Samstag, 11. Juli 2026

Von Carcross nach Whitehorse

Wir verließen Carcross und fuhren für etwas mehr als 70 Kilometer Richtung Norden auf dem South Klondike Highway, dem Yukon Highway 2, nach Whitehorse, der Hauptstadt des Yukon Territory.
Nach knapp zwölf Kilometern erreichten wir den Emerald Lake, der bei den First Nations auch Rainbow Lake genannt wird. Der See entstand vor etwa 14.000 Jahren nach der letzten Gletscherschmelze. Auf dem Seegrund befindet sich eine weiße Sedimentschicht aus Ton und Calciumcarbonat, die Licht stark reflektiert. Durch diese Lichtreflexion nimmt man das Wasser dieses Sees je nach Sonneneinstrahlung intensiv grün wahr, vor allem in den seichten Bereichen der Uferregion. Glücklicherweise schien die Sonne bei unserer Ankuft ein wenig und so konnten wir die tolle smaragdgrüne Farbe insbesondere des Seeuferbereiches bewundern.
emerald-see
19 Kilometer vor den Innenstadt von Whitehorse trifft der South Klondike Highway auf den Alaska Highway, wo wir nach links Richtung Westen abbogen.
Willkommen
Die am Ufer des Yukon gelegene Stadt mit ihren zurzeit etwas mehr als 33.000 Einwohnern nennt sich selbst „Wilderness City“ und wurde 1897/98 während des Klondike Goldrausches gegründet. Wenn man berücksichtigt, dass im gesamten Yukon Territory knapp 48.000 Menschen wohnen, leben fast 70 Prozent der Bevölkerung in der Hauptstadt.
2 mile hill
Wir fuhren noch zum "Two Mile Hill" weiter, so genannt wegen dem Abstand von exakt zwei Meilen zur Innenstadt, um dort der Skulptur des „Whitehorse-Pferdes“ einen Besuch abzustatten. Das Pferd, aber auch der Name der Stadt selbst, stehen für die ehemaligen, heute „regulierten“ wilden Stromschnellen des Yukon Rivers. Die Wassermassen des Yukons, die sich durch eine enge Schlucht stürzten (Miles Canyon) ↗, sollen die damaligen Flussfahrer an die wallenden Mähnen wilder weißer Pferde erinnert haben.
Pferd
Pferd
Tafel
Die zwei Tonnen schwere und drei Meter hohe Metallskulptur wurde 2011 auf dem Two Mile Hill aufgestellt, von der lokalen Künstlerin Daphne Mennell ↗ entworfen und von dem Schweißer Roger Poole realisiert.
Dieses Duo ist übrigens auch für die Metallskulptur eines Caribous über dem Ortseingangsschild von Carcross verantwortlich.

