Wir sahen schon "die weltgrößte Fidel", die "weltgrößte Axt" und jetzt wollten wir uns den "weltgrößten Hammer" mit angeschlossenem Hammermuseum ansehen.
Direkt vor dem Eingang des kleinen, aber feinen und extrem besonderen Museum in der Main Street von Haines steht ein fast sechs Meter hoher Hammer - ein neues Exemplar, das erst seit einem Jahr das ausgediente, baufällig gewordene Vorgängerexponat von 2007 ersetzte. Der Stiel ist aus einem durchgängigen Fichtenstamm gefertigt, der Kopf ist eine Styropor-Glasfaser-Konstruktion.
Der „Riesenhammer“ lädt in ein außergewöhnliches Museum ein, in dem man neben „Hammerkunst“ knapp 2.500 Exemplare des seit Jahrtausenden für die Menschen wichtigen Werkzeuges anschauen kann und zusätzlich die unterschiedliche Nutzung erklärt bekommt. Im Lager/Depot werden allerdings noch tausende weitere Hammer aufbewahrt. Der Ausstellungsraum in einem umgebauten historischen Wohnhaus ist für die gesamte Sammlung zu klein.
Angefangen hat die Geschichte des Hammer-Museums im Jahr 2002 als der langjährige Hammer-Sammler Dave Pahl und seine Frau Carol aus Haines auf die Idee kamen, die Sammlung in einem Museum zu präsentieren. Sie kauften das 110 m² große, weiße Haus mit den grünen Zierleisten und begannen dort, die von Dave Pahl über Jahrzehnte aus Haushaltsauflösungen, auf Flohmärkten und über Versteigerungen gesammelten Hämmer in einer Ausstellung aufzubauen.
Schon ein Jahr nach der Eröffnung schenkte ihnen das Smithsonian Museum of American History aus Washington D.C. zur Unterstützung fünf lebensgroße Figuren, die in ihren Berufsbildern mit Hämmern zu tun haben – beispielsweise Zimmerleute oder bestimmte Handwerker wie Schuster, Schmied, Schlosser oder Schreiner. Auch heute noch nehmen die Figuren eine zentrale Position in der Ausstellung ein.
| Schuster |
Im Laufe der Jahre kamen viele weitere Hämmer durch Geschenke/Spenden (im Jahr 2018 beispielsweise über den Nachlass des Hammer-Sammlers Jim Mau aus Arizona, den dessen Familie an das Museum übergab) und teilweise auch als Leihgaben hinzu. Zurzeit kommen diese Geschenke / Spenden / Leihgaben teilweise aus der ganzen Welt. So stellt das Museum beispielsweise einen Bernstein-Hammer aus Litauen aus. In Litauen gibt es ebenfalls ein kleines Hammer-Museum, mit dem man befreundet ist.
| Bernsteinhammer (rechts ) |
Das absolut Besondere am Hammermuseum ist, dass man sich nicht nur die Exponate anschauen kann, sondern zu jedem Hammer seine Nutzung und den Bezug zur Arbeitswelt erklärt bekommt – jeder Hammer gewissermaßen mit seinem Zertifikat.
Bereits am Eingang begeisterte uns eine „Hammerpräsentation“ mit dem Titel „Zeige mir deinen Hammer, ich sage dir, welchen Beruf du hast.“
Danach ging es mit den antiken bzw. den historischen Hämmern los. In dieser Abteilung wurden teilweise jahrtausende alte Stein- und Knochenhämmer gezeigt.
Anschließend bestaunten wir eine Vielfalt weiterer Hammer-Nutzungen.
Da gab es z.B. Hämmer, die für die Herstellung von Musikinstrumenten und -ihrer Stimmung genutzt werden.
Es gab Hämmer, die in der Medizin zum Einsatz kommen – Reflex- und sogar Autopsie-Hämmer.
| Zahnarzt-Hammer |
Spezialhämmer waren zu sehen – wie beispielsweise ein in Banken genutzter Hammer zum Entwerten von Schecks.
Es wurden Hämmer gezeigt, die im Haushaltsbereich verwendet werden - wie etwa Fleischklopfer oder auch die Hämmer, die zum Bieranstich zum Einklopfen des Zapfhahns ins Fass genutzt werden.
| Fleischklopfer |
| Fleischklopfer aus der Ukraine |
Kuriositäten waren auch dabei – wie etwa das Modell einer „Hammer-Prothese“. Zu der historischen Armprothese mit als Hand angebrachtem Hammer war ein Gedicht hinzugefügt, das uns erzählte, dass der Träger „Dan“ sehr zufrieden mit seiner „Hammer-Hand“ war.
