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Sonntag, 15. Juli 2018

zum Kluane Lake

Wir starteten diese Etappe an der Abzweigung des
Haines Highway (Yukon Highway #3) vom Alaska Highway,
dem Yukon Highway #1 North.

Wir folgen der Beschilderung Richtung Anchorage / Fairbanks.

Offiziell sind wir bereits 1.578 Kilometer auf dem Alaska Highway seit Dawson Creek unterwegs.
Tief hingen heute die Regenwolken  -  aber es war (noch) trocken

Beim Verlassen von Haines Junction passiert man noch zwei Tankstellen und zwei Motels und schon ist man aus dem Ort wieder draußen.

An der Gemeindegrenze informiert ein grünes Entfernungsschild:
Destruction Bay 108 km
Fairbanks 822 km





Auf der Weiterfahrt hat man bei schönem Wetter einen freien Blick auf die halb links liegende, z. T. noch schneebedeckte Bergkette der Kluane Ranges. Die Bergkette wird von einigen Tälern durchschnitten, entstanden mit Ende der letzten Eiszeit, als Gletscher schmolzen und ihre abfließenden Wassermassen für Erosion sorgten.






Genau gegenüber, bei der Historic Mile 1.022, und 10,5 km hinter der Junction, bestand einmal
die Bear Creek Lodge.
Die Lodge schloss bereits im November 2006 und wurde von einer Holzfirma übernommen.
Sie ging aufgrund neuer Gesundheitsvorschriften bankrott, denn für etwa $ 20.000 hätte die
Besitzer das Abwassersystem den neuen Standarts entsprechend modernisieren müssen.
Die Lodge, damals noch ein "roadhouse", geht zurück bis ins Jahr 1904, als Goldsucher auf der Whitehorse-Kluane Wagen Road nach Silver City hier entlang kamen.
Dorothy Mackintosh kaufte Anfang der 1940er das Anwesen und baute aus den alten Holzstämmen ein neues Café. Dann bekam sie einen neuen Namen: MacIntosh Lodge.
Man führte damals sogar einen Reifenservice und eine Tankstelle.
Quelle: http://www.explorenorth.com







Nach insgesamt 18 Tageskilometern erreichten wir
Spruce Beetle Trail Interpretive Site
Auf dem etwa 2 km lange Rundweg, der gut ausgeschildert ist und an dem einige Ruhebänke aufgestellt sind, wird anhand von vielen Informationstafeln das Leben der Fichten-Borkenkäfer
(Dendroctonus refipennis) und seine zerstörende Wirkung bzw. Bedeutung auf die Wälder aufgezeigt.
Von einer Aussichtsplattform kann man ins nahe Tal sehen, aber auch viele braun gewordene, d.h. abgestorbene Fichten.

Weibchen durchbohren die Rinde von Fichten (und nur von Fichten) und legt ihre Eier in die Gewebeschicht des Baumes (Phloem). Hier wachsen die Larven heran.









Der Baum versucht durch vermehrtes Absondern von Harz an der Eintrittsstelle der Käfer zu
schützen. Dennoch, der Baum stirbt innerhalb von wenigen Wochen. Die Nadeln fallen jedoch nicht ab, färben sich höchstens rötlich. In diesem Tal hat der Borkenkäfer ab 1994 sein Unwesen getrieben!





Wir fuhren an einigen hogen Bergen vorbei.

Die Eis bedeckte Bergspitze (leider links hinter den Wolken) gehört zum Mount Archibald (2.588 m), die schmalere, pyramidenähnliche Spitze auf der rechten Seite ist Mount Decoeli (2.332 m). Letzterer galt /gilt als Landmarke, da








Hinter dem Christmas Creek stehen auf der linken Seite die Überreste eines abgestorbenen Fichtenwaldes. Sie bieten ein trauriges Bild. Hier kann man verstehen, warum für einige Verantwortliche ein Waldbrand auch seine "guten Seiten" hat!

Kurz hinter dem Boutillier Summit (1.003m) befindet sich bei Tageskilometer 56 rechts eine kleine Haltebucht; leider ist die Sicht  auf den Kluane Lake (= Big Fish / White Fish Lake) komplett zugewachsen.

