Samstag, 16. August 2025

Museumstour in Twillingate

In Twillingate kann man einige Museen besuchen, wir entschieden uns für eine "kleine" Auswahl.
Nachdem wir von der New World-Insel kommend über einen Damm die South-Twillingate Insel erreichten, erblickten wir auf der linken Seite das erste Museum, das Prime Berth Twillingate Fishery and Heritage Center“. Hier waren wir vor allem von den zwei auffälligen Skeletten zweier Seiwale im Außenbereich beeindruckt.
Seiwal
Seiwal
Das Prime Berth Center ↗ ist eine private Einrichtung und der Eigentümer, David Boyd,
hat beide Wale, die einst hier an der Küste verendet waren, eigenständig präpariert.
Man sollte bei dem anzutreffenden Arrangement im eigentlichen Sinne nicht von einem Museum, sondern mehr von einem "Kulturzentrum" sprechen.
Crafts
Der Name „Prime Berth“ bezieht sich auf einen Brauch bei den hiesigen Kabeljau-Fischern. Am Jahresanfang trafen sie sich zu einer Verlosung für die besten Angelplätze. Der Gewinnerplatz war der „prime berth“.
Capt-Dave
Auf dem Gelände kann man u.a. eine „Fischerbühne“ (fishing stage) besichtigen.
Dieses traditionelle Holzgebäude stand am Uferrand auf einer Plattform und wurde für einige Monate im Sommer zur Fischverarbeitung genutzt. Hier wurden die Fische angelandet, ausgenommen, zerlegt, gesalzen und getrocknet. Neben der Fischerbühne kann man einige weitere Schuppen, Fischlager und zahlreiche andere Gegenstände sehen, die für die Arbeit der Kabeljau-Fischer benötigt wurden.
Kulturzentrum
Danach besuchten wir ein ins Auge stechende Gebäude, die Masonic Lodge Nr. 7 ↗ ein Haus der Freimaurer, das in der Main-Street im Ort Twillingate zu finden ist.
Masonic
Die Freimaurerloge von Twillingate wurde bereits 1889 gegründet, das heute denkmalgeschützte Gebäude wurde 1906 erstellt. Am Gebäude sind außen deutlich die Zeichen der Freimaurer angebracht – ein Zirkel (Selbstbeherrschung), ein Winkelmaß (Gerechtigkeit) und der Buchstabe G (Gott als Baumeister der Welt).
Masonic
Der Logenraum, in dem heute noch Treffen der Freimaurer stattfinden, befindet sich im Obergeschoss. Hier befinden sich alle Urkunden, zeremoniellen Gegenstände und andere Utensilien, die für die Loge von Bedeutung sind. Im Untergeschoss ist heute der „Square and Compass Social Club“ untergebracht. Dies ist ein Gesellschaftsclub, der Musikveranstaltungen anbietet, Feste organisiert und die Vermietung der Räume
anbietet. Ober- und Untergeschoss erscheinen in ungewöhnlich leuchtend blauer Farbe

