Sonntag, 14. Juni 2026

Im Fort Nelson Heritage Museum

Das Museum wurde 1987 von Marl Brown (1934-2021) eröffnet und wird von der Fort Nelson Historical Society betrieben und beinhaltet eine SEHR große Anzahl an technischen Gegenständen, die Marl Brown im Laufe seines Lebens zusammengetragen hat. Dazu gehören u.a. immer noch fahrbereite Fahrzeuge aus den Anfängen der 1920iger Jahre.
Der Leitspruch des Museums ist: “preserving the past for the future“ („bewahre die Vergangenheit für die Zukunft“), wobei es dem Museum nicht nur um das Bewahren, sondern auch um das Vermitteln der jeweiligen Lebensumstände der Menschen geht.
preserving
Aufgrund der Lage von Fort Nelson am Alaska Highway ist der Schwerpunkt der Ausstellungen auf die Thematik „Verkehr und Transport“ gelegt, wobei nicht nur die in einer gesonderten Halle untergebrachten Oldtimer-Ausstellung beeindruckt (die meisten Fahrzeuge sind übrigens noch fahrtüchtig), sondern auch eine umfangreiche Sammlung von LKWs, Baufahrzeugen und generell Maschinen aller Art im Außenbereich – sogar einen Bohrturm für Ölgewinnung. Dementsprechend kann man Ausstellungen zum Bauwesen, zum Bergbau, zur Brandbekämpfung, zur Forstwirtschaft und zur Öl- und Gas-Industrie anschauen.
fahrbereit
Noch fahrbereit
oldtimer
Nicht mehr ganz fahrtüchtiger Oldtimer
oldtimer
oldtimer
Natürlich ist ein Ausstellungsbereich dem Bau des Alaska Highways und den Menschen gewidmet, die an seiner Verwirklichung beteiligt waren und danach dessen Unterhaltung betrieben.
Alaska Highway
The North West Highway System (NWHS)
Neben der Hauptausstellungshalle und der Halle mit der Oldtimer-Sammlung befinden sich noch ein Postamt, ein historisches Büro der Hudson Bay Company, ein Gebäude der Northwestel-Company, in dem Telefonistinnen "arbeiteten", eine alte örtliche Kirche, eine Trapper-Hütte sowie weitere Blockhütten. Ansonsten steht eine Unzahl von Maschinen und Fahrzeugen auf dem Gelände.
bus
einst abgestellt, dann vergessen!
Im Hauptgebäude wird einiges über die hiesige Tierwelt erklärt (inklusiver zahlreicher ausgestopfter Tiere), historische Alltagsgegenstände jeglicher Art werden gezeigt und die historischen Werkstätten von Handwerkern bzw. anderer Berufe sind zu besichtigen. Dabei kommt man an originellen Stücken vorbei, beispielsweise an einem kompletten Silberservice, das man in den 1980er Jahren in einer Box in einem Brunnen fand.
altes Tafelsilber
Altes Tafelsilber
Wir besuchten dieses Museum bereits in früheren Jahren und entdecken jedes Mal etwas Neues.

Unser Besuch vor zwei Jahren:

Weiterführende Quelle:

