Samstag, 4. Juli 2026

Die Wüste von Carcross

Da wir Carcross früh erreichten, blieb noch Zeit für einen kleinen Abstecher zu den „Dünen“ von Carcross, auch „Carcross Desert“ (Wüste) genannt, die in Carcross selbst als kleinste Wüste der Welt bezeichnet wird.
Wueste
Obwohl wir uns in der "Wüste" befinden,
liegt auf den nahen Bergen frisch gefallener Schnee
Wueste
Die Dünen sind Überreste der letzten Eiszeit (115.000 bis 12.000 v. Chr.), als sich im Yukon durch die
Gletscherschmelze große Seen bildeten, die schließlich austrockneten. Der getrocknet Schlamm und Sedimente dieser Seen wurden als sandige Dünen verweht. Durch die weiterhin ständig wehenden starken Winde bleiben diese Dünen in Bewegung und unbewachsen.

Über die "Carcross Desert" und den folgenden "Emerald-Lake" kann man Details auch in unserem Artikel aus der Reise im Jahr 2018 nachlesen.

Freitag, 3. Juli 2026

auf Spurensuche in Discovery

Von Atlin fuhren wir über die Schotterstraße "Surprise Lake Road" Richtung Osten zur ehemaligen
Goldgräberansiedlung „Discovery“.
Kurz nach Atlin kamen wir am historischen „pioneer cemetery“ des Ortes vorbei, auf dem wir u.a. die
Gräber zweier für die Region wichtiger Männer besuchen konnten (siehe gesonderter Bericht).
Weiter fuhren wir bergwärts auf der Schotterstraße, bis wir die Pine Creek Falls erreichten.
Der Pine Creek selbst entspringt im höher gelegenen Surprise Lake, fließt dann über eine Strecke von 19 Kilometern durch felsiges Gebiet und mündet bei Atlin in den Atlin Lake. Der Wasserfall befindet sich im unteren Abschnitt des Creeks und beeindruckte uns sehr – er stürzt durch eine schmale, tiefe Schlucht über mehrere Kaskaden nach unten. In den Zwischenbereichen sind tiefe Becken in das
Felsgestein eingegraben, aus denen dann die nächsten Kaskaden nach unten strömen. Vom Aussichtspunkt aus führt ein kurzer Pfad entlang des Pine Creek und seines Wasserfalls.
Wasserfälle
Wasserfall
Waserfall
Wasserfall
Wasserfall
Unmittelbar nach dem Pine Creek Wasserfall konnten wir die ersten Relikte des aufgegeben Ortes „Discovery“ entdecken. Rechts und links der Straße findet man weitere verfallene Relikte aus den Anfängen des Goldrausches, doch eine "Geisterstadt" sucht man hier vergebens, es ist eher eine "Geistergegend".
altes-haus
Ein Gebäude aus den Anfängen des Goldrausches, das versucht wird, von der "Atlin Historic Society" für die Nachwelt zu erhalten. Ansonsten findet man in der weitläufigen Gegend nördlich des Pine Creeks im Bereich der Straße zu weiteren Abbaustätten nur noch solche Hinweise aus der früheren Besiedlung.
eingefallen.
Etwas abseits der Straße findet man viele Hinweise auf ehemalige Bergbau-Aktivitäten und ihre Hinterlassenschaften. Vieles hat sich allerdings über das letzte Jahrhundert dort auch noch angehäuft, denn die region ist weiterhin aktiv.
Holz
Holz
maschinenteil
teil
Bagger
Nach den Goldfunden im Februar 1898 entwickelte sich an dieser Stelle eine Goldgräberstadt, in der zeitweise bis 10.000Menschen gelebt haben sollen. In kürzester Zeit entstanden dort Hotels, Saloons,
Geschäfte aller Art, ein Sägewerk, usw. 1909 wurden bei einer Flutkatastrophe entlang des Pine Creeks zahlreiche Gebäude zerstört. Bis 1915 hatte man den Ort, vor allem wegen der nachlassenden Ergiebigkeit der Goldfunde, aufgegeben. Einige schönere Gebäude wurden abgebaut und ins Tal nach Atlin gebracht, der Rest wurde dem Verfall preisgegeben.
region
Diese Region am unteren Pine Creek hat man sicherlich nicht nur einmal umgegraben - und wird es immer noch.
Halde
Goldsucher
Auch konnten wir in diesem und insbesondere im weiter bergwärts befindlichen Areal mehrere immer noch aktive "Minenbetriebe" verschiedenster Unternehmen registrieren, die heute nicht unbedingt nur an der Gewinnung von Gold, sondern eher anderer Metallen wie Zink, Silber, Molybdän, usw. interessiert sind.