Danach fuhren wir weiter in den Ortsteil Durrell. Hier befindet sich, richtig: das Durrell-Museum. Das Gebäude steht erhaben auf einer Anhöhe mit dem Namen „Old Maid“, von der man eine herrliche Aussicht auf den hiesigen Meeresarm, den Durrell-Arm, hat.
Das Gebäude wurde 1910 von jungen Männern der paramilitärischen Organisation der „Arm Lads Brigade“ erbaut. In diesem Gebäude trainierten sie damals und waren anschließend teilweise sogar im Ersten Weltkrieg im Einsatz. Auch ihnen ist in der Ausstellung eine Abteilung gewidmet.
Gleich am Eingang des Museums konnten wir „Titus“ bestaunen, einen Eisbären, der es vor langer Zeit geschafft hatte, Neufundland zu erreichen und hier sein Leben verlor.
Titus
Wenige Meter weiter ging es erneut um Tiere, die etwa Anfang der 1850er Jahre in dieser Region ausstarben ↗: die Riesen-Alke“ (Great Auk / Pinguinus impennis). Dieser etwa 80cm große pinguinähnliche Vogel gehörte zu den Alken, war aber flugunfähig. Zu den Alken gehört beispielsweise auch der Papageientaucher, der allerdings recht gut fliegen kann. Pinguine hingegen sind nicht flugfähig.
Im Durell-Museum ist in Erinnerung an die vor allem in Neufundland ehemals beheimateten Vögel eine kleine Kunstausstellung aufgebaut, und es wird über die Vögel und ihre ehemalige Lebensweise informiert.
Alk
Des Weiteren findet man viele Exponate zum früheren Fischereiwesen und zum Böttcher-Handwerk (in diese und größere Fässer z.B. wurde der getrocknete und gesalzene Kabeljau zum Weitertransport in die ganze Welt eingelegt).
Fass
Besonders gut hat uns ein Modell-Nachbau des Purcell’s Harbour gefallen, der sehr originalgetreu gestaltet war. Purcell’s Harbour liegt etwa fünf Kilometer südöstlich
entfernt am „Main Tickle“.
Purcell´s Hafen
Ausschnitt aus dem Modell von Purcell´s Harbour
Wie in einem Heimatmuseum üblich, findet man aber auch sehr viele Exponate aus dem frühen Lebensalltag des 18. und 19. Jahrhunderts in Twillingate. Bei all den ausgestellen und früher auch genutzten Gegenständen ist zu bedenken, dass Twillingate zur Insel Neufundland gehört und alles, aber auch ALLES einmal per Schiff in diese Region gebracht werden musste, sofern man es nicht selbst herstellen konnte.
Toilettenstuhl
Ein Toilettenstuhl
Spinnrad
Spinnrad und Nähmaschine

Service
Ein Service aus der Zeit um 1900
Besonders stolz ist man, dass man neben all den Alltagsgegenständen im Wandel der Zeit auch eine Bibel präsentieren kann. Sie stammt aus dem Jahr 1886 und ist koloriert.
Bibel
Vom Durell-Museum fuhren wir zurück in den Ort Twillingate und besuchten dort  - das
Twillingate-Museum , das es seit Anfang der 1970er Jahre gibt. Es beschäftigt sich mit der Lokalgeschichte des Ortes und ist im alten Pfarrhaus der anglikanischen Kirche St. Peter untergebracht. 
Museum
Museum in Twillingate
Im Erdgeschoss fühlten wir uns in eine andere Zeit zurückversetzt. Man spazierte durch Wohn-Räume, die in liebevoller und detailgetreuer Form mit vielen antiken Möbeln im Stil der Zeit des späten 19. Jahrhunderts eingerichtet waren. Im Obergeschoss waren u.a. Kinder- und Schlafzimmer eingerichtet. Auch auf Persönlichkeiten aus diesem Ort und ihr Leben wird anschaulich eingegangen.
Schlafzimmer
Neben weiteren historischen Alltagsexponaten waren auch Themen-Ausstellungen in diesem Haus untergebracht. Eine davon beschäftigte sich mit der untergegangenen Beothuk-Kultur und deren Vorfahren, den "Maritime Archaic Indians" ↗. Viele Fundstücke, die bei Ausgrabungen auf der Insel Twillingate gesichert werden konnten, und die zu dieser ehemaligen Bevölkerungsgruppe Neufundlands zugerechnet werden können, sind hier in Vitrinen ausgestellt.
Beothuk
Aber auch der Erste und Zweite Weltkrieg werden in diesem Haus thematisiert, denn selbst in diesem entlegenen Ort hinterließ er seine Spuren.
Viele junger Männer meldeten sich während des 1. Weltkrieges zum Einsatz im Ausland und kehrten nicht mehr zurück. Dies führte nicht nur zur Schließung von Geschäften, sondern auch zur Verarmung vieler Familien. Die Freiwilligen traten damals dem "Royal Newfoundland Regiment" bei, das im Sommer 1916 in Frankreich eine vernichtende Niederlage erlitten hatte.

