmal Lachse
Hungrig
Fang
Nahezu jeder Tauchgang ist ein Fang - bei dem Angebot!
Fang
Fang
Gang
Nicht mit "Haut und Haar", d.h. mit Kopf und Schwanz wird der Lachs verspeist, sondern - bei dem Überangebot können sich die Seelöwen es leisten, NUR den Kopf abzubeißen - der Rest ist für die Möven. Hintergrund: Vor der bestehenden Winterzeit ist speziell fettreiche Nahrung gewünscht, und da ist der Kopf "gehaltvoller" als der restliche Körper. Erst wenn das Nahrungsangebot karger wird, wird der gesamte Fisch verspeist!

Sonntag, 16. August 2026

Valdez – die Region der Wasserfälle

Auch in diesem Jahr planten wir nach einem ersten Besuch im Jahr 2024 einen „Tripp nach Valdez" an der Pazifikküste. Die Region um Valdez wird „Land der Wasserfälle“ genannt und das können wir nur bestätigen.
Schon zwanzig Kilometer bevor wir Valdez selbst erreichten, passierten wir den Keystone Canyon mit u.a. zwei beeindruckenden Wasserfällen, den Bridal Veil Falls und den Horsetail Falls. Die fast fünf Kilometer lange, ziemlich enge Schlucht wurde einst von dem Lowe River durch den Fels gegraben. Die steilen Felswände im Keystone Canyon ragen teilweise senkrecht über 200 Meter in die Höhe.
Schlucht
Der 45 Kilometer lange Lowe River entspringt in den benachbarten Chugach Mountains und mündet bei Valdez in den Pazifik. Die rund 400 Kilometer lange und durchschnittlich 100 Kilometer breite Bergkette der Chugach Mountains erstreckt sich überwiegend direkt an der Küste und ist stark vergletschert.
Heute führt der Richardson Highway durch die Schlucht und wir unterhielten uns bei der Durchfahrt darüber, dass man so selbstverständlich auf dieser Straße unterwegs ist, dabei wurde hier eine erste „Wagon-Road“ erst im Jahr 1898 während einer militärischen Expedition unter Leitung von William Abercrombie (1857-1943) angelegt.

Der über 180 Meter hohe Bridal Veil Falls gilt als der höchste Wasserfall in Alaska, der direkt neben einer Straße liegt. Er gefriert im Winter in mehreren Kaskaden komplett durch. Wir hatten davon schon viele Fotografien gesehen und stellten uns dieses Bild des gefrorenen Wasserfalls schon recht imposant vor.
wasserfall
Wasserfall
Auch der nächste Wasserfall in der Schlucht gefriert im Winter zu dicken Eiswänden. Die fast 100 Meter hohen Horsetail Falls stürzen allerdings nicht senkrecht, sondern leicht schräg die Felswand hinab.
Wasserfall
Abgesehen von diesen beiden bekannten Wasserfällen konnten wir, im Hafen von Valdez stehend, mehrere über die Berghänge hinter dem Ort herab rauschende Wasserfälle beobachten – teilweise über mehr als 100 Meter. Besonders schön fanden wir beispielsweise auch die knapp 50 Meter hohen Crooked Creek Falls direkt am Stadtrand von Valdez hinter der Informationshütte des U.S. Forest Service und die fast 60 Meter hohen Solomon Gulch Falls direkt gegenüber den Lachszucht-Station „Solomon Gulch Hatchery“, die sich gegenüber der Stadt Valdez am Port of Valdez befindet.
Wasserfall
Wasserfall
Wir stellten uns die Frage, warum es hier so viele Wasserfälle gibt? Im Visitor Center bekamen wir erklärt, dass in der Region im Winter enorme Schneemengen auf die steilen Küstenberge der hiesigen Chugach Mountains mit ihren zahlreichen Steilhängen fallen – durchschnittlich bis acht Meter Schnee im Jahr. Im Frühjahr steigen die Temperaturen durch die Küstennähe jedoch sehr schnell und der Schnee schmilzt in kürzester Zeit. So werden die zahlreichen Wasserfälle insbesondere im Frühsommer gespeist.
Wasserfall
Niederschlag, schmelzende Gletscher und
tauende Schneefelder speisen die Wasserfälle

