Die Distanz zwischen Watson Lake (Campground) und Teslin Lake auf dem Alaska Highway beträgt gut 260 Kilometer; das war unsere angestrebte Fahrstrecke für den heutigen Tag.
Zwanzig Kilometer nach Watson Lake erreichten wir die Kreuzung, an der der Cassiar Highway (Highway 37) vom Alaska Highway nach Süden abzweigt und von hier über 725 Kilometer nach Kitwanga in British Columbia führt. Hier konnten wir die Tankstelle „Junction 37“ und alle ehemaligen auf dem Gelände befindlichen Relikte aus früheren, d.h. „besseren Zeiten“ noch sehen, die aber mehr und mehr verfallen - und nicht weggeräumt werden!
Dieses Hinweisschild am Alaska Highway informiert, jedoch leider falsch - und das seit Jahren!In Junction 37 kann man schon lange nicht mehr nächtigen, zelten oder mit dem Wohnmobil campen, nur Benzin bekommt man noch an einer von ehemals drei Tankstellen.
Etwa einen Kilometer hinter der "Junction 37" passierten wir die Lodge „Nugget City“ (mile 630), in der die neuen und jungen Eigentümer viel renovieren, weil man sich an neuem Standard orientieren möchte.
Das alte Inventar dieser Hütten wurde bereits entfernt, das neue, noch einzubauende ruht derzeit abgedeckt vor den Hütten.
Nicht nur die Hütten als Übernachtungseinheit werde komplett renoviert, sondern auch viele weitere Gebäude befinden sich in "Nugget City" im Wandel.Nach weiteren 90 Kilometern durch Landschaft und Natur erreichten wir die ursprünglich bereits 1945 erbaute, ehemalige Lodge „Rancheria“ am Rancheria River (Länge: 170 Kilometer, mündet in den Liard River), die 2018 nach dem Tod des Besitzers geschlossen wurde und seither leer stand. Anfang Mai 2026 jedoch brannte das ehemalige Restaurant und dann noch einmal Anfang Juni eine Moteleinheit ab - auch so verschwindet Geschichte.
| Nicht nur Schutt und Asche, sondern auch noch jede Menge Blech und Eisen blieben nach dem Brand übrig. |
15 Kilometer nördlicher wollten wir eigentlich die Rancheria Falls besuchen; der Wanderweg dorthin war aber bis auf Weiteres wegen Beschädigungen an einem Holzsteg über Felsen geschlossen.
Übrigens sind mexikanisch / spanische Goldsucher für den Namen des Rancheria Rivers verantwortlich. Sie nutzten das spanische Wort "ranchería oder rancherío", um so lockere Ansammlungen von Hütten und Lager der einheimischen Bevölkerung oder Siedlungen von Landarbeitern zu benennen.
Von einer weitere ehemalige Lodge die wir passierten, die Message Post Lodge bei historischer Meile 717, sind wiederum neben Brandspuren nur noch die ehmaligen Reste der Tankstelle sichtbar. Dort, wo heute Büsche wachsen, standen einmal die Zapfsäulen. Der rudimentäre Lampenmast steht noch.
Auf der westlichen Seite des Alaska Highways wurden nun die Berge immer höher. Es handelt sich um Ausläufer der Cassiar Mountains und etliche der Bergspitzen waren noch schneebedeckt. Gleichzeitig begleiteten uns weiterhin endlose Wälder mit Schwarzfichten und Espen, im wahrsten Sinne eine „unberührte“ Wildnis.
Wiederum fünfzehn Kilometer weiter fuhren wir an der ehemaligen Swift River Lodge vorbei, die im Jahr 2009 wegen Abwasser- und Trinkwasserproblemen geschlossen wurde. Auch sie wird immer mehr dem Verfall preisgegeben; nur noch das Haupthaus der ehemaligen Lodge "steht", die anderen Nebengebäude wurden entweder abgerissen, abgebrannt oder dem natürlichen Verfall überlassen.
