... oder der Haines Highway
Offiziell wird die Straße, die wir von Haines Junction im Yukon Territory über gut 240 Kilometer bis nach Haines in Alaska nutzen wollten, als Haines Highway #7 bezeichnet; die Einheimischen nennen die Straße aber immer noch die Haines Road. Die Kilometer für diese Straße werden normalerweise ab Haines mit Kilometer 0 und bis Haines Junction mit Kilometer 246 angegeben.
Die Haines Road wurde erst 1943 als militärische Versorgungsstraße gebaut, verläuft aber entlang einer Strecke, die über Jahrhunderte von den First Nation als Handelsweg genutzt wurde. Ab 1892 erkundete der Pionier und Transportunternehmer Jack Dalton (1856-1944) diesen Handelsweg genauer, errichtete feste Stationen und baute ihn von Haines bis nach Champagne so aus, dass er ihn ab dem Klondike-Goldrausch als Mautstraße nutzen konnte. Der Weg erhielt den Namen Dalton Trail und ist auch heute noch teilweise in der Haines Road integriert.
Wir starteten ab Haines Junction (KM 246) über die zwei Brücken, die über den Dezadeash River (KM 245) führen, passierten nach neun Kilometern den Parkplatz (KM 239), den man nutzen kann, wenn man den Auriol Rundwanderweg laufen möchte und erreichten nach 28 Kilometern den Kathleen Lake, der zehn Kilometer lang und sieben Kilometer breit ist und eine Fläche von fast 3.400 Hektar hat.
Einen ersten Blick auf den Kathleen Lake konnten wir bereits fünf Kilometer vorher vom Haines Highway aus genießen (KM 226).
Direkt hinter dem See erhebt sich der King’s Throne Peak (Höhe: 1.990 Meter), der uns an diesem zunächst sonnigen Tag mit einem traumhaften Panoramablick beschenkte. Ein Polizist der North-West Mounted Police, William Hume (1868-1950), benannte den See um 1900 nach seiner ehemaligen Geliebten in Schottland.
Übrigens befindet sich direkt hinter dem Kathleen Lake ein weiterer See, der Lake Louise, der natürlich nichts mit dem in den Rocky Mountains bei Banff zu tun hat.
Vierzehn Kilometer weiter erreichten wir den Parkplatz (KM 202), der zu einer Wanderung zum sogenannten Rock Glacier (Felsengletscher) einlädt. Die Distanz zur Aussichtsplattform beträgt nur 800 Meter, aber man muss recht steil bergauf steigen.
Am Rock Glacier befindet sich auf einer längeren Strecke ein Gemisch aus Felsen und Geröll, das durch tieferliegendes Permafrost-Eis zusammengehalten wird.
Allerdings bewegt sich diese Geröllmasse im Laufe der Zeit minimal und zähflüssig bergab, oft nur wenige Zentimeter im Jahr. Gewissermaßen verhält sich diese „Gesteinslawine“ wie ein Gletscher mit dem Unterschied, dass das Eis von Geröll bedeckt ist.
Durch das nasse z.T. moorig sumpfige Gebiet in den Niederungen führt ein Holzsteg, doch danach führt der Pfad über loses Gestein weiter hinauf.| Der Felsen-Gletscher in der Bildmitte |
Auf der weiteren Fahrt konnten wir auf der linken Seite den recht großen Dezadeash Lake sehen (Länge: 19,5 Kilometer, Breite: 7 Kilometer, Fläche: etwa 89 km²).
Nach 64 Kilometern (KM 182) fuhren wir vom Highway zum Klukshu Village ab, einem Sommerdorf der First Nations. Dieser Ort wird auch heute noch von den Champagne und den Aishihik als Fisch-Camp für den Lachsfang genutzt.
Im folgenden Straßenabschnitt zweigten mehrmals kürzere und längere Wanderwege ab, bis wir nach achtzehn Kilometer die nach links abbiegende Schotterstraße erreichten (KM 164), die nach fünf Kilometern zu einigen Relikten der ehemaligen „Dalton Post“ führt. Die Straße war so schlecht, dass wir uns gegen diesen Abstecher entschieden.
Fünf Kilometer weiter (KM 159) folgte eine beeindruckende Naturerscheinung – hier fuhren wir über eine kurze Schotterstraße zum „Million Dollar Falls Campground“ direkt am Takhanne River, um von dort zur Aussichtsplattform auf die Wasserfälle, den „One Million Dollar Falls“, zu gehen. Der lustige Name entstand über ein Gerücht aus den 1940er Jahren. Damals befand sich dort ein Bau-Camp der U.S.Army mit einer angeblich sehr luxuriösen Bade-Baracke mit 21 Toiletten. Die Errichtung der Baracke sollte angeblich ein Million Dollar gekostet haben und wurde fast nie genutzt. Die Baracke ist verschwunden, das Gerücht und der Name sind geblieben.
Wir fanden die Wasserfälle sehr beeindruckend. Der Takhanne River stürzt hier durch eine enge Schlucht 60 Meter in die Tiefe.
Nach weiteren sechs Kilometern (KM 145) verließen wir das Yukon Territory und erreichten die Provinz British Columbia. Danach folgten wieder zahlreiche kleinere Aussichtspunkte und viele Abzweigungen zu Wanderwegen entlang verschiedenen kleiner Flüsse und es ging immer höher. Die Landschaft hier wird als alpine Tundra bezeichnet. Es gab kaum noch Bäume, dafür aber moosreiche, sumpfige
Feuchtgebiete und karge, sandige Weiten.
Nach weiteren 60 Kilometern erreichten wir endlich den höchsten Punkt der Haines Road, den Summit (KM 102) bzw. den Chilkat Pass, mit einer Höhe von 1.070 Metern. Hier oben befindet sich die geografische Trennlinie zwischen den Elias Mountains und den Coast Mountains, gleichzeitig ist hier oben die Wasserscheide für die hiesigen Flusssysteme zu finden.
Bald nach dem Chilkat Pass (ab KM 91) erblickten wir die Three Guardsmen, eine markante Berggruppe aus Felsnadeln und felsigen Gipfeln. Aufgrund ihres trutzigen Aussehens haben sie die Menschen schon immer an eine Gruppe von Wächtern (guards) erinnert. Der höchste Gipfel (Glave Peak) erreicht eine Höhe von 1.920 Metern. Das hiesige Berggebiet wird auch „rainy hollow“ genannt und ist ein historischer Bergbaudistrikt, in dem vor allem nach Kupfer geschürft wurde.
Interessant war auch, das diese doch hohen Berge oft nur aus Sand und Geröll bestehen und mit jedem neuen Niederschlag, jeder Schneeschmelze weiter ausgewaschen werden.
Nun mussten wir noch einmal weitere 55 Kilometer durch die Bergwelt auf der Haines Road bewältigen bis wir endlich mit dem Pleasant Camp (KM 40) die kanadisch-amerikanische Grenze erreichten. Die amerikanische Seite wird auch „Dalton Cache“ genannt.
Die restliche Strecke über vierzig Kilometer von der kanadisch-amerikanischen Grenze bis nach Haines beschreiben wir in einem weiteren Bericht, weil sich an dieser Strecke, die entlang des Chilkoot Rivers führt und die auch die „Tal der Adler“- Straße genannt wird, zahlreiche touristische Punkte befinden, die wir von Haines aus startend gesondert besucht hatten.
Tief hingen die Wolken bei kühlen Temperaturen, als wir nach gut 240 Kilometern auf der Haines Road den Ort Haines in Alaska erreichten.
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