Montag, 7. September 2026

Stewart – wo wir noch nicht waren

Den kleinen Ort Stewart ↗ besuchten wir im Jahr 2026 bereits zum vierten Mal und hatten auf unserem Besuchsprogramm dieses Mal einige Stellen, wo wir bisher noch nicht waren.
Unser erster angestrebter Besuch erwies sich als Reinfall. Wir wollten zur „Big Spruce“ von Stewart, einer 68 Meter hohen Sitka-Fichte mit einem Durchmesser von fast drei Metern am Rainey Creek Trailhead. Wir starteten auf dem Wanderweg, der eigentlich ohne große Steigungen leicht zu begehen ist. 
Trail
Trailbeginn mit bereits verblühtem Fireweed

Anfangs dachten wir noch, nicht auf dem Holzweg zu sein!

Holzweg
Leider wurde der Weg immer nasser, und nach knapp fünfhundert Metern wurde er von dem benachbarten „Bächlein“ geflutet.
nasser Weg
Marder

Während wir noch beratschlagten und eine Alternative durchs Gebüsch in Erwägung zogen, huschte just in dem Moment, als ich die Wegbeschaffenheit dokumentieren wollte, ein Marder durchs Bild.
Wir beschlossen dennoch umzudrehen. Die „Big Spruce“ wartet also weiter auf uns.

Danach entschieden wir uns für einen kleinen Ausflug zum Clements Lake. Dazu mussten wir etwa dreizehn Kilometer von Stewart aus Richtung Norden auf dem Highway 37 A bis zur Bitter Creek Bridge fahren und dann nach rechts abbiegend Richtung Ore Mountain noch weitere zwei Kilometer auf einer Schotterstraße durch den Wald. Der kleinere See liegt wunderschön im Wald und wir waren von der Aussicht auf die gegenüberliegenden Berge des Bear River Valleys begeistert.
See
Spiegelungen
Zurück in Stewart stand ein Besuch des Stewart Historical Museums ↗ auf unserem Programm. Es befindet sich in einem historischen Gebäude von 1939, dem „Government Agent Building“.
Museum
Schwerpunktmäßig wird in diesem Museum auf die Bergbau-Geschichte, insbesondere auf die lokale Geschichte des Gold- und Silberbergbaus eingegangen. Man darf nicht vergessen, dass in Stewart heute noch um die 400 Personen leben, aber dass aufgrund des damaligen Goldrausches um die Jahrhundertwende von 1900 fast 10.000 Menschen den Ort bevölkerten. Neben einem originalen Gerichtssaal im Erdgeschoss fanden wir die Ausstellungen im Obergeschoss zur lokalen Tierwelt und zur regionalen Geschichte ebenfalls recht beeindruckend.
Eule
Bartkauz (Strix nebulosa) auf einem verwitterten Holzstück
Wolf
Wolf
Kopf
Kopf eines jungen Weisskopfadlers
Bärentatze
Bärentatze
Nach unserem Museumsbesuch unternahmen wir noch einen Spaziergang durch den hiesigen Regenwald, einem sogenannten „gemäßigten Küstenregenwald“, in der Nähe unseres Campingplatzes (Rainey Creek Campground). Er gehört zum „Great Bear Rainforest“ ↗, der sich durch die hohen jährlichen Niederschlagsmengen, das milde maritime Klima und den Stau-Effekt vor den Coast-Mountains entwickelt hat.
Überwiegend findet man hier einen dichten Nadelwald - wir konnten schöne Fotos von Moosen, Farnen und Flechten aufnehmen, die hier üppig gedeihen.
Flechten
Flechten
Regentropfen
Wald
Wald
Moos
Moos
Moos