Von 1717-1750 "wuchs" der Kaskawulsh Gletscher über den Slims River und verschloss durch mitgeführte Ablagerungen, die bis dahin natürliche Entwässerung des Kluane Lakes. In der Folge stieg der Wasserspiegel um mehr als 12m an und bedingte, dass sich das abfließende Wasser nun einen anderen Weg am nordöstlichen Ende des Sees suchen musste. Von dort aber fließt das Wasser Richtung Yukon in die arktische Beringsee anstatt südlich in den Pazifischen Ozean. Durch die Abfluss-möglichkeit erreichte der See bald wieder seinen normalen Wasserstand.
Als der Gletscher geschmolzen, das Seeniveau wieder seinen ursprünglichen Stand erreichte, war jedoch der zwischenzeitliche Auslauf zur Dauerlösung geworden.

Doch im Frühjahr 2016 änderte sich dies schlagartig: Ansteigende Temperaturen ließen den Gletscher schneller abtauen als vorher. Dies wiederum verursachte einen starken Schmelzwasserstrom mit Eisbruch. Dieser blockierte den bisherigen Abfluss in den Slim River und damit die Speisung des Kluane Lakes mit Schmelzwasser und lenkte das Wasser stattdessen etwas früher sogar wieder Richtung Süden in den Alsek River.
Über den Alsek River fließt das Schmelzwasser seit Ende Mai 2016 nun wieder Richtung Pazifik. Und die Folge: der Kluane Lake fängt an, trocken zu fallen.

Burwash Landing und Destruction Bay, einst direkte Anrainer-Siedlungen des Sees, liegen bereits abseits des einstigen Ufers.
Quelle: http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-21365-2017-04-18.html
Quelle: https://www.nature.com/articles/ngeo2932.epdf

Ehe wir uns jedoch dem Kluane Lake näherten, besuchten wir die "ghost-town"
Silver City

(über sie und unseren Besuch dort werde ich einmal gesondert unter "ghost towns" berichten)

Die Existenz dieses Ortes war einem Goldrausch Anfang der 1900er Jahre zu verdanken, der eigentlich gar keiner war.

Nachdem sie 1896 schon im Rabbit Creek Gold gefunden hatten und damit den Klondike-
Goldrausch auslösten, fanden Skookum Jim und Tagish Charlie (1860 - 1908) Gold in der Ruby
Range, östlich vom Kluane Lake. Sie steckten hier am 04. Juli 1903 ihren Claim ab.

Die "Southern Tutchone People" hatten in der Region bereits ein Netzwerk an Pfaden. Sie wurden genutzt, um einen Weg von Whitehorse bis hier an den See zu bauen, 1904 sogar als "wagon road". Von hier wurden die Waren dann per Boot über den Kluane Lake weiter transportiert.
Hoffnungsvolle Glücksritter kamen, - letztendlich aber weit weniger als vermutet; mit ihnen aber auch die Mounties, die NWMP. Sie eröffneten eine Sommerdienststelle in Zelten. Später wurde sogar eine dauerhafte NWMP-Niederlassung in Silver City eingerichtet; 1905 eröffnete gar die Poststation.
Nahe Bullion Creek und Sheep Creek entstand eine Zeltstadt, die jedoch im Jahr 1905 schon wieder
verlassen wurde, da man Mitte Juni 1904 etwas nördlicher im Burwash Creek ebenfalls Gold gefunden hatte.

Der Gold-Ertrag war alles in allem gesehen mehr als mager, so dass die Einwohnerzahl von Silver City 1915 nur noch eine Person betrug. Die NWMP wurde bereits 1907 schon wieder abgezogen.
Mit dem Schließen des Post-Office 1921 wurde diese Ansiedlung komplett aufgegeben.
Dafür kam Morley Bones und etablierte hier die größte Silber- und Blaufuchsfarm von ganz Yukon Territory. Um 1930 kaufte sie Jack Hayden und betrieb sie bis zu seinem gewaltsamen Tod (erschossen 1948).
Die Ansiedlung hieß zuerst Kluane City, später Silver City. Ob es mit den Silberfüchsen zusammenhängt, die hier gezüchtet wurden?

Zurück auf dem Alaska Highway, überquert man den großen Auslass des Silver Creek, dessen Wasser in den letzten Jahren mit zur "hydraulischen" Zerstörung von Silver City beigetragen haben. 3,6 Km wieder auf dem Highway zweigt an der Historic Mile 1055, insgesamt 1.638,5 km hinter Dawson Creek, ein kleiner Seitenweg zum Kluane Lake Research Station and airstrip ab.
Hier werden Flüge zu den nahe liegenden Gletschern angeboten.