Samstag, 13. Juni 2026

Zu Besuch bei Ian Sparshu

Einen besonderen Besuch durften wir bei Ian Sparshu in Fort Nelson erleben. Ian kennen wir, weil er über einen längeren Zeitraum mehrere Gebäude der Toad River Lodge ( am Alaska Highway gelegen, Hist. Meile 422) neu erbaute. Ian ist ein begnadeter Handwerker, der über viele handwerkliche Fähigkeiten verfügt.
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Toad River Lodge an historischer Meile 422 am Alaska Highway
Quelle: Ian Sparshu - 15.03.2021
Das alte Gebäude befindet sich im Bild im Vordergrund; es wurde im Jahr 2021 abgerissen.
Der Neubau im Hintergrund wurde von Ian Sparshu erstellt.
422
Toad River Lodge  -  11.06.2024
Da sich die Besitzer von allem trennten, was mit dem alten Gebäude zusammenhing, durfte Ian z. B. den Schriftzug der Lodge mitnehmen, der viele Jahre die alte Lodge "schmückte". Er befindet sich nun an der Seitendecke seiner Garage.
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Toad River Lodge - Schriftzug des ehemaligen Lodgegebäudes
Auch das Hinweisschild auf "Soft Ice Cream, ...", das einst rechts neben dem Eingang der alten Lodge hing, fand in Ian Sparshu einen Abnehmer. Er hat es in seinem kleinen Museum untergebracht.
422
Ian
Der von Ian Sparshu umgebaute Stall 
Auf seinem Grundstück hat er einen ehemaligen Pferdestall zu einem kleinen Privatmuseum umgebaut. Sein ganzes bisheriges Leben ist Ian geschichtsinteressiert und sammelt verschiedenste historische Gegenstände zu unterschiedlichen Themen.
Seine Sammlung von Autokennzeichen aus der ganzen Welt ist umfangreich und zu jedem Kennzeichen kann er eine eigene Geschichte erzählen.
nummerschilder
Über seine Sammlung verschiedenster Telefone würden sich manche Museen sehr freuen. Beginnend mit einem Wandtelefon mit getrenntem Lautsprecher für das Hören und Mikrofon für das Sprechen, zwei sogenannten Kerzentelefonen (candlestick telephone), wo sich das Mikrofon oben am Stab befindet und der Hörer über ein Band mit dem Telefonstab verbunden ist, bis hin zu verschiedensten
Wählscheiben- und Tastentelefonen sowie einigen modernen Varianten konnten wir die gesamte historische Entwicklung der Apparate bestaunen.
telefon
telefon
Telefon
telefon
Mehrer Modelle der „Titanic“ zeigten uns das spezielle Interesse von Ian für dieses historische Schiff und die damit verbundene Geschichte.
Auch Musikinstrumente konnten wir anschauen – vor allem ein Grammophon mit großem Trichter (Horn) und eines mit Handaufzug und Kurbel in einer Musiktruhe.
grammophone
Hier demonstrierte uns Ian, wie er nach längerem Kurbeln das Abspielen einer alten Schallplatte möglich machte. Zu diesem Bereich gehörte noch eine umfangreiche Sammlung sehr alter, aus heutiger Sicht nostalgischer Schallplatten und Musikkassetten.
Liebevoll arrangiert standen alte Modelleisenbahnen neben Sammlungen verschiedenster Spielzeuge, in einem Schrank Hummelfiguren der Serie „Pater“ (Mönche) und auch eine Aladin-Wunderlampe fehlte nicht.
wunderlampe
Noch vieles wäre zu beschreiben und wir hätten noch mehrere Stunden dort verbringen können.
Wir trugen uns noch in das Gästebuch ein und bedankten uns für diesen interessanten und lehrreichen Nachmittag in seinem Haus.
Ian
Ian Sparshu mit seinen beiden Hunden


Freitag, 12. Juni 2026

Bis nach Fort Nelson


Nach unserem informativen Gespräch mit Isabel und Ryan starteten wir unsere nächste Etappe entlang des Alaska Highways (HW 97 N). Das Sheperd’s Inn befindet sich an der Historischen Meile 72.

Wir passierten die Ansiedlung Wonowon, benannt nach der Historischen Meile 101(one-o-one).

Nach 115 Tageskilometern erreichten wir das „Buffalo Inn“ am Pink Mountain, das an der historischen Meile 143 liegt. Es wurde 1971 von dem Bauunternehmer Silvio Salustro und seiner Frau Kathleen erbaut, die es aber bereits 1978 weiterverkauften. Die heutige langjährige Besitzerin in Melody Magaton.
Buffalo Inn
Schwein
Der Koch führt das Hausschwein aus
Der Koch hält sich zur Verwertung der eventuell zurückgegebenen Speisen ein Schwein, das er von den Nachbarn gegenüber gekauft hatte.

Tanken konnte man früher einmal an dieser Tankstelle, die noch zur Lodge gehört; heute hat ein Franchise-Unternehmen einen oberirdischen Tank aufgestellt, der mit Kartenzahlung Benzin für die Durchreisenden anbietet.
ehemalige Tankstelle
Benzin gibt es hier schon lange nicht mehr
Direkt gegenüber liegt ein Post Office und der Pink Mountain Campsite und RV Park, der von Lory Dille und ihrem Mann Korey betrieben wird. Ihnen gehört auch der 30 Kilometer weiter entfernte Sikanni River Campground & Park ↗ .Von dort holen sie das Trinkwasser für Pink Mountain.
143
Pink Mountain Campsite & RV Park
Pink Mountain
Pink Mountain Store
Kurz nach „Buffalo Inn“ und „Pink Mountain Campside & RV Park“ passierten wie „Sasquatch Crossing“ (Historische Meile 147), wo einst die Besucher sogar von einem verkleideten „Sasquatch“ unterhalten wurden. Der „Sasquatch“ (Salish-Sprache: „wilder Mann") ist als Bigfoot bekannt und soll ein menschenähnliches, haariges Riesenwesen mit großen Händen und Füßen sein.
Auch diese Lodge ↗ gehört seit 2000 Melody Magaton und erlebte in der Zeit vor COVID ihren touristischen Höhepunkt.
Sasquatch-crossing
Sasquatch Crossing Lodge
Sasquatch Crossing
Sasquatch Crossing Lodge

