Mittwoch, 22. Juli 2026

Die Totem Poles von Haines/Alaska

Der Ort Haines bzw. Haines Borough, d.h. der gesamte Stadtbezirk Haines, liegt in einem Gebiet, das über Jahrhunderte von den hiesigen Tlingit First Nation, überwiegend von ihren Gruppen Chilkat und Chilkoot, bewohnt wurde und deren Kultur die Region stark beeinflusste. Auch heute sind noch über zehn Prozent der Gesamtbevölkerung direkte Nachfahren dieser beiden Gruppen. Aus diesem Grund entdeckt man im Haines Borough zahlreiche Totem Poles an verschiedenen Orten. 
Diese geschnitzten und bemalten Pfähle, meist aus Zedernholz, sind keine religiösen Gegenstände oder Kultobjekte, sondern mit den auf ihnen dargestellten Figuren werden Geschichten / Legenden erzählt, an wichtige Ereignisse erinnert, Familien- bzw. Clansymbole wie eine Art Wappen beschrieben oder der Stammbaum einer Familie / eines Clans mit seinen Rechten dargestellt.
Wir unternahmen eine „Totem Pole Tour“ durch Haines Borough und begannen am Ortseingang am Haines Highway. Hier wurden wir mit einem großen Willkommensschild („welcome to Haines/Alaska“) begrüßt, das links und rechts mit zwei Totem Poles eingefasst ist. Der linke Pfahl zeigt einen Raben mit einem Wal um Schnabel, der rechte zeigt einen Adler mit einem Lachs-König (salmon king).
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Wir fuhren dann in die obere Main Street weiter zum Haus der Familie Sparks. Dort hat Bill Sparks anlässlich seiner Hochzeit mit seiner Frau Mildred 1980 einen Totem Pole in Auftrag gegeben, der einen tauchenden Raben mit einem Wolf darstellt.
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Vom Haus der Familie Sparks ging es zurück zum Haines Highway bis zur Haines School. Dort steht ein in die Jahre gekommener Totem Pole aus dem Jahr 1976, der neue Farbe gebrauchen könnte, der aber eine große symbolische Bedeutung hat. Es handelt sich um einen „Feundschafts-Pfosten“, der die enge Verbindung von Raben- und Adler-Clan zeigt.
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Gleich daneben folgte in der 3rd Ave ein sechs Meter hoher Totem Pole, der in einem kleinen Park neben der Stadt-Bücherei aufgestellt ist. Er beeindruckte uns sehr, denn er erzählt die Geschichte der Bücherei. Die unterste Figur stellt eine Frau dar, die in ihren Händen eine „Kiste des Wissens“ (box of knowledge) hält. Sie soll an den Beginn der Bücherei im Jahr 1928 erinnern, als der hiesige „Women’s Club“ die Bücherei gründete. Die weiteren Figuren stehen für die Förderer der Bücherei (the patrons) und für die Kinder der Chilkat, die sich hier Bücher (Wissen) zum Lernen ausleihen können (Where they go to learn by themselves).
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Weiter den Haines Highway entlang erreichten wir das Gebäude der „American Bald Eagle Foundation“. Neben dem Eingang stehen zwei Pfosten aus Zedernholz, der Eagle-Post und der Raven-Post. Auf dem Adler-Pfosten entdeckt man einen Adler, einen Bären, einen Mann und einen Orca sowie weitere kleine Figuren (Eule, Uhu und Bussard), was den Bezug der Stiftung zur Vogelwelt zeigen soll. Auf dem Raben- Pfosten sind Rabe, Frosch, Frau und Lachs sowie als kleinere Figuren Schweinswal, Reiher, Krabbe und „Hooligan“ eingeschnitzt. Hier lernten wir etwas Interessantes: „Hooligan“ nennt man in Alaska einen kleinen, sehr ölhaltigen Fisch (Länge: 20 cm), auch als Kerzenfisch oder Eulachon bekannt, den man im April in den hiesigen Flüssen fangen kann.
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Von dem Gebäude der Stiftung begaben wir uns zum Fort Seward. Hier sind gleich mehrere Totem Poles aufgestellt. Auf dem ehemaligen Paradeplatz des Forts steht ein hoher Totempole und vor dem ehemaligen Headquarter, heute ein Privathaus, entdeckten wir einen weiteren. Es sollten eigentlich noch mehr zu finden sein, aber auf dem Gelände des Forts finden zurzeit Umbaumaßnahmen statt. Die Exemplare würden sowieso einen neuen Farbanstrich vertragen.