Donnerstag, 9. Juli 2026

Der Chilkoot Trail

Wenn man im Yukon unterwegs ist, fallen einem an vielen Stellen Bilder an Hausfassaden, auf Postkarten oder in Museen auf, die an den Klondike Goldrausch (1897-1899) erinnern, insbesondere an den sogenannten Chilkoot Trail. Was hat es damit auf sich?
Aufstieg
Zeichnung an einer Hauswand in Whitehorse
Aufstieg zum Pass
(in Transportation Museum in Whitehorse)
Aufstieg
Aufstieg zum Pass
(Wild Adventure Yukon - Carcross)
Im August 1896 entdeckten Skookum Jim Mason, Dawson Charlie sowie Kate und George Carmack von den Tagish First Nation aus Carcross am Klondike River, d.h. an seinem Nebenfluss Bonanza Creek, bei dem heutigen Ort Dawson City im nördlichen Yukon Territory ein großes Goldvorkommen, was den legendären Klondike-Goldrausch auslöste. Es dauerte knapp ein Jahr bis sich der Goldfund USA-weit herumgesprochen hatte und sich tausende „Glücksritter“ auf den Weg machten, um reich zu werden. Mitte Juli 1897 veröffentlichten u.a. die Zeitungen in San Francisco und Seattle die Schlagzeilen „Gold! Gold! Gold!“ und die Massen waren nicht mehr aufzuhalten.
Da man zur damaligen Zeit Dawson City quer durch das Land schwerlich erreichen konnte, entschieden sich die Massen für folgenden Weg: Man reiste ab Herbst 1897 mit dem Schiff von der US-Westküste bis zum Hafen des Ortes Skagway in Alaska, der am nördlichen Ende des Taiya Inlet, einem knapp 19 Kilometer langen Fjord, liegt. Am Ende des Taiya Fjords entstand dann rasend schnell der Goldgräber-Ort Dyea. „Dyea“ bedeutet in der Sprache der Tlingit First Nation „tragen“, denn hier begann ein Handelsweg der First Nation, auf der die Küstenbewohner über Jahrhunderte ihre Waren zu den Stämmen der inländischen First Nation brachten. Sie starteten in Dyea und bewältigten die hiesigen Berge der Coast Mountains über den sogenannten Chilkoot Pass (1067 Meter). Dieser Pass ist nach der Tlingit Gruppe „Chilkat“ benannt.
Paaa
Die Route über den Chilkoot - Pass
Genau diese Route wurde dann von tausenden von Goldsuchern genutzt und erhielt den Namen „Chilkoot Trail“. Er ist 53 Kilometer lang und führte damals von Dyea bis zum Goldgräberort Bennett, heute eine Geisterstadt, die man aktuell nur zu Fuß oder mit der White Pass & Yukon Railway erreichen kann. In Bennett, genauer am Bennett Lake (benannt nach dem Zeitungsverleger James Gordon Bennett (1841-1918), der mehrere Erkundungsexpeditionen in den 1880er-Jahren in Alaska finanzierte), bauten sich die Goldsucher anschließend Boote und Flöße, mit denen sie über 800 Kilometer über Seen und den Yukon River bis nach Dawson City weiter fuhren.
Was hatten die Goldsucher am Anfang des Chilkoot Trails zu erwarten? Zunächst einmal war von der kanadischen Regierung vorgeschrieben, dass jede Person etwa eine Tonne an Vorräten mitführen musste, die für ein Jahr reichen sollte. So wollte man eine Hungersnot im einsamen Yukon verhindern und wurde von der North-West Mounted Police deshalb auch streng kontrolliert. Dies bedeutete, dass die Personen, die kein Tragetier oder einen angestellten Träger hatten, den Weg mehrmals zurücklegen mussten, bis sie alle ihre Sachen von Dyea nach Bennett transportiert hatten.
was ist mitzunehmen
Das war vorgeschrieben, mitzunehmen
Gepäck
Die Goldsucher starteten in Dyea und mussten zunächst den Taiya-Fluss überwinden, um nach acht Kilometern Finnegan’s Point zu erreichen. Hier hatte die geschäftstüchtige Familie Finnegan einen Fähr-Service eingerichtet und boten eine Schmiede, einen Saloon und ein Restaurant an. Auf der anschließenden Strecke durch enge Schluchten und steil bergauf entstanden schnell die Raststationen „Canyon City“, "Camp Pleasant“ und „Sheep Camp“, wo man sich von den Strapazen des Aufstieges ein wenig erholen und sich mit Wasser und Feuerholz versorgen konnte.
Canyon City
Canyon City
Quelle: Foto hängt in der Bäckerei von Carcross
Hotel
Quelle: Foto hängt in der Bäckerei von Carcross
Danach folgte ein Abschnitt, der viele der Goldsucher ängstigte, der „Long Hill“, hier befinden sich rechts und links des Weges steile Schluchten. Die letzten 1,5 Kilometer vor dem eigentlichen Chilkoot Pass waren die sogenannten „Scales“, wo man noch einmal über hundert Höhenmeter auf unwegsamem Gelände bewältigen musste. Von dieser Stelle gibt es die weltbekannten Fotos der Menschenschlange, die sich mühsam durch den Schnee kämpfte.
chilkoot pass
Kurz vor dem Chilkoot Pass
Quelle: Foto in der Bäckerei von Carcross
Bezeichnenderweise war der Name der Raststation nach dem Chilkoot Pass „Happy Camp“. Danach ging es dann bergab bis man den Bennett Lake erreichte. Im Ort „Log Cabin“ mussten sich die Goldsucher bei der North-West Mounted Police anmelden, denn schließlich hatten sie Alaska verlassen und waren im Yukon Territory angekommen.

