Samstag, 20. Juni 2026

Zum Muncho Lake

 

Die Distanz, die wir heute zurücklegen wollten, gehört mit den etwa 60 Kilometern weiter auf dem Alaska Highway Richtung Norden, wieder zu den relativ kurzen Strecken während unserer gesamten Fahrt.
Berge

Schon nach wenigen Minuten erreichten wir das Eingangstor zum Muncho Lake Provincial Park (Gesamtfläche: etwas mehr als 860 km²). 
PP
Zunächst fuhren wir am Toad River entlang.
Toad River
Geröll
Eine Geröll-Lawine kam vor Jahren aus einem Seitenarm
in den Toad River (im Vordergrund)
Wenige Kilometer weiter konnten wir uns die interessanten Strukturen der Folded Mountain (gefaltete Berge) anschauen. Vor Millionen von Jahren (der Prozess begann vor 175 Millionen Jahren und endete etwa vor 45 Millionen Jahren) schoben sich hier tektonische Platten aufeinander - in diesem Fall die pazifische Platte, die sich unter die nordamerikanische Kontinentalplatte schob. Dadurch wurden die Gesteinsschichten, die sich an der Oberfläche befanden, zunächst gestaucht, dann „gefaltet“ ineinander geschoben und anschließend in die Höhe gedrückt.
Foldet Mountain
gefaltet
gefaltet
Aufgrund einer Baustelle, in der der frisch aufgetragene Asphalt mit Schotter abgedeckt wurde, war diese Passage extrem staubig.
staubig
staub
Nach den geologischen Betrachtungen durften wir eine ungewöhnliche Tierbeobachtung erleben – direkt neben der Straße in einem kleinen Sumpfgebiet stand eine Elchkuh. Sie ließ sich von uns überhaupt nicht stören und so konnten wir sie aus nächster Nähe und ihr hochbeiniges Staken durch den Sumpf bewundern.
Elch
Elch
Elch
Weiter ging es durch die malerische Bergwelt und bald erreichten wir den Muncho Lake. Dieser Bergsee mit einer Gesamtfläche von 15 km², einer Länge von 12 Kilometern und einer Breite zwischen ein und sechs Kilometern, beeindruckt mit seiner intensiv türkisen Farbe. 
Munch Lake
Im Winter friert dieser See komplett zu. „Muncho“ bedeutet in der Sprache der hier lebenden First Nation, den „Kaska“, „Großes Wasser“. Die Berge am Ufer des Muncho Lakes gehören zu den Northern Rocky Mountains und werden im Westen „Terminal Range“ (range – Gebirgskette) und im Osten „Sentinel Range“ (sentinel – Wächter) genannt. Der See selbst liegt auf einer Höhe von 820 Metern, die umgebenden Berge erreichen eine Höhe von über 2.000 Metern.
blauer see
Je nach Sonneneinstrahlung zeigten sich Himmel und See tief blau
Regen
Ein aufziehender heftiger Regenschauen war bald vorüber
sonnenschein am Muncho Lake
Ehe wir unseren Campingplatz erreichten, begrüßte uns eine Gruppe von „Stone Sheep“, die genüsslich auf der Straße und am Straßenrand nach Mineralien leckte.
Stone-sheep
Muttertier
Muttertier mit zwei Kleinen
stone-sheep
Stone-Sheep am Straßenrand
Wir übernachteten anschließend auf dem RV Park der Northern Rockies Lodge und konnten aufgrund der erst um 22:30 Uhr untergehenden Sonne noch stundenlang die Wolken- und Farbspiele am Muncho Lake bewundern.
am see

Freitag, 19. Juni 2026

Schwalbe im Nistkasten

An einem Baum am Reflection Lake sah ich einen Nistkasten. Nichts besonderes, denn an manch anderen Bäumen hingen ebenso Nistkästen, jedoch alle mit dem Einflugloch in verschiedene Himmelsrichtungen ausgerichtet.
Dieser eine Nistkasten allerdings weckte mein Interesse, da offentsichtlich ein Bewohner aus dem runden Flugloch herausschaute.
Schwalbe
Neugierig, welcher Vogel das wohl sein könnte, beobachtete ich diesen Nistkasten eine Weile. Noch ehe ich jedoch meine Kamera fur eine zweite Aufnahme fertig machen konnte, war der Bewohner auf und davon.
Es dauerte aber nicht lange, da kam der Partner angeflogen.
Schwalbe
Schwalbe
Schwalbe
Jetzt konnte ich den Nistkastenbewohner einordnen - eine Schwalbe!
Nun, die einschlägige Literatur weist diesen Vogel als Baumschwalbe, Tree Swallow [Tachycineta bicolor] aus, eine mittelgroße Schwalbe Nordamerikas. Sie hat ein glänzend blaugrünes Gefieder auf der Oberseite und eine weiße Unterseite. Baumschwalben seien geschickte Flieger, die ihre Nahrung – hauptsächlich Insekten – im Flug fangen. Sie brüten bevorzugt in Baumhöhlen oder Nistkästen und halten sich häufig in der Nähe von Gewässern und offenen Landschaften auf.
Baumschwalbe
Baumschwalbe, Tree Swallow