Keinen Kilometer entfernt folgte die Moose Flats Lodge, die viele Jahre unter dem Namen Mae’s Kitchen bekannt war. Sie wurde ab 1978 von Rosella Mae Moore (1934-2023) aus Texas kommend betrieben, die später nach Watson Lake umsiedelte und dort ein Handarbeitsgeschäft eröffnete.
Melody Magaton erwarb nach einigen Jahren Leerstand im Jahr 2017 auch dieses Anwesen und nannte es in Moose Flats um.
Moose Flats
Moose Flats
Auf dem ehemaligen Vorplatz, wo sich auch einmal eine Tankstelle befand, entluden gerade Arbeiter Gerüstteile für eine bevorstehende Sanierung der Brücke über den nahen Beatton River.
Zu sehen sind auch noch Holzhütten, die früher einmal Gästen zur Übernachtung dienten.
Gerüst
147

Weiter fuhren wir über die Brücke des Sikanni Rivers. Rechts dahinter befindet sich der Sikanni River Campground & RV Park.
RV Park

Nach weiteren Kilometern erreichten wir „Buckinghorse River Adventures“ ↗ ( historische Meile 175).
Viele Jahre wurde die Lodge unter dem Namen "Buckingshorse River Lodge" von der Familie Shannon geführt, bis sie 2022 in den Besitz von Lloyd Clark und Leanne Hampton überging und umbenannt wurde. Der Schwerpunkt der heutigen Betreiber liegt auf der Organisation von Jagd- und Angeltouren.
175
175

Danach hatten wir nochmals einsame 175 Kilometer vor uns, bis wir schließlich bei der historischen Meile 300 die kleine Stadt Fort Nelson (2.600 Einwohner) erreichten, wo bereits 1805 von der North West Company ein Pelzhandelsposten angelegt wurde.
nach 300
Einsam und durch endlose Wälder zieht sich der Highway nach Norden
nach 300
nach 300

zu Besuch im Sheperd’s Inn

Wir starteten am Charlie Lake und bereits nach 35 Kilometern auf dem Alaska Highway, heute dem Highway 97 N, erreichten wir die Lodge „Sheperd’s Inn“.
Sie verfügt neben einer Tankstelle über ein Restaurant, einen Convenience Store, eine Bäckerei und ein Motel. Der Außenbereich ist ansprechend mit vielen Blumen gestaltet und es werden auch Blumen zum Verkauf angeboten.
Shepherd´s Inn
The Shepherd´s Inn
Hinter der Organisation dieser Lodge steht die christliche Gemeinde des Shepherd´s Christian
Centers.
Logo
Hier durften wir ein längeres, interessantes Gespräch mit dem Manager, dem Vorstand der Community, Ryan Hotston und Frau Isabel Still, einer Seniorin, die seit 1965 in der Shepherd´s Community lebt, führen.

Isabel und Ryan
Die Geschichten von Isabel und der Community faszinierten uns. Die Gemeinde übernahm das Inn Anfang der 1980er Jahre und startete zunächst nur mit dem Restaurant. Von Jahr zu Jahr kamen Erweiterungen dazu, die letzte war die eigenständige Bäckerei.
Besonders unterhaltsam waren die Geschichten über die wöchentlichen Freitagabend-Konzerte ab den 90er Jahren, wo nicht die übliche Country-Musik sondern mehr klassische Musik präsentiert wurde. Für diese 12 Jahre lang andauernden Traditions-Veranstaltungen kamen teilweise Besucher aus weit entfernten Orten.
Sehr anschaulich beschrieb Isabel die Herausforderungen, die sich für das Betreiben des Inns in den rauen Jahreszeiten des kanadischen Winters ergaben.
Isabel und Ryan nahmen sich viel Zeit für uns und wir waren dankbar, dass wir mit Isabel eine „echte Zeitzeugin“ treffen durften.

