Montag, 21. Juli 2025

Vom North Cape nach Wood Islands

Die oben aufgelistete Fahrstrecke fuhren wir in mehreren Etappen!
Sonnenuntergang
Nachdem wir am Vorabend einen besonders schönen Sonnenuntergang erleben durften, fuhren wir vom North Cape zunächst für 130 Kilometer entlang des Highways PE-2 E nach Cavendish.
Immer wieder machten wir jedoch mehr oder weniger kürzere Abstecher zur Küste.
So schauten wir uns einige Aqua Farmen an, die hier an der Nordküste der Prince Edward Island häufig angesiedelt sind. Schwerpunktmäßig werden hier Austern und Muscheln, vor allem Miesmuscheln, gezüchtet.
Muschelzucht
Fischfarm
Außerdem fuhren wir erneut an vielen großen Kartoffelfeldern vorbei, die gerade in Blühte standen.
Kartoffelfelder
Wir unternahmen auch mehrmals kleinere Abstecher zur Küstenstraße, um roten Felsformationen, rote Sandstrände und Salzwiesen anzuschauen.
Ein weiterer schöner Abschnitt der Nordküstenstraße ist der 12 Kilometer lange, von Parks Canada betreute „Gulf Shore Parkway“, der von Cavendish bis zum Ort Rustico führt -  viele imposante rote Felsen und weite Strände sind zu sehen.
Cavendish Strand
Der Strand nahe dem Urlaubsort Cavendish
Strand
Dünenlandschaft
Dünenlandschaft
Cavendish wurde 1790 von drei aus Schottland ausgewanderten Familien gegründet und nach dem britischen Feldmarschall Lord Frederick Cavendish (1729-1803) benannt. Cavendish ist das größte Tourismuszentrum von Prince Edward Island mit mehreren Freizeit-Parks und wunderschönen Stränden. Während sich in den Monaten Juli und August teilweise mehr als 8.000 Personen pro Tag im Ort aufhalten, ist die durchschnittliche „Winterbevölkerung“ mit 250 angegeben.
rote-felsen
rote-felsen
Der sieben Kilometer entfernte Ort Rustico hat immerhin eine Einwohnerzahl von 650 Personen. Er wurde um 1790 herum nach einem der arkadischen Erstbesiedler, „Rassicot“, benannt. Der Ort hat einen natürlichen kleinen Hafen mit einem alten, ausgedienten Leuchtturm und im Hafenviertel geht man als Tourist essen, kauft frischen Fisch bzw. diverse Meerestiere oder bucht sogar eine Hochsee-Angeltour.
Leuchtturm
Von Rustico fuhren wir für weitere 65 Kilometer an der Nordküste entlang, um dann im Ort Morell auf die PE-321 abzubiegen. Unser nächstes Ziel war nach 35 Kilometern der Ort Georgetown an der Ostküste von Prince Edward Island.
Georgetown
Der Ort liegt an der Einmündung der drei Flüsse, Cardigan, Montague und Brudenell, in die Cardigan Bay, eine Bucht in der Northumberland-Straße. Der Ort wurde 1732 von Akadiern gegründet, 1765 von Captain Samuel Holland zur Kreishauptstadt erklärt und nach König Georg III. benannt.
Die ersten englischen Siedler kamen ab 1802. Erst 1830 begann die Stadt zu wachsen.
Die Prince Edward Island Railway erreichte Georgetown 1875. Der Hafen von Georgetown war der letzte Hafen, der in strengen Wintern zufror. Er war oft die einzige Verbindung zum Festland. Schiffbau, Fischerei und Holzwirtschaft blieben deshalb viele Jahre lang die wichtigsten Wirtschaftszweige.
Heute hat Georgetown etwa 550 Einwohner, der alte Hafen dient nur noch heimischen Fischern. In den alten Holzhütten "lagern" die früher einmal verwendeten Utensilien, die beim Hummerfang und zum Weitertransport benötigt wurden.
Alte Holzhuetten
Hummerkörbe
(alte) Hummerkörbe lagern bis zur nächsten Saison auf der Pier
roter Felsen
Auch hier: intensiv rote Uferbereiche
Viele historische Gebäude sind in Georgetown aus der prosperierenden Hafenzeit übrig geblieben, aber auch heute bietet das Städtchen mit dem größten Sägewerk der Insel, einer Fischfabrik und einer Werft, die Schlepper für die Canadian Royal Navy baut, eine gute Arbeitssituation.
Von Georgetown fuhren wir über die PE-315 S nach Wood Islands. Von hier wollten wir am nächsten Tag die Fähre nach Caribou in Nova Scotia nehmen.
Fähre
Kurz nach Sonnenaufgang
Die NFL-Fähre verlässt den Hafen von Wood Islands (NS)
Das Unternehmen, das diese Fähre betreibt, nennt sich „Northumberland Ferries. Für die Überfahrt braucht man durchschnittlich 75 Minuten. Man überquert die Northumberland-Straße auf einer Distanz von 13 Kilometern und sieht zu Beginn noch die roten Felsen der Prince Edward Island und den Leuchtturm von Wood Islands verschwinden, um danach recht bald die ersten Klippen der Küste von Nova Scotia zu erblicken.
Wären wir von hier zur Confederation Bridge zurückgefahren und dann von dort nach Caribou zurück, hätten wir eine Strecke von 280 Kilometern zurücklegen müssen, die wir uns so sparten (incl. der Brückenmaut!).

