Freitag, 29. August 2025

Die bunte Stadt St. John’s

In St. John’s, der Hauptstadt von Neufundland und Labrador, gibt es einige historische Gebäude wie beispielsweise den Cabot Tower auf dem Signal Hill, das Gebäude der Newman Wine Vaults am Hafen oder das Colonial Building, in dem von 1850 bis 1959 die Versammlungen der Provinzregierung abgehalten wurden, aber das Schönste in dieser Stadt ist ihr buntes Erscheinungsbild.
Colonial Building
In der gesamten Alt- bzw. Innenstadt steht ein buntes Haus neben dem anderen und die Farben wechseln von Haus zu Haus. Einige von ihnen stehen einzeln, die meisten jedoch dicht an dicht neben dem Nachbargebäude als Reihenhäuser gebaut. Hier die farbenprächtige "Victoria Hall" mit einem ebensolchen "Interieur"; sie steht derzeit zum Verkauf. Bilder von innen findet man HIER ↗!
Victoria Hall
Victoria Hall von 1895
Es wird erzählt, dass die Fischer, die bei dem hier häufig auftretenden dichten Nebel ihre Häuser extrem bunt anmalten, um einfacher nach Hause zu finden.
Stromleitungen
Wahrscheinlicher ist jedoch, dass die bunten Hausfassaden in den 1970er Jahren entstanden, als die Bürger von St. John’s eine das Stadtbild aufwertende Gesamtrenovierung ihrer Häuser beschlossen.
Auf jeden Fall können sich die Einheimischen und die Touristen heute an einem der buntesten Stadtbilder erfreuen, die es auf der Welt gibt.
Bunte Häuser
bunte Stadt
bunte-stadt
bunte-stadt
bunte-stadt
Natürlich haben die bunten Häuser auch einen typischen Namen – sie werden die „Jelly Bean Houses“ genannt. Seit den Harry-Potter-Filmen kennt fast jeder „Bertie Botts Bohnen“, die den sogenannten „Jelly Beans“ (Geleebohnen) nachempfunden sind. Die „bohnenähnlichen“ Gelee-Bonbons gibt es in den unterschiedlichsten Farben, so wie auch die Häuser in St. John’s.
Man spricht in St. John’s von der „Jelly Bean Row“. Dies ist etwas irreführend, wenn der Tourist dann eine bestimmte Reihe (row) von Häusern irgendwo in der Stadt sucht. Gemeint ist damit, dass die bunten Häuser als Reihenhäuser angelegt sind.
Es reiht sich also Haus an Haus, in einem lustigen Farbenwechsel beispielsweise von orange, gefolgt von rosa und gelb, danach kommt blau, grün, türkis und lila. Eine Straße ist bunter als die nächste.
bunte-stadt
bunte-stadt
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Selbst die Wasserhydranten für die Feuerwehr weisen unterschiedliche Farben auf. Das Hinweisschild fällt bei der Farbenvielfallt schon gar nicht mehr auf.
"Eintönig" wirkende Hausfassaden werden mit bunten Blumen und Vogelhäuschen "aufgepeppt". Selbst bunte Stühle - auf dem Gehweg - sollen die "langweilige Fassade" auflockern.
eintönig
Und die Farbigkeit hört nicht bei den Hauswänden, Fenstern und Türen auf. Auch die Namensschilder, Briefkästen oder Mülleimer sind in bunten Farben bemalt.
Briefkasten
Briefkasten
stromverteiler
Selbst die Stromverteilerkasten
sind farblich individuell gestaltet.
blaues-haus
blaues-haus
gelbes-haus
bunte-haeuser
bunte-häuser
Wir waren auf jeden Fall begeistert und wanderten eine Weile von Straße zu Straße, um die bunte Vielfalt auf uns wirken zu lassen.
bunte-häuser
bunte-häuser
Ein weiteres buntes Viertel der Stadt St. John’s neben der Innenstadt ist die Siedlung „The Battery“, die sich am nördlichen Hang der Hafeneinfahrt zum Signal Hill hoch erstreckt. Hier kommt die Farbigkeit der Häuser durch die Hanglage besonders zur Geltung.
the-battery
Der Stadt St. John‘s ist ihre bunte Erscheinung heute so wichtig, dass inzwischen auch moderne, mehrstöckige Neubauten in bunten Farben erstellt werden, was die Stadt im Gesamten so attraktiv macht.
bunte-stadt

