Donnerstag, 24. Juli 2025

Maitland und Noel – Dörfer mit Geschichte/n

Nach unserem Besuch im Fundy Tidal Interpretive Centre fuhren wir zunächst 30 Kilometer auf dem Glooscap Trail, bis wir den kleinen Ort Maitland erreichten.
In dem Ort findet man viele alte Häuser aus viktorianischer Zeit, die davon erzählen könnten, dass es hier einst viel aktiver zuging. Seit Anfang des 19. Jahrhunderts gab es an dieser Stelle mehrere Werften und der Schiffbau zog viele Arbeitskräfte an. Als die Segelschiffe von den Dampfschiffen abgelöst wurden, endete in den 1880er Jahren die Zeit der Schiffbauindustrie in Maitland.
Einem historischen Haus statteten wir einen Besuch ab. Es ist der Gemischtwaren-Laden von „Frieze und Roy“, der mit seinem Eröffnungsjahr 1839 der älteste seiner Art in Kanada ist. Ununterbrochen bis heute kann man dort Lebensmittel und Alltagswaren einkaufen. Heute ist dem Laden noch ein Restaurant angeschlossen, das „Mud Slide Café“.
Fieze
Fieze
David Frieze (1807-1884) gründete den „General Store“ 1839 und ergänzte die Führung des Ladens 1868 mit einer Partnerschaft mit Adam Roy (1812-1877).
e - stablished
Beide waren Anteilseigner bei einer Werft, besaßen eigene Schiffe, waren im internationalen Handel (Überseehandel) tätig und boten in ihrem Laden neben Lebensmitteln von Eisenwaren bis Spielzeug alles an, was man in der damals prosperierenden Gemeinde brauchte. Auch die Benutzung von Waschmaschinen! Parallel betrieben sie einen Holz- und Gips-Handel.
Das Unternehmen wurde bis zum Jahr 2004 im Familienbesitz betrieben und wird seitdem von den neuen Besitzern unter dem traditionellen Firmennamen bis heute weitergeführt.
Fieze
Wir fuhren auf dem Glooscap Trail weiter und erreichten nach weiteren 20 Kilometern den kleinen Ort Noel.
Der Ort ist nach Noel Doiron (1684-1758) benannt, einem Akadier, der hier einige Zeit lebte und zu den führenden Persönlichkeiten im Widerstand der Akadier gegen die Briten gezählt wird. Es ist auch bekannt, dass er den Deichbau in dieser Region leitete, um mehr landwirtschaftlich nutzbares Land zu gewinnen.
Dorion
Auch hier konnten wir in vergangenen Zeiten „schwelgen“. Da stand ein uraltes Holzhaus, das einmal ein Coop-Geschäft gewesen war. Es öffnet heute noch einmal im Jahr und zieht dann Sammler aus weitem Umkreis an. Wenn man das Angebot sieht, versteht man warum.
ehem-CooP
Ehemaliges Coop-Geschäft
CooP-Innen
Ein Blick durch die lange schon nicht mehr geputzte Frontscheibe
Salzstreuer
Salz- und Pfefferstreuer
Sammeltassen
Sammeltassen
Chinaware
"Feinstes Porzellan" - made in China
Wenige Meter weiter steht ein kleines Denkmal für den ehemaligen Schiffbau in Noel, das an die Osmond O´Brien Schiffswerft erinnert, die im 19. Jahrhundert allein zwanzig Schiffe baute und damit zu den erfolgreichsten ihrer Zeit in Nova Scotia zählt.
Schiffsbau
Neben diesem Denkmal bietet ein Händler unter freiem Himmel am Straßenrand an, was man alles in den alten Häusern der Region im Rahmen der Hausentrümpelung findet.
alles
Weihnachtsteller
Mit Müh und Not konnte ich meine Frau hier zurückhalten, ...!
Der "Anbieter / Verkäufer" erzählte uns, dass die "jungen Leute“ die Region längst verlassen haben, ihren eigenen Hausstand gegründet und das hier Ausgestellte ihrer "Vorfahren" nicht mehr haben wollen. Gleichzeitig sind aber in letzter Zeit die Gebäude- bzw. Grundstückspreise extrem gestiegen, weil sich in der "Corona-Zeit" viele Leute aus den größeren Städten hier „einkauften“. Sie wollten ´raus auf´s Land. In ihren „Landhäusern“ wohnen sie zurzeit aber nur noch in den Ferien.