Donnerstag, 2. Juli 2026

Der Pioneer Cemetery in Atlin

In Atlin besuchten wir den Friedhof, der bereits 1898 angelegt wurde, nachdem am Pine Creek Gold gefunden wurde. Dies löste damals den Atlin Gold Rush aus, einen der bedeutendsten Ableger des Klondike Gold Rush, der bereits im Sommer 1896 anfing.
1899 war Atlin zu einer boomenden Goldgräberstadt mit tausenden von Einwohnern angewachsen und wurde später zum Zentrum des Bergbaus in der Region.
Anfänglich war er unter dem Namen „Discovery Road Cemetery“ bekannt. Die "Hauptstraße", die von Atlin hinaus in die Siedlung Discovery führte. Später nannte man ihn „Atlin Cemetery“ und als 1947 der neue Friedhof von Atlin angelegt wurde „Atlin Pioneer Cemetery“.
Pioneer Cemetery
Der Pioneer Cemetery in Atlin ist vor allem deshalb bekannt, weil er als eines der wichtigsten historischen Zeugnisse des Atlin-Goldrauschs gilt. Er erzählt indirekt die Geschichte der Pioniere des Nordens, denn begraben liegen hier nicht nur Goldsucher, Bergbauingenieure, Händler, Politiker, sondern auch Familien, Kinder, Siedler. Viele Grabsteine spiegeln die harten Lebensbedingungen der damaligen Zeit wider – etwa Todesfälle durch Bergwerksunfälle, Krankheiten oder die raue Wildnis.
Einige davon sollen hier gezeigt werden:
Miller
Erinnerungsstele an Fritz Miller (1874-1904)
Fritz Miller (1874-1904), der bei Hannover geboren wurde, entdeckte 1898 zusammen mit „Kenny“ (Kenneth Chrisholm) McLaren (1867-1931), in der Pine Creek Region, genauer am Spruce Creek, Gold und löste nach dem Bekanntwerden der Fundstätte den Atlin Goldrausch aus.
Fritz Miller verstarb bereits 31jährig an Wundbrand.
kenny
Kenny McLaren zählt neben Fritz Miller zu den Gründern des Ortes Atlin. 

Weitere Grabsteine auf dem historischen Friedhof von Atlin informieren über viele traurige Ereignisse und damit auch über das schwere Leben in der damaligen Zeit sowie den Herausforderungen, die die Menschen zu bewältigen hofften.
verhungert
Starb an Hunger
nicht alt
Maxine starb jung
Sie starb 6 Jahre nach Ihrer Ankunft [*1]
gestorben
Er war der Postmaster in Discovery

gestorben
verstarb 26jährig
gestorben
Dieser 2-Jährige ertrank
gestorben
Starb 17jährig an Schussverletzungen,
weil er mit einem Bären verwechselt wurde
tod
Diesen 25-Jährigen fand man tot im Wald

Weiterführende Informationen unter

Wastewater Lagoon

 ... Abwasserreinigung einmal anders
Zuerst eins vorneweg: Die Taku River Tlingit First Nation in Atlin arbeitet derzeit an einer neuen Abwasserbehandlungsanlage – nach altbewährtem System - seit vielen Jahren, ein Millionenprojekt.


Wenn man mit einem (größeren) Wohnmobil unterwegs ist, verfügt man i. d. R. über eine eingebaute Nasszelle mit Toilette. Die Inhalte (Grauwasser + Abwasser) werden im Wohnmobil in separaten Tanks unterflurig gesammelt und müssen folglich ab und zu entleert / ordnungsgemäß entsorgt werden.
Moderne Campingplätze verfügen oft direkt an jedem Stellplatz nicht nur über eine Strom- und Trinkwasserversorgung der Wohnmobile, sondern auch über einen Bodenablass, zur direkten Entsorgung der anfallenden Abwässer.
Was aber, wenn eine solche Möglichkeit auf dem Campingplatz nicht angeboten wird [Natur-Plätze]? Nun, sehr oft gibt es dann EINE Einlassstelle, die „Dump Station“, auf dem Platz oder gar im benachbarten Ort. Diese ist dann nicht unbedingt mit einem Kanalisationsnetz des Ortes verbunden, sondern nur mit einem direkt darunter liegenden Sammeltank, dessen Inhalt der Besitzer dann durch ein Saugfahrzeug kostenpflichtig abfahren / entsorgen lassen muss.
Was, wenn dem Campingfreund gar keine Möglichkeit angeboten wird, die gesammelten Abwässer los zu werden? Weiterfahren wäre eine Option, doch was macht man, wenn man weiter auf dem Campingplatz bleiben möchte!
Solch eine Erfahrung durften wir in Atlin, in Britisch Columbien, erleben.
Camping in Atlin











