Samstag, 13. Juni 2026

Bis nach Fort Nelson


Nach unserem informativen Gespräch mit Isabel und Ryan starteten wir unsere nächste Etappe entlang des Alaska Highways (HW 97 N). Das Sheperd’s Inn befindet sich an der Historischen Meile 72.

Wir passierten die Ansiedlung Wonowon, benannt nach der Historischen Meile 101(one-o-one).

Nach 115 Tageskilometern erreichten wir das „Buffalo Inn“ am Pink Mountain, das an der historischen Meile 143 liegt. Es wurde 1971 von dem Bauunternehmer Silvio Salustro und seiner Frau Kathleen erbaut, die es aber bereits 1978 weiterverkauften. Die heutige langjährige Besitzerin in Melody Magaton.
Buffalo Inn
Schwein
Der Koch führt das Hausschwein aus
Der Koch hält sich zur Verwertung der eventuell zurückgegebenen Speisen ein Schwein, das er von den Nachbarn gegenüber gekauft hatte.

Tanken konnte man früher einmal an dieser Tankstelle, die noch zur Lodge gehört; heute hat ein Franchise-Unternehmen einen oberirdischen Tank aufgestellt, der mit Kartenzahlung Benzin für die Durchreisenden anbietet.
ehemalige Tankstelle
Benzin gibt es hier schon lange nicht mehr
Direkt gegenüber liegt ein Post Office und der Pink Mountain Campsite und RV Park, der von Lory Dille und ihrem Mann Korey betrieben wird. Ihnen gehört auch der 30 Kilometer weiter entfernte Sikanni River Campground & Park ↗ .Von dort holen sie das Trinkwasser für Pink Mountain.
143
Pink Mountain Campsite & RV Park
Pink Mountain
Pink Mountain Store
Kurz nach „Buffalo Inn“ und „Pink Mountain Campside & RV Park“ passierten wie „Sasquatch Crossing“ (Historische Meile 147), wo einst die Besucher sogar von einem verkleideten „Sasquatch“ unterhalten wurden. Der „Sasquatch“ (Salish-Sprache: „wilder Mann) ist als Bigfoot bekannt und soll ein menschenähnliches, haariges Riesenwesen mit großen Händen und Füßen sein.
Auch diese Lodge ↗ gehört seit 2000 Melody Magaton und erlebte in der Zeit vor COVID ihren touristischen Höhepunkt.
Sasquatch-crossing
Sasquatch Crossing Lodge
Sasquatch Crossing
Sasquatch Crossing Lodge

Keinen Kilometer entfernt folgte die Moose Flats Lodge, die viele Jahre unter dem Namen Mae’s Kitchen bekannt war. Sie wurde ab 1978 von Rosella Mae Moore (1934-2023) aus Texas kommend betrieben, die später nach Watson Lake umsiedelte und dort ein Handarbeitsgeschäft eröffnete.
Melody Magaton erwarb nach einigen Jahren Leerstand im Jahr 2017 auch dieses Anwesen und nannte es in Moose Flats um.
Moose Flats
Moose Flats
Auf dem ehemaligen Vorplatz, wo sich auch einmal eine Tankstelle befand, entluden gerade Arbeiter Gerüstteile für eine bevorstehende Sanierung der Brücke über den nahen Beatton River.
Zu sehen sind auch noch Holzhütten, die früher einmal Gästen zur Übernachtung dienten.
Gerüst
147

Weiter fuhren wir über die Brücke des Sikanni Rivers. Rechts dahinter befindet sich der Sikanni River Campground & RV Park.
RV Park

Nach weiteren Kilometern erreichten wir „Buckinghorse River Adventures“ ↗ ( historische Meile 175).
Viele Jahre wurde die Lodge unter dem Namen "Buckingshorse River Lodge" von der Familie Shannon geführt, bis sie 2022 in den Besitz von Lloyd Clark und Leanne Hampton überging und umbenannt wurde. Der Schwerpunkt der heutigen Betreiber liegt auf der Organisation von Jagd- und Angeltouren.
175
175

Danach hatten wir nochmals einsame 175 Kilometer vor uns, bis wir schließlich bei der historischen Meile 300 die kleine Stadt Fort Nelson (2.600 Einwohner) erreichten, wo bereits 1805 von der North West Company ein Pelzhandelsposten angelegt wurde.
nach 300
Einsam und durch endlose Wälder zieht sich der Highway nach Norden
nach 300
nach 300

Freitag, 12. Juni 2026

zu Besuch im Sheperd’s Inn

Wir starteten am Charlie Lake und bereits nach 35 Kilometern auf dem Alaska Highway, heute dem Highway 97 N, erreichten wir die Lodge „Sheperd’s Inn“.
Sie verfügt neben einer Tankstelle über ein Restaurant, einen Convenience Store, eine Bäckerei und ein Motel. Der Außenbereich ist ansprechend mit vielen Blumen gestaltet und es werden auch Blumen zum Verkauf angeboten.
Shepherd´s Inn
The Shepherd´s Inn
Hinter der Organisation dieser Lodge steht die christliche Gemeinde des Shepherd´s Christian
Centers.
Logo
Hier durften wir ein längeres, interessantes Gespräch mit dem Manager, dem Vorstand der Community, Ryan Hotston und Frau Isabel Still, einer Seniorin, die seit 1965 in der Shepherd´s Community lebt, führen.