Das Museum wirbt mit dem Slogan: „Ein Ort, wo Vergangenheit gegenwärtig ist“. Das konnten wir bei diesem Besuch nachempfinden.

Nur 300 Meter vom Twillingate-Museum entfernt befindet sich im historischen Gemeindehaus der anglikanischen Kirche St. Peter das „Twillingate Isles Wooden
Boat Museum“. Dort wollten wir uns noch über die Geschichte des Bootsbauhandwerks ↗ informieren und erfahren, wie die Holzboote für den Atlantik gebaut wurden, aber wir kamen zu spät. Das Museum hatte aber bereits geschlossen.

Freitag, 15. August 2025

Die Beothuk

Ein verschwundenes Volk in Neufundland
Um mehr darüber zu erfahren, besuchten wir das Beothuk Interpretation Center.
Beothuk Interpretive Centre
Beothuk Interpretive Centre
Das Interpretation Centre ↗ liegt neben einer archäologischen Ausgrabungsstätte, die man auf einem 1,5 Kilometer langen Wanderweg erforschen kann.
spiritway
Außerdem befindet sich hier noch ein „Spirit Garden“, in dem an die Beothuk-Kultur ↗ und ihr "Verschwinden" erinnert wird. Im Zentrum selbst sollen Ausstellungen, Informationsmaterial und verschiedene Fundstücke das Verständnis für die Beothuk- Kultur vermitteln.
Wir besuchten mit dem Zentrum einen Ort, der an besondere Ureinwohner Neufundlands erinnert.  Das Volk der Beothuk gilt allerdings seit Anfang des 19. Jahrhunderts als ausgestorben, wodurch viel Wissen über ihre Kultur und Lebensweise verloren gegangen ist. Verschwunden sind sie aus mehreren Gründen, einmal erneut wegen den Krankheiten, die die Europäer mitbrachten, und gegen die sie keine Abwehrmechanismen hatten. Zum Zweiten, weil sie von den Europäern verfolgt und getötet wurden. Drittens verhungerten viele von ihnen, nachdem sie ins Landesinnere abwanderten, weil ihr ursprünglicher Küstenwohnraum durch die Europäer besetzt wurde.
So sind die Kenntnisse über ihre Sprache nicht mehr ausreichend, sodass man den Namen „Beothuk“ nur unzureichend erklären kann. Wahrscheinlich bedeutet er „das Volk“, vielleicht aber auch „die vom Fluss aufwärts kommen“.
Man geht davon aus, dass Neufundlandland bereits lange vor der Zeitenwende spärlichst in den Küstenregionen besiedelt war, wie es aus der Informationstafel des Interpretation Centres hervorgeht.
erste besiedlung
Diese Erstbesiedler sind als Vorfahren der Beothuks anzusehen. Die eigentliche Kultur der Beothuks entwickelte sich wohl um 1500 n. Chr.
Beothuk
Quelle: https://nlarchaeology.wordpress.com/wp-content/uploads/2012/11/beo.jpg
Die Gelben Punkte geben mögliche frühzeitliche Siedlungsorte vor, die roten Punkte stehen für mögliche Siedlungsorte der Beothuk.
Sie dürften nicht viele gewesen sein, wahrscheinlich nur etwa 1500 Personen, die in vielen kleinen Dörfern lebten.
Siedlung
Siedlung
Siedlung (1650 - 1720) mit möglichen Bauten der Beothuk
(Modell von David Coldwell)