Mittwoch, 27. August 2025

Der Signal Hill mit Cabot’s Tower

Auch in der Stadt St. John’s spielt John Cabot ↗ (1450-1499) eine große Rolle. Ihm zu Ehren konnten wir gleich mehrere Plätze in der Stadt besuchen.
Zunächst einmal fuhren wir zum Confederation Building, dem Parlamentsgebäude bzw. dem Abgeordnetenhaus der Provinz Neufundland und Labrador. Es liegt auf dem Confederation Hill und wurde 1960 erbaut.
NEUFUNDLAND
Neufundland
Der zentrale Turm des Gebäudes ist 64 Meter hoch und hat elf Stockwerke. Auf seinem Kupferdach befindet sich ein sogenanntes „beacon“ (Leuchtfeuer), das in der Nacht Lichtsignale aussendet.
Confederation Building
Vor dem Confederation Building steht seit 2006 die Statue von John Cabot, den die Neufundländer als ihren Entdecker ansehen und den sie mit der Statue an dem besonderen Ort ehren wollen. Die Statue ist identisch mit der in Bonavista.
John Cabot
Vom Confederation Hill hat man über die gesamte Stadt und den Hafen einen herrlichen Blick zu einem zweiten Hügel der Stadt – dem "Signal Hill"↗. Und was erblickt man dort? 
Den „Cabot Tower“ Dementsprechend war unser nächstes Ziel in St. John’s der Besuch des Signal Hills.

Der Hügel liegt imposant über der Stadt und dem Hafen und man hat von hier oben, insbesondere von der höchsten Stelle, dem „Ladie‘s Lookout“ mit 167 Metern, einen guten Einblick auf die schmale Hafeneinfahrt (links im Bild) von St. John’s, auch „The Narrows“ genannt sowie die gesamte Stadt St. John´s.
Hafeneinfahrt
Ganz links im Bild der Leuchtturm von St. John´s
Blick auf die Stadt
Blick auf die Hafeneinfahrt, den Hafen und rechts den Quidi Vidi Lake 
Leuchtturm
Der Leuchtturm an der Hafeneinfahrt mit
Befestigungsanlagen aus dem WW II.
Confederation Building
Gezoomter Blick auf das Regierungsgebäude
Blick auf die Basilika
Gezoomter Blick auf die Altstadt und die Basilika
Seinen Namen erhielt der Signal Hill im Jahr 1704, als die Engländer an dieser Stelle einen Masten für die Flaggen-Signalisierung errichteten, um einfahrenden Schiffen Informationen  zukommen zu lassen bzw. ihre Ankunft anzuzeigen.
Aufgrund der militärischen Signalgebung von diesem kleinen Berg aus, wurde der Hügel zum „Signal Hill“.

In der Mitte des 18. Jahrhunderts wurden zusätzliche militärische Anlagen errichtet, u.a. Kanonen und Baracken. Besichtigen kann man heute auf dem Gelände die Erinnerungen an die Queen’s Battery Barracks und die Duke of York Battery mit der Noon Day Gun.
Die wohl bedeutendste Schlacht für St. John’s fand 1762 während des Siebenjährigen  Krieges statt, als die Briten die Stadt von den Franzosen zurückeroberten.
erste bebauung
1872
Das dominierende Gebäude auf dem Signal Hill ist der Cabot Tower, dessen Sockel aus rotem Sandstein besteht. Die Grundsteinlegung erfolgte 1897 zum diamantenen Thronjubiläum (60- jähriges Jubiläum) von Queen Victoria und zum 400-jährigen Jubiläum der Anlandung von John Cabot in Neufundland. Offiziell eröffnet wurde der Cabot Tower erst 1900.
Gedenkplatte
sockel aus rotem sandstein
Das Gebäude besteht aus einem zweistöckigen quadratischen Unterbau und einem  dreistöckigen, achteckigen Turm. Insgesamt ist das Gebäude etwa 15 Meter hoch. Die ursprünglichen Baupläne sahen auch ein Observatorium vor, das sich direkt an den Turm anschließen sollte; aus Geldmangel wurde es nie realisiert.
An der Seite des Gebäudes ist ein großer Stern  angebracht. Seit den 1970er Jahren wird für die Bürger von St. John’s die Weihnachtszeit mit dem Erleuchten dieses Sterns gestartet.
Stern am Cabot Tower
Im Cabot Tower ist eine Ausstellung zu dem italienischen Physiker und Erfinder
Guglielmo Marconi  (1874-1937) untergebracht, der in einem Gebäude auf dem Signal Hill 1901 das erste transozeanische drahtlose Signal empfangen konnte, das aus dem Ort Poldhu in Cornwall, England gesendet worden war.
Marconi
Das große ding
Nach der Besichtigung des Cabot Towers und der Marconi-Ausstellung unternahmen wir noch einen kleinen Spaziergang auf dem Gelände des Signal Hills. Die Aussichten auf Meer und Stadt sind traumhaft schön - insbesondere bei gutem Wetter.
Trail
Blick auf den Leuchtturm
Ein gezoomter Blick auf den östlichsten Punkt von Kanada mit dem Cape Spear Lighthouse.