Samstag, 15. August 2026

Die Alyeska Pipeline in Alaska

Auf unserer Fahrt von Delta Junction nach Valdez begleitete uns auf der gesamten Strecke die „Alyeska Pipeline“ ↗, meistens über- und manchmal auch unterirdisch.
Leitungen
oberirdisch
oberirdisch durch ein Flussbett
oberirdisch
oberirdisch auf einem Hügelkamm
unterirdisch
unterirdisch mit Kühlelementen
Das Wort „Alyeska“ stammt aus der Sprache der Aleuten, einer indigenen Gruppe aus Alaska, und bedeutet „Großes Land“. Da diese Trans-Alaska-Pipeline tatsächlich in Nord-Süd-Richtung über 800 Meilen (1.287 Kilometer) den gesamten Bundesstaat durchquert, entschied sich die Betreibergesellschaft, die Alyeska Pipeline Service Company, für diesen Namen.
Alaska-pipeline
Die Pipeline durchquert ganz Alaska
Der Bau der Pipeline dauerte drei Jahre (von 1974 bis 1977) und es wurden dafür knapp acht Milliarden US-Dollar investiert, bis sie im Juli 1977 in Betrieb genommen werden konnte.
Sie beginnt im Ort Prudhoe Bay in der nördlichen Region North Slope (Nordhang). In dieser Tundra-Landschaft fallen die Berghänge der dortigen Bergkette (Brooks Range) weitläufig bis zum Arktischen Ozean ab und sie erstreckt sich mehr oder weniger über den gesamten Norden von Alaska. Bei Prudhoe Bay wurde im Jahr 1968 ein riesiges Erdölvorkommen entdeckt und zwangsläufig stellte sich die Frage, wie man dieses Öl am kostengünstigsten in den eisfreien Süden transportierten könnte. So entschied man sich für den Bau der Pipeline.
Der Rohrdurchmesser der Pipeline beträgt 48 Inch (1,22 Meter). Es handelt sich um Stahlrohre, die bei oberirdischer Verlegung zusätzlich mit Isoliermaterial ummantelt sind als Schutz gegen den Permafrost.
Durchmesser
Am Informationszentrum in Delta Junction werden die
unterschiedlichen Querschnitte der verlegten Rohre ausgestellt.
Untergrund
Auf der Hälfte der Strecke verlaufen die Rohre oberirdisch und werden hier von 78.000 Vertikalträgern gestützt. Diese Stützfeiler sind zum Teil mit Ammoniak gefüllt. Diese Füllung wirkt wie ein passives Kühlsystem und verhindert, dass das warme durchfließende Öl (30° bis 35°) den gefrorenen Boden auftaut, was zu einem Absacken der Pipeline führen würde.
Die Rohre sind in Zick-Zack-Form verlegt, da man sich so einen Schutz gegen Erdbeben und Temperaturschwankungen erhofft. Es wird nur Rohöl in dieser Pipeline transportiert!
Pipeline
Das Rohöl wird heute auf der gesamten Strecke nur noch über vier Pumpstationen ↗ weitergeleitet. Ursprünglich plante man zwölf Pumpstationen, von denen anfänglich dann elf genutzt wurden. Heute hat man dies auf vier reduziert.
Pumpstation
Pumpstation 12 wurde im Jahr 2005 außer Betrieb genommen
Die Pipeline endet in dem eisfreien Hafen in Valdez, was für den ganzjährigen Weitertransport wichtig ist. Dort befindet sich das „Valdez Marine Terminal“, wo das Rohöl in großen Tanks gelagert wird, bevor es anschließend in Öltanker zum Weitertransport verladen werden kann. Der Terminal verfügt über 18 große Öltanks mit einem Fassungsvermögen von jeweils über 80 Millionen Litern (510.000 barrels).
Oelterminals
Blick von Valdez auf die gegenüberliegende Fjordseite
mit den Öllagertanks und dem Verladehafen.
Valdez
Nach dem großen Umweltunglück des Öltankers „Exxon Valdez“ ↗ im Jahr 1989 entschied man sich einen „Lotsenboot-Begleitservice“ einzurichten. Der damals gerade beladene Tanker war kurz nach seiner Abfahrt mit einem Riff kollidiert und es liefen über 40 Millionen Liter Rohöl in den Prince William Sound, was jahrelange schlimme, ökologische Folgen für die Natur und die dortigen Tiere bedeutete. Heute wird jeder Tanker bis zum offenen Meer von zwei Booten des „Ship Escort Responce Vessel Systems“ ↗ begleitet.

