Dienstag, 16. Juni 2026

Zur Tetsa River Lodge

Wir starteten in Fort Nelson auf den Highway 97 N und wurden kurz darauf hingewiesen, dass sich Bisons auf der Straße befinden sollten. Wir bekamen aber leider keine zu sehen.
Bisons
Zunächst fuhren wir entlang endloser Wälder, zuerst viele Kilometer an verbrannten Waldabschnitten,
verbrannt
dann an Teilen von Wäldern in sumpfigen Gebieten (swamp). Hier herrscht borealer Nadelwald vor, im Besonderen mit der Black Spruce (Schwarzfichte). Unter der borealen Zone versteht man kaltgemäßigtes Klima zwischen den nördlichen 50. und 70. Breitengraden mit langen kalten Wintern und kurzen mäßig warmen Sommern.
nadelwald
dichter wald
Dicht an dicht stehen die einzelnen Bäume
Wald
Wald - soweit das Auge reicht
Nach fast achtzig Kilometern erreichten wir in der Nähe der historic mile 351 den legendären Steamboat Mountain (1.617 m), der Straßenpass selbst befindet sich auf einer Höhe von 1067 Metern. Von der Ferne betrachtet soll der Berg an die Gestalt eines Dampfschiffbugs erinnern. Vom obigen Look-Out durften wir einen beeindruckenden Panoramablick in das Muskwa-Valley und auf die Northern Rocky Mountains genießen. Während des Baus des Alaska Highways erwies sich die steile Steigung hinauf zum Steamboat Mountain als schwer überwindbares Hindernis.
Nach dem Steamboat-Pass floss der Tetsa River links von uns neben der Straße.
Tetsa River
Regenverhangen zeigten sich die Berge hinter dem Fluss
Auf der bergigen Strecke konnten wir zahlreiche interessante Bergformationen entdecken. Die markanteste Landmarke sahen wir mit dem „Indian Head“, auch Teepee Mountain genannt (1.318 Meter) nach etwa acht Kilometern.
Indian head
Aus unserer ersten Perspektive sahen wir den Berg mit seinem flachen Gipfel mehr als eine Art Tafelberg; später konnten wir ihn seitlich sehen und damit auch sein Bergprofil, das an einen "Indianerkopf" erinnert.
Indian Head
Bei der historic mile 375 erreichten wir nach 115 Kilometern auf dem Highway 97 N die Tetsa River Lodge, die bereits in der dritten Generation von der Familie Andrews betrieben wird. Bekannt ist die Lodge für ihre Cinnamon Buns und für die selbst hergestellten Würste und Schinken von Ben Andrews. Der Tetsa River (tetsa bedeutet Teer, indigene Sprache der Prophet River First Nation, Stamm Danezaa) ist 90 Kilometer lang, entspringt im Northern Rocky Mountains Provincial Park und mündet in den Muskwa River.
tetsa river lodge
Wir hatten das Glück, Ben persönlich anzutreffen und konnten mit ihm ein langes Gespräch führen. Er schenkte uns viel Zeit und erzählte uns mehrere Geschichten, die er und die einzelnen Familienmitglieder über die Jahrzehnte mit der Tetsa River Lodge erlebten. Wir übernachteten bei ihm und er lud uns am nächsten Morgen noch zu einem üppigen Frühstück ein.
Ben
Ben Andrews
Diese Bloghütte bauten sein Vater und sein Bruder im Jahr 1976
Sie ist immer noch Teil der heutigen Lodge
Danach fuhren wir nur eine kurze Strecke von 20 Kilometern weiter zum Summit Lake (historical mile 392), der im Stone Mountain Provincial Park ↗liegt.
provincial park
Vorher passierten wir wieder weite Waldareale, in denen es im letzen Jahr gebrannt hatte.
waldbrand
abgebrannt
Mit der Passhöhe von 1.295 Metern erreichten wir die höchste Stelle des Alaska Highways und man konnte sich kaum vorstellen, welche Leistung die Erbauer 1942/43 an dieser Stelle für die Fertigstellung der Straße erbringen mussten.
Trotz Warnung bekamen wir in diesem Bereich des Highways keine Schafe zu sehen.
achtung
Eine erneute Warnung am Straßenrand
Der Bergsee liegt sehr malerisch exakt auf der Passhöhe und ist 6,5 Kilometer lang.
summit lake
Das Wetter war auch Mitte Juni noch sehr frisch (Nachttemperaturen um 6° C), aber trotz des kalten Regenwetters konnten wir das „Postkartenpanorama“ des Summit Lakes genießen, zumal am Nachmittag sogar kurz die Sonne durchkam. Aufgrund des schlechten Wetters und der „vermatschten“ Wege konnten wir den empfohlenen, am See beginnenden Flower Springs Trail (Rundweg) nicht begehen. Nicht schlimm, denn die Flora war sowieso weit hinter der Jahreszeit zurück.
Merganser
Dieser Merganser freute sich ebenfalls an den wenigen Sonnenstrahlen
Sait Paul E2
Blick auf den Berg Saint Paul E2 - rechts