Samstag, 19. Juli 2025

Am Nordkap von P.E.I.

Heute wollten wir die nördlichste Spitze von Prince Edward Island besuchen und befuhren deshalb den
Drive
Dabei konnten wir lernen, dass es nicht nur ein Nordkap in Norwegen gibt, sondern dass auch Kanada seine "North Capes" hat. Eines findet man an der Nordwestspitze der Prince Edward Island, das andere, das "Cape North" kann man in Neufundland erwandern.
Norwegen
Wir erreichten es über den North Cape Coastal Drive und erfreuten uns während der gesamten Strecke an wunderschönen Blumenwiesen am Straßenrand und an beeindruckenden roten Klippen an der Küste.
Blumenwiese
Viele Wiesen u.a. mit Gelbem Sonnenhut
Blumenwiese
Wiese
Rote Ufer
kurz-vor-dem-cap
Am North Cape angekommen mussten wir feststellen, dass es extrem windig war. Ohne Windjacke wäre es heute sehr unangenehm geworden.
Willkommen
Diese Windsituation haben sich seit Jahrzehnten auch die Windkraft-Industrie und die Windenergie-Forschung zu Nutze gemacht. Hier oben befinden sich sowohl ein Windpark als auch eine Windenergie-Forschungsanlage. Der Windpark mit insgesamt 16 Windrädern wird von der staatlichen „PEI Energy Corperation“ betrieben. Das „WEICan“ (Wind Energy Institute of Canada) unterhält auf der Landspitze eine Forschungsstation für die Nutzung von Windenergie.
welcome
Das ist der moderne Aspekt des Ortes, aber er hat auch eine historische Bedeutung. Hier steht das “North Cape Lighthouse“, ein 1865 erbauter, 19 Meter hoher, achteckiger Leuchtturm, der noch heute aktiv für die Warnung der hiesigen Schifffahrt genutzt wird.
Leuchtturm
Auf dem Außengelände findet man viele Informationstafeln und am ansonst steinigen Strand könnte man neben den Klippen spazieren gehen. Bei Ebbe soll man sogar bis zum vorgelagerten Riff laufen können. Dies war uns nicht möglich, wir waren bei auflaufender Flut dort.
Dort saßen jetzt Kormorane und Möven dicht geduckt im Wind.
Kormorane
Zahlreiche weitere Meeresvögel und viele Seehunde genossen ebenfalls die Natur am North Cape.
Robben
Auf diesem Bild lassen sich sehr schön die unterschiedlichen Strömungen am Cap sehen. Mit dem auflaufenden braunen Wasser kommen auch die Fische, nach denen die Robben auf Jagd gehen.
Strömung
Wer Zeit für eine längere Wanderung hat, kann den 5,5 Kilometer langen Rundweg durch die hiesige Salzmarsch bzw. das hiesige Moor nutzen, den „Black Marsh Nature Trail“.
Wanderweg
Wir besuchten nach unserem Spaziergang noch das Außengelände vom „Interpretive Center“. Hier erfuhren wir von der deutschen "Operation Elster" während des 2. Weltkrieges direkt vor North Cape.
Weitere Informationen dazu HIER.
U-Boot
U 376 blieb bis heute verschollen
Operation Elster
U 262 kehrte unverrichteter Dinge wieder zurück

Im Informationszentrum selbst werden einerseits historische und geologische Gegebenheiten zum Nordkap präsentiert und verschiedene Aspekte der Windenergie-Nutzung ↗ vorgestellt.
The Power
So fanden wir hier auch wieder informationen zu Georges Jean Marie Darrieus (24.09.1888 - 15.07.1979), der bereits 1931 ein Patent für "Vertikalachsige Windturbinen (VAWTs)" anmeldete.
Einen solchen Prototyp hatten wir auf unserer Fahrt bereits am 24.06.2025 schon einmal gesehen.
Windrad
Es begrüßte uns auch eine Darstellung des griechischen Wind-Gottes „Äolus“. Ausgelöst durch einen Bewegungsmelder bläst er dem Besucher heftig Wind entgegen.