Samstag, 5. September 2026

Goldbergwerke in der Region von Stewart

Stewart hatte nicht nur zur Zeit des Goldrausches um die Jahrhundertwende von 1900 eine „Goldbergbau-Hoch-Zeit“ erlebt, sondern spielt auch im heutigen Minen- Bergbau-Geschäft noch eine Rolle. Dafür sind zwei Faktoren von Bedeutung. Zum Einen ist Stewart über den Highway 37 A ganzjährig per Straße erreichbar und zum Zweiten verfügt Stewart über einen eisfreien Tiefsee-Hafen am Portland Kanal. So ist der Transport von in der Region abgebauten Gold haltigen Gesteinen zur Weiterverarbeitung jederzeit möglich.
Das nach Stewart transportierte, Gold enthaltende Gestein wird in großen Hallen im Hafen gelagert und in mehrwöchigen Abständen anschließend von großen Frachtschiffen abgeholt.
Lagerhallen
Lagerhallen in Stewart
Verladestation
Verladeanlage in Stewart
Lager
Lager und Verladestation, von Hyder (Alaska) aus gesehen
Immerhin verdankt der Ort seinen Namen der Zeit der ersten Goldsucher. Die Brüder Robert und John Stewart, beide Goldsucher, eröffneten 1905 das Postamt des bis dahin noch namenlosen Ortes und benannten ihn nach ihrer Familie. Über Jahrzehnte war Stewart anschließend für mehrere, sehr ergiebige Goldminen bekannt – allen voran die 25 Kilometer nordwestlich von Stewart liegende „Premier Mine“, in der allein von 1918 bis 1952 über 65.000 Kilogramm Gold (2,3 Millionen Unzen) und zusätzlich noch eine riesige Menge an Silber abgebaut wurden.
Stewart liegt am südlichen Ende des sogenannten „Golden Triangle“ (goldenes Dreieck). Darunter versteht man ein extrem bergiges Gebiet mit vielen Gletschern, das sich von Stewart Richtung Norden bis nach Dease Lake (Telegraph Creek) erstreckt und das als eines der mineralien- und edelmetallhaltigsten Gebiete der Erde eingestuft wird.
Goldenes Dreieck
Das goldene Dreieck 
Foto im Museum von Stewart
Dementsprechend arbeiten aktuell Goldminen-Betriebe in der Region – entweder aktiv oder in der Planungsphase. Die wichtigste ist seit 2017 die 65 Kilometer nördlich entfernt liegende „Brucejack-Mine“, die hunderte von Mitarbeitern im Zweiwochenrhythmus in einem Camp beschäftigt. Die 80 Kilometer entfernte „Eskay Creek – Mine“ hat bereits alle Genehmigungen für den Produktionsstart von der Regierung in British Columbia erteilt bekommen und wird in den nächsten Jahren mit dem Gold-Abbau starten.
Im Museum in Stewart bekamen wir erklärt, dass die Minen in der Region von Stewart nach dem „Hard Rock Mining“-Prozess (Hartgesteinsabbau) arbeiten. Der Unterschied dazu ist der sogenannte Seifenbergbau oder das „Placer Mining“. Bei dieser Methode wird Gold getrennt, das mit Sand, Kies und Erde gemischt ist.
Museum
Das besuchenswerte Museum in Stewart
Jeder von uns kennt die Gold-Pfanne, mit dem der Goldsucher versucht, die Goldteilchen aus dem Gemisch von Sand und Kies abzutrennen, "herauszuwaschen". Das „Placer Mining“ kommt in Regionen mit Wassernähe zum Einsatz. Beim Hartgesteinsabbau versucht man an Gold heranzukommen, das in festem Gestein eingeschlossen ist - die Methode, die in der Region von Stewart angewendet wird. Nach Testbohrungen, teilweise in großen Tiefen, werden Tunnel angelegt und die goldhaltigen Gesteinsadern „untertage“ abgebaut, anschließend zerkleinert und dann zur Weiterverarbeitung abtransportiert.
Als Besucher bekamen wir von dem Gold-Bergbau zumindest mit, dass den ganzen Tag über Hubschrauber mit Material und Personen zu den abgelegenen Minen unterwegs sind und dass unentwegt große LKW mit dem zerkleinerten Gold-Gestein Richtung Hafen fahren.