Isabel und Ryan
Die Geschichten von Isabel und der Community faszinierten uns. Die Gemeinde übernahm das Inn Anfang der 1980er Jahre und startete zunächst nur mit dem Restaurant. Von Jahr zu Jahr kamen Erweiterungen dazu, die letzte war die eigenständige Bäckerei.
Besonders unterhaltsam waren die Geschichten über die wöchentlichen Freitagabend-Konzerte ab den 90er Jahren, wo nicht die übliche Country-Musik sondern mehr klassische Musik präsentiert wurde. Für diese 12 Jahre lang andauernden Traditions-Veranstaltungen kamen teilweise Besucher aus weit entfernten Orten.
Sehr anschaulich beschrieb Isabel die Herausforderungen, die sich für das Betreiben des Inns in den rauen Jahreszeiten des kanadischen Winters ergaben.
Isabel und Ryan nahmen sich viel Zeit für uns und wir waren dankbar, dass wir mit Isabel eine „echte Zeitzeugin“ treffen durften.

Weiterführende Informationen:
Die Geschichte dieses Ortes: The Shephard´s Inn ↗
Die webseite der Lodge;        https://www.theshepherdsinn.ca ↗

Donnerstag, 11. Juni 2026

nach Charlie Lake

Die heutige Tour führte uns nach Charlie Lake.
Bedrohlich dunkle Wolken zogen auf, als wir unsere Tour starten wollten, ...
dunkle Wolken
... unsere Reise auf dem Alaska Highway.
Alaska Highway
Highway
Für den heutigen Tag hatten wir nur eine kürzere Fahrdistanz von knapp 85 Kilometern auf dem Highway 97 vor uns.
Im Kreisverkehr neben dem Northern Alberta Railway Park orientierten wir uns an der Figur eines Landvermessers (surveyor), der mit seiner Hand Richtung Nordwesten nach Alaska zeigt. Mit dieser fast 5 Meter hohen Skulptur, die 2004 von Karl Mattson, einem lokalen Künstler, aus Altmetall von umliegenden Farmen gestaltet wurde, wollte man die Pioniere und Soldaten ehren, die den Alaska
Highway 1942 erbauten.
Landvermesser
Gleich nach dem Ortsausgang erinnerte noch ein altes Schild an die große Zeit des Alaska Highways, als hier einst eine „Trading Post“ noch bis vor der Jahrtausendwende die Reisenden zu einem ersten Halt nach dem Ort Dawson Creek einlud.
Trading Post
Ein Hinweisschild aus längst vergangenen Tagen
Nach knapp 25 Kilometern erreichten wir Farmington Store ↗ mit einem Campingplatz, der früher wie heute bekannt war, Feuerwerk zu verkaufen. Besitzer und Betreiber ist heute ein Koreaner.
Er hatte weit und breit den günstigsten Benzinpreis!
Fünfzehn Kilometer nach Farmington bogen wir vom Highway 97 auf den alten, nur noch von Touristen befahrenen Alaska Highway ab, um über sechs Kilometer auf einer Schotterstraße die seit 2021 für den Straßenverkehr geschlossene Old Kiskatinaw Bridge zu erreichen. 
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Bereits 1978 wurde der Hauptverkehr von der alten Brücke weg auf den Highway 97 umgeleitet. Direkt neben der alten Brücke befindet sich am Ufer des Kiskatinaw Rivers der Campground des Kiskatinaw Provincial Parks.
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2024
So sah die Brücke, der Brückenbelag, am 01.06.2024 aus. Von den kurvig geschnittenen Brettern des Fahrbahnbelages fehlten bereits einige.
morsch
Viele Stellen der Seitenhalterung waren morsch und erfüllten in keinster Weise mehr ihre Aufgabe.
Umso erstaunter waren wir, als wir zwei Jahre später feststellen konnten, dass an der für den Verkehr wegen Erdrutschgefahr gesperrten Brücke Sanierungsarbeiten stattgefunden hatten.
Die Deckplanken waren komplett entfernt, die Oberfläche der Fahrbahn "versiegelt" und die Seitenbefestigungen komplett erneuert!
Bruecke
staender
Die Old Kiskatinaw Bridge ist eine Trestlebridge – also eine Holzständerbrücke, wie wir bereits die Eisenbahnbrücke in Pouce Coupé in gleicher Bauweise bestaunen konnten. Die 30 Meter hohe und 122 Meter lange Brücke wurde 1942/1943 für den Straßenverkehr auf dem Alaska Highway errichtet, überspannt den Kiskatinaw River und beschreibt eine Kurve von 9 Grad – diese Biegung einer Holz- Brücke ist eine absolute Besonderheit.

Nach der historischen Brücke ging es weiter bis zur größeren Stadt Fort St. John mit knapp 22.000 Einwohnern, die überwiegend von der Landwirtschaft und der Öl- und Gas-Industrie leben. Der Ort wurde bereits 1806 von der North West Company als Handelsstation gegründet. Nach Überfällen der First Nations im Jahr 1823 wurde das Fort geschlossen und erst 1860 erneut eröffnet.
An unserem Tagesziel, dem 13 Kilometer langen Charlie Lake, kamen wir direkt nach Fort St.John an. Hier übernachteten wir und besuchten das Charlie Lake Monument, das an den tragischen Tod von amerikanischen Soldaten erinnert, deren Ponton-Boot im Mai 1942 bei der Überquerung des Sees aufgrund hohen Wellengangs und Ausfall eines der zwei Motoren kenterte. Zwölf Männer ertranken.
Gedenkstätte

Mittwoch, 10. Juni 2026

Treffen mit Heidy und Charles

Für uns war es eine große Freude, Heidy und Charles Kux-Kardos in Dawson Creek zu treffen,
die 40 Jahre (1972-2012) lang das „The Alaska-Hotel" ↗ in Dawson Creek betrieben haben – 
nur fünf-und-fünfzig Schritte vom Mile „0“ Post entfernt. 😊
Alaska Hotel
Quelle: Postkarte E. Bartlett
Heidy und Charles
Heidy & Charles Kux-Kardos
Die beiden planen im Jahr 2027 ihre Diamantene Hochzeit (60 Jahre) zu feiern, sind aktiv in der Community engagiert und reisen oft. Sie erzählten uns viele interessante Geschichten aus ihrem Leben, aus dem von Dawson Creek und über den Alaska Highway, über die nur langjährige „Zeitzeugen“, wie diese beiden, verfügen. Für uns war diese Begegnung eine große Bereicherung.

Montag, 8. Juni 2026

im Dinosaur Museum

25 Kilometer nordwestlich von Grande Prairie befindet sich der kleine Ort Wembley.
Hier kann man seit 2015 das Philip J. Currie Dinosaur Museum besichtigen. Der Standort des Museums ↗ wurde wegen einer berühmten Dinosaurierknochen-Fundstelle gewählt, die sich in der Nähe von Wembley befindet. Es handelt sich um das Gebiet des Pipestone Creek, der ein kleiner Nebenfluss (18 km) des Wapiti Rivers ist. Der Wapiti River übrigens mündet in den Smoky River.
Die Fundstätte wird auch „Fluss des Todes“ genannt, weil hier am Ende der Kreidezeit (~143 Millionen Jahre bis 66 Millionen Jahre v. Chr.), vor wahrscheinlich 72 Millionen Jahren, eine große Herde, vermutlich hunderte von Tieren, überwiegend von der Dinosaurierart „Pachyrhinosaurus“, einem nahen Verwandten der „Triceratops“, während einer katastrophalen Flut/Überschwemmung starb. Die
Knochen wurden im Bereich des Pipestone Creek angeschwemmt, von  Sedimentgestein überdeckt und so über Jahrmillionen konserviert.
stammbaum
Die Lagerstätte wurde erst 1973 von einem lokalen Highschool-Lehrer, Al Lakusta, entdeckt. Ihm zu Ehren wurde die Dino-Art „Pachyrhinossaurus lakustai“ genannt.
Das Besondere an dieser Fundstätte ist, dass man eng zusammen vom Ei, über das Jungtier bis zum ausgewachsenen Tier alle Mitglieder einer Dino-Herde vorfindet und dadurch viele Rückschlüsse auf das Zusammenleben der Tiere möglich wurden. Bis heute hat man dort bereits über 8.000 Knochen ausgegraben.
aus-dem-ei
Das Museum wurde nach dem bekanntesten Paläontologen Kanadas, Dr. Philip J. Currie (*1949 in Ontario), benannt. Er ist nicht nur Kurator für Dinosaurier im berühmten Royal Tyrrell Dinosaur Museum in Drumheller, sondern auch Professor für Paläobiologie in Edmonton.
dino
Das Museum bietet Touren zu den Ausgrabungsstätten an, wo man sich als Hobby- Paläontologe betätigen kann. Wir beließen es bei einem Rundgang durch das Museum.
Zahlreiche interaktive Technologien tragen dazu bei, dass man die Dinosaurier und ihre Lebenswelt besser verstehen kann.
Durch Glaswände kann man den Wissenschaftlern im Forschungslabor beim Präparieren der Dinosaurierknochen zusehen. Es wird einem schnell klar, wie beschwerlich und zeitaufwändig diese Arbeit ist.
Labor
Gleich am Anfang des Rundgangs steht man vor einer nachgebildeten Fundstätte, wo einem klar wird, wie schwierig es ist, die Knochen erstens überhaupt auszugraben und zweitens konkrete Zuordnungen zu machen.
Anschließend widmet sich die Ausstellung den Dinosauriern selbst – vor allem natürlich dem „Pachyrhinosaurus“. Es wird auf viele Bereiche der Dino-Lebenswelt eingegangen, wie Ernährung, Fortpflanzung, usw. Auch wird versucht, die Erdzeitalter und die gewaltigen klimatischen und geologischen Veränderungen unserer Erde darzustellen, die auf das Leben der Dinosaurier einen großen Einfluss hatten.
Entwicklung
Ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf der Darstellung des Bezugs zwischen Reptilien und Vögeln. Modelle auch von Flugsauriern dominieren die Gestaltung der Decke. 
dino-fisch
flugsaurier
Und nicht zuletzt wird darauf hingewiesen, dass wir u.a. mit Krokodilen und Schildkröten auch heute noch Verwandte der verschwundenen Lebensform der Dinosaurier beobachten können.
krokodil
Schildkröte

Sonntag, 7. Juni 2026

nach Dawson Creek

Nachdem wir uns in Grand Prairie mit Jeff Roe getroffen hatten und von seinem großen Wissen über den Alaska Highway profitieren konnten, ging es für uns auf dem Highway 43W über 130 Kilometer weiter nach Dawson Creek.
Zunächst legten wir bereits nach 25 Kilometern einen Zwischenstopp in dem Ort Wembley ein. Dort besuchten wir das Philip J. Currie Dinosaur Museum – dazu gibt es einen gesonderten Bericht.
Museum
Nach weiteren 15 Kilometern erreichten wir den kleinen Ort ↗ Beaverlodge, mit einer Touristenaktion, die wir zwar schon mehrmals in den letzten Jahren besucht hatten, die uns aber immer wieder begeistert. Es ist "der größte Biber der Welt“ ↗, eine schön gestaltete, 630 kg schwere Skulptur, die 2004 errichtet wurde. Der Biber sitzt auf einem 6 Meter langen "Holzstamm" und ist 3 Meter breit, 3 Meter lang und 5,5 Meter hoch. Die Skulptur ist detailgetreu "geschnitzt", besteht aus etwa 340 Liter Polyurethan-Beschichtung, 18 großen Schaumstoffblöcken und etwa 50 Liter Farbe. Vor allem der Biberschwanz ist sehr lebensecht dargestellt.
Bieber
Bieber

Nach insgesamt 75 Tageskilometern querten wir irgendwo im ländlichen Niemandsland die Provinzgrenze zwischen Alberta und Britisch Kolumbien und konnten die Uhrzeit eine Stunde zurückstellen.
Weiter ging es an vielen Seen, Ackerland und Wäldern vorbei bis wir nach 120 Kilometern in dem Ort ↗ Pouce Coupé ankamen. Der kleine, mehr verträumte Ort hat ein beschauliches Museum, in dem Joachim wieder einmal auf „Historienjagd“ ging.
Museum
Museum in Pouce Coupé
Danach besuchten wir noch die historische Eisenbahnbrücke, die „Trestle Bridge“ (trestle = Gerüst), die bereits 1930 von der Northern Alberta Railway erbaut wurde.
Sie ist 30 Meter hoch und hat eine Länge von 150 Metern. Leider fuhr der letzte Zug im Jahr 2000 über diese Brücke und seither ist sie eine bauliche Erinnerung an die große Zeit der Brücken, die in einer besonderen Holzkonstruktion (mit Gerüstpfeilern) errichtet wurden.
Brücke
Übrigens ist das weltgrößte Bauwerk dieser Art ebenfalls in Kanada zu finden – das Viadukt in Lethbridge/Alberta, das wir bereits einige Male besuchten.
Nun waren es nur noch zehn Kilometer bis zum Ort Dawson Creek (13.000 Einwohner), der durch die sogenannte „Mile 0“, dem Beginn des Alaska Highways bekannt ist. Die Stadt lebt von der Erdöl- und Gas-Industrie, dem Tourismus und der Landwirtschaft.