Windgott
Natürlich erfährt man auch Wissenswertes über Aufbau, Arbeitsweise und Sinn der Leuchttürme - und die Menschen, die täglich, jahrein jahraus, bei jedem Wetter hier Dienst taten; alleine oder sogar mit Familie.
Leuchtturm

Ansonsten konnten wir wieder einiges über Legenden der Mi:kmaq erfahren, die auch auf diesem Landstrich seit Jahrtausenden auf Fischfang gingen.
Aber, wie kann es anders sein, Geschichten zu Schiffsunglücken und Piraterie durften natürlich auch nicht fehlen.

Freitag, 18. Juli 2025

Canadian Potato Museum

Unser Besuch im "Canadian Potato Museum" in O’Leary
Von den „Bottle Houses“ am Cape Egmont waren wir für weitere 55 Kilometer Richtung Norden unterwegs, bis wir den Ort O’Leary erreichten.
Dieser ist seit 1837 nach seinem Erstbesiedler, dem Iren O’Leary, benannt und hat heute fast 900 Einwohner. O’Leary ist der Ausrichter des in jedem Jahr Ende Juli stattfindenden „Potato Blossom Festivals“ und damit ist das Wesentliche bereits angesprochen  -  hier "dreht sich" alles um Kartoffeln.
Bereits auf dem Weg nach O’Leary fuhren wir an zahlreichen, teils weiß, teils mehr rosa blühenden, riesigen Kartoffelfeldern vorbei. Der Kontrast der Kartoffelfelder zu der roten Erde war extrem. Wir hatten bisher noch nie so schöne Kartoffelfelder gesehen.
Kartoffelfeld
Kartoffelfeld
Die Attraktion von O’Leary ist das dortige "Canadian Potato Museum", also das Kartoffel-Museum .

Vor dem Eingang steht die Skulptur einer Russet Burbank Kartoffel, die aus Fiberglas hergestellt wurde und 4,2 Meter hoch ist. Diese Kartoffelsorte wird am häufigsten in Nordamerika angebaut und vor allem zum Backen, für Chips sowie für Pommes Frites verwendet wird.
Kartoffelmuseum
Russet
Wir erfuhren im Museum vieles über Kartoffeln, was wir bisher nicht wussten, und dazu gehörte, dass allein auf der Prince Edward Island die Kartoffel-Bauern über 100 verschiedene Kartoffelsorten anbauen.
Kartoffelsorten
Im Museum geht es zunächst um die Geschichte der Kartoffel. Sie wurde bereits seit Jahrtausenden in Südamerika von den Inkas, vor allem in Peru, angebaut und kam dann Mitte des 16. Jahrhunderts über die Spanier nach Europa. Anfangs wurde sie als Zierpflanze in Gärten verwendet, aber bald erkannte man ihre große Bedeutung für die Ernährung.
In England soll sie sich verbreitet haben, nachdem die Engländer 1588 unter Führung von Sir Francis Drake (1540-1596) die spanische Armada besiegten und die Bevölkerung in vielen an den Küsten angelandeten spanischen Wracks Kartoffeln entdeckten.
Kartoffel
Wir fanden noch interessant, dass der dritte amerikanische Präsident, Thomas Jefferson (1743-1826), nach seiner Tätigkeit als Botschafter in Frankreich, die Pommes Frites in den USA bekannt machte. Er hatte in Frankreich die entsprechende Zubereitung kennengelernt und bezeichnete sie als „french fries“, wie man die Pommes in den USA und Kanada heute noch nennt.
French fries
Nach der Präsentation der Geschichte ging es im Museum um die einzelnen Kartoffelsorten, teilweise sehr originell dargestellt - beispielsweise verschiedene Kartoffelsorten auf Gabeln. Hier wurde klar, welche unterschiedlichen Ansprüche man an die Kartoffel stellt, was die Vielfalt an verschiedenen Züchtungen erklärt.
Kartoffel
Anschließend ging es um Krankheiten, die den Kartoffelanbau stören können. In kleinen Särgen wurde die jeweilige „erkrankte Kartoffel“ gezeigt und gleichzeitig wurde die jeweilige Krankheit bzw. der Befall mit Schädlingen erklärt. In diesem Zusammenhang wurde an die schrecklichen Hungersnöte um 1850 in Irland erinnert, als dort die Kartoffelernten ausfielen, nachdem der Erreger der Kartoffelfäule die Pflanzen angegriffen hatte.
Kartoffelfäule
Kartoffelfäule, auch als Kraut- und Knollenfäule bekannt,
wird durch den Pilz Phytophthora infestans verursacht.
Krankheiten
Einige weitere Kartoffelkrankheiten
Was man alles aus einer Kartoffel herstellen kann, bzw. wo Anteile der Kartoffelknolle verwendet werden, wurde ebenfalls präsentiert.
aus 1989
Wie alle Informationen in diesem Museum - 
sie waren leider nicht annähernd auf dem aktuellen Stand!
Neben allen bekannten Produkten aus Kartoffeln, die wir verzehren, spielt Vodka eine große Rolle. Hier, in Kanada, wird die Kartoffel insbesondere in New Brunswick "veredelt". Sie wird seit 1855 im Familienbetrieb von den „Blue Roof Destillers↗ zur Herstellung von Vodka genutzt, benannt nach den blauen Dächern der dortigen Häuser.
Blue Roof
Der Schwerpunkt des Canadian Potato Museums liegt auf der Präsentation von Anbau, Ernte und Verarbeitung der Kartoffeln sowohl aus historischer als auch aus moderner Sicht.
Kultivierung
Ernte
In einer großen Halle werden zusammen mit anderen landwirtschaftlichen Maschinen verschiedene historische Gerätschaften gezeigt, die bei der Kartoffelausbringung, der Ernte sowie der Abfüllung Verwendung fanden. Teilweise braucht man allerdings etwas Phantasie, um genau zu verstehen, wozu die einzelnen Geräte/Maschinen gebraucht wurden.
Hilfsmittel
Einsackmaschine
Furchen
Halle
Im Gebäude des Kartoffelmuseums ist noch das „Community Museum of O’Leary“ zu finden, in dem viele Alltagsgegenstände aus der Geschichte des Ortes gezeigt werden.
Im Museum
Natürlich ist direkt neben den Museen für die Besucher ein „Kartoffel-Restaurant untergebracht, in dem man nicht nur "die besten Pommes Frites" serviert bekommt.
Kartoffelsack