Mittwoch, 23. Juli 2025

Im Cultural & Heritage Center der Mi:kmaq

Knapp fünf Kilometer südlich der Stadt Truro befindet sich der Ort Millbrook. In Millbrook leben etwas mehr als 2.000 Mitglieder der Mi:kmaq First Nation und hier sind auch die Verwaltungsbehörden der Gemeinde untergebracht. Man hat u.a. eine eigene Polizei, eine eigene Gerichtsbarkeit und ein Healing Center. Dort kümmert man sich um soziale Probleme der hiesigen First Nation. In Millbrook befindet sich außerdem das "Cultural and Heritage Center der Mi:kmaq".
Millbrook
Dieses besuchten wir und wurden bereits am Eingang mit einem herzlichen „Pjila‘si“, was „Willkommen“ bedeutet, begrüßt!
Im Eingangsbereich ist der wertvollste Gegenstand ausgestellt, den man hier präsentiert. Es handelt sich um ein Zeremoniengewand der Mi:kmaq aus dem Jahr 1842, das auf seltsamen Umwegen für lange Zeit (144 Jahre) in einem Museum in Melbourne/Australien gelandet war. Es ist nicht unbedingt nachzuvollziehen, welchen Bezug man in Australien zu diesem Gewand hatte. Auf jeden Fall haben die Mi:kmaq nach jahrelangem Ringen dieses Gewand 2023 zurück erhalten und können es nun mit großem Stolz zeigen.
Gewand
Nach der Würdigung dieses Gewandes wurden wir eingeladen, in einem entsprechend der früheren Lebenswelt der Mi:kmaq mit Felsen, Seen und Zelten gestalteten Kino einen Film zur Geschichte dieses First Nation-Stammes anzusehen.
seit sich die Gletscher zurückgezogen hatten
Im Besonderen wurde thematisiert, dass Ende des 16. Jahrhunderts fast drei Viertel des Mi:kmaq-Volkes an Krankheiten (Masern, Pocken, Typhus) verstarben, an denen sie nach ersten Kontakten mit Europäern erkrankten und gegen die sie keine Abwehrmechanismen hatten.
Zum Zweiten ging es in dem Film darum, dass die Engländer im 18. Jahrhundert mit den Mi:kmaq mehrere Verträge aushandelten, wodurch sie ihr Land und ihre Rechte verloren und schließlich ihrer traditionellen Lebensweise nicht mehr nachgehen konnten.
In der anschließenden Ausstellung geht es einmal um den langjährigen Kampf der Mi:kmaq, die alten Rechte wieder zurück zu erlangen, um die Bewahrung der Traditionen und um die Darstellung ihrer Lebensweise.
Mi:kmaq
Zunächst durften wir in einem typischen Wigwam Platz nehmen. Die Mi:kmaq bauten ihre Wigwams nicht mit dünnen, langen Stangen, sondern mit dickeren Birkenstämmen, die mit Rinden und Fell bedeckt wurden.
Wigwam
Des Weiteren gab es Informationen zur Ernährung (Fisch, Fleisch, Wurzeln, Nüsse, Beeren, …), zur Fertigung von geflochtenen Gegenständen (Körbe, Matten usw.), die man im Alltag oder zum Handel nutzte und zum Trommelbau, weil das Trommeln eine große religiöse Bedeutung bei den Mi:kmaq hat.
Flechtarbeiten
Auf dem Außengelände steht die 12 Meter hohe Statue von „Glooscap“. In den Schöpfungsgeschichten der Mi:kmaq wird er als übernatürliche, menschenähnliche Gestalt beschrieben, die die Tiere erschaffen und die Landschaften geformt hat. Er lehrte den Menschen wichtige Fähigkeiten (Jagd, Fischfang, Umgang mit dem Feuer), steht ihnen mit seiner Weisheit zur Seite und beschützt sie. Viele Legenden  werden von ihm erzählt.
Glooscap
Neben der Statue befinden sich  mehrere Informationstafeln, auf denen man u.a. den Missionar Silas Rand (1810-1889) würdigt. Er hatte sich viele Jahre mit dem Volk der Mi:kmaq beschäftigt, ein Wörterbuch der Mi:kmaq-Sprache herausgegeben, mehrere Teile der Bibel in die Mi:kmaq-Sprache übersetzt und vor allem die Legenden von Glooscap aufgeschrieben.
Missionar
Mi:kwaq
Schild am Casino-Gebäude des "Treaty Entertainments" der Mi:kmaq

