Während unserer Rückfahrt nach Calgary besuchten wir 40 Kilometer nordwestlich von Prince George die Huble Homestead Historic Site ↗. Hierbei handelt es sich um ein kleines Freilichtmuseum mit großem geschichtlichem Hintergrund und sehr authentischen Darstellungen der damaligen Lebensweise von Pionieren.
Bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts, genauer 1863, waren in der Region die beiden Goldsucher John Robert Giscome (1832-1907) aus Jamaika und Henry McDame (ca. 1826 bis ca.1900) von den Bahamas, beide wegen Diskriminierungserlebnissen aus Kalifornien geflüchtet, mit einem indigenen Führer der hiesigen „first nation“, den „Lheidli T’enneh“, unterwegs. Sie nutzten einen Abkürzungsweg zwischen dem Fraser River (mündet in den Pazifik) und dem Summit Lake, der zum Einzugsgebiet von Peace und Mackenzie River (Einmündung in den Arktischen Ozean) gehört. Die Beiden kartierten die Gegend genau, so dass viele Nachfolgende die Wege einfach nutzen konnten. Später benannte man den Verbindungsweg nach J. R. Giscome dementsprechend „Giscome Portage“.
Über diesen Pfad konnten sie damals zum Einen die arktische Wasserscheide überwinden und zum Zweiten relativ einfach die Omineca Mountains am Summit Lake erreichen, in denen damals zahlreiche größere Goldfunde gemacht wurden. Man kann die 8,5 Kilometer lange „Giscome Portage“, die auf der Huble Homestead Historic Site beginnt, noch heute als Wanderweg begehen.
Vierzig Jahre später, im Jahr 1903, bauten Albert Huble (1872-1947) und sein Geschäftspartner Edward Seebach (1880-1932), beide ursprünglich aus Ontario, hier am Startpunkt der Giscome Portage am Fraser River ein Fracht- und Handelsunternehmen auf. Sie verkauften Waren an Reisende, die mit einem Raddampfer über den Fraser River hier ankamen und lieferten über die "Giscome Portage" Waren an die Siedler am Summit Lake, wo sie ein weiteres Warenhaus betrieben.
Huble und Seebach nutzten als sogenannte „homesteader“ (Siedler) bei dem Aufbau ihres Anwesens das in British Columbia seit 1859 geltende „pre-emption act“ (Vorkaufsrecht-Gesetz). Das Gesetz gestattete den Siedlern ein Vorkaufsrecht, wenn sie ein Stück Land gerodet und anschließend über einen gewissen Zeitraum bewirtschaftet hatten. Das war übrigens anders als in den USA, wo die Menschen das Land nach fünf Jahren Bewirtschaftung kostenlos übertragen bekamen.
Huble und Seebach rodeten das Areal im Startbereich der Giscome Portage am Fraser River, bauten dort mehrere Häuser, Hütten und Scheunen und kauften das Areal anschließend.
Wir waren bei unserem Besuch begeistert von dem beschaulichen und sehr realistischen Anwesen, wo wir uns das damalige Leben richtig gut vorstellen konnten.
Im vorderen Bereich konnten wir uns die Originalhütte von Edward Seebach und eine Schmiede anschauen. Die Schmiede war eines der ersten Gebäude, das Huble und Seebach errichteten, weil sie für die zur Herstellung und Reparatur aller Werkzeuge und Gebrauchsgegenstände unbedingt notwendig war.
| Die Seebach Hütte |
| Ein Raum für ALLES |
| In dieser Hütte war die Schmiede untergebracht |
Unten am Fraser River konnten wir uns den Nachbau eines Fish-Camps, eines Lagerplatzes während der Fischfang-Saison, der hiesigen first nation, der „Lheidli T’enneh“, anschauen.
| Blick von der Schmiede auf die Landingstelle |
Weiter ginger wir zur großen Begrüßungsscheune, in der heute vor allem Feste, beispielsweise mehrere Hochzeiten pro Saison, sowie größere Treffen stattfinden.
Direkt daneben besuchten wir den „animal barn“, den Stall, in dem noch etliche Saat- und Erntemaschinen aus der damaligen Zeit ausgestellt waren. Hinter dem Stall befinden sich mehrere Gehege, in denen für kleinere Besucher „Streicheltiere“ (Ziegen) untergebracht sind. Daneben stehen etliche Hütten (Cabins), in denen Angestellte wohnten oder die für spezielle Aufgaben dienten, wie beispielsweise der Herstellung von „huckleberry wine“ (Huckleberries sind mit den Blaubeeren verwandt, haben aber eine rötlichere Farbe und sind saurer).
| Animal Barn (links) - Scheune (rechts) |
| Animal Barn Dachboden |
Das Herzstück der Historic Site erreichten wir am oberen Ende des Areals. Es ist der General Store von Huble und Seebach, in dem sie ab 1904 ihre Waren verkauften.
Auch heute bieten dort zwei jüngere Damen in historischen Kleidern Waren aller Art zum Verkauf an.
| Regal und Verkaufstresen im Store |
Auf dem Rückweg kamen wir am Haus der Familie Huble vorbei, das Albert Huble für seine Familie 1912 errichtete. Vorher lebte die Familie in einer kleinen Cabin, die sie später als Sommerküche nutzten.
| Das Hubble-Haus (weiß) mit Sommerküche (links) |
| Inneneinrichtung der Sommerküche |
Das Haus der Familie Huble ist noch original eingerichtet und zeigt, dass die Familie im Jahr 1912 bereits einen gewissen Wohlstand erreicht hatte. Sogar ein Klavier zierte den Wohnraum.
| Der Wohnraum |
| Der Raum der Mädchen |
| Der Raum des Sohnes |
| Trapper´s Room |
Im Außenbereich in der Nähe des Haupthauses konnten wir außerdem einen „root cellar“ (Erdkeller für kühle Lagerung von Lebensmitteln), ein „meat cache“ (Hochlager für die geschützte Aufbewahrung von Fleisch), ein Kinderhaus und den Gemüse- und Blumengarten besichtigen.
| Erdkeller |
| Teil des Blumengartens mit den beiden Scheunen |
Abgelegen von den Wohneinheiten kann man noch einen ehemaligen Schweinestall besichtigen. Man baute ihn wegen des Geruchs bewusst etwas abseits!
Bis 1911 hatten sich in der Nachbarschaft der Huble Homestead bereits über zwanzig weitere