Die Basilika St. John the Baptist

Die Kathedrale bzw. die Basilika ↗ „St. John the Baptist („Johannes der Täufer“)“ thront als Wahrzeichen der Stadt St. John‘s, für jeden gut sichtbar, auf einer Anhöhe.
Basilika
Sie ist im sogenannten lombardisch-neoromanischen Stil einer römischen Basilika erbaut, der in Nordamerika während ihrer Bauphase von 1839 bis 1855 populär war. Für die Mauern wurde grauer Kalkstein, grauer Sandstein und weißer Granit verwendet, was bereits ihr äußeres Erscheinungsbild attraktiv macht. Es sind übrigens auch 400.000 Ziegel aus der Stadt Hamburg in Deutschland verbaut. Die Grundmaße des Gebäudes haben eine Länge von 79 Metern und eine Breite von 67 Metern. Die beiden Türme an der Frontseite ragen 46 Meter in die Höhe.
1872
Die Kirche 1872 in St. John´s
Initiiert wurde der Bau durch den damaligen, sehr einflussreichen Bischof Michael Fleming ↗ (1792-1850), der in Irland geboren wurde. Aufgrund seiner guten internationalen Verbindungen gelang es ihm, genug Gelder für den Bau seiner Kathedrale zu sammeln. Da er in seiner Gemeinde in St. John’s anerkannt und beliebt war, spendete auch die Bevölkerung in umfangreicher Form.
1955 erhob Papst Pius XII. bei einem Besuch zur Hundertjahr-Feier die Kathedrale in den Rang einer Basilika. 1984 besuchte Johannes Paul II die Basilika.
Bild in der Sakristei vom Papstbesuch 12.09.1984
Büste
Eine Büste erinnert an Papst Johannes Paul II.,
der im Jahr 1984 die Basilika besuchte
Relique von Papst Pius X.
Nachdem wir das großzügige Außengelände mit Eingangstorbogen und Heiligenfiguren hinter uns gelassen hatten, konnten wir die imposante Kirche betreten.
Zunächst einmal wendeten wir unseren Blick zur Decke, denn dort befindet sich eine der schönsten neuzeitlichen Stuckdecken, die wir je in einer Kirche gesehen hatten. Sie ist herrlich bemalt und zeigt viele schöne Motive.
Innenraum der Basilika
Blickrichtung Altar
Blickrichtung Orgel
Blickrichtung Orgel
Das zweite beeindruckende Merkmal dieser Kirche sind ihre Buntglasfenster. 28 Stück schmücken die oberen Wände des Hauptschiffes. Hinzu kommen nochmals 35 Buntglasfenster im Chorumgang. Mit strahlenden Farben erzählen die Bilder in den Fenstern verschiedene Geschichten aus der Bibel und je nach Lichteinfall haben sie eine
tiefe Wirkung.
Fenster
Fenster
Sehr auffällig ist der Altar, in dem die liegende Figur „der tote Christus“ (der Erlöser im Tod) ↗ eingearbeitet wurde. Die aus Carrara-Marmor gefertigte Skulptur wurde von dem irischen Bildhauer John Hogan ↗1855 erstellt und ist die einzige ihrer Art in Nordamerika. 
Die erste von Hogan geschaffene Skulptur ↗ (1829) befindet sich in der St. Teresa-Kirche in Dublin / Irland, die zweite (1833) in der St. Finbarr´s South-Kirche in Cork / Irland, die dritte und letzte (1854) hier in St. John´s.
Altar
In der linken Seitenkapelle befindet sich eine Darstellung der „Marienerscheinung von Fatima in Portugal“. Portugiesische Fischer brachten die Muttergottesfigur "Our Lady of Fatima" 1955 per Schiff nach Neufundland und trugen sie dann vom Hafen in einer Prozession zur Kirche.
Fatima
In der rechten Seitenkapelle konnten wir eine schön gestaltete Krippe besichtigen.
Geschmückt ist die Kirche mit vielen weiteren Statuen.
Man könnte noch viele Einzelheiten in und von „St. John the Baptist“ beschreiben, aber das würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen. 
Erwähnenswert nur eines noch: dieser Marmorstatue hat man vor nicht all zu langer Zeit die Hand abgetrennt - kurz: gestohlen!
hand gestohlen
Und noch etwas:
die Diözese St. John’s musste 2024 die Basilika-Kathedrale „St.John the Baptist“ neben mehreren weiteren kirchlichen Objekten zum Verkauf anbieten, nachdem sie nach jahrelangen Rechtsstreitigkeiten zur Zahlung von $ 104 Millionen an die Opfer eines Missbrauchsskandals verurteilt worden war. Der Missbrauch in einem Waisenhaus für Jungen in St. John’s war in den 1970er Jahren zunächst vertuscht worden, bis er schließlich Ende der 1980er Jahre endgültig aufgedeckt und anerkannt wurde. Die Verantwortlichen gehörten der „Congregation of Christian Brothers“ aus Irland an. Diese Organisation hat inzwischen nach einigen Zahlungen Insolvenz angemeldet. Da man die Diözese St. John‘s als juristisch mitverantwortlich einstufte, kam es zu der Verurteilung.
Drei katholische Gruppen (Förderkreis, Stiftung, etc.) erwarben die Basilika- Kathedrale, betreiben sie seither und versuchen sie so für die Stadt, die Gemeinde und die Besucher zu erhalten.