Nachdem wir einen „Wellness-Tag“ bei strahlendem Sonnenschein in den Hot Pools der auf dem historischen Gelände der Takhini Hotsprings erbauten Anlage Eclipse Nordic Hotsprings ↗ verbracht hatten, stand ein Besuch des benachbarten Yukon Wildlife Preserves ↗ auf unserem Programm.
Hier führt ein 5 Kilometer langer Rundweg durch ein naturbelassenes Gelände auf einem Areal von über 280 Hektar (2.800.000 m²). Das Gelände gehört dem Yukon Territory und der Wildpark bzw. das Wildtierreservat werden von einer gemeinnützigen Organisation, der Yukon Wildlife Preserve Operating Society (YWPOS), ehrenamtlich betrieben.
In dem Naturschutzgebiet leben in weitläufigen, natürlichen Gehegen mehr als zehn verschiedene Arten nordkanadischer Säugetiere, die im Yukon Territory beheimatet sind: Bisons (Woodbison), Caribous (Woodland Caribou), Elche (Moose), Rothirsche (Elk/Wapiti), Rotfüchse (Red Fox), Luchse (Canada Lynx), Schneeziegen (Mountain Goat), Moschusochsen (Musk Ox), Maultierhirsche (Mule Deer), Wildschafe (Thinhorn Sheep – Dall Sheep, Stone Sheep) und eine riesige Population von kanadischen „Erdhörnchen“ („arctic ground squirrels“). Der Park ist ganzjährig geöffnet und im Winter kann man den Rundweg mit Skiern oder Schlitten befahren.
Die Betreiber des Yukon Wildlife Preserve haben das Ziel, Natur- und Tierschutz so zu praktizieren, dass die Besucher bei ihrem Rundgang viel über die Lebensweise der Tiere lernen können, ohne die Tiere zu belästigen. Es wird übrigens neben dem Wildpark auch eine Auffangstation für verletzte Tiere betrieben und es werden Bildungsprogramme für Schüler und Studenten angeboten.
Der Wildpark entstand, als Danny Nowlan (1929-2011) das Gelände 1967 kaufte und es „Yukon Game Farm“ benannte. Er siedelte in dem Areal die ersten typischen Yukon-Säugetiere an und betrieb gleichzeitig noch eine größere Falknerei.
Einige seiner Falken verkaufte er angeblich zu hohen Preisen in die arabische Welt. Nach verschiedenen juristischen Problemen gab Danny Nowlan Mitte der 1980er Jahre die Falkenzucht auf, während der Wildpark zu einem immer größeren Besuchermagnet wurde.
1989 erhielt die Einrichtung durch die Nowlans ihren bis heute gültigen Namen. Ab 2001 bot die Familie Nowlan die Anlage zum Verkauf an, die schließlich im April 2004 von der Regierung des Yukon Territory erworben wurde.
Wir entschieden uns, den Park mit einer geführten zweistündigen Bus-Tour zu erkunden und bekamen so etliche Zusatzinformationen erzählt. Wir begannen bei den Waldbisons, die mit 16 erwachsenen und vier Jungtieren in einer ständigen Herde zusammenleben. Diese mächtigen Tiere (Bullen bis 950 kg, Kühe bis 600 kg) unterscheiden sich von dem Prärie-Bison durch einen höheren, weiter vorne liegenden Rückenhöcker und ein dunkleres Fell.
| Waldbison |
Weiter ging es beim Gehege der Mule Deer, der Maultierhirsche, die mit immerhin fast 30 Exemplaren zu bestaunen waren. Wir erfuhren, dass diese Tiere erst in den 1920er Jahren aus südlicheren Bereichen in den Yukon eingewandert sind. Durch ihre großen, maultierähnlichen Ohren und ihr weißes Hinterteil haben sie ein auffälliges Aussehen. Bei Gefahr fliehen sie in weiten, für sie typischen „Hüpf-Sprüngen“.
Gegenüberliegend konnten wir einer Herde Rothirsche beim Äsen zuschauen. Hierbei handelt es sich um ein männliches Tier mit über zehn weiblichen Tieren und Jungtieren. Der Wildpark hat weitere vier männliche Hirsche in einem anderen Gehege untergebracht, weil das Zusammenleben mehrerer Männchen nicht immer problemlos funktioniert. Wir wurden übrigens darüber aufgeklärt, dass es sich bei den „Elks“ und den „Wapitis“ um dieselben Tiere handelt, „Wapiti“ ist ein aus der Shawnee-Sprache übernommener Begriff.
| Elk |
Die Elche versteckten sich an diesem Tag in ihrem weitläufigen Gelände; zwei waren nur aus größerer Entfernung zu sehen, aber wir konnten im folgenden Gehege einige Moschusochsen aus nächster Nähe sehen. Die Population der Musk Ox in freier Wildbahn gilt als gefährdet, man geht davon aus, dass der Bestand geringer als 300 Tiere ist. Auch diese Tiere, die seit Urzeiten angepasst an das arktische Klima existieren, haben ein Gewicht bis 400 kg und beide Geschlechter tragen imposante, nach unten gebogene Hörner.
Beeindruckend fanden wir, dass wir eine Probe des Fells anfassen durften. Die Fellhaare der Moschusochsen sollen die wärmsten natürlichen Fasern sein und Wolle aus diesem Fell ist extrem teuer.
Die weitere Rundfahrt führte uns in ein gebirgiges Areal – zunächst zu den „Thinhorn Sheep“. Im Yukon Territory kommen keine Bighorn Sheep vor und werden dementsprechend im Yukon Wildlife Preserve auch nicht gehalten. Im Gelände leben weiße Dall Sheep und graubraune Stone Sheep zusammen. Häufig kommt es so zu gemischten Nachkommen, die den Namen „Fannin Sheep“ tragen. Sie zeigen Färbungen aus beiden Familien.
Benachbart sind die Woodland Caribou untergebracht und zwar nur sieben Exemplare. Im Gegensatz zu den in großen Herden über weite Strecken wandernden arktischen Caribous leben die Woodland Caribous in kleinen Gruppen in borealen Wäldern und Sümpfen. Bei dieser Tierart tragen sowohl die Männchen als auch die Weibchen Geweihe. Die Tiere haben besonders breite, sichelförmige Hufe, die im Winter wie Schneeschuhe wirken und die sie zu guten Schwimmern machen. Der Bestand zählt als gefährdet.
| Woodland Caribou |
In einem noch felsigeren Bereich waren die Mountain Goat oder Schneeziegen Zuhause, immerhin in einer Herde von fast zwanzig Tieren. Bei ihnen fiel vor allem der extreme Fellwechsel zum Sommerfell hin auf. Selten hatten wir so „zerrupfte“ Wesen gesehen. Eigentlich sind diese Tiere keine echten Ziegen, sondern sie sind eher mit den Antilopen verwandt. Auf jeden Fall sind sie begabte Kletterkünstler und haben eine riesige Sprungkraft.
Bei den Gehegen von Luchs und Rotfuchs hatten wir kein Glück. Die eher nachtaktiven Tiere hatten wohl keine Lust auf Tageslicht und Besucher.
Abschließend möchten wir betonen, dass sich ein Besuch im Yukon Wildlife Reserve absolut lohnt – er ist lehrreich und ermöglicht beeindruckende Beobachtungen von weniger scheuen Tieren als in der freien Wildbahn..