Der malerisch gelegene Campingplatz in Atlin direkt am See bietet zwar Strom und Frischwasser an, doch eine Entsorgungsmöglichkeit gibt es nicht; dafür eine "mobile Toilettenkabine"🚾zur Schonung des eigenen Abwassertanks! 😉
Doch eine Entsorgung der Wohnmobil-Abwässer darin?  -  Unmöglich, undenkbar!
Dixi-Klo
Mobile Toilettenkabine für Campingplatz-Nutzer.
Atlin hat kein kommunales Kanalnetz, weder für Regen- noch für Abwasser. Die meisten Gebäude nutzen private Septikanlagen mit einem Versickerungsfeld oder andere Vor-Ort-Abwassersysteme / Sammeltanks. Die Entleerung der Tanks erfolgt mit Saugfahrzeugen (Septic Trucks), die das Abwasser zur „Anlage“ von Atlin, zur „wastewater lagoon“ bringen. Sie existiert seit 1980.
Dort können auch wir entleeren – wurde uns mitgeteilt! Standort: hier in Google
Wir suchten also diese uns angegebene Adresse auf und fanden dies:
Zwei Lagunen, die jedoch weder blau schimmerten noch angenehm rochen.
RV-Dump
RV-Dump in die "Abwasser Lagune"
Die Einleitstelle für Wohnmobil-Abwässer in Atlin ist das weiße Rohr (im Bild unten rechts). Der umgefallene Abfalleimer mit vielen benutzten blauen Nitril-Einmalhandschuhen verschönt nicht gerade diese "Dump-Station".

Nach dem Entleeren des Abwassertanks ins erste Becken, der sogenannten "fakultativen Lagune", sollen sich die „schweren Feststoffe“ am Boden absetzen und Schlamm bilden. Im Wasser sollen Bakterien die organischen Inhaltsstoffe abbauen. An der Oberfläche würden Algen und Luft-Sauerstoff für eine weitere biologische Reinigung sorgen.
Nach der biologischen Reinigungsstufe gelangt das vermeintlich gereinigte Wasser in ein Speicherbecken, indem aufgrund der langen kalten Winter das Wasser über eine längere Zeit gespeichert werden muss, ehe es in der wärmeren Jahreszeit in Versickerungsbecken (Rapid Infiltration Basins) geleitet / gepumpt wird. Dort kann das Wasser langsam durch Sand und den natürlichen Boden versickern. Der Boden soll dabei als zusätzliche Reinigungsstufe (Filtration) wirken und weitere Keime sowie Nährstoffe zurückhalten, bevor das Wasser das Grundwasser erreicht [Info der Taku River Tlingit First Nation].
Das Besondere in Atlin ist also, dass die „Kläranlage“ nicht nach dem Prinzip einer klassischen Abwasserreinigungsanlage arbeitet und das gereinigte Wasser direkt in einen Bach / Fluss einleitet. Stattdessen besteht das derzeitige System aus:
Tankwagen → Truck Dump → 2 biologische Lagunen → Speicherbecken → 2 Versickerungsbecken → Bodenreinigung → Grundwasser.
Die Versickerungsstelle befindet sich weit oberhalb des Ortes, das Trinkwasser bezieht der Ort aus dem See.
no trespassing
Abwasserlagune
Die neue Abwasserbehandlungsanlage ist noch nicht fertig
 - gesichert hinter einem umlaufenden Zaun

Dieses oben beschriebene Abwasserreinigungskonzept – "Prinzip Donnerbalken" - wird in vielen kleinen nordkanadischen Gemeinden angewendet, da es robust ist, wenig Energie benötigt und auch bei langen Wintern funktioniert.