Nach Prince Edward Island

Für unsere Fahrt vom Cape Tormentine bis nahe Tignish im Nordwesten der Prince Edward Island benötigten wir etwa 170 Kilometer.
Wir verließen Cape Tormentine und fuhren knapp 5 Kilometer bis zum benachbarten Cape Jourimain in New Brunswick. Von hier kann man über die mautpflichtige Confederation Bridge nach Prince Edward Island (P.E.I.) fahren.
PEI
Nach der Überquerung der Brücke erreichten wir mit der Prince Edward Island (PEI) eine weitere Provinz von Kanada, aber mit nur knapp 180.000 Einwohnern auch mit Abstand die bevölkerungsärmste. Man vergleiche, dass in Deutschland im Landkreis Bergstraße (Hessen) über 240.000 Menschen leben.
Die Insel ist 225 km lang und zwischen 6 und 65 km breit; sie hat eine Gesamtfläche von 5.660 km². Übrigens: der Landkreis Bergstraße in Deutschland hat hingegen nur eine Fläche von 720 km².

Prince Edward Island liegt im St. Lorenz-Golf. Der südliche Meeresabschnitt, der sie vom Festland abtrennt, ist die Northumberland-Straße.
Jacques Cartier (1491-1557) war der erste Europäer auf der Insel und beschrieb sie bereits 1534. Ursprünglich siedelten auf der Insel Akadier, die aber Ende des 18. Jahrhunderts von den Briten vertrieben wurden. Die Hauptstadt ist Charlottetown.

Prince Edward Island wird auch die „rote Insel“ genannt. Selbst wenn man an den Feldern vorbeifährt, sieht man zwischen Kartoffeln, Mais und Getreide tiefrote Erde. Befindet man sich an der Küste, kann man roten Sand und rote Klippen bewundern. Die Insel entstand aus eisenhaltigem Sandstein, der durch Druck verfestigt wurde. Dieser oxidierte ("verrostete"), als das Gestein einst an der Erdoberfläche lag und so eine mehr oder weniger intensive Rotfärbung bekam.
Kartoffeln
Rote Furchen in den Kartoffelfeldern
rote Felsen
Rote Uferbereiche
roter strand
Roter Sandstrand
Aufgrund der nahen Lage der Insel zum Festland hat sie ein sogenannten „humides Kontinentalklima“. Es fällt im Winter viel Schnee, die Sommer sind sehr mild. Diese Wetterlage und die nährstoffreiche Erde haben zur Folge, dass man die Prince Edward Island auch den „Garten des Golfs“ nennt.
Die Insel ist klein, trotzdem bietet sie den Touristen malerische Straßen an (scenic byways).

Überall weht nicht nur die kanadische Flagge, sondern auch die Fahne der Provinz. Man sieht oben einen langgestreckten Löwen, der an das „Mutterland England“ erinnern soll. In der Mitte der Fahne sieht man rechts einen großen Eichenbaum und links drei kleine. Der große Eichenbaum ist wiederum eine Darstellung der „Stärke des Mutterlandes England“, während die drei Bäumchen für die drei Regionen der Prince Edward Island (West, Mitte, Ost) stehen.
Flagge von PEI