Dienstag, 12. August 2025

von Corner Brook in den Gros Morne National Park

Von Corner Brook fuhren wir etwa 50 Kilometer auf dem Trans-Canada Highway bis
zum Ort Deer Lake. Dort bogen wir auf die Neufoundland and Labrador Route 430 N ab.
Offiziell ist diese Straße als Great Northern Peninsula Highway bekannt. Sie wird aber auch als Viking Trail bezeichnet, da sie die wichtigste Straße nach L'Anse aux Meadows ↗ im Norden ist, der einzigen nachgewiesenen Siedlung aus der Wikingerzeit in Nordamerika.
Viking Trail
Vor Wiltondale erreichten wir den Nationalpark Gros Morne.
Gros Morne
nach
431
Kurz danach bogen wir von der Route 430 N auf die Route 431 W 
ab, um kurz hinter Woody Point das "Gros Morne National Park Discovery Centre"↗ zu erreichen. Anschließend fuhren wir weiter zu den "Tablelands" sowie zur Küste, zur "Trout River Bay". (siehe extra Bericht).
Trout River
Trout River Bay Leuchtfeuer
Der Wanderweg "Old Man Trail↗ zum ehemaligen Leuchtturm wird nicht besonders stark genutzt. Er ist zugewachsen, bietet aber einen herrlichen Blick auf den Trout River und die Bucht. Der „Leuchtturm“ ist nur eine reine Metallkonstruktion, aber auch hier lohnt sich ein Besuch.
Anschließend musten wir auf der Route 431 wieder bis Wiltondale zur Route 430 zurück, der wir nun weiter nordwärts folgten, um vor der Stadt Rocky Harbour einen Campingplatz als Übernachtungsort anzusteuern.

Montag, 11. August 2025

Fahrt am Südufer der „Bay of Islands“

Nachdem wir die „Captain James Cook National Historic Site“ besucht hatten,  unternahmen wir von der Stadt Corner Brook aus einen Ausflug entlang der Südküste der Bucht „Bay of Islands“.
Die Bucht endet zum Land hin mit drei Armen bzw. Fjorden, wobei der südlichste der drei Fjorde der Humber Arm ist. Genannt ist er nach dem 120 Kilometer langen Humber River, der durch den Deer Lake fließt und dann nach 50 Kilometern in die Bay of Islands einmündet. An der Mündung des Humber Rivers befindet sich die Stadt Corner Brook .
Die Fahrt entlang des Humber Arms ist sehr malerisch. Es wechseln sich Steilküsten-Abschnitte mit kleinen Häfen und einigen kleineren Stränden ab. Hinter der Küste erhebt sich eine höhere Bergkette.
Leider war es am heutigen Tag extrem diesig, was sich auch in den folgenden Fotoaufnahmen wiederspiegelt.
küstenstrasse
Küstenstrasse
Der Blick auf die Bucht mit den zahlreichen Landzungen ist tatsächlich sehr beeindruckend. Diese bestechen durch unterschiedliche Größe und Formen und liegen malerisch in der Bucht.
Insel
Boote
