Freitag, 24. Juli 2026

Das Hammermuseum in Haines

Wir sahen schon "die weltgrößte Fidel", die "weltgrößte Axt" und jetzt wollten wir uns den "weltgrößten Hammer" mit angeschlossenem Hammermuseum ansehen.
offen
Direkt vor dem Eingang des kleinen, aber feinen und extrem besonderen Museum in der Main Street von Haines steht ein fast sechs Meter hoher Hammer - ein neues Exemplar, das erst seit einem Jahr das ausgediente, baufällig gewordene Vorgängerexponat von 2007 ersetzte. Der Stiel ist aus einem durchgängigen Fichtenstamm gefertigt, der Kopf ist eine Styropor-Glasfaser-Konstruktion.
Hammer
Hammermuseum
Der „Riesenhammer“ lädt in ein außergewöhnliches Museum ein, in dem man neben „Hammerkunst“ knapp 2.500 Exemplare des seit Jahrtausenden für die Menschen wichtigen Werkzeuges anschauen kann und zusätzlich die unterschiedliche Nutzung erklärt bekommt. Im Lager/Depot werden allerdings noch tausende weitere Hammer aufbewahrt. Der Ausstellungsraum in einem umgebauten historischen Wohnhaus ist für die gesamte Sammlung zu klein.
Angefangen hat die Geschichte des Hammer-Museums im Jahr 2002 als der langjährige Hammer-Sammler Dave Pahl und seine Frau Carol aus Haines auf die Idee kamen, die Sammlung in einem Museum zu präsentieren. Sie kauften das 110 m² große, weiße Haus mit den grünen Zierleisten und begannen dort, die von Dave Pahl über Jahrzehnte aus Haushaltsauflösungen, auf Flohmärkten und über Versteigerungen gesammelten Hämmer in einer Ausstellung aufzubauen.
Hämmer
Schon ein Jahr nach der Eröffnung schenkte ihnen das Smithsonian Museum of American History aus Washington D.C. zur Unterstützung fünf lebensgroße Figuren, die in ihren Berufsbildern mit Hämmern zu tun haben – beispielsweise Zimmerleute oder bestimmte Handwerker wie Schuster, Schmied, Schlosser oder Schreiner. Auch heute noch nehmen die Figuren eine zentrale Position in der Ausstellung ein.
Schuster
Schuster
Im Laufe der Jahre kamen viele weitere Hämmer durch Geschenke/Spenden (im Jahr 2018 beispielsweise über den Nachlass des Hammer-Sammlers Jim Mau aus Arizona, den dessen Familie an das Museum übergab) und teilweise auch als Leihgaben hinzu. Zurzeit kommen diese Geschenke / Spenden / Leihgaben teilweise aus der ganzen Welt. So stellt das Museum beispielsweise einen Bernstein-Hammer aus Litauen aus. In Litauen gibt es ebenfalls ein kleines Hammer-Museum, mit dem man befreundet ist.
Bernsteinhammer
Bernsteinhammer (rechts )
Das absolut Besondere am Hammermuseum ist, dass man sich nicht nur die Exponate anschauen kann, sondern zu jedem Hammer seine Nutzung und den Bezug zur Arbeitswelt erklärt bekommt – jeder Hammer gewissermaßen mit seinem Zertifikat.
Bereits am Eingang begeisterte uns eine „Hammerpräsentation“ mit dem Titel „Zeige mir deinen Hammer, ich sage dir, welchen Beruf du hast.“
Hammer
Danach ging es mit den antiken bzw. den historischen Hämmern los. In dieser Abteilung wurden teilweise jahrtausende alte Stein- und Knochenhämmer gezeigt.
Anschließend bestaunten wir eine Vielfalt weiterer Hammer-Nutzungen.
Da gab es z.B. Hämmer, die für die Herstellung von Musikinstrumenten und -ihrer Stimmung genutzt werden.
Musik
Es gab Hämmer, die in der Medizin zum Einsatz kommen – Reflex- und sogar Autopsie-Hämmer.
Medizin
Zahnarzt
Zahnarzt-Hammer
Spezialhämmer waren zu sehen – wie beispielsweise ein in Banken genutzter Hammer zum Entwerten von Schecks.
Entwertung
Es wurden Hämmer gezeigt, die im Haushaltsbereich verwendet werden - wie etwa Fleischklopfer oder auch die Hämmer, die zum Bieranstich zum Einklopfen des Zapfhahns ins Fass genutzt werden.
Fleischklopfer
Fleischklopfer
Fleischklopfer
Fleischklopfer
Fleischklopfer aus der Ukraine
Fleischklopfer
Kuriositäten waren auch dabei – wie etwa das Modell einer „Hammer-Prothese“. Zu der historischen Armprothese mit als Hand angebrachtem Hammer war ein Gedicht hinzugefügt, das uns erzählte, dass der Träger „Dan“ sehr zufrieden mit seiner „Hammer-Hand“ war.
Hammer Hand
Zum größten Teil waren natürlich Hämmer und ihre jeweilige Nutzung verschiedener Handwerks- bzw. Industrieberufe ausgestellt. Dabei waren mehr klassische Hämmer für Schreiner und Zimmermänner, Schmiede, Schuster oder Steinmetze, wobei einige dieser Hämmer je nach Bedarf in dem Beruf mit speziellen Sonderbauteilen angefertigt oder mit anderen Werkzeugen kombiniert waren.
große Hammer
In allen Räumen (an den Wänden und sogar an den Decken) des kleinen Museumhauses findet man ausgestellte Hammer. So konnten wir uns sogar in der "Toilette" anschauen, welche Hämmer von Fernmelde-Monteuren bei der Wartung von Leitungen an Telegrafenmasten genutzt werden.
Hammer
Natürlich fehlte auch nicht, welche Alltagsgegenstände von Menschen als Hammer genutzt werden – so beispielsweise der „Schuh-Hammer“, wenn Damen den Absatz ihres Schuhs als Hammer verwenden.
Damenschuh
Witzig fanden wir auch die Figur des „Little Man with the Hammer“, einer Werbefigur von 1931 des noch heute existierenden amerikanischen Schädlingsbekämpfungs-Unternehmen, der „Western Exterminator Company“, die mit dem Hammer Schädlinge vor Vernichtung warnte.
Hammer
Weitere Thematiken folgten: so z.B. die Hämmer, die aufgrund ihrer Legierung keine Funken erzeugen.
keine Funken
Hammer
Hammer
Multitools mit Hammer
Auch moderne Hammer aus verschiedenen Materialien (nicht nur Holz) wurden ausgestellt.
Hammer
Hämmer wurden von der Menschheit nicht immer als Werkzeuge, sondern leider auch als Waffen genutzt. Dementsprechend war eine Ausstellung von Tlingit (hiesige first nation) - Kriegshämmern zu sehen. Hier war auch ein für Dave Pahl wichtiger Gegenstand ausgestellt. 2002 grub er, während er Teile eines neuen Fundamentes aushub, einen etwa 800 Jahre alten Tlingit-Kriegerpickel aus. Dieses hammerähnliche Werkzeug wurde sowohl zu Kampfzwecken als auch zu zeremoniellen Anlässen genutzt. Dave Pahl sah die Entdeckung des uralten Steinhammers als gutes Zeichen für sein Museum.