Sonntag, 14. Juni 2026

Im Fort Nelson Heritage Museum

Das Museum wurde 1987 von Marl Brown (1934-2021) eröffnet und wird von der Fort Nelson Historical Society betrieben und beinhaltet eine SEHR große Anzahl an technischen Gegenständen, die Marl Brown im Laufe seines Lebens zusammengetragen hat. Dazu gehören u.a. immer noch fahrbereite Fahrzeuge aus den Anfängen der 1920iger Jahre.
Der Leitspruch des Museums ist: “preserving the past for the future“ („bewahre die Vergangenheit für die Zukunft“), wobei es dem Museum nicht nur um das Bewahren, sondern auch um das Vermitteln der jeweiligen Lebensumstände der Menschen geht.
preserving
Aufgrund der Lage von Fort Nelson am Alaska Highway ist der Schwerpunkt der Ausstellungen auf die Thematik „Verkehr und Transport“ gelegt, wobei nicht nur die in einer gesonderten Halle untergebrachten Oldtimer-Ausstellung beeindruckt (die meisten Fahrzeuge sind übrigens noch fahrtüchtig), sondern auch eine umfangreiche Sammlung von LKWs, Baufahrzeugen und generell Maschinen aller Art im Außenbereich – sogar einen Bohrturm für Ölgewinnung. Dementsprechend kann man Ausstellungen zum Bauwesen, zum Bergbau, zur Brandbekämpfung, zur Forstwirtschaft und zur Öl- und Gas-Industrie anschauen.
fahrbereit
Noch fahrbereit
oldtimer
Nicht mehr ganz fahrtüchtiger Oldtimer
oldtimer
oldtimer
Natürlich ist ein Ausstellungsbereich dem Bau des Alaska Highways und den Menschen gewidmet, die an seiner Verwirklichung beteiligt waren und danach dessen Unterhaltung betrieben.
Alaska Highway
The North West Highway System (NWHS)
Neben der Hauptausstellungshalle und der Halle mit der Oldtimer-Sammlung befinden sich noch ein Postamt, ein historisches Büro der Hudson Bay Company, ein Gebäude der Northwestel-Company, in dem Telefonistinnen "arbeiteten", eine alte örtliche Kirche, eine Trapper-Hütte sowie weitere Blockhütten. Ansonsten steht eine Unzahl von Maschinen und Fahrzeugen auf dem Gelände.
bus
einst abgestellt, dann vergessen!
Im Hauptgebäude wird einiges über die hiesige Tierwelt erklärt (inklusiver zahlreicher ausgestopfter Tiere), historische Alltagsgegenstände jeglicher Art werden gezeigt und die historischen Werkstätten von Handwerkern bzw. anderer Berufe sind zu besichtigen. Dabei kommt man an originellen Stücken vorbei, beispielsweise an einem kompletten Silberservice, das man in den 1980er Jahren in einer Box in einem Brunnen fand.
altes Tafelsilber
Altes Tafelsilber
Wir besuchten dieses Museum bereits in früheren Jahren und entdecken jedes Mal etwas Neues.