Die Berliner Mauer in Bible Hill

Im Laufe der zurückliegenden Jahre landeten von der Berliner Mauer über 240 größere Teile in anderen Ländern. In Kanada gibt es sechs Orte, an denen man solche Mauerreste der Berliner Mauer besichtigen kann.
Sechs Segmente der Berliner Mauer findet man in Nova Scotia in dem Ort Bible Hill in der Nähe von Truro. Der Ort Bible Hill ist nach einem Hügel benannt, auf dem für viele Jahrzehnte Dr. William McCullough (1811-1895) lebte, der als Vertreter der Nova Scotia Bible Society kostenlos Bibeln verteilte. So kamen Hügel und Ort zu ihren Namen.
Bibel Hill
Diese Mauerteile von Bible Hill haben eine längere und etwas abenteuerliche Geschichte hinter sich.
Anfang der 1990er Jahre kaufte eine anonym bleibend wollende Person aus Kalifornien/USA, sechs Abschnitte der Berliner Mauer, ließ sie nach Long Beach in Kalifornien transportieren, um sie dort einzulagern.
1999 kaufte der Unternehmer Martin S. Young aus Truro/Nova Scotia die Mauerteile in Kalifornien und ließ sie über 7.000 Kilometer in den Osten von Kanada bringen.
Er stellte die Segmente seiner Heimatstadt Truro als Leihgabe zur Verfügung. Die Teile wurden zunächst auf einem unbebauten Grundstück in der Nähe des Victoria Parks in der Prince Street untergebracht und standen dann dort – ohne besonders präsentiert oder geschützt zu werden.
2011 überführte man die Teile schließlich auf das Gelände der landwirtschaftlichen Fakultät der Dalhousie Universität in Bible Hill, wo sie noch heute stehen.
Wall-Segmente
Segmente der ehemaligen Berliner Mauer
(zur Vergößerung bitte das Bild anklicken)
Wir wollten den „Berliner-Mauer-Segmenten“ in Bible Hill einen Besuch abstatten und benötigten dafür die GPS-Daten, um den Standort überhaupt zu finden.
Nirgendwo, auch nicht auf dem Universitätsgelände fanden wir einen Hinweis. Wir waren uns auch nicht sicher, ob wir überhaupt auf das Universitätsgelände fahren bzw. dort parken durften.
Nach einer kleinen Wanderung ins Nichts, erreichten wir die „historischen Zeugen“, umgeben von einer "Pollinator"-Wiese. Der Zahn der Zeit hatte gewaltig an den Betonsegmenten genagt. Das einstige Graffiti war fast nicht mehr zu erkennen, nur noch viele Spuren der "Mauer-Spechte" und: der Beton zeigte sich durch Wind und Wetter - und sicherlich auch durch den Transport - ziemlich angegriffen.
Wall-Segmente
Segmente
Inmitten einer "Pollinator"-Wiese stehen diese Segmente,
einst Teil der ehemaligen "Berliner Mauer"
Ein unscheinbares Schild erinnerte den Besucher an die 1961 errichtete Mauer, die Ost- und Westdeutschland bis 1989 voneinander trennte.
Schild
Wie waren nach unserem dortigen Besuch recht traurig, mit welch mangelnder historischen Wertschätzung man mit diesen bedeutenden Teilen umgegangen ist und umgeht, unabhängig davon, dass man sicherlich auch für Kauf, mehrere Transporte, Aufstellung, ... Unsummen ausgegeben haben muss!
Dafür spart man nun bei der Unterhaltung und Pflege!