Abschließend noch einige Ausführungen zur „Hammer-Kunst“. Bereits im Außengelände fanden wir einiges: An der Hauswand hängt seit vielen Jahren ein von Dave Pahl selbstgefertigter Elch aus Hämmern mit dem Namen „Bach-Winkle“. Hier zeigt sich, dass sich Dave Pahl intensiv mit der Technik auseinandersetzt, denn die Winkler-Bach-Formel („Bach-Winkle“) beschreibt in der Mechanik, welche Spannungen gekrümmte Bauteile bei Biegung aushalten müssen.
Hammergeweih
Im Vorgarten steht ein aus Hämmern gefertigtes Hochrad, bei dem sogar Sattel und Lenker aus Hämmern gestaltet sind.
Hochrad
Auch das „Hammer Down“-Modell im Vorgarten begeisterte uns. Hier würden durch das Hämmern der Schmiede, die im Untergrund stehen, über Zahnradmechanismen die oberen Hämmer auf Ambosse schlagen.
Hämmer
Im Innenbereich des Hammermuseum entdeckten wir zahlreiche Formen der „Hammer-Kunst“ – so zum Beispiel zahlreiche Glas-Hämmer, verschiedenste Hammer-Figuren, filigrane Zier-Hämmer, lustige Hämmer (Beispiel: „Ohren-Hammer“ und natürlich auch völlig unnütze Hämmer / useless hammer wie etwa der „Apfel- Hammer“.
Glashammer
Apfelhammer
Wer bisher noch nicht genug "Hammergeschichte" gesehen kann, dem können wir nun nicht nur zeigen, wo der Hammer, sondern sogar "die Hämmer" hängen!
HämmerHämmer
Hammer
Hammer
Klauenhammer
Und wer immer noch mehr unterschiedliche Hämmer sehen möchte, der kann in das erste kleine Lager gehen, in dem fein säuberlich archiviert die Hämmer auf eine größere Ausstellungsfläche warten.
Lager
Eine Zielsetzung des Museums diskutierten wir zum Schluss noch mit der liebenswerten Dame, die an diesem Nachmittag für das Museum zuständig war. Sie wollen erreichen, dass in unserer Zeit der Technisierung und Digitalisierung Menschen, vor allem junge Menschen, nicht vergessen, dass unsere praktischen Fähigkeiten zum Überleben durchaus von Bedeutung sind. Deshalb bieten sie während der Saison viele Schulprogramme und Workshops mit unterschiedlichen Hämmern für ihre verschiedenen Nutzungen an.
Nach unserem Museumsbesuch stellten wir gemeinsam fest:
Das Hammer-Museum war der Hammer!“
Und wir erinnerten uns an einen alten Protestsong von den „Weavers“ von 1949 – „If I had a Hammer“, in dem über einen Hammer als Symbol der Arbeitswelt zu Gleichheit, Freiheit und Gerechtigkeit aufgerufen wurde.
Hammerei