Weiterführende Informationen:
https://www.canadianminingjournal.com/news/gold-silver-benchmark-drills-52-g-t-au-
and-846-g-t-ag-over-3-metres/
https://operations.newmont.com/canada/brucejack-canada/
https://www.stewartbcmuseum.com/
https://www.canadianminingjournal.com/news/doing-some-digging-the-lively-life-
times-of-stewart-bc/


Freitag, 4. September 2026

Hyder – der suedlichste Ort Alaskas

Den südlichsten Bereich der Pazifikküste von Alaska nennt man „Alaska Panhandle“ (Pfannenstiel). Dabei handelt es sich um einen schmalen, rund 850 Kilometer langen Küstenstreifen, der von dem Yukon Territory und der Provinz British Columbia begrenzt wird. Dort findet man zahlreiche vorgelagerte kleine Inseln und weit ins Landesinnere hineinreichende Fjorde. Außer Hyder, Skagway und Haines kann man die Orte, die am Alaska Panhandle liegen, nur über die Fähren des Alaska Marine Highway Systems oder per Boot und Flugzeug erreichen.
Der südlichste Fjord des Alaska Panhandle wird durch den 115 Kilometer langen Portland-Kanal gebildet. Am Ende dieses Kanals liegen die Orte Stewart (Kanada) und Hyder (Alaska).
blick
Blick vom Steg in Hyder auf das Ende
des Portland Kanals in Stewart
Der amerikanische Ort Hyder hat nur etwa 50 Einwohner und ist aus unserer Sicht in den letzten Jahren noch mehr zur „ghosttown“ geworden, als wir ihn bei unserem ersten Besuch im Jahr 2017 erlebten. Viele Häuser, Fahrzeuge, etc. erinnern mehr denn je an „lost places“.
Boot
Ein einmal abgestelltes Boot am Wegesrand verrottet mitsamt
seiner ehemaligen Abdeckung
Der größte Teil der Infrastruktur von Hyder ist am benachbarten kanadischen Ort Stewart orientiert (Schule, Stromversorgung, …), aber man muss bei der Rückfahrt offiziell über eine Grenzstation in Kanada einreisen.
grenze
Die Einreise nach Hyder in Alaska
Rückseite
Bei der Ausreise sieht man - seit dem Jahr 2015 - dieses Schild
checkpoint

Das „Checkpoint Charlie“-Schild an der Grenze Hyder (Alaska) – Stewart (British Columbia) wurde 2015 angebracht. Es war eine humorvolle Protestaktion der Bewohner von Hyder, nachdem die kanadische Seite angekündigt hatte, die Grenzkontrolle nachts schließen zu wollen.
Und noch eine interessante Bedingung in Hyder: Offiziell gilt hier die Alaska-Zeit (eine Stunde voraus), doch die Einwohner von Hyder orientieren sich an der B.C. Zeit - außer dem Post-Office.
In der Cottonwood Street in Hyder konnten wir weiterhin, wie bei unseren vergangenen Besuchen, in „The Bus/The Cabin“ bei Diana Simpson frisch zubereiteten, frittierten „Halibut“ genießen, den ihr Ehemann Jim im Portland-Kanal frisch fängt.
eat
So sah die "Imbiss-Bude" im Jahr 2017 aus
eat
so im Jahr 2018
2026
Im Jahr 2026 gibt es den Halibut nur noch aus der "Frittenbude" rechts