Dienstag, 22. Juli 2025

Von Caribou nach Annapolis Royal

Mit der Northumberland-Fähre kamen wir von Prince Edward Island aus in Nova Scotia in dem winzigen Ort Caribou an. Somit hatten wir nun eine weitere kanadische Provinz erreicht.
Faehre
Vova Scotia
Nova Scotia (etwas mehr als eine Million Einwohner) ist die östlichste Provinz Kanadas und fast komplett vom Meer umgeben. Der Atlantische Ozean, der Sankt-Lorenz-Golf und die Bay of Fundy sind die Gewässer rund um Nova Scotia.
Auf den Autokennzeichen der Provinz kann man sehr treffend das Motto lesen: „Canada‘s Ocean Playground“.
Nova Scotia
Nova Scotia
Mit einer Fläche von rund 55.000 km² ist diese Provinz kleiner als Bayern und die flächenmäßig zweitkleinste Provinz von Kanada. Die Hauptstadt ist Halifax an der Ostküste.
Wir wollten uns zunächst in mehreren Etappen die Westküste von Nova Scotia anschauen und hatten somit von Caribou aus startend eine Gesamtstrecke von 330 Kilometer bis zum Ort Annapolis Royal vor uns.
Am Anfang befuhren wir wieder einmal für 70 Kilometer den Trans-Canada-Highway, hier NS-104-W genannt, bis zum Ort Truro. Hier besuchten wir die Berliner Mauer und das Cultural & Heritage Center der Mi:kmaq (siehe gesonderte Berichte).
Von Truro aus nutzten wir für die nächsten 60 Kilometer die NS-236-W und die NS- 215-W. Diese beiden Straßen werden zum sogenannten „Glooscap Trail“ gerechnet, weil sie durch größere ehemalige Gebiete der Mi:kmaq führen und „Glooscap“ eine Symbolfigur der Mi:kmaq ist. Der „Glooscap-Trail“ beginnt bei dem kleinen Ort Fort Lawrence an der Grenze zu New Brunswick und führt entlang der Küste der Bay of Fundy und des Minas Basins. Er endet nach 357 Kilometern beim Scots Bay Provincial Park.
Glooscap-Trail
Kurz hinter der Brücke, die über den Shubenacadie River führt, besuchten wir das sehr informative "Fundy Tidal Interpretive Centre"
Fluss
Blick von der Brücke auf den Shubenacadie-River
Die im obigen Bild zu sehenden Brückenpfeiler gehörten zu einer im Jahr 1900 fertig gestellten 378 m langen Brücke der "Midland Railway"; die Stahlbrücke wurde von insgesamt 5 Brückenpfeilern gestützt und in der Mitte als Zugbrücke konstruiert. Später wurde sie zu einer "Swing-Brigde" umgebaut, doch nie genutzt. 1983 fuhr der letzte Zug über sie, 1986 wurde sie abgebaut. Einer der Brückenpfeiler stützt heute die Aussichtsplattform über dem Fluss.
Eisenbahnlinie
Es war gerade auflaufende Flut, und so konnten wir nicht nur im nahen Marschland Watvögel beobachten, sondern auch die schnell und mächtig landeinwärts strömenden braunen Wassermassen bestaunen.