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Unser nächstes Ziel war der Lookout Park in der Beach Road bzw. der Front Street im Hafen. Dort steht seit 1983 ein Totem Pole, um das Chilkat Valley und das Chilkoot Valley zu ehren. Von hier aus kann man in beide Täler fahren. Auf dem Pfosten hebt ein Häuptling des Eagle-Clans seine Frau, die aus dem Raven Clan stammt, und sein Kind in die Höhe, womit die Ausgeglichenheit zwischen den beiden Tälern und ihren Bewohnern dargestellt werden soll.
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Vom Lookout-Park war es nicht mehr weit bis zur unteren Main Street, wo wir am Sheldon Museum und dem dortigen Totem Pole ankamen. Er gehört zu den jüngeren Exponaten, denn er wurde erst 2015 aufgestellt. Auf ihm sind wichtige Bezüge zum Sheldon Museum eingeschnitzt, sogar ein Tourist in einem blauen Alaska-T-Shirt, der in einem Kanu sitzt. An der Spitze sieht man eine der berühmten Chilkat-Webdecken, die von den hiesigen First Nation hergestellt werden. Sie symbolisiert, dass das Sheldon Museum die wichtige Aufgabe hat, dass solche Fertigkeiten nicht vergessen werden.
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Wir liefen zur nächsten Station in der 2nd Ave/Ecke Dalton Street, dem Totem Pole Kunstwerk, das sich seit 2017 vor dem Veterans Home befindet. In der Mitte eines Schildes sind sowohl ein inneres Krieger- als auch ein äußeres Medizin-Rad dargestellt, die einmal die Veteranen aus der Region ehren und zum zweiten an die Heilung aller Menschen erinnern sollen. Rechts und links stehen Totem-Pfosten der Clans zweier Tlingit-Veteranen, Dr. Walter Soboleff und Howard McRae. Das Kunstwerk trägt übrigens den Namen „Warriors Spirit“.
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Nach diesem Besuch fuhren wir zurück in die Front Street und dort zum zweiten „Welcome Pole“ von Haines Borough. Man kann Haines einmal über den Haines Highway erreichen, so wie wir angereist waren. Die zweite Möglichkeit ist die Anreise mit der staatlichen Autofähre über das Alaska Marine Highway System (AMHS). Der Ferry Terminal von Haines befindet sich ganz in der Nähe in der Lutak Road. Erneut steht auf einem Schild „welcome to Haines/Alaska“ und soll die Gäste begrüßen, die mit der Fähre angekommen sind. Neben dem Schild stehen wie auch bereits am Ortseingang von Haines zwei Totempfosten. Die eine Seite zeigt Köpfe von einem Bär, einem Adler und einem Wolf, auf der anderen Seite sind sogenannte „tinaa“ eingeschnitzt. Diese „tinaa“ sind gehämmerte und oft auch gravierte, historische Kupferschilde, die Reichtum und Anerkennung symbolisierten.
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Danach ging es für uns zum letzten Exemplar der Route, ziemlich außerhalb liegend.
Dazu mussten wir die Lutak Road sechszehn Kilometer Richtung Chilkoot Lake fahren. Hier steht der „Folletti Family Pole“ mit dem Namen „Chilkoot Haven“. Die Familie Foletti ist bei den hiesigen Chilkoot seit mehreren Generationen sehr bedeutend. Die heute wichtigste Vertreterin der Familie ist Sue Foletti, die USA-weit für ihre traditionellen Silbergravuren bekannt ist. Der 4,8 Meter hohe Totem Pole zeigt die Clangeschichte der Familie Foletti, beginnend mit der Großmutter in der Figur des Frosches und fortführend mit der Mutter in der Figur des Adlers und mit dem Vater in den Figuren von Rabe und Heilbutt.
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Zugegeben, man muss sich für Totempfähle interessieren und etwas Zeit dafür verwenden herauszufinden, welche Geschichte sich hinter welcher "Schnitzerei" verbirgt. Dann werden sie zum "Geschichtsbuch!
Wir waren auf jeden Fall auch von diesem Ort begeistert, an dem dieser Totem Pole in der Landschaft steht und seine Geschichten "erzählt".