Bald passierten wir die ehemalige
Kluane Lake Lodge.

Sie schloss bereits 1990, wurde danach zwar noch einmal für kurze Zeit geöffnet, ehe sie 1999 endgültig aufgegeben wurde.













Im bereits trockenen gefallenen Uferbereich des Sees sind alte "Übrigbleibsel" aus der Zeit des WW II zu erkennen. Z. B. die Fundamente der CanTel-Telefonleitung, die hier durchgeführt wurde und Rohrleitungen.










Kurz danach ist es soweit. Man quert das weite Flussbett des Slim´s River.
Ganze drei Kilometer dauert die "Überfahrt", ehe man wieder auf gewachsenem Grund ankommt.
Auf halbem Weg quert man die eigentliche Slim´s River Bridge, die zwar bereits 1943 erstmals erstellt, 1955/56 von der kanadischen Armee erneuert, aber 2010 komplett erneuert wurde.


Schlammig ist das Terrain, wo noch nass,  bedingt durch den Lößanteil, den das Wasser aus den Bergen mit sich brachtet und hier ablagerte.





Wie aus den Bildern ersichtlich, wurde das Wetter im Laufe des Tages wieder wesentlich besser, doch auch erheblich windiger.

Und dieser Wind blies nun den Silt-Anteil aus dem trocken gefallenen breiten Flussbett hinaus auf den See.








































Selbst die Überquerung der Brücke und etwa 100 m dahinter wurden zum"Blindflug".













Ein Blick zurück am späten Abend von unserem Campingplatz (direkt am Ufer des Kluane Lake gelegen) auf die "Sandwolke" am Slim River.









Der Wind hatte zwar die Regenwolken vertrieben, doch jede Menge kalte Luft mitgebracht.
(Abendliche Rast nach einem längeren Uferspaziergang.)



Dienstag, 21. August 2018

nach Mayo


Heute wollten wir auf dem North Klondike Highway bis Stewart Crossing fahren (181 km) und dann weiter über den Silver Trail nach Mayo (53 km).

Nach der Übernachtung auf dem Dawson City RV Park passieren wir zunächst die Kreuzung mit der Abzweigung zur Bonanza Creek Road, die uns zur Yukon Heritage Attraction Dredge No. 4 geführt hätte. Diese Dredge (Schürfbagger) steht in dem Creek, in dem am 17. August 1896 George Carmack, Joe Tagish und Skookum Jim Mason erstmalig in dieser Region Gold gefunden und damit auch den Klondike Gold Rush ausgelöst hatten.

Da wir schon die Dredge in Chicken besichtigt hatten, fuhren wir an dieser Abzweigung vorbei und bestaunten stattdessen die „Holzhaus-Fassadenkonstruktion“, die uns in Dawson City willkommen heißt – in unserem Fall uns „Auf Wiedersehen“ sagt.

















Gleich danach kamen wir an einer Haltebucht vorbei, in der über die „Yukon Ditch“ informiert wird. Darunter versteht man das Pumpensystem, mit dem von 1909 bis 1930 Wasser aus den Ogilvie Mountains zu den „Dredgen“ im Bonanza-Creek gefördert wurde, damit die Dredgen schwimmen und das Gold auswaschen konnten.




Auf beiden Seiten der Straße können wir nun
über Kilometer die sogenannten „tailings“, aufgeschüttete „Gravel-Berge“, bestaunen. Sie sind die steinernen, „wertlosen“ Überreste, die die Dredge hinter sich wieder auswarf, als sie auf der anderen Seite den Goldhaltigen Schotter aufnahm.























An dieser Stelle zweigt auch die Hunker Creek Road ab, die über einen 96 km langen loop dem Albert Hunker Creek folgt, in dem im September 1896 Gold gefunden wurde.




 


Bei der Vorbeifahrt am Airport von Dawson City konnten wir sehen, dass in kurzen Abständen Reisegruppen der „Holland-Linie“ eingeflogen werden, die nach ihrem Besuch von Skagway natürlich auch in Dawson City mit „Goldpanning“ und dem Spiel- und Show-Erlebnis bei  „Diamond Tooth Gertie“ ihre „Klondike-Kreuzfahrt“ abrunden.




Der Klondike-Highway, den wir weiter fuhren, war zwischenzeitlich wieder einmal eine „gravel road-Erfahrung“ mit vielen Schlaglöchern.