Aus heutiger Sicht muss man sagen, dass die Goldsucher unvorstellbare Strapazen auf sich nahmen, um ihren Traum vom schnellen Reichtum zu verwirklichen; viele allerdings von ihnen bezahlten dieses Vorhaben auch mit ihrem Leben.
Im Jahr 2022 wurde der Chilkoot Trail zum National Historic Trail erklärt und jährlich sind über 15.000 Menschen auf den Spuren des berühmten Goldsucherweges in einer mehrtägigen Wanderung unterwegs.

Sonntag, 5. Juli 2026

von Atlin nach Carcross

Für die Fahrt veranschlagten wir knapp 150 Kilometer - zunächst für die Rückfahrt auf der Atlin Road etwa 100 Kilometer und danach noch weitere 50 Kilometer auf dem Tagish Highway bis nach Carcross. 

Wir verließen den malerischen Ort Atlin, der am gleichnahmigen See liegt und genossen noch einmal die grandiose Aussicht auf den See und die umliegenden Berge.
(Klicken Sie ruhig einmal auf das Bild, um es - wie alle anderen - zu vergrößern!)
See und Berge

Zunächst galt es, die vor einigen Tagen südwärts gefahrene Straße erneut bis kurz vor "Jake´s Corner" Richtung Alaska Highway zurückzulegen.
bis dahin
Gleich nach dem Ort Atlin wurden wir von einer Baustelle "ausgebremst" und mussten auf ein "Pilot-Car" warten. Ab diesem Straßenabschnitt wurde über mehrere Kilometer der vorhandene Asphaltbelag der Straße mit einer neuen Bitumenmasse überzogen und anschließend mit grobem Split versehen, den die Tandemwalzen dann verdichteten.
Baustelle
Diese Strecke führte uns erneut durch traumhafte Berg- und Seenlandschaften.
schroffe Berge
Schroffe Bergwelt
Am See
Entlang am Atlin Lake
Etwa in in der Mitte der Atlin Road verließen wir die Provinz British Columbia und fuhren danach wieder in das Yukon Territory. 
Yukon
Da sich am vorherigen Tag trotz des Sommermonates Juli die Temperaturen stark abgekühlt hatten, gefolgt von Niederschlägen, erblickten wir heute etliche Bergspitzen mit Neuschnee, die in der Sonne hell erstrahlten.
Schneeberge
Schneeberge
Angekommen an der Straßenkreuzung zum Alaska Highway nahmen wir die südliche Route und folgten ihr über Tagish nach Carcross.
nach Carcross
Wir erreichten den Ort Carcross und mussten feststellen, dass er von unzähligen Touristen der Kreuzfahrtschiffe in Besitz genommen worden war, die von Skagway eine Halbtagestour bis hierhin unternahmen.
Carcross
Der Ort Carcross, heute etwas mehr als 400 ständige Einwohner, war seit Jahrhunderten ein Kreuzungspunkt der Handelswege der hiesigen First Nations, sowohl der Stämme der Tagish als auch der Tlingit, die Waren aus der Küstenregion mit Waren aus dem Binnenland tauschten. Mitte des 19. Jahrhunderts errichtete die Hudson Bay Company hier einen Handelsposten. Noch mehr Bedeutung gewann Carcross während des Klondike-Goldrausches zwischen 1896 und 1899, als die Goldsucher auf ihrem Weg in den Norden durchzogen. Noch wichtiger wurde er, als die White Pass & Yarley Railroad (WP & Y) 1900 mit ihrer Eisenbahnlinie von Skagway kommend hier eintraf und in Carcross einen Bahnhof erbaute. Die Strecke wurde kurze Zeit später bis nach Whitehorse verlängert. Für eine lange Zeit trug der Ort den Namen „Caribou Crossing“ bis er schließlich 1906 den Namen Carcross erhielt.
Bäckerei
Da selbst im Außenbereich der einzigen Bäckerei des Ortes alle Stühle besetzt waren und sich selbst bis vor das Geschäft eine wartende Menschenschlange gebildet hatte, fuhren wir erst einmal etwas außerhalb auf einen ruhig gelegenen Campingplatz und verschoben die Besichtigung des uns schon bekannten Ortes auf den nächsten Tag - allerdings wollten wir auch spätestens wieder um 13:30 Uhr unseren Rückzug angetreten haben, da dann der Touristen-Zug aus Skagway kommend erneut seine Dampfpfeife ertönen lassen wird.