Die Beothuk lebten vom Fischfang und von jeglichen anderen Meerestieren; sie jagten überwiegend Caribous und waren wie alle indigenen Völker Meister in der fast hunderprozentigen Verarbeitung ihrer gejagten Tiere. Die Nahrung wurde durch gesammelte essbare Pflanzen und Wurzeln sowie Vogeleier ergänzt.
Die genutzten Waffen wurden aus Holz, Sehnen, Knochen und Steinen hergestellt.
Ihre wichtigsten Fortbewegungsmittel waren aus Birkenrinde angefertigte Kanus. Es gab auch Kanus aus Caribou-Leder oder aus Robbenhaut. Im Winter kamen Schneeschuhe und Schlitten zum Einsatz.
Sie wohnten in Wigwams, die man aus mit Birkenrinde bedeckten Stangen erstellte.
In einem Wigwam konnten bis zu 15 Personen leben. Die Schlafplätze befanden sich in Gruben, die man in den Boden des Wigwams gegraben hatte. Bei den archäologischen Ausgrabungen entdeckte man, dass es neben den Wohn-Wigwams noch Lagerhäuser für Werkzeuge und Lebensmittel gab. Einige der Fundstücke von dort sind in dem Interpretation Centre ausgestellt.
Boot wird beladen
Ein Boot wird beladen
Kind mit Beeren
Kind mit Beeren
Wie bei vielen anderen indigenen Naturvölkern gilt auch für die Beothuk, dass die enge Verbindung zur Natur ihre Lebensweise und Kultur beeinflusste.
Der Niedergang begann mit den ersten Kontakten zu den Europäern, die ab Mitte des 16. Jahrhunderts sporadisch in Neufundland auftauchten und mit Beginn des 18. Jahrhunderts Neufundland besiedelten. Die Beothuk lehnten den Kontakt mit den Europäern ab und wollten auch keinen Handel mit ihnen treiben. Gleichzeitig raubten sie Fallen oder überfielen später auch Häuser von Siedlern. In den Anfangsjahren sammelten sie alles in den Lagern der Europäer ein, was diese nach Fischfang-Expeditionen zurückgelassen hatten. Auf diese Weise gelangten sie auch ohne Handel an das wichtige Eisen, was man vor allem für die Anfertigung besserer Waffen gebrauchen konnte. Wenn die europäischen Fischer Boote zurückgelassen hatten, wurden diese verbrannt. So bestand von Anfang an eine feindselige Haltung von beiden Seiten, die schließlich mit der Vernichtung dieser Volksgruppe endete.
Beothuk
Viele Informationen, die man heute noch zum Beothuk-Volk hat, verdankt man zwei jungen Beothuk-Frauen, Shanawdithit und ihrer Tante Demasduit, die 1819 zusammen mit der Mutter von Shanawdithit von englischen Siedlern gefangen genommen wurden. Sie wurden nach St. John gebracht, wo recht bald Mutter und Tante an Tuberkulose starben. Shanawdithit war als Haushaltshilfe tätig und fertigte zusätzlich Zeichnungen von Geschehnissen von ihrem Volk an. Auch hinterließ sie durch Erzählungen historisch verwertbares Material.
Aber auch sie starb am 6. Juni 1829 in St. John's, Neufundland, an Tuberkulose.
Uns beeindruckte ein Bild in der Ausstellung, das den Niedergang der Beothuk zum
Ausdruck bringt. Es zeigt einen stolzen Beothuk-Krieger, dessen Gesicht „in der Zeit
verschwindet“.
Beothuk

weiterführende Info:

