Zuerst eins vorneweg: Die Taku River Tlingit First Nation in Atlin arbeitet derzeit an einer neuen Abwasserbehandlungsanlage – nach altbewährtem System - seit vielen Jahren, ein Millionenprojekt.
Wenn man mit einem (größeren) Wohnmobil unterwegs ist, verfügt man i. d. R. über eine eingebaute Nasszelle mit Toilette. Die Inhalte (Grauwasser + Abwasser) werden im Wohnmobil in separaten Tanks unterflurig gesammelt und müssen folglich ab und zu entleert / ordnungsgemäß entsorgt werden.
Moderne Campingplätze verfügen oft direkt an jedem Stellplatz nicht nur über eine Strom- und Trinkwasserversorgung der Wohnmobile, sondern auch über einen Bodenablass, zur direkten Entsorgung der anfallenden Abwässer.
Was aber, wenn eine solche Möglichkeit auf dem Campingplatz nicht angeboten wird [Natur-Plätze]? Nun, sehr oft gibt es dann EINE Einlassstelle, die „Dump Station“, auf dem Platz oder gar im benachbarten Ort. Diese ist dann nicht unbedingt mit einem Kanalisationsnetz des Ortes verbunden, sondern nur mit einem direkt darunter liegenden Sammeltank, dessen Inhalt der Besitzer dann durch ein Saugfahrzeug kostenpflichtig abfahren / entsorgen lassen muss.
Was, wenn dem Campingfreund gar keine Möglichkeit angeboten wird, die gesammelten Abwässer los zu werden? Weiterfahren wäre eine Option, doch was macht man, wenn man weiter auf dem Campingplatz bleiben möchte!
Solch eine Erfahrung durften wir in Atlin, in Britisch Columbien, erleben.
Der malerisch gelegene Campingplatz in Atlin direkt am See bietet zwar Strom und Frischwasser an, doch eine Entsorgungsmöglichkeit gibt es nicht; dafür eine "mobile Toilettenkabine"🚾zur Schonung des eigenen Abwassertanks! 😉
Doch eine Entsorgung der Wohnmobil-Abwässer darin? - Unmöglich, undenkbar!
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| Mobile Toilettenkabine für Campingplatz-Nutzer. |
Atlin hat kein kommunales Kanalnetz, weder für Regen- noch für Abwasser. Die meisten Gebäude nutzen private Septikanlagen mit einem Versickerungsfeld oder andere Vor-Ort-Abwassersysteme / Sammeltanks. Die Entleerung der Tanks erfolgt mit Saugfahrzeugen (Septic Trucks), die das Abwasser zur „Anlage“ von Atlin, zur „wastewater lagoon“ bringen. Sie existiert seit 1980.
Dort können auch wir entleeren – wurde uns mitgeteilt! Standort:
hier in GoogleWir suchten also diese uns angegebene Adresse auf und fanden dies:
Zwei Lagunen, die jedoch weder blau schimmerten noch angenehm rochen.
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RV-Dump in die "Abwasser Lagune"
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Die Einleitstelle für Wohnmobil-Abwässer in Atlin ist das weiße Rohr (im Bild unten rechts). Der umgefallene Abfalleimer mit vielen benutzten blauen Nitril-Einmalhandschuhen verschönt nicht gerade diese "Dump-Station".
Nach dem Entleeren des Abwassertanks ins erste Becken, der sogenannten "fakultativen Lagune", sollen sich die „schweren Feststoffe“ am Boden absetzen und Schlamm bilden. Im Wasser sollen Bakterien die organischen Inhaltsstoffe abbauen. An der Oberfläche würden Algen und Luft-Sauerstoff für eine weitere biologische Reinigung sorgen.
Nach der biologischen Reinigungsstufe gelangt das vermeintlich gereinigte Wasser in ein Speicherbecken, indem aufgrund der langen kalten Winter das Wasser über eine längere Zeit gespeichert werden muss, ehe es in der wärmeren Jahreszeit in Versickerungsbecken (Rapid Infiltration Basins) geleitet / gepumpt wird. Dort kann das Wasser langsam durch Sand und den natürlichen Boden versickern. Der Boden soll dabei als zusätzliche Reinigungsstufe (Filtration) wirken und weitere Keime sowie Nährstoffe zurückhalten, bevor das Wasser das Grundwasser erreicht [Info der Taku River Tlingit First Nation].
Das Besondere in Atlin ist also, dass die „Kläranlage“ nicht nach dem Prinzip einer klassischen Abwasserreinigungsanlage arbeitet und das gereinigte Wasser direkt in einen Bach / Fluss einleitet. Stattdessen besteht das derzeitige System aus:
Tankwagen → Truck Dump → 2 biologische Lagunen → Speicherbecken → 2 Versickerungsbecken → Bodenreinigung → Grundwasser.
Die Versickerungsstelle befindet sich weit oberhalb des Ortes, das Trinkwasser bezieht der Ort aus dem See.
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Die neue Abwasserbehandlungsanlage ist noch nicht fertig - gesichert hinter einem umlaufenden Zaun |
Dieses oben beschriebene Abwasserreinigungskonzept – "Prinzip Donnerbalken" - wird in vielen kleinen nordkanadischen Gemeinden angewendet, da es robust ist, wenig Energie benötigt und auch bei langen Wintern funktioniert.