Nach 47 km erreichten wir die Kreuzung, an der der Dempster Highway über eine Schotterstraße nach Inuvik (730 km) und anschließend bis nach Tuktoyaktuk am Arktischen Meer führt. Die Autos, die von dort zurück kamen, waren vor lauter Schmutz kaum noch zu erkennen, aber diese Strecke gehört bei einigen, die Herausforderungen lieben, zu den aktuellen Abenteuern unserer Zeit.




















Für mich nicht mehr verständlich:
von Küste zu Küste, von West nach Ost
oder umgekehrt führt dieser "Wanderweg", nun aber auch nach Norden.
Der Transcanada Trail will mittlerweile jede Province bedienen, also führt der Weg nicht mehr durch Kanada, sondern kreuz UND quer durch Kanada  -  und die meiste Zeit zumindest in dieser westlichen Region entlang an Straßen!

Für uns ging es etwas weniger abenteuerlich weiter und wir erreichten als nächsten interessanten Punkt eine Haltebucht mit herrlicher Sicht auf den „Tintina Graben“. Der „Tintina-Graben ist die größte geologische Erdverwerfung Nordamerikas und im Frühling/Herbst ein Hauptkorridor für Zugvögel (natürlich nicht im August zu sehen).

















Nach weiteren 30 Kilometern erreichten wir den Gravel Lake, ein wichtiges Feuchtgebiet im Tintina-Graben, das von vielen Wasservögeln genutzt wird. Uns zeigte sich der See und das ganze um ihn herum liegende Feuchtgebiet ein wenig „eutrophiert“ und gänzlich „vogellos“.







Auch unser nächster Ort war ein wenig deprimierend für uns, denn die nach weiteren 62 km folgende historische
Moose Creek Lodge
(ein „Muss“ für jeden Yukon-Reisenden laut Werbung) ist von einer Holland-Linie-Bus-Gruppe „bevölkert“, d.h., dass das historische Holzgebäude ziemlich überfüllt war. Wie fuhren also weiter - überwiegend durch borealen Wald - und kosteten so leider keine der angepriesenen „legendären pastries“.

Kurz danach folgte für uns der „Stewart River Viewpoint“ mit interessanten Informationstafeln zu James G. Stewart, der für die Hudson Bay Companie arbeitete und als erster Europäer 1849 den nach ihm benannten Fluss entdeckte.






Der Stewart River hatte eine enorme Fließgeschwindigkeit bzw. Strömung und wir bewunderten im Rückblick die mutigen Sternwheeler-Kapitäne, die diesen Fluss befahren haben, um das Silbererz aus den Minen bei Keno City nach Whitehorse zu bringen.
















Nach einem kurzen Stopp (nach 181 km) am Silver Trail-Informationszentrum in Stewart Crossing, wo wir uns an lebensgroßen Metallfiguren der hiesigen Tierwelt erfreuen konnten, bogen wir in den Silver Trail nach Mayo ab.


















Der Silver Trail trägt die Highway Nummer 11. Obwohl an den Ufern des Stewart Rivers 1885 zunächst auch Gold gefunden wurde, ist für diese Region wesentlich wichtiger, dass hier 1903 eine sehr ertragreiche Silberader entdeckt wurde. Da der Fundort am Keno Hill schlecht erreichbar war, dauerte es bis 1915, bis man mit dem eigentlichen Abbau begann. Das Silbererz wurde mit kleinen Loren nach Mayo gebracht und von dort dann mit den Sternwheelern auf dem Fluss weiter transportiert. Erst 1950 wurde eine Straße gebaut, was dann das Ende der Flusstransporte bedeutete. Die Straße, die nun für den Erztransport genutzt wurde, erhielt logischerweise den Namen „Silver Trail“.
Am Silver Trail wird im Ort Elsa, kurz vor dem historischen „Mining-Ort“ Keno, heute noch aktiv eine Silbermine betrieben, in der im Jahr 2018 immerhin mehr als 100 Personen arbeiten. Diese Silbermine ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Obwohl die ersten zwanzig Kilometer „Elchschutzgebiet“ sind, sahen wir auch heute keinen Vertreter dieser Tierart. Die Straße hat ihre Tücken - bedingt durch den Permafrost gibt es immer wieder unberechenbare Bodenwellen und schlimme Schlaglöcher.

Wir fahren nun entlang des Stewart Rivers mit seinen vielen angeschlossenen Feuchtgebieten und erreichen nach 53 km den Ort Mayo, wo wir auf dem McIntyre Park übernachten.