In diesem Jahr 2026 stark eingeschränkt war auch unser Besuch bei der Lachs- und Bären-Beobachtungsstation („fish creek wildlife observation site“) in Hyder. Am 16. Juli 2026 ereignete sich hier durch ein Gletscherhochwasser in den nahen Bergen, verbunden mit Starkregen, eine Flutkatastrophe am Salmon River und über 30 Meter des hölzernen Aussichtssteges der Anlage wurden weggerissen. Seit Anfang August kann man nach Reparaturen, ziemlich eingeschränkt, Teile des nördlichen Aussichtsteges wieder betreten.
Besucherplattform
Die zerstörte südliche Besucherplatform
Teile der weggeschwemmten Besucherplattform konnte man weit unterhalb im Salmon River im Dickicht sehen.
Weggeschwemmt
Unser dortiger Besuch Anfang September war aber durch ein weiteres Problem beeinflusst. Es waren kaum Lachse und dementsprechend auch keine Bären zu sehen. Nur hin und wieder konnte man einen Lachs ausmachen an den Stellen, wo es eigentlich um diese Zeit im Laichgebiet vor Lachsen nur so wimmelt.
Lachs
Der Grund dafür liegt in der angestiegenen Wassertemperatur im Salmon River, wodurch die Sauerstoffkonzentration im Wasser abnimmt. Die Lachse hingegen brauchen für das anstrengende Schwimmen bis zu ihren Laichplätzen viel Energie und dementsprechend viel Sauerstoff im Wasser. Wenn sie an den Einmündungsstellen der Flüsse ankommen, bemerken sie die für die schlechten Bedingungen und bleiben dann erst einmal abwartend im Fjord / Meer. Deshalb sind sie in diesem Jahr um Wochen verspätet noch nicht bei Hyder angekommen.
Normalerweise wäre es die Zeit, wo auch für ihn der Speiseplan reichlich Lachs vorsehen würde.
Adler
Dennoch: draußen, am Ende des Salmon Rivers, am Anfang des Portland-Kanals, konnten zumindest Robben auf Fischfang gehen.
lachs
All das interessierte diesen Stellar Jay (Schwarzscheitelhäher - Cyanocitta stelleri) nicht - er suchte im Uferbereich nach Eßbarem.
Jay

Sonntag, 30. August 2026

Der Bear-Glacier bei Stewart

Auf unserer Weiterfahrt von Meziadin Junction nach Stewart passierten wir etwa zwanzig Kilometer vor Stewart auf dem Highway 37 A den „Bear Glacier“. Seit 2017 waren wir hier bereits vier Mal vorbeigekommen und konnten erneut den Rückgang dieses Gletschers innerhalb der letzten zehn Jahre deutlich registrieren. Tatsächlich von großer Bedeutung ist allerdings das Abschmelzen des "Bear Glaciers" schon seit seit den 1940er Jahren.
Früher reichte der "Bear Glacier" bis direkt an den Highway und begann ab den1940er Jahren mit seinem starken Rückzug. Damals konnten Reisende auf dem Highway das Gletschereis direkt von der Straße aus noch anfassen, vorher war sogar das Tal und die Straße durch den Gletscher teilweise blockiert.
Gletscher
Früher reichte das Eis des Gletschers bis über die Straße
Foto: Museum in Stewart
Gletscher
1972 hatte sich der Gletscher schon weit zurückgezogen.
Sein Schmelzwasser bildete den Strohn Lake
Foto: Museum in Stewart
Das Eis des Gletschers beginnt in den Bergen am "Cambria Icefield" und erstreckt sich über den Bear River Pass nach unten. Das "Cambria Icefield" liegt in den Coast Mountains und speist mehrere Gletscher der Region.
Am Fuß des "Bear Glacier" bildete sich durch das Abschmelzen der Gletscherzunge der Strohn Lake. Benannt wurde er nach dem Elektroingenieur Frank Strohn (1866 - 1952), dessen Name auch ein hiesiger Berg und ein Flüsschen tragen.

Die Gletscherzunge reichte vor wenigen Jahren noch bis an das Ufer des Strohn Lake. Inzwischen hat sich das Eis des Gletschers den Berghang hinauf "zurückgezogen" und direkt neben dem Gletscher stürzen sogar mehrere Wasserfälle, gespeist durch Schmelzwasser, in die Tiefe.
Gletscher
30.07.2017
Gletscher
06.09.2018
Gletscher
06.09.2018
Gletscher
14.09.2024
Gletscher
29.08.2026
wasserfall
Laut tosend stürzt das Schmelzwasser zu Tal  -  29.08.2026

Gletscher
29.08.2026

Trotz seines extremen Rückgangs beeindruckte uns auch an diesem diesigen und extrem wolkenverhangenen Tag der "Bear Glacier" im Jahr 2026 mit seiner Schönheit erneut, weil er zu den sogenannten „blauen Gletschern“ gehört.
Sein Eis ist so stark verdichtet, dass die Gletscherspalten das Licht in besonderer Form reflektieren.

blaues eis
29.08.2026
Gletscher
29.08.2026

Der Rückgang des "Bear Glacier" seit 1975 wurde auch von Murray Lundberg in „Explore North“  anschaulich dokumentiert.