Dienstag, 30. Juni 2026

nach Atlin

 
Wir starteten am Teslin Lake im Yukon gelegen, um unsere Fahrt auf dem Alaska Highway fortzusetzen. Als Tages-Zielpunkt hatten wir uns das Örtchen Atlin in British Columbia gesetzt. Dafür veranschlagten wir insgesamt 195 Kilometer.
Auffällig war für uns, dass auf der Weiterfahrt die Umgebung immer sandiger wurde, zuweilen waren fast dünenähnliche Hänge neben der Straße zu sehen. Nach knapp 50 Kilometern erblickten wir die Teslin River Bridge. Kurz vorher zweigt hier die sogenannte Canol Road vom Alaska Highway ab, ursprünglich entlang einer Pipeline. Sie ist eine inzwischen nur für Geländewagen befahrbare Schotterstraße und führt zunächst über 230 Kilometer bis zum Bergbauort Ross River und anschließend über weitere 240 Kilometer bis zur Grenze der Northwest Territories.
Teslin River Bridge
Teslin River Bridge
Wir überquerten die Brücke über den Teslin River und erreichten direkt danach bei der historic mile 836 die historische Johnson’s Crossing Lodge. Sie wurde bereits Ende der 1940er Jahre von Robert Porsild (1898-1977) erbaut, einem Mann mit einem mehr als beeindruckenden Lebenslauf als Botaniker, Zimmermann [Schiffsbauer / Blockhauserbauer], Goldsucher, Rentierzüchter, uvm.. Im Jahr 1969 übernahmen seine Tochter Ellen (*1937- ) und deren Mann Phil Davignon (1929- 2002) die Lodge, die sie noch bis 1992 weiterbetrieben. Die Cinnamon Buns von Ellen waren „legendär“ und von Phil stehen auch heute noch Originalfahrzeuge auf dem Gelände.
Johnson´s Crossing
Abschleppwagen
Beschriftung auf dem Ableppwagen
Für uns folgten 45 weitere Kilometer bis wir bei Jake’s Corner (historic mile 866) auf die Tagish Road (Highway 8) abbogen, die nach Carcross weiterführt. Jake’s Corner wurde Anfang der 1960iger Jahre von Roman „Jake“ Chaykowsky (1900-1995) errichtet und als „The Crystal Palace“ benannt. Jake’s Corner ist heutzutage tatsächlich nur noch eine Card-Tankstelle, die Existenz des einst bekannten Restaurants, einer "luxuriösen" Lodge mit einem (nie beheizten) Indoorpool gehören der Vergangenheit an. Witzig anzusehen ist heute noch die auf der anderen Straßenseite existierende Hütte „Hippie Inn“, die früher von Jack als kostenlose Übernachtungsstelle angeboten wurde.
Jack´s Corner
Hinterer Eingang vom Jacke´s Corner
Hippi Inn
Hippi Inn
So sah die Hütte und Umgebung im Jahr 1973 aus!
Quelle: Patrick Selby
Wir verließen die Tagish Road bereits nach wenigen Metern wieder Richtung Süden, um dann noch etwa 100 Kilometer auf der Atlin Road (HW 7) bis nach Atlin unterwegs zu sein.
nach Atlin
nach Atlin
Auf dieser Straße verließen wir nach etwa 50 Kilometer den Yukon und waren wieder in British Columbia unterwegs. Neben den dichten Wäldern rechts und links der Straße beeindruckte uns anfänglich der malerische Little Atlin Lake und die Bergwelt der Northern Coast Mountains.
Bergwelt und See
am See
no hunting
Schließlich folgte der Atlin Lake selbst, der als Quellgebiet des Yukon Rivers gilt. Der See hat eine Fläche von über 790 km², ist über 140 Kilometer lang und durchschnittlich 6 Kilometer breit. Im See befinden sich einige Inseln, wodurch er sehr romantisch wirkt.
Außer Natur und vielleicht ab und zu einmal einem entgegenkommenden Auto ist man auf dieser 100 Kilometer langen - immerhin asphaltierten - Straße ganz alleine! Auf weiten Strecken hat man auch keinen Telefonempfang.

Schließlich kamen wir an unserem Tagesziel, dem Ort Atlin (um die 500 Einwohner) an, der seit dem hiesigen Goldrausch um 1898 existiert. 
willkommen
Am Ortseingang grüßt diese hölzerne Statue, gewidmet den Gründern (Männer & Frauen) des Ortes und den "Goldrush Stampeder" von 1899 .
statue
Das Zentrum des Ortes liegt beschaulich am Ostufer des Atlin Lakes und man hat gleich bei der Einfahrt einen malerischen Blick auf den See und die umliegende Bergwelt - wenn das Wetter mitspielt!
Bei diesem Panorama konnten wir verstehen, warum Atlin als „schönster Schweizer Ort in Canada“ bzw. "Schweiz des Nordens“ beschrieben wird.
Atlin
Das Schiff Tarahne und der Atlin Lake