Weitere Informationen über:

Donnerstag, 23. Juli 2026

Das ehemalige Fort Seward

Ein Rundgang durch das Fort in Haines / Alaska
Als Ende des 19. Jahrhunderts aufgrund der Goldfunde an verschiedenen Orten des nordwestamerikanischen Kontinents hunderttausende Menschen in diese Regionen strömten, versuchte auch die amerikanische Regierung dieses Chaos irgendwie zu regulieren. Deshalb entschied man sich im südlichen Alaska einen Militärposten einzurichten, wählte dazu einen Ort am Port Chilkoot aus, der knapp einen Kilometer entfernt von Haines/Alaska lag und konnte das Fort letztendlich 1904 offiziell eröffnen.
fort
a place
Bei dem Bau des Forts wurde ein zweiter wichtiger Aspekt bedacht, die damals noch nicht beendeten Grenzstreitigkeiten mit Kanada. Mit dem Fort wollte man Präsenz und Stärke für diesen Bereich von Alaska zeigen.
Man benannte es zu Ehren des ehemaligen amerikanischen Außenministers William Henry Seward (1801-1874), der 1867 den Kauf Alaskas von Russland organisiert hatte. 1922 wurde das Fort in „Chilkoot Barracks“ umbenannt. Während des zweiten Weltkrieges diente das Fort überwiegend als Ausbildungsstätte für Soldaten, die anschließend auf die Aleuten geschickt wurden. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Fort aufgelöst. Veteranen kauften 1947 der amerikanischen Armee Gelände und Gebäude ab und verwandelten sie in Privathäuser, Geschäfte und Kultur- und Kunstzentren, die bis heute überwiegend im originalen Stil erhalten geblieben sind.
gekauft
1978 wurde „Fort Seward“ zur „National Historic Landmark“ erklärt.
historic side
Bei der Besichtigung des Geländes war für uns zunächst der zentrale Rasenplatz bzw. das ehemalige Exerziergelände, der „parade ground“, dominierend. Auf ihm fanden der morgendliche Appell und die Exerzierübungen statt. Eine alte verrostete Kanone und die Fahnen von Alaska und den USA erinnern an einst vergangene Zeiten.
Paradeplatz
Kanone
Beeindruckend fanden wir die sogenannte „officer’s row“ – hierbei handelt es sich um 1904 erbaute Holzhäuser, deren Farben abgestimmt von Haus zu Haus wechseln. Einst wohnten hier die Offiziere mit ihren Familien in diesen komfortabel eingerichteten zweistöckigen Häusern, die sogar über Toiletten und Badewannen verfügten.
Heute befinden sich diese Häuser alle in Privatbesitz.
Offiziershaus
An der nordwestlichen Seite des Paradeplatzes entdeckten wir das ehemalige Krankenhaus, in dem später ein Zentrum für indigene Kunst untergebracht war.
Krankenhaus
Krankenhaus
Ehemaliges Krankenhaus
Krankenhaus
geschlossen
Leider zugewachsen und geschlossen
Am südlichen Ende fanden wir das ehemalige Kasernengebäude, in dem einst fast die Hälfte der einfachen Soldaten wohnten. Heute lagern Tourismusunternehmen ihre Utensilien dort.
Uns gefielen hier vor allem die bemalten Fenster.
Kaserne
Fenster
Bärenfuetterung
Tanz
Das Hotel „Halsingland“ entstand ursprünglich durch die Verbindung von zwei Offiziershäusern (Clarence und Hilma Mattson waren die Erstbesitzer) und wird auch heute noch als historisches Hotel betrieben. Der zentrale Teil des Hotels war einst das „officer’s headquarter“. Das Hotel liegt auf der östlichen Seite der „parade grounds“.
Hotel
Hotel
Hotel
Direkt nebenan erschien uns auch der noch existierende „Feuer-Turm“ des Forts recht auffällig.
Er diente als Aussichtspunkt für Warnmeldungen und innen konnten die Feuerschläuche zum Trocknen aufgehängt werden.
Feuerwehrturm
Wir fanden den Besuch des durch die besonderen Bedingungen des Verkaufes von 1947 noch so gut erhaltenen ehemaligen Fort-Gebäude deshalb interessant, weil man sich so das Leben, das hier vor hundert Jahren stattfand, recht gut vorstellen konnte.
Wir bedauerten, dass wir wohl kaum in Haines im Dezember vorbeikommen würden, wenn alle Gebäude weihnachtlich beleuchtet sind, was wir uns recht romantisch vorstellen konnten.

Wenn man den Ort Haines Richtung Chilkoot verläßt, hat man die folgende Impression von diesem Ort.
Hinter der Portage Cove von Haines Borough folgt das Fort-Gelände; die Häuserreihe vor dem Wald gehört zu den ehemaligen Offiziersgebäuden des Fort Seward.
Haines