Von Grand Falls-Winsor nach Twillingate

Von Grand Falls-Winsor nutzten wir den Trans-Canada Highway für knapp 50 Kilometer, um dann auf die Route-340 N abzubiegen. Ihr folgten wir gut 100 Kilometer bis nach Twillingate.
Unsere Fahrt ab dem Highway führte uns auf der Route 340 weiter durch eine sehr wald- und seenreiche Gegend.
Hinweisschild
Dass diese Gegend sich auf Touristen eingestellt hat, zeigen die vielen Hinweisschilder am Straßenrand, die nicht nur für Unterkünfte und kulinarischen Genuss werben, sondern auch für Bootstoren und einiges mehr. Allerdings war der Straßenbelag nicht der Beste, doch sie arbeiteten gleich an mehreren Stellen daran.
Schlechte Straße
Nach insgesamt 64 Tageskilometern passierten wir die Stadt Lewisporte. Sie hat derzeit etwa 3.300 Einwohner, liegt an der Burnt Bay, verfügt über einen Tiefwasserhafen und im Seegeljachthafen gibt es 250 Liegeplätze. Für Segler ist dieses Gebiet ein Eldorado.
Lewisport
Nach weiteren 40 Kilometern erreicht man die Region der Birchy Bay, in der früher sehr viele Birken gewachsen sein sollen. Die ersten Siedler lebten neben dem Fischfang insbesondere von der Holzvermarktung.
Birch Bay
see

Nach etwas mehr als 14 Kilometern besuchten wir das Beothuk Interpretive Center ↗. Dazu gibt es hier einen eigenen Bericht.
Wir orientierten uns dann weiter an der Route 340 und fuhren dabei bei herrlichem Sommerwetter immer wieder an  schönen Ufern und Küstenabschnitten entlang.
Ufer
Nach einiger Zeit passierten wir den "Dildo Run Provincial Park"↗. Der bereits 1967 eröffnete Park bietet neben einem Campingplatz noch viele Fahrrad- und Wanderwege mit atemberaubenden Ausblicken. Er ist nach dem Gewässer benannt, in dem auch Kanuten ihrem Hobby nachgehen können.
Dildo Run
Dildo Run
Auf der anderen Seite der Route 340 kann man wenige Kilometer weiter bei der Siedlung Hillgrade diese kürzlich erst renovierte Kirche sehen.
Hillgrade
Hillgrade - die neu renovierte Kirche
Ehe man Twillingate erreicht, muss man noch den Walter B. Elliott Damm ↗ überqueren. Er wurde erst im Jahr 1973 fertiggestellt. Vor dieser Zeit waren die Bewohner von Twillingate auf eine Fährverbindung angewiesen.
Damm
Danach waren es nur noch knapp 9 Kilometer, bis wir in dem kleinen Städtchen Twillingate ↗ (knapp 2.200 Einwohner) ankamen, das auf zwei benachbarten Inseln liegt, den Nord- und Süd-Twillingate-Inseln. Die beiden Inseln sind mit einer Brücke verbunden.
Twillingate
Die Stadt hat ihren Namen ursprünglich aus der Zeit als Neufundland eine französische Kolonie war und die französischen Siedler den Ort nach einer Inselgruppe vor der Bretagne benannten – „Toulinquet“. Die Engländer, die als Siedler nachfolgten, änderten das französische Wort in Twillingate.
Nach Jahrzehnten der Überfischung durch nordamerikanische und europäische Fangflotten lichtete sich der Kabeljau-Bestand um Neufundland. Deshalb sprach die kanadische Regierung 1992 ein komplettes Fangverbot aus - nach mehr als 500 Jahren Kabeljaufang. Für die gesamte Region war die Folge eine schwere wirtschaftliche Krise; viele Fischer verloren ihre Lebensgrundlage. (Erst Mitte 2024 wurde das Verbot teilweise wieder aufgehoben.)
Heute leben die Einwohner des Ortes Twillingate überwiegend vom Tourismus.
Hafen
Hafen auf der Südseite von Twillingate
Hafen
Twillingate Südseite mit dem
Notre Dame Bay Memorial Health Centre am Berg
Twillingate
Twillingate Nordseite mit der
Saint Peter’s Anglican Church