Unser Besuch vor zwei Jahren:

Weiterführende Quelle:

Samstag, 13. Juni 2026

Zu Besuch bei Ian Sparshu

Einen besonderen Besuch durften wir bei Ian Sparshu in Fort Nelson erleben. Ian kennen wir, weil er über einen längeren Zeitraum mehrere Gebäude der Toad River Lodge ( am Alaska Highway gelegen, Hist. Meile 422) neu erbaute. Ian ist ein begnadeter Handwerker, der über viele handwerkliche Fähigkeiten verfügt.
422
Toad River Lodge an historischer Meile 422 am Alaska Highway
Quelle: Ian Sparshu - 15.03.2021
Das alte Gebäude befindet sich im Bild im Vordergrund; es wurde im Jahr 2021 abgerissen.
Der Neubau im Hintergrund wurde von Ian Sparshu erstellt.
422
Toad River Lodge  -  11.06.2024
Da sich die Besitzer von allem trennten, was mit dem alten Gebäude zusammenhing, durfte Ian z. B. den Schriftzug der Lodge mitnehmen, der viele Jahre die alte Lodge "schmückte". Er befindet sich nun an der Seitendecke seiner Garage.
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Toad River Lodge - Schriftzug des ehemaligen Lodgegebäudes
Auch das Hinweisschild auf "Soft Ice Cream, ...", das einst rechts neben dem Eingang der alten Lodge hing, fand in Ian Sparshu einen Abnehmer. Er hat es in seinem kleinen Museum untergebracht.
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Ian
Der von Ian Sparshu umgebaute Stall 
Auf seinem Grundstück hat er einen ehemaligen Pferdestall zu einem kleinen Privatmuseum umgebaut. Sein ganzes bisheriges Leben ist Ian geschichtsinteressiert und sammelt verschiedenste historische Gegenstände zu unterschiedlichen Themen.
Seine Sammlung von Autokennzeichen aus der ganzen Welt ist umfangreich und zu jedem Kennzeichen kann er eine eigene Geschichte erzählen.
nummerschilder
Über seine Sammlung verschiedenster Telefone würden sich manche Museen sehr freuen. Beginnend mit einem Wandtelefon mit getrenntem Lautsprecher für das Hören und Mikrofon für das Sprechen, zwei sogenannten Kerzentelefonen (candlestick telephone), wo sich das Mikrofon oben am Stab befindet und der Hörer über ein Band mit dem Telefonstab verbunden ist, bis hin zu verschiedensten
Wählscheiben- und Tastentelefonen sowie einigen modernen Varianten konnten wir die gesamte historische Entwicklung der Apparate bestaunen.
telefon
telefon
Telefon
telefon
Mehrer Modelle der „Titanic“ zeigten uns das spezielle Interesse von Ian für dieses historische Schiff und die damit verbundene Geschichte.
Auch Musikinstrumente konnten wir anschauen – vor allem ein Grammophon mit großem Trichter (Horn) und eines mit Handaufzug und Kurbel in einer Musiktruhe.
grammophone
Hier demonstrierte uns Ian, wie er nach längerem Kurbeln das Abspielen einer alten Schallplatte möglich machte. Zu diesem Bereich gehörte noch eine umfangreiche Sammlung sehr alter, aus heutiger Sicht nostalgischer Schallplatten und Musikkassetten.
Liebevoll arrangiert standen alte Modelleisenbahnen neben Sammlungen verschiedenster Spielzeuge, in einem Schrank Hummelfiguren der Serie „Pater“ (Mönche) und auch eine Aladin-Wunderlampe fehlte nicht.
wunderlampe
Noch vieles wäre zu beschreiben und wir hätten noch mehrere Stunden dort verbringen können.
Wir trugen uns noch in das Gästebuch ein und bedankten uns für diesen interessanten und lehrreichen Nachmittag in seinem Haus.
Ian
Ian Sparshu mit seinen beiden Hunden


Freitag, 12. Juni 2026

Bis nach Fort Nelson


Nach unserem informativen Gespräch mit Isabel und Ryan starteten wir unsere nächste Etappe entlang des Alaska Highways (HW 97 N). Das Sheperd’s Inn befindet sich an der Historischen Meile 72.