Zum größten Teil waren natürlich Hämmer und ihre jeweilige Nutzung verschiedener Handwerks- bzw. Industrieberufe ausgestellt. Dabei waren mehr klassische Hämmer für Schreiner und Zimmermänner, Schmiede, Schuster oder Steinmetze, wobei einige dieser Hämmer je nach Bedarf in dem Beruf mit speziellen Sonderbauteilen angefertigt oder mit anderen Werkzeugen kombiniert waren.
In allen Räumen (an den Wänden und sogar an den Decken) des kleinen Museumhauses findet man ausgestellte Hammer. So konnten wir uns sogar in der "Toilette" anschauen, welche Hämmer von Fernmelde-Monteuren bei der Wartung von Leitungen an Telegrafenmasten genutzt werden.
Natürlich fehlte auch nicht, welche Alltagsgegenstände von Menschen als Hammer genutzt werden – so beispielsweise der „Schuh-Hammer“, wenn Damen den Absatz ihres Schuhs als Hammer verwenden.
Witzig fanden wir auch die Figur des „Little Man with the Hammer“, einer Werbefigur von 1931 des noch heute existierenden amerikanischen Schädlingsbekämpfungs-Unternehmen, der „Western Exterminator Company“, die mit dem Hammer Schädlinge vor Vernichtung warnte.
Weitere Thematiken folgten: so z.B. die Hämmer, die aufgrund ihrer Legierung keine Funken erzeugen.
| Multitools mit Hammer |
Hämmer wurden von der Menschheit nicht immer als Werkzeuge, sondern leider auch als Waffen genutzt. Dementsprechend war eine Ausstellung von Tlingit (hiesige first nation) - Kriegshämmern zu sehen. Hier war auch ein für Dave Pahl wichtiger Gegenstand ausgestellt. 2002 grub er, während er Teile eines neuen Fundamentes aushub, einen etwa 800 Jahre alten Tlingit-Kriegerpickel aus. Dieses hammerähnliche Werkzeug wurde sowohl zu Kampfzwecken als auch zu zeremoniellen Anlässen genutzt. Dave Pahl sah die Entdeckung des uralten Steinhammers als gutes Zeichen für sein Museum.
Abschließend noch einige Ausführungen zur „Hammer-Kunst“. Bereits im Außengelände fanden wir einiges: An der Hauswand hängt seit vielen Jahren ein von Dave Pahl selbstgefertigter Elch aus Hämmern mit dem Namen „Bach-Winkle“. Hier zeigt sich, dass sich Dave Pahl intensiv mit der Technik auseinandersetzt, denn die Winkler-Bach-Formel („Bach-Winkle“) beschreibt in der Mechanik, welche Spannungen gekrümmte Bauteile bei Biegung aushalten müssen.
Im Vorgarten steht ein aus Hämmern gefertigtes Hochrad, bei dem sogar Sattel und Lenker aus Hämmern gestaltet sind.
Auch das „Hammer Down“-Modell im Vorgarten begeisterte uns. Hier würden durch das Hämmern der Schmiede, die im Untergrund stehen, über Zahnradmechanismen die oberen Hämmer auf Ambosse schlagen.
Im Innenbereich des Hammermuseum entdeckten wir zahlreiche Formen der „Hammer-Kunst“ – so zum Beispiel zahlreiche Glas-Hämmer, verschiedenste Hammer-Figuren, filigrane Zier-Hämmer, lustige Hämmer (Beispiel: „Ohren-Hammer“ und natürlich auch völlig unnütze Hämmer / useless hammer wie etwa der „Apfel- Hammer“.
Wer bisher noch nicht genug "Hammergeschichte" gesehen kann, dem können wir nun nicht nur zeigen, wo der Hammer, sondern sogar "die Hämmer" hängen!
| Klauenhammer |
Und wer immer noch mehr unterschiedliche Hämmer sehen möchte, der kann in das erste kleine Lager gehen, in dem fein säuberlich archiviert die Hämmer auf eine größere Ausstellungsfläche warten.
Eine Zielsetzung des Museums diskutierten wir zum Schluss noch mit der liebenswerten Dame, die an diesem Nachmittag für das Museum zuständig war. Sie wollen erreichen, dass in unserer Zeit der Technisierung und Digitalisierung Menschen, vor allem junge Menschen, nicht vergessen, dass unsere praktischen Fähigkeiten zum Überleben durchaus von Bedeutung sind. Deshalb bieten sie während der Saison viele Schulprogramme und Workshops mit unterschiedlichen Hämmern für ihre verschiedenen Nutzungen an.
Nach unserem Museumsbesuch stellten wir gemeinsam fest:
„Das Hammer-Museum war der Hammer!“
Und wir erinnerten uns an einen alten Protestsong von den „Weavers“ von 1949 – „If I had a Hammer“, in dem über einen Hammer als Symbol der Arbeitswelt zu Gleichheit, Freiheit und Gerechtigkeit aufgerufen wurde.
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