Donnerstag, 14. August 2025

Von Gros Morne nach Grand Falls-Winsor


Diese 280 km lange Tagesetappe nutzten wir vornehmlich, um an einem regnerischen Tag in Neufundland weiter nach Osten vorzudringen. Zuerst mussten wir etwa 70 Kilometer auf der NL-430 zurück nach Deer Lake fahren, um dort wieder auf die Route 1, den Trans-Canada Highway, ostwärts "einzuschwenken". Weit über 100 Kilometer fuhren wir dann auf ihm durch eine sehr wald- und seenreiche, aber so gut wie nicht besiedelte Gegend. 
strasse und see
höhe
Deer Lake
Nach insgesamt 195 Kilometer passierten wir das mitten im Wald, bzw. auf freier Strecke, am Straßenrand befindliche Schild "Welcome to Scienic Green Bay". Es soll darauf aufmerksam machen, dass man recht bald den Highway verlassen könnte, um auf zwei verschiedenen Routen den nördlichen Teil von Neufundland zu erkunden .
Eine ist die Green Bay Route (auf den Routen 390, 391 und 392), die andere die Green Bay South/Beothuk Trail Route (Routen 380, 381 und 382).
welcome
Es sollten an diesem tristen Regentag noch weitere monotone 100 Kilometer auf dem gut ausgebauten Highway folgen, ehe wir in Grand Falls-Winsor unsere Tagesetappe beendeten.
weites-land
weites-land

Mittwoch, 13. August 2025

Der Untergang der SS Ethie

Zwischen den Orten Sally’s Cove und Cow Head befindet sich eine Landzunge mit dem Namen Martin Point.
Zwei rote Stühle des Gros Morne Nationalparks stehen oben und laden zum Verweilen ein, um den schönen Blick auf die Bucht neben der Landzunge zu genießen.
ausblick
Wir nutzten nicht nur sie, sondern auch eine steile Holztreppe mit 75 Stufen, um zum Kieselstrand hinunter zu gelangen. Die Kieselsteine hier sind vom starken Wellengang abgeschliffen und liegen vielfarbig nebeneinander.
Steine
An diesem Strand wird man an eine Katastrophe erinnert, die jedoch ein einigermaßen positives Ende gefunden hatte.
Am 10. Dezember 1919 verließ das 400 Tonnen schwere Küsten-Dampfschiff SS Ethie mit 45 Passagieren und 27 Besatzungsmitgliedern bei gutem Wetter den Hafen von Daniel´s Harbour (im Westen der Great Northern Peninsula gelegen). Das Schiff geriet in einen schweren Sturm und wurde beschädigt. Der Kapitän Edward English entschied sich, in die Bucht neben der Landzunge Martin Point hineinzufahren, um das Schiff dort auf Grund zu setzen.
Dies schaffte er auch, aber aufgrund des schweren Seegangs war es nicht möglich, die kleinen Rettungsboote zu nutzen. Mit Hilfe von Fischern, die sich am Strand eingefunden hatten, gelang es mehrere Seile zwischen Schiff und Land zu spannen und daran einen sogenannten Bootsmannstuhl anzuhängen. Über diesen Stuhl konnten trotz widrigster Wetterverhältnisse alle Personen ans Land befördert werden.
Alle die sich auf der SS Ethie befunden hatten, überlebten das Schiffsunglück. Selbst ein Teil der Ladung konnte man tags darauf noch sichern. Das Schiff selbst brach kurze Zeit später auseinander. Einige verrostete Teile des Wracks liegen heute noch an dieser Stelle – teilweise am Strand und teilweise im Wasser.
[Bilder zur detaillierteren Wiedergabe / Vergrößerung bitte anklicken]
eisen
Eisenteil
Teile des Motorblocks sind zu sehen
Eisenteile
Eisenteile
Text von Infotafel am Anfang der Treppen
Text und Bild von Infotafel am Anfang der Treppen
Für uns war dies erneut eine Erinnerung, wie nah Schönheit und Gewalt des Meeres
zusammenliegen und wie schnell man in prekäre Situationen kommen kann.

Weitere Detailinfos aus dem Logbuch ↗ kann man hier nachlesen: 
Lied zum Wrack des Dampfschiffs Ethie: Text von Maude Roberts Simmons, 1920