Das Tal des Swift Rivers ist in dieser Region besonders unberührt und der Fluss (Länge: 150 Kilometer, mündet in den Teslin Lake) ist ein Geheimtipp für Angler.
Von hier brauchten wir knapp 30 Kilometer, um die Continental Divide Lodge an der historic mile 721 (Kilometer 1120) zu erreichen, die außer einem fehlenden Restaurant noch vollständig betrieben wird (von Mitte Mai bis Ende September).
Seit Jahren hängt dieses Schild schon verkehrt herum, doch keinen interessiert / stört es.
Früher war es einmal ein Zeichen dafür, das dies zwar der angegebene Ort ist, er aber nicht mehr betrieben wird. Betrieben wird er noch, steht aber derzeit für CAN$ 1.5 Mio zum Verkauf.
Auch das Schild auf dem Dach weckt falsche Hoffnungen. Statt einem Mittagessen gibt es nur Muffins und Zimtschnecken!Die Lodge liegt an einem interessanten geographischen Punkt, der kontinentalen Wasserscheide im Yukon. Hier fließen in östlicher Richtung die Flüsse bzw. alle Wassersysteme Richtung MacKenzie River und münden über ihn in die Beaufort See (Arktischer Ozean), während in westlicher Richtung, insbesondere hier zunächst der Swift River, d.h. die Wassersysteme über den Yukon River, letztendlich in den Pazifik münden.
Es folgten weitere 70 Kilometer durch die Wildnis bis zur ehemaligen Morley River Lodge, von der inzwischen fast gar nichts mehr zu sehen ist. Nur noch Brandspuren und Metall, das nicht verbrannte.
Knapp dahinter befindet sich das ehemalige Dawson Peaks Resort, das leider auch seit 2020 nicht mehr betrieben wird, aber sehr schön an einem See gelegen ist.
Der Name dieses ehemaligen Resorts weist auf den Blick des sich im Westen befindlichen Bergs [Dawson Peaks (Höhe: 1.700 Meter)] hin.
Danach hatten wir nur noch die letzten 35 Kilometer der Etappe zu bewältigen und konnten bald in der Ferne bereits die imposante "alte" Nisutlin Bridge entdecken.
Ein Neubau der Nisutlin Bridge (rechts im Bild vor der stählernen) begann 2022 und sollte 2026 abgeschlossen werden; zurzeit ruht jedoch Fertigstellung der Baumaßnahme, weil ein neues Gutachten über die Bodenbeschaffenheit am Nordende der Brücke notwendig wurde. Wir überquerten die Nisutlin Bay also erneut auf der alten Brücke. Die Nisutlin Bridge trägt ihren Namen nach dem hier in den Teslin River (Länge: 630 Kilometer) einmündenden Nisutlin River (Länge: 240 Kilometer).
„Nisutlin“ bedeutet in der Sprache der in dieser Region wohnenden First Nation, den Tlingit, „ruhiges Wasser“. „Teslin“ bedeutet in der Sprache der Tlingit „langes schmales Wasser“.
Der Teslin Lake wird durch den Teslin River „gespeist“ und „entwässert“, d.h., der Teslin River fließt durch den Teslin Lake hindurch. Der See liegt auf einer Höhe von 680 Metern, hat eine Fläche von 350 km² und ist 145 Kilometer lang. Am Ost- und am Südufer sieht man die Bergketten der Dawson Peaks und des Teslin Plateaus mit durchschnittlicher Höhe von über 2.000 Metern.
An der Einmündung des Nisutlin Rivers liegt der kleine Ort Teslin (240 Einwohner), der vor allem durch seine Tlingit-Bewohner geprägt ist. Im Besonderen wird im besuchenswerten George Johnston Museum ↗ und im Teslin Tlingit Heritage Museum ↗ die Kultur der hiesigen Tlingit präsentiert.