Die größte der Inseln im Humber Arm ist Wood Island, die sogar einmal bewohnt war. Andere kleinere Inseln heißen u.a. Pearl Island, Tweed Island, Seal Island, Governors Island, Guernsey Island, Eagle Island, Hen Island, Sleep Island, French Island und The Hat.
Bis zum Ende des Humber Arms erstreckt sich die Bucht über eine Länge von 45 Kilometern und sie ist im Durchschnitt 25 Kilometer breit.
Vermessen, benannt und dokumentiert wurde sie im Jahr 1767 von Captain James Cook ↗ (1728-1779), der übrigens zwei Jahre später eine Bucht der Nordinsel von Neuseeland, die eine ähnliche Gestalt wie die Bucht in Neufundland aufweist, ebenfalls „Bay of Islands“ nannte.
Am Südufer der Neufundland-Bucht befinden sich die Gemeinden Mt. Moriah, Humber Arm South, York Harbour und Lark Harbour, wobei übrigens die letzteren nach den Schiffen benannt sind, die Captain Cook 1767 bei der Vermessung nutzte.
Port Harbour
Man lebt hier von der Fischerei, der Holzwirtschaft und natürlich dem Tourismus.
Leider hatten wir wieder einmal keinen Erfolg beim Einkauf von fang-frischem Fisch in der Allen's Fisheries Limited ↗. Allein, wenn man sich deren webseite ansieht und dann noch die Werbung "Exporting top Quality Seafood around the World" - aber mit "Covid" wurde der Vor-Ort-Verkauf eingestellt und nicht wieder aufgenommen.
Fisch
Etwa auf halber Strecke unserer Tour legten wir eine Mittagspause im beschaulichen Hafen von Frenchman’s Cove ein. Dort steht auch ein kleiner Leuchtturm.
Frenchman´s Cove
Frenchman´s Cove
Frenchman´s Cove
Danach fuhren wir weiter bis zum „Blow-me-down“ Provincial Park, der sich 60 Kilometer entfernt von Corner Brook befindet. Er liegt auf einer kleinen Halbinsel zwischen den Buchten von York Harbour und Lark Harbour.
Entsprechend des Parknamens wird die Bergkette, die sich am südlichen Ufer der Bay of Islands erstreckt, die Blow-me-down Mountains genannt. Die höchsten Gipfel erreichen eine Höhe von 750 Metern. Der Park lädt sowohl an der Küste als auch im Gebirge zu Wanderungen ein.
Wasserfall
Rattling Brook Falls, aus den Blow Me Down Mountains kommend
Der Park wirbt nicht nur mit der Naturschönheit der Gegend, sondern mit interessanten Aspekten für geologische Interessierte. Hier findet man Gesteine aus dem Erdmantel, die vor Jahrmillionen durch Bewegungen der Kontinentalplatten an die Oberfläche befördert wurden.
Wir suchten keine besonderen Gesteine, sondern einen schönen Aussichtspunkt und
genossen den Wahnsinnsblick auf die „Bay of Islands .
Aussicht
Felsen
Diese seltsame Insel wird von den Einheimischen "Weeball"genannt und selten besucht, da es hier keine Ufer gibt, an denen man mit dem Boot sicher anlegen könnte.
Offiziell heißt die Insel Guernsey Island.