Wir passierten die Ansiedlung Wonowon, benannt nach der Historischen Meile 101(one-o-one).

Nach 115 Tageskilometern erreichten wir das „Buffalo Inn“ am Pink Mountain, das an der historischen Meile 143 liegt. Es wurde 1971 von dem Bauunternehmer Silvio Salustro und seiner Frau Kathleen erbaut, die es aber bereits 1978 weiterverkauften. Die heutige langjährige Besitzerin in Melody Magaton.
Buffalo Inn
Schwein
Der Koch führt das Hausschwein aus
Der Koch hält sich zur Verwertung der eventuell zurückgegebenen Speisen ein Schwein, das er von den Nachbarn gegenüber gekauft hatte.

Tanken konnte man früher einmal an dieser Tankstelle, die noch zur Lodge gehört; heute hat ein Franchise-Unternehmen einen oberirdischen Tank aufgestellt, der mit Kartenzahlung Benzin für die Durchreisenden anbietet.
ehemalige Tankstelle
Benzin gibt es hier schon lange nicht mehr
Direkt gegenüber liegt ein Post Office und der Pink Mountain Campsite und RV Park, der von Lory Dille und ihrem Mann Korey betrieben wird. Ihnen gehört auch der 30 Kilometer weiter entfernte Sikanni River Campground & Park ↗ .Von dort holen sie das Trinkwasser für Pink Mountain.
143
Pink Mountain Campsite & RV Park
Pink Mountain
Pink Mountain Store
Kurz nach „Buffalo Inn“ und „Pink Mountain Campside & RV Park“ passierten wie „Sasquatch Crossing“ (Historische Meile 147), wo einst die Besucher sogar von einem verkleideten „Sasquatch“ unterhalten wurden. Der „Sasquatch“ (Salish-Sprache: „wilder Mann") ist als Bigfoot bekannt und soll ein menschenähnliches, haariges Riesenwesen mit großen Händen und Füßen sein.
Auch diese Lodge ↗ gehört seit 2000 Melody Magaton und erlebte in der Zeit vor COVID ihren touristischen Höhepunkt.
Sasquatch-crossing
Sasquatch Crossing Lodge
Sasquatch Crossing
Sasquatch Crossing Lodge

Keinen Kilometer entfernt folgte die Moose Flats Lodge, die viele Jahre unter dem Namen Mae’s Kitchen bekannt war. Sie wurde ab 1978 von Rosella Mae Moore (1934-2023) aus Texas kommend betrieben, die später nach Watson Lake umsiedelte und dort ein Handarbeitsgeschäft eröffnete.
Melody Magaton erwarb nach einigen Jahren Leerstand im Jahr 2017 auch dieses Anwesen und nannte es in Moose Flats um.
Moose Flats
Moose Flats
Auf dem ehemaligen Vorplatz, wo sich auch einmal eine Tankstelle befand, entluden gerade Arbeiter Gerüstteile für eine bevorstehende Sanierung der Brücke über den nahen Beatton River.
Zu sehen sind auch noch Holzhütten, die früher einmal Gästen zur Übernachtung dienten.
Gerüst
147

Weiter fuhren wir über die Brücke des Sikanni Rivers. Rechts dahinter befindet sich der Sikanni River Campground & RV Park.
RV Park

Nach weiteren Kilometern erreichten wir „Buckinghorse River Adventures“ ↗ ( historische Meile 175).
Viele Jahre wurde die Lodge unter dem Namen "Buckingshorse River Lodge" von der Familie Shannon geführt, bis sie 2022 in den Besitz von Lloyd Clark und Leanne Hampton überging und umbenannt wurde. Der Schwerpunkt der heutigen Betreiber liegt auf der Organisation von Jagd- und Angeltouren.
175
175

Danach hatten wir nochmals einsame 175 Kilometer vor uns, bis wir schließlich bei der historischen Meile 300 die kleine Stadt Fort Nelson (2.600 Einwohner) erreichten, wo bereits 1805 von der North West Company ein Pelzhandelsposten angelegt wurde.
nach 300
Einsam und durch endlose Wälder zieht sich der Highway nach Norden
nach 300
nach 300