Watvogel
Selbst von der nahen Aussichtsplattform konnte man die in Wellen hereinströmenden Wassermengen sehr gut ausmachen. Je nach Sonneneinstrahlung leuchtete das Wasser auch noch intensiv rostbraun.
wellen
Als touristisches Angebot wird hier "Wellenreiten mit der auflaufenden Flut" in Schlauchbooten angepriesen [Fundy Tidal Adventures / Rafting]. Spaß und rote Haut werden garantiert.
sauber machen
Nach dem erfolgreichen Anlanden müssen selbst die roten
Schlauchboote von dem robraunen Wasser gereinigt werden.
Das kleine Informationszentrum hingegen erklärt sehr anschaulich die geologische Entstehung der Fundy Bay, die Zusammenhänge zwischen Ebbe und Flut, die hohen Flutstände und der damit einhergehenden Resonanzen. Auch die Ursachen für Nipp- und Springfluten werden erläutert.
where does the water go
Das „Minas Basin“ bzw. das „Minas-Becken“ ist der breiteste Teil des südöstlichen Endes der Bay of Fundy. Auch im Minas Basin sind riesige Gezeitenunterschiede zu beobachten und bei Ebbe konnten wir unendlich lange Wattflächen bestaunen, mit rötlich braunem Sand und Schlamm bedeckt. Den Namen hat das Becken von den französischen Erstbesiedlern erhalten. Sie entdeckten im Küstenbereich mehrere Minen, vor allem Kupferminen, und nannten dann die ganze Region „Baie des Mines“.
ebbe
ebbe
Über den Ort Maitland (gesonderter Bericht) erreichten wir den Burntcoat Head Park und damit eine Küstenregion, die für ihre großen Gezeitenunterschiede bekannt ist (gesonderter Bericht).
Unser nächstes Ziel an der Westküste von Nova Scotia war die akadische Region um Grand Pré. Um diesen Ort zu erreichen, befuhren wir für weitere 85 Kilometer zunächst noch ein Stück des „Glooscap Trails“, die NS-215-W. In diesem Abschnitt unserer Fahrt besuchten wir noch das „Walton Habour Lighthouse“ an der Küste (gesonderter Bericht).
Anschließend fuhren wir durch die Stadt Windsor auf der NS-101-W weiter. Kurz vor Grand Pré, ab dem Ort Wolfville, beginnt auf der NS-101-W der sogenannte „Evangeline Trail“. Diese Küstenstraße führt ab hier über 292 Kilometer bis zum Ort Yarmouth an der Südspitze von Nova Scotia. Diese Route ist zu Ehren der akadischen Erstbesiedler und ihrer Symbolfigur, der „Evangeline“, benannt und führt malerisch entlang der Küste vorbei an vielen historischen kleinen Siedlungen und Fischerorten.
In Grand Pré befindet sich ein UNESCO-Weltkulturerbe-Zentrum der Akadier, das wir auf unserer Fahrt besuchten (gesonderter Bericht).