Auf jeden Fall haben wir bei unseren Beobachtungen an verschiedenen Stellen der Pipeline - zumindest für uns - erneut interessante Erkenntnisse gewonnen, hatten wir der Pipeline doch bereits im Jahr 2018 ein Stück auf dem Dalton Highway nach Norden bis zum Artic Circle folgen können.

Mittwoch, 12. August 2026

Von Delta Junction nach Valdez


Für die Strecke  von Delta Junction nach Valdez veranschlagten wir etwas mehr als 430 Kilometer auf dem Richardson Highway   Richtung Süden mit einer Übernachtung nach 245 Kilometern in Glennallen.
Benannt wurde der Highway nach General Wilds Preston Richardson ↗ (1861-1929), dem ersten Leiter der Alaska Straßenbau-Kommission. Der Richardson Highway (insgesamt 580 Kilometer lang) verbindet Valdez an der Küste über Glennallen und Delta Junction mit Fairbanks in „Interior Alaska“.
wald
Gletscher
Direkt nach Delta Junction fuhren wir wieder einmal durch malerische Landschaften – anfänglich durch eine Tundra-Region mit borealem Wald. Anschließend wurde es bergiger und wir konnten bald auf einige beeindruckende Gletscher schauen (Castner Gletscher, Gulkana Gletscher).
Gletscherwelt
Eine Mittagspause legten wir nach etwa 100 Kilometern mitten in der Alaska Range am Summit Lake (Fläche: 16,5 km², Länge: 11,5 km) ein, der rundherum von hohen Bergen eingerahmt ist, die zum Teil sehr farbig (Rainbow Ridge/Regenbogen-Bergkette), andererseits aber auch sehr kahl ausfallen.
nacktes Gestein
Danach wurde die Landschaft wieder flacher und sumpfiger, was auch einer Elchkuh gefiel, die uns fast in den RV gelaufen wäre.
Eine andere Elchkuh ganz nahe dieser Stelle hatte weniger Glück.
Sie lag tot im Straßengraben.
Elchkuh

Auf dem Straßenabschnitt von Glennallen nach Valdez waren wir bereits 2024 unterwegs gewesen, (unsere Beschreibung von damals kann man hier nachlesen), sodass aktuell nur einige Bild-Impressionen folgen sollen -
beispielsweise vom Worthington Gletscher, dessen unteres Ende vom Highway aus erreichbar ist, oder dem Thompson Pass (Höhe: 817 Meter) mit seinen vielen kleinen Bergseen, der als der schneereichste Ort Alaskas gilt.
tief haengende wolkendecke
Tief hing die Wolkendecke, als wir uns dem Pass näherten.
wolken
Hinweisschild
gletscher
Gletscher
gletscher
unter dem gesamten Geröll in der Bildmitte
befindet sich auch Eis
ThompsonPass
2.678 ft / ca. 817 m
Kurz vor Valdez durchquerten wir noch den Keystone Canyon mit seinen Wasserfällen, den wir in dem folgenden Bericht „Valdez und seine Wasserfälle“ beschreiben.
Canyon
Welcome

Willkommen in Valdez
- doch das Stadtzentrum befindet sich erst in 22 Meilen, etwa 35,4 Kilometern!