Dienstag, 21. Juli 2026

Die Haines Road

... oder der Haines Highway


Offiziell wird die Straße, die wir von Haines Junction im Yukon Territory über gut 240 Kilometer bis nach Haines in Alaska nutzen wollten, als Haines Highway #7 bezeichnet; die Einheimischen nennen die Straße aber immer noch die Haines Road. Die Kilometer für diese Straße werden normalerweise ab Haines mit Kilometer 0 und bis Haines Junction mit Kilometer 246 angegeben.
Die Haines Road wurde erst 1943 als militärische Versorgungsstraße gebaut, verläuft aber entlang einer Strecke, die über Jahrhunderte von den First Nation als Handelsweg genutzt wurde. Ab 1892 erkundete der Pionier und Transportunternehmer Jack Dalton (1856-1944) diesen Handelsweg genauer,  errichtete feste Stationen und baute ihn von Haines bis nach Champagne so aus, dass er ihn ab dem Klondike-Goldrausch als Mautstraße nutzen konnte. Der Weg erhielt den Namen Dalton Trail und ist auch heute noch teilweise in der Haines Road integriert.
Wir starteten ab Haines Junction (Km 246) über die zwei Brücken, die über den Dezadeash River (KM 245) führen, passierten nach neun Kilometern den Parkplatz (Km 239), den man nutzen kann, wenn man den Auriol Rundwanderweg laufen möchte und erreichten nach 28 Kilometern den Kathleen Lake, der zehn Kilometer lang und sieben Kilometer breit ist und eine Fläche von fast 3.400 Hektar hat.
Einen ersten Blick auf den Kathleen Lake konnten wir bereits fünf Kilometer vorher vom Haines Highway aus genießen (Km 226). 
see
Das obige Bild zeigt den Kathleen Lake vom Highway aus. Wenn man ihn besser sehen möchte, muss man vom Highway abfahren. Dann hat man allerdings dieses Panorama vor sich:
Kathleen Lake
Wenn man dann noch in die Bildmitte hineinzoomt - sieht man die schneebedeckten Berge und Gletscher, in deren Region wir erst in gut zwei Wochen fahren werden.
schnee
Direkt hinter dem See erhebt sich der King’s Throne Peak (Höhe: 1.990 Meter), der uns an diesem zunächst sonnigen Tag mit einem traumhaften Panoramablick beschenkte. Ein Polizist der North-West Mounted Police, William Hume (1868-1950), benannte den See um 1900 nach seiner ehemaligen Geliebten in Schottland.
Übrigens befindet sich direkt hinter dem Kathleen Lake ein weiterer See, der Lake Louise, der natürlich nichts mit dem in den Rocky Mountains bei Banff zu tun hat.
Vierzehn Kilometer weiter erreichten wir den Parkplatz (Km 202), der zu einer Wanderung zum sogenannten Rock Glacier (Felsengletscher) einlädt. Die Distanz zur Aussichtsplattform beträgt nur 800 Meter, aber man muss recht steil bergauf steigen.
Am Rock Glacier befindet sich auf einer längeren Strecke ein Gemisch aus Felsen und Geröll, das durch tieferliegendes Permafrost-Eis zusammengehalten wird.
Allerdings bewegt sich diese Geröllmasse im Laufe der Zeit minimal und zähflüssig bergab, oft nur wenige Zentimeter im Jahr. Gewissermaßen verhält sich diese „Gesteinslawine“ wie ein Gletscher mit dem Unterschied, dass das Eis von Geröll bedeckt ist.
zum trail
Schuhe
Durch das nasse z.T. moorig sumpfige Gebiet in den Niederungen führt ein Holzsteg, doch danach führt der Pfad über loses Gestein weiter hinauf.
Weg
Steingletscher
Der Felsen-Gletscher in der Bildmitte
Gletscher
Auf der weiteren Fahrt konnten wir auf der linken Seite den recht großen Dezadeash Lake sehen (Länge: 19,5 Kilometer, Breite: 7 Kilometer, Fläche: etwa 89 km²).
Lake
Nach 64 Kilometern (Km 182) fuhren wir vom Highway zum Klukshu Village ab, einem Sommerdorf der First Nations. Dieser Ort wird auch heute noch von den Champagne und den Aishihik als Fisch-Camp für den Lachsfang genutzt.
village
Lachs
fischfang
trocknen
hütten
huetten
huetten
schuppen
baer