Unzählige Apfelplantagen sind in dieser Region zu finden. Zu Ehren der Landwirtschaft in dieser Region trägt die Straße noch den Namen „Harvest Road“.
Harvest Highway
Apfelplantage
Einige Apfelplantagen zeigten sich maschinell beschnitten
Von Grand Pré benötigten wir nochmals 115 Kilometer, weiter auf der NS-101-W bzw. dem „Evangeline Trail“, um unseren letzten Zielort dieser Etappenbeschreibung, die Stadt Annapolis Royal, zu erreichen.
Annapolis

Montag, 21. Juli 2025

Anne of Green Gables

Am „North Shore (Nordufer)“ der Prince Edward Island in der Nähe des Ortes Cavendish kann man die „Green Gables Heritage Site“ ↗ besuchen.
Green Gables
Was wird hier präsentiert? Es geht um eine Schriftstellerin und ihr Kinderbuch, in Kanada so bekannt, dass sowohl die Autorin als auch ihre Kindergeschichte als nationales Kulturerbe angesehen werden.
Die Schriftstellerin ist Lucy Maud Montgomery, die 1874 in Clifton, heute New London, auf der Prince Edward Island geboren wurde. Da sie ihre Mutter als Kleinkind verlor, brachte ihr Vater sie bei den Großeltern mütterlicherseits in Cavendish, ebenfalls auf P.E.I., zum Aufwachsen unter. Lucy wurde schnell ein aktives Mitglied der ländlichen Gemeinde und verbrachte viel Zeit bei ihren Cousins im Farmhaus von Green Gables.
Silleben
Seit früher Jugend war sie eine begeisterte Leserin, Schriftstellerin und talentierte Fotografin. Eine weitere Leidenschaft war das Erstellen von „Scrap-Books“ (gestaltete Erinnerungsalben) und das Schreiben von Tagebüchern.
L
Lucy Maud Montgomery
Sie beobachtete ihre Mitmenschen und ihre Umwelt genau und gestaltete so ihre Geschichten. 1908 gelang ihr ein riesiger Erfolg. Ihr Buch „Anne of Green Gables“ wurde veröffentlicht und wurde rasch ein Bestseller. In den nächsten Jahren wurde das Buch millionenfach gedruckt und in andere Sprachen übersetzt. Ihre größten Fans sind übrigens bis heute die Japaner, die heute in großer Zahl wegen ihr die Prince Edward Island besuchen.
Buecher
Bücher über Anne
in verschiedene Sprachen übersetzt
Lucy Maud Montgomery schrieb noch zwanzig weitere Romane, die außer einem, alle auf der Prince Edward Island spielen.
Bei der Romanfigur ihres Erstwerkes, „Anne Shirley“, handelt es sich um ein rothaariges, eigensinniges Waisenmädchen, das von dem älteren Geschwisterpaar Cuthbert adoptiert wird. Der Ort der Geschichte wird phantasievoll „Avonlea“ genannt, aber das Farmhaus hat den Namen des originalen „Green Gables“ – das Haus mit den „grünen Giebeln“.
Im Buch setzt sich L. M. Montgomery mit vielen Themen des Alltags auseinander, mit der Selbstfindung und Individualität, mit Freundschaft und Vertrauen, mit der Liebe zur Natur, mit der Freiheit und Frieden, mit der Phantasie und Kreativität.
Selbstfindung
Das Buch wurde zur Inspiration für verschiedenste Theaterstücke, Fernsehserien, Filme und ein Musical.
1911 heiratete L. M. Montgomery den presbyterianischen Pfarrer, Ewan Macdonald, mit dem sie zwei Söhne hatte. Allerdings ist bekannt, dass sie zwar eine außergewöhnlich sensible und intelligente Frau war, aber ihr Privatleben nicht besonders glücklich verlief. Sie starb 1942 in Toronto, wurde aber auf Prince Edward Island in Cavendish beerdigt.
1942
Lucy Maud Montgomery
Beim Besuch der Heritage Site in Cavendish kann man zunächst in einer großen Ausstellungshalle vieles zur Autorin und zum Buch erfahren und anschließend das mit vielen Originalen ausgestattete „Green Gables“-Farmhaus besichtigen.
aus Lego gebaut
Das aus Lego-Steinen erbaute Green-Gables Haus
(Modell im Besucherzentrum)
Green-Gables-Haus
Aber nicht nur der Besuch der Heritage Site ist interessant. Man kann eine größere „Montgomery“-Inseltour unternehmen; dazu gehören der Besuch des „Anne of Green Gables Museums“ in Kensington, des Geburtshauses von L. M. Montgomery in New London, der Gemeindekirche von Cavendish, wo sie Orgel spielte, des Friedhofs von Cavendish mit ihrem Grab und des Bideford Parsonage Museums, wo Montgomery als Lehrerin tätig war und eine Weile auch wohnte.

Abschließen wollen wir diesen Bericht mit drei Zitaten von L. M. Montgomery bzw. ihrer kleinen Heldin „Anne Shirley“:
„It’s not what the world holds for you,
it’s what you bring to it.“

„Kindred spirits are not so scarce as I used to think.
It’s splendid to find out there are so many of them in the world.

„The life is a journey and we are all travelers.“
delightful