Cook’s Lookout in Corner Brook

Die Stadt Corner Brook mit ihren etwas mehr als 19.000 Einwohnern liegt an der Westküste von Neufundland, wo der Humber River in den Sankt-Lorenz-Golf einmündet. Der wichtigste Arbeitgeber der Stadt ist die Zellstoff- und Papierfabrik, die „Corner Brook Pulp and Paper Mill“ . Sie feierte im Juli 2025 ihr 100jähriges Bestehen. Derzeit ist sie Arbeitgeber für etwa 400 Mitarbeiter.
Corner Brook
Corner Brook mit der zentral liegenden 
Papier- und Zellstoff-Fabrik
Zellstoff-Fabrik
Alte aber noch in Betrieb befindliche Ferigungshalle der
Papier- und Zellstoff-Fabrik
Zellstoff-Fabrik
Papier- und Zellstoff-Fabrik in Corner Brook
100 Jahre
Die Papier- und Zellstoff-Fabrik
feierte im Juni 2025 ihr 100jähriges Bestehen
Heute spielt allerdings auch der Tourismus in der Stadt eine große Rolle; so hält fast wöchentlich während der Sommersaison ein Kreuzfahrtschiff im Hafen. Von hieraus können die Passagiere geführte Unternehmungen ins nahe Hinterland unternehmen.
Kreuzfahrtschiff
In der Stadt legt man großen Wert darauf, dass man eng mit einer historischen Persönlichkeit verbunden ist – mit Captain James Cook (1728-1779). Eigentlich ist dieser Seefahrer für seine drei berühmten Expeditionen nach Australien und in die Südsee bekannt. Bevor er diese Reisen unternahm, war er jahrelang mit der hydrografischen Vermessung der Küsten von Quebec und Nova Scotia sowie von Neufundland beschäftigt. Ab 1758 war er als Offizier der britischen Royal Navy in Nordamerika tätig, erstellte hiesige Seekarten und kartierte die Küsten.
Für die Kartierung der Küste Neufundlands war er ab 1763 im Einsatz und beendete diese Aktion 1767 in der „Bay of Islands“ (Bucht der Inseln) an der Westküste, dort wo sich heute Corner Brook befindet.
Aus diesem Grund hat die Stadt auf einer bis 200 Meter hohen Anhöhe, dem sogenannten Crow Hill, eine Erinnerungsstätte eingerichtet – die „Captain James Cook Historic Site“ oder einfach „Cook’s Lookout“.
Captain Cook
Und man hat von diesem Aussichtspunkt tatsächlich einen sensationellen Blick auf die Bucht, die Bay of Islands, den hier einmündenden Humber River, die Stadt Corner Brook und auf die gegenüberliegenden Berge, die Long Range Mountains und Lewis Hills, die beide zu den Appalachen gehören. 
cooks point
Hier oben befinden sich mehrere Informationstafeln zum Leben und Wirken von Captain James Cook und eine lebensgroße Bronzefigur, die ihn mit einem Quadranten in der Hand zeigt. Der Quadrant ist ein Vorläufergerät eines Sextanten, mit dem Cook aber auch arbeitete. Diese Instrumente waren seine Basis-Geräte für die Landvermessung.
Die Bronzestatue von Captain James Cook wurde von dem Bildhauer Luben Boykov (*1960) entworfen, der 1990 von Bulgarien nach Kanada immigrierte.
James cook
Bereits ab 1658 erlernte er in Halifax das Verfahren der Triangulation, wo man mit Hilfe des Quadranten bzw. des Sextanten Winkelmessungen und -berechnungen durchführen kann, mit denen dann Punkte im Gelände genau bestimmt werden können. Er konnte so die Landumrisse in seinen Karten genau darstellen.
Eine seiner Karten wird auf einer der Informationstafeln vorgestellt. Seine Karten wurden noch ein komplettes weiteres Jahrhundert in der Seefahrt genutzt.
Seekarte
Auf den Informationstafeln werden seine Taten während seiner Zeit in Nordamerika und seine Erlebnisse während seiner drei Südsee- Reisen beschrieben.
James cook
James Cook
James Cook
Besonders interessant fanden wir eine Beschreibung von Captain James Cook auf einer Info-Tafel, nämlich dass er ein typischer „Renaissance-Mensch“ gewesen sei. Darunter versteht man, dass ein Mensch Wissen und Fähigkeiten in verschiedenen Bereichen besitzt und nutzt. Für ihn waren Beobachtung und Messung die Grundvoraussetzung für die Beherrschung der Welt und tatsächlich hat er mit seinem Wirken zur Weiterentwicklung von Kanada in vielen Bereichen (schnellere Besiedlung, sicherer Schiffsverkehr, usw.) beigetragen.
James Cook
Mit diesen Erkenntnissen verließen wir Cook’s Lookout und fuhren ein Stück an der Südseite der Bay of Islands entlang, die einst von ihm genauestens vermessen wurde.
James Cook
James Cook - in einer Ausstellungsvitrine
im Gros Morne National Park Discovery Centre
Weiterführende Informationen findet man bei Captain Cook Society 