Im folgenden Straßenabschnitt zweigten mehrmals kürzere und längere Wanderwege ab, bis wir nach achtzehn Kilometer die nach links abbiegende Schotterstraße erreichten (Km 164), die nach fünf Kilometern zu einigen Relikten der ehemaligen „Dalton Post“ führt. Die Straße war so schlecht, dass wir uns gegen diesen Abstecher entschieden.
Fünf Kilometer weiter (Km 159) folgte eine beeindruckende Naturerscheinung – hier fuhren wir über eine kurze Schotterstraße zum „Million Dollar Falls Campground“ direkt am Takhanne River, um von dort zur Aussichtsplattform auf die Wasserfälle, den „One Million Dollar Falls“, zu gehen.
Der Takhanne River stürzt hier durch eine enge Schlucht 60 Meter in die Tiefe.
Wasserfall
wasserfall
Der unübliche Name entstand durch ein Gerücht aus den 1940er Jahren. Damals befand sich dort ein Bau-Camp der U.S.Army mit einer angeblich sehr luxuriösen Bade-Baracke mit 21 Toiletten. Die Errichtung der Baracke sollte angeblich eine Million Dollar gekostet haben -  und wurde fast nie genutzt. Die Baracke ist verschwunden, das Gerücht und der Name sind geblieben.
Bei Kilometer 145 befindet sich heute der Stützpunkt „Blanchard River“ der Straßenmeisterei des Haines Highway. Ursprünglich war dies die Pumpstation Blanchard River an der von der US-Armee betriebenen Pipeline von Haines nach Fairbanks. Diese Pipeline mit einem Durchmesser von etwa 20 cm wurde in den Jahren 1954/55 erbaut und anschließend bis 1973 betrieben. Über diese Pipeline wurden auf einer Distanz von über 1.000 Kilometern Kerosin, Benzin und Diesel während des "kalten Krieges" von der Küste ins Landesinnere zu militärischen Einrichtungen gepumpt.
Pumstation
Anschließend verließen wir das Yukon Territory und erreichten die Provinz British Columbia. 
Yukon
BC
Danach folgten wieder zahlreiche kleinere Aussichtspunkte und viele Abzweigungen zu Wanderwegen entlang verschiedenen kleiner Bäche während uns die Straße immer weiter höher führte. Die Landschaft hier wird als alpine Tundra bezeichnet. Es gab kaum noch Bäume, dafür aber moosreiche, sumpfige Feuchtgebiete und karge, sandige Weiten.
sumpf
weite
tundra
Nach weiteren 60 Kilometern erreichten wir endlich den höchsten Punkt der Haines Road, den Summit (Km 102) bzw. den Chilkat Pass, mit einer Höhe von 1.070 Metern. Hier oben befindet sich die geografische Trennlinie zwischen den Elias Mountains und den Coast Mountains, gleichzeitig ist hier oben die Wasserscheide für die hiesigen Flusssysteme zu finden.
rv
top
abwärts
Bald nach dem Chilkat Pass (ab Km 91) erblickten wir die Three Guardsmen, eine markante Berggruppe aus Felsnadeln und felsigen Gipfeln. Aufgrund ihres trutzigen Aussehens haben sie die Menschen schon immer an eine Gruppe von Wächtern (guards) erinnert. Der höchste Gipfel (Glave Peak) erreicht eine Höhe von 1.920 Metern. Das hiesige Berggebiet wird auch „rainy hollow“ genannt und ist ein historischer Bergbaudistrikt, in dem vor allem nach Kupfer geschürft wurde.
berge
top
lake
links der "guardsmen-lake"
guardsmen
Die drei "guardsmen"
Interessant war auch, dass diese doch hohen Berge oft nur aus Sand und Geröll bestehen und mit jedem neuen Niederschlag, jeder Schneeschmelze weiter ausgewaschen werden.
sand
dunkle wolken
Nun mussten wir noch einmal weitere 55 Kilometer durch die Bergwelt auf der Haines Road bewältigen bis wir endlich mit dem Pleasant Camp (Km 40) die kanadisch-amerikanische Grenze erreichten.
Die amerikanische Seite wird „Dalton Cache“ genannt.
Dalton Cache
Alaska
Die restliche Strecke über sechzig Kilometer von der kanadisch-amerikanischen Grenze bis nach Haines beschreiben wir in einem weiteren Bericht, weil sich an dieser Strecke, die entlang des Chilkat Rivers führt und die auch die „Tal der Adler“- Straße genannt wird, zahlreiche touristische Punkte befinden, die wir von Haines aus startend gesondert besucht hatten.
wolken

Tief hingen die Wolken bei kühlen Temperaturen, als wir nach gut 245 Kilometern auf der Haines Road den Ort Haines in Alaska erreichten.
Haines Road