Weiterführende Informationen:
Die Geschichte dieses Ortes: The Shephard´s Inn ↗
Die webseite der Lodge;        https://www.theshepherdsinn.ca ↗

Donnerstag, 11. Juni 2026

nach Charlie Lake

Die heutige Tour führte uns nach Charlie Lake.
Bedrohlich dunkle Wolken zogen auf, als wir unsere Tour starten wollten, ...
dunkle Wolken
... unsere Reise auf dem Alaska Highway.
Alaska Highway
Highway
Für den heutigen Tag hatten wir nur eine kürzere Fahrdistanz von knapp 85 Kilometern auf dem Highway 97 vor uns.
Im Kreisverkehr neben dem Northern Alberta Railway Park orientierten wir uns an der Figur eines Landvermessers (surveyor), der mit seiner Hand Richtung Nordwesten nach Alaska zeigt. Mit dieser fast 5 Meter hohen Skulptur, die 2004 von Karl Mattson, einem lokalen Künstler, aus Altmetall von umliegenden Farmen gestaltet wurde, wollte man die Pioniere und Soldaten ehren, die den Alaska
Highway 1942 erbauten.
Landvermesser
Gleich nach dem Ortsausgang erinnerte noch ein altes Schild an die große Zeit des Alaska Highways, als hier einst eine „Trading Post“ noch bis vor der Jahrtausendwende die Reisenden zu einem ersten Halt nach dem Ort Dawson Creek einlud.
Trading Post
Ein Hinweisschild aus längst vergangenen Tagen
Nach knapp 25 Kilometern erreichten wir Farmington Store ↗ mit einem Campingplatz, der früher wie heute bekannt war, Feuerwerk zu verkaufen. Besitzer und Betreiber ist heute ein Koreaner.
Er hatte weit und breit den günstigsten Benzinpreis!
Fünfzehn Kilometer nach Farmington bogen wir vom Highway 97 auf den alten, nur noch von Touristen befahrenen Alaska Highway ab, um über sechs Kilometer auf einer Schotterstraße die seit 2021 für den Straßenverkehr geschlossene Old Kiskatinaw Bridge zu erreichen. 
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Bereits 1978 wurde der Hauptverkehr von der alten Brücke weg auf den Highway 97 umgeleitet. Direkt neben der alten Brücke befindet sich am Ufer des Kiskatinaw Rivers der Campground des Kiskatinaw Provincial Parks.
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2024
So sah die Brücke, der Brückenbelag, am 01.06.2024 aus. Von den kurvig geschnittenen Brettern des Fahrbahnbelages fehlten bereits einige.
morsch
Viele Stellen der Seitenhalterung waren morsch und erfüllten in keinster Weise mehr ihre Aufgabe.
Umso erstaunter waren wir, als wir zwei Jahre später feststellen konnten, dass an der für den Verkehr wegen Erdrutschgefahr gesperrten Brücke Sanierungsarbeiten stattgefunden hatten.
Die Deckplanken waren komplett entfernt, die Oberfläche der Fahrbahn "versiegelt" und die Seitenbefestigungen komplett erneuert!
Bruecke
staender
Die Old Kiskatinaw Bridge ist eine Trestlebridge – also eine Holzständerbrücke, wie wir bereits die Eisenbahnbrücke in Pouce Coupé in gleicher Bauweise bestaunen konnten. Die 30 Meter hohe und 122 Meter lange Brücke wurde 1942/1943 für den Straßenverkehr auf dem Alaska Highway errichtet, überspannt den Kiskatinaw River und beschreibt eine Kurve von 9 Grad – diese Biegung einer Holz- Brücke ist eine absolute Besonderheit.

Nach der historischen Brücke ging es weiter bis zur größeren Stadt Fort St. John mit knapp 22.000 Einwohnern, die überwiegend von der Landwirtschaft und der Öl- und Gas-Industrie leben. Der Ort wurde bereits 1806 von der North West Company als Handelsstation gegründet. Nach Überfällen der First Nations im Jahr 1823 wurde das Fort geschlossen und erst 1860 erneut eröffnet.
An unserem Tagesziel, dem 13 Kilometer langen Charlie Lake, kamen wir direkt nach Fort St.John an. Hier übernachteten wir und besuchten das Charlie Lake Monument, das an den tragischen Tod von amerikanischen Soldaten erinnert, deren Ponton-Boot im Mai 1942 bei der Überquerung des Sees aufgrund hohen Wellengangs und Ausfall eines der zwei Motoren kenterte. Zwölf Männer ertranken.
Gedenkstätte