Samstag, 9. August 2025

Von Doyle nach Corner Brook

Unsere zweite Etappe in Neufundland war etwas länger. Erst nach 200 Kilometern auf dem Trans-Canada Highway erreichten wir die größere Stadt Corner Brook an der Bay of Islands. Hier besuchten wir Cook´s Lookout (eigener Bericht) und unternahmen einen Ausflug am südlichen Ufer der Bucht, „Bay of Islands“, bis zum „Blow me down“ Provincial Park (eigener Bericht).
Auf dem Trans-Canada-Highway orientierten wir uns nordwärts mit dem Ziel Corner Brook.
auf dem TCH
Wir bemerkten extrem dichte Wälder rechts und links des Highways - und wenn wir einen etwas besseren Gesamtüberblick auf die Gegend hatten, konnten wir sehr viele unterschiedliche Grüntöne ausmachen.
Wald
Grüne Wälder
Durchsetzt war die Landschaft hin und wieder mit kleineren und größeren Seen.
Seen
Wir sahen aber auch vermehrt abgestorbene Bäume, dazu in einem weiteren Bericht mehr!
Abgestorbene Bäume
Nach gut 100 Kilometern auf dem Trans-Canada Highway verließen wir diesen auf die Route-490, um nach Stephenville zu fahren.
490
Doch zuvor mussten wir entlang der Bay St. George fahren, wo der St. George River und der Harry´s River durch die "Gut" ins Meer münden.
Nach dem Bau einer Eisenbahnlinie von Port aux Basques nach Corner Brook durch die Region Ende der1890er Jahren entstand dort, wo die Eisenbahnlinie ein offenes Gewässer namens Gut überquerte, eine kleine Gemeinde von Eisenbahnarbeitern und Holzfällern, die Schwellen schnitten. Bald entstanden an dem Ort, der später Stephenville Crossing genannt wurde, ein Sägewerk, eine Molkerei, ...
Nach dem Bau der Papiermühle in Corner Brook im Jahr 1925 hatten die Holzfäller der Region zusätzliche Arbeit, da der Abtransport per Eisenbahn nun gesichert war.
Stephenville Crossing
Die erste Eisenbahnbrücke hatte eine "swing-brige", damit Schiffen freie Passage gewährt werden konnte, doch bereits 1901 wurde diese durch Eisschollen beschädigt.
1941 wurde Harmon Field gebaut, ein Luftwaffenstützpunkt der amerikanischen Armee und eine neue Eisenbahnbrücke wurde 1943 fertiggestellt, die sowohl eine einspurige Fahrbahn für Fahrzeuge als auch eine einspurige Eisenbahnlinie aufwies.
Diese hatte bis Ende der 1980er Jahre Bestand. Dann wurde der Eisenbahnbetrieb in Neufundland eingestellt (1990) und es wurde eine neue Brücke - nun dem neuzeitigen Verkehr entsprechend gebaut. (Quelle: https://gallivanting.ca/the-crossing/ ↗)
Die Eisenbahnbrücke wurde aus Sicherheitsgründen 2024 abgebaut - übrig geblieben ist ein Pfeiler, wie hier im Bild sichtbar.
Brückenpfeiler
Bucht
Bay St. George
Häuser
Flach schmiegen sich die wenigen Häuser in die Landschaft
Häuser
Bucht
Blick Richtung Bucht und offenes Meer
Nach wenigen Kilometern erreicht man den Ort Stephenville, der in seinem "Willkommensschild" den Hinweis mit einem Flugzeug auf die einst wichtige amerikanische Air-Base trägt.
Stephenville
Diese Air-Base wurde im Rahmen des "Zerstörer gegen Stützpunkte Deals" zwischen den Vereinigten Staaten und dem Vereinigten Königreich am 2. September 1940 beschlossen,  wonach 50 Zerstörer der US Navy im Austausch gegen Landrechte auf britische Besitzungen von der US Navy an die Royal Navy übergeben wurden. Der Militärflugplatz wurde 1966 geschlossen und wurde aber bis zum Jahr 2020 noch als  Flugfeld (Stephenville Dymond International Airport) betrieben und von namhaften Fluggesellschaften angeflogen. Ja, die Landebahn war sogar in der Liste für Notlandungen für die Spaceshuttle der NASA aufgelistet.
Nach der Lockerung der Reisebeschränkungen, bedingt durch die COVID-19-Pandemie, nahmen alle Fluggesellschaften nicht mehr Stephenville in ihr Start- und Landeprogramm auf.
Am 3. Juni 2025 wurde der Flughafen geschlossen, nachdem Newfoundland Power die Stromversorgung des Flughafens wegen unbezahlter Rechnungen unterbrochen hatte. 

Auf unserer Weiterfahrt Richtung Trans-Canada Highway fuhren wir zwar wieder durch hügelige Landschaften, doch recht bald kamen wieder kleinere Seen und sumpfig-moorastige Gegenden in Sicht, in denen die Telegraphenleitungen nur durch eine spezielle Bauweise Halt und langlebige Sicherheit im Gelände finden.
Berge
Pfosten
Bergig
Flach ist die durchfahrene Region nicht!
wenig wasser
Die Flüsse führen allerdings nur wenig Wasser
Wir näherten uns Corner Brook und wurden mit diesem Ortsschild begrüßt
Corner Brook
Auf dem Schild der Stadt Corner Brook ist Captain James Cook abgebildet. Die Stadt hat eine historische Verbindung zu ihm. In den 1760er Jahren war er mit einem Vermessungsauftrag an der Westküste Neufundlands unterwegs und erstellte eine detaillierte Kartierung der Bay of Islands. Die Ergebnisse seines damaligen Projektes legten den Grundstein für die Besiedlung der Region.