Wenn man im Yukon unterwegs ist, fallen einem an vielen Stellen Bilder an Hausfassaden, auf Postkarten oder in Museen auf, die an den Klondike Goldrausch (1897-1899) erinnern, insbesondere an den sogenannten Chilkoot Trail. Was hat es damit auf sich?
| Zeichnung an einer Hauswand in Whitehorse |
| Aufstieg zum Pass (in Transportation Museum in Whitehorse) |
| Aufstieg zum Pass (Wild Adventure Yukon - Carcross) |
Im August 1896 entdeckten Skookum Jim Mason, Dawson Charlie sowie Kate und George Carmack von den Tagish First Nation aus Carcross am Klondike River, d.h. an seinem Nebenfluss Bonanza Creek, bei dem heutigen Ort Dawson City im nördlichen Yukon Territory ein großes Goldvorkommen, was den legendären Klondike-Goldrausch auslöste. Es dauerte knapp ein Jahr bis sich der Goldfund USA-weit herumgesprochen hatte und sich tausende „Glücksritter“ auf den Weg machten, um reich zu werden. Mitte Juli 1897 veröffentlichten u.a. die Zeitungen in San Francisco und Seattle die Schlagzeilen „Gold! Gold! Gold!“ und die Massen waren nicht mehr aufzuhalten.
Da man zur damaligen Zeit Dawson City quer durch das Land schwerlich erreichen konnte, entschieden sich die Massen für folgenden Weg: Man reiste ab Herbst 1897 mit dem Schiff von der US-Westküste bis zum Hafen des Ortes Skagway in Alaska, der am nördlichen Ende des Taiya Inlet, einem knapp 19 Kilometer langen Fjord, liegt. Am Ende des Taiya Fjords entstand dann rasend schnell der Goldgräber-Ort Dyea. „Dyea“ bedeutet in der Sprache der Tlingit First Nation „tragen“, denn hier begann ein Handelsweg der First Nation, auf der die Küstenbewohner über Jahrhunderte ihre Waren zu den Stämmen der inländischen First Nation brachten. Sie starteten in Dyea und bewältigten die hiesigen Berge der Coast Mountains über den sogenannten Chilkoot Pass (1067 Meter). Dieser Pass ist nach der Tlingit Gruppe „Chilkat“ benannt.
| Die Route über den Chilkoot - Pass |
Genau diese Route wurde dann von tausenden von Goldsuchern genutzt und erhielt den Namen „Chilkoot Trail“. Er ist 53 Kilometer lang und führte damals von Dyea bis zum Goldgräberort Bennett, heute eine Geisterstadt, die man aktuell nur zu Fuß oder mit der White Pass & Yukon Railway erreichen kann. In Bennett, genauer am Bennett Lake (benannt nach dem Zeitungsverleger James Gordon Bennett (1841-1918), der mehrere Erkundungsexpeditionen in den 1880er-Jahren in Alaska finanzierte), bauten sich die Goldsucher anschließend Boote und Flöße, mit denen sie über 800 Kilometer über Seen und den Yukon River bis nach Dawson City weiter fuhren.
Was hatten die Goldsucher am Anfang des Chilkoot Trails zu erwarten? Zunächst einmal war von der kanadischen Regierung vorgeschrieben, dass jede Person etwa eine Tonne an Vorräten mitführen musste, die für ein Jahr reichen sollte. So wollte man eine Hungersnot im einsamen Yukon verhindern und wurde von der North-West Mounted Police deshalb auch streng kontrolliert. Dies bedeutete, dass die Personen, die kein Tragetier oder einen angestellten Träger hatten, den Weg mehrmals zurücklegen mussten, bis sie alle ihre Sachen von Dyea nach Bennett transportiert hatten.
| Das war vorgeschrieben, mitzunehmen |
Die Goldsucher starteten in Dyea und mussten zunächst den Taiya-Fluss überwinden, um nach acht Kilometern Finnegan’s Point zu erreichen. Hier hatte die geschäftstüchtige Familie Finnegan einen Fähr-Service eingerichtet und boten eine Schmiede, einen Saloon und ein Restaurant an. Auf der anschließenden Strecke durch enge Schluchten und steil bergauf entstanden schnell die Raststationen „Canyon City“, "Camp Pleasant“ und „Sheep Camp“, wo man sich von den Strapazen des Aufstieges ein wenig erholen und sich mit Wasser und Feuerholz versorgen konnte.
| Canyon City Quelle: Foto hängt in der Bäckerei von Carcross |
| Quelle: Foto hängt in der Bäckerei von Carcross |
| Kurz vor dem Chilkoot Pass Quelle: Foto in der Bäckerei von Carcross |
Bezeichnenderweise war der Name der Raststation nach dem Chilkoot Pass „Happy Camp“. Danach ging es dann bergab bis man den Bennett Lake erreichte. Im Ort „Log Cabin“ mussten sich die Goldsucher bei der North-West Mounted Police anmelden, denn schließlich hatten sie Alaska verlassen und waren im Yukon Territory angekommen.
Aus heutiger Sicht muss man sagen, dass die Goldsucher unvorstellbare Strapazen auf sich nahmen, um ihren Traum vom schnellen Reichtum zu verwirklichen; viele allerdings von ihnen bezahlten dieses Vorhaben auch mit ihrem Leben.
Im Jahr 2022 wurde der Chilkoot Trail zum National Historic Trail erklärt und jährlich sind über 15.000 Menschen auf den Spuren des berühmten Goldsucherweges in einer mehrtägigen Wanderung unterwegs.
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