im Wild Adventure Yukon

Nach unserem Stopp bei den Dünen von Carcross fuhren wir noch bis zum Park von Wild Adventure Yukon weiter. Der Park trug früher den Namen Caribou Crossing Trading Post. Er wurde 2012 von Denis und Greg McHale gekauft, die ihn auch heute noch betreiben. Vorher gehörte er über 25 Jahre Charles und Marilyn Buchanan, die zunächst mit einem Museum für Wildtiere begannen und den Park stetig erweiterten. Charles („Chuck“) Buchanan war ein berühmter und sehr talentierter Präparator (Taxidermist). Er kam 2013 zusammen mit seinem Sohn Shane in Saskatchewan bei einem Flugzeugabsturz ums Leben.
yukon
Heute werden im Wild Adventure Yukon Park neben einem Restaurantbetrieb viele Vergnügungen wie Goldwaschen, ein Streichelzoo, der Besuch einer Huskie-Station oder Hundeschlittenfahrten angeboten. 
outfitter
Uns ging es aber vor allem um einen Besuch des Wildlife Museums bzw. der Wildlife Gallery. Die meisten ausgestellten Tiere sind von Chuck Buchanan selbst präpariert. Die imposantesten Ausstellungsstücke sind ein riesiger Eisbär und ein Wollhaar-Mammut, das von Chuck Buchanan aus den Fellen von über 30 Moschusochsen erstellt wurde. Neben dem „Eiszeit-Giganten“ und den Eisbären sind Grizzlys, Schwarzbären, Bisons, Elche, Caribous, Moschusochsen, Luchse, Berglöwen und unzählige weitere auch kleinere  Tiere des nordamerikanischen Kontinents zu sehen.
Halle
Ein Blick in die große Ausstellungshalle
Bären
Eisbär und Grizzly-Bär
Bär
Bär
Grizzly-Bär
Bergziege
Mountain Goat
Dall Schaf
Dall Sheep
Sheep
Bighorn Sheep
Wolf
Timber Wolf
Kojote
Kojote
Kragenhiuhn
Kragenhuhn
Wolverine
Wolverine
Puma
Cougar - Berglöwe
Angriff
Muschussochsen
Moschus Ochsen
Moschus Ochse
Moschus Ochsen
Bison
Bison
Rentier
Rentier
Mammut
Mammut
Squirrel
Dieses Ground Squirrel im Außenbereich war echt
Husky
Sehr junger Husky

Samstag, 4. Juli 2026

Die Wüste von Carcross

Da wir Carcross früh erreichten, blieb noch Zeit für einen kleinen Abstecher zu den „Dünen“ von Carcross, auch „Carcross Desert“ (Wüste) genannt, die in Carcross selbst als kleinste Wüste der Welt bezeichnet wird.
Wueste
Obwohl wir uns in der "Wüste" befinden,
liegt auf den nahen Bergen frisch gefallener Schnee
Wueste
Die Dünen sind Überreste der letzten Eiszeit (115.000 bis 12.000 v. Chr.), als sich im Yukon durch die
Gletscherschmelze große Seen bildeten, die schließlich austrockneten. Der getrocknet Schlamm und Sedimente dieser Seen wurden als sandige Dünen verweht. Durch die weiterhin ständig wehenden starken Winde bleiben diese Dünen in Bewegung und unbewachsen.

Über die "Carcross Desert" und den folgenden "Emerald-Lake" kann man Details auch in unserem Artikel aus der Reise im Jahr 2018 nachlesen.