Nur wenig weiter sah ich eine Felsenschwalbe (Petrochelidon), die gerade dabei war, ihr Nest aus Lehm zu bauen.
Diese Schwalbenart ist dafür bekannt, ihre Nester in Kolonien an Felswänden oder, wie hier, unter geschützten Gebäudeteilen anzubringen. Die Nester sind oft kuppelförmig oder becherartig und bestehen aus hunderten von kleinen Lehmkügelchen.
Diese Vögel stehen unter Schutz, und ihre Nester dürfen nicht beschädigt werden, was aber den Besitzer dieser Hüttenwand nicht daran hinderte, die entstehenden Nester immer wieder zu entfernen, wie unschwerlich aus dem Bild zu erkennen.
Felsenschwalbe (Petrochelidon)

Donnerstag, 18. Juni 2026

Zur Toad River Lodge


Vom Summit Lake ging es über eine kürzere Strecke von knapp 50 Kilometern weiter bis zur Toad River Lodge (historic mile 422). Auf diesem Weg passierten wir zunächst das historische Rocky Mountain Auto Camp / Rocky Mountain Lodge (historic mile 397) von Chris Winkelmeyer, der das Anwesen bereits seit 1985 besitzt. Leider ist die Lodge (in letzter Zeit auch eher nur noch eine Tankstelle) seit dem letzten Jahr geschlossen.
winkelmeyer
Rocky Mountain Lodge - geschlossen - 18.06.2026

zu
Rocky Mountain Lodge mit verschlossener Tür - 18.06.2026
Weiter fuhren wir durch den beeindruckenden Stone Mountain Provincial Park, einem Park in den Northern Rocky Mountains, der sich über mehr als 25.000 Hektar überwiegend in einer felsigen Gebirgslandschaft befindet.
Abfahrt
Diese Landschaft wird der alpinen Tundra zugerechnet. Sie liegt oberhalb der Baumgrenze. Die Pflanzen, die hier wachsen, sind sehr klein, was man z.B. an diesen Orchideen sehen kann, die wir am Wegesrand fanden.
orchideen
Besonders grell gelb leuchtend, und damit besonders auffallend, ist die sehr giftige Wolfsflechte.
Wolfsflechte
Links neben dem Highway 97 Richtung Nordwesten fließt der McDonald Creek, der wenig später in den Racing River mündet. Der Racing River ist einer der Quellflüsse des Toad Rivers.
McDonald Creek
Das Gewässer, das sich hier tief in das Tal eingeschnitten hat, wird mit Creek (= Bach) bezeichnet!
Tief hingen die Regenwolken über dem McDonald Creek, als wir zu ihm hinunter ins Tal fuhren.
Mehrere Wanderwege, beispielsweise der Baba Canyon Trail (hin und zurück:11 Kilometer) führen durch enge Schluchten zu interessanten Steinformationen.
Hier oben begegnete uns am Straßenrand der erste Schwarzbär auf dieser Reise.
Schwarzbär
Schließlich erreichten wir die Toad River Lodge (engl. „toad“: Kröte), die seit 1999 von Mathew Roy und Darrel Stevens betrieben wird. Die beiden haben in den letzten Jahren mehrere der alten Hütten abgerissen und durch neue ersetzt. Die Toad River Lodge befindet sich am Reflection Lake. Hier, in dieser idyllisch gelegenen Region, legten wir für einige Tage Rast ein und schauten uns dabei u.a. das Wolkenspiel und die Reflektionen im See an.
Reflektion
Reflektion
Reflextion
Nordöstlich der Lodge befindet sich die Einmündungsstelle des Racing Rivers in den Toad River (Länge: 180 Km). Einst war die Toad River Lodge für ihre ~ 11.500 Exemplare umfassende „Mützen-Sammlung“ an der Decke des Lodgegebäudes bekannt, die aber aus Brandschutz- und Hygienegründen bereits im Jahr 2021 entfernt und an einen Sammler abgegeben wurde.
Mützen
Foto: 06.2018

Dienstag, 16. Juni 2026

Zur Tetsa River Lodge

Wir starteten in Fort Nelson auf den Highway 97 N und wurden kurz darauf hingewiesen, dass sich Bisons auf der Straße befinden sollten. Wir bekamen aber leider keine zu sehen.
Bisons
Zunächst fuhren wir entlang endloser Wälder, zuerst viele Kilometer an verbrannten Waldabschnitten,
verbrannt
dann an Teilen von Wäldern in sumpfigen Gebieten (swamp). Hier herrscht borealer Nadelwald vor, im Besonderen mit der Black Spruce (Schwarzfichte). Unter der borealen Zone versteht man kaltgemäßigtes Klima zwischen den nördlichen 50. und 70. Breitengraden mit langen kalten Wintern und kurzen mäßig warmen Sommern.
nadelwald
dichter wald
Dicht an dicht stehen die einzelnen Bäume
Wald
Wald - soweit das Auge reicht
Nach fast achtzig Kilometern erreichten wir in der Nähe der historic mile 351 den legendären Steamboat Mountain (1.617 m), der Straßenpass selbst befindet sich auf einer Höhe von 1067 Metern. Von der Ferne betrachtet soll der Berg an die Gestalt eines Dampfschiffbugs erinnern. Vom obigen Look-Out durften wir einen beeindruckenden Panoramablick in das Muskwa-Valley und auf die Northern Rocky Mountains genießen. Während des Baus des Alaska Highways erwies sich die steile Steigung hinauf zum Steamboat Mountain als schwer überwindbares Hindernis.
Nach dem Steamboat-Pass floss der Tetsa River links von uns neben der Straße.
Tetsa River
Regenverhangen zeigten sich die Berge hinter dem Fluss
Auf der bergigen Strecke konnten wir zahlreiche interessante Bergformationen entdecken. Die markanteste Landmarke sahen wir mit dem „Indian Head“, auch Teepee Mountain genannt (1.318 Meter) nach etwa acht Kilometern.
Indian head
Aus unserer ersten Perspektive sahen wir den Berg mit seinem flachen Gipfel mehr als eine Art Tafelberg; später konnten wir ihn seitlich sehen und damit auch sein Bergprofil, das an einen "Indianerkopf" erinnert.
Indian Head
Bei der historic mile 375 erreichten wir nach 115 Kilometern auf dem Highway 97 N die Tetsa River Lodge, die bereits in der dritten Generation von der Familie Andrews betrieben wird. Bekannt ist die Lodge für ihre Cinnamon Buns und für die selbst hergestellten Würste und Schinken von Ben Andrews. Der Tetsa River (tetsa bedeutet Teer, indigene Sprache der Prophet River First Nation, Stamm Danezaa) ist 90 Kilometer lang, entspringt im Northern Rocky Mountains Provincial Park und mündet in den Muskwa River.
tetsa river lodge
Wir hatten das Glück, Ben persönlich anzutreffen und konnten mit ihm ein langes Gespräch führen. Er schenkte uns viel Zeit und erzählte uns mehrere Geschichten, die er und die einzelnen Familienmitglieder über die Jahrzehnte mit der Tetsa River Lodge erlebten. Wir übernachteten bei ihm und er lud uns am nächsten Morgen noch zu einem üppigen Frühstück ein.
Ben
Ben Andrews
Diese Bloghütte bauten sein Vater und sein Bruder im Jahr 1976
Sie ist immer noch Teil der heutigen Lodge
Danach fuhren wir nur eine kurze Strecke von 20 Kilometern weiter zum Summit Lake (historical mile 392), der im Stone Mountain Provincial Park ↗liegt.
provincial park
Vorher passierten wir wieder weite Waldareale, in denen es im letzen Jahr gebrannt hatte.
waldbrand
abgebrannt
Mit der Passhöhe von 1.295 Metern erreichten wir die höchste Stelle des Alaska Highways und man konnte sich kaum vorstellen, welche Leistung die Erbauer 1942/43 an dieser Stelle für die Fertigstellung der Straße erbringen mussten.
Trotz Warnung bekamen wir in diesem Bereich des Highways keine Schafe zu sehen.
achtung
Eine erneute Warnung am Straßenrand
Der Bergsee liegt sehr malerisch exakt auf der Passhöhe und ist 6,5 Kilometer lang.
summit lake
Das Wetter war auch Mitte Juni noch sehr frisch (Nachttemperaturen um 6° C), aber trotz des kalten Regenwetters konnten wir das „Postkartenpanorama“ des Summit Lakes genießen, zumal am Nachmittag sogar kurz die Sonne durchkam. Aufgrund des schlechten Wetters und der „vermatschten“ Wege konnten wir den empfohlenen, am See beginnenden Flower Springs Trail (Rundweg) nicht begehen. Nicht schlimm, denn die Flora war sowieso weit hinter der Jahreszeit zurück.
Merganser
Dieser Merganser freute sich ebenfalls an den wenigen Sonnenstrahlen
Sait Paul E2
Blick auf den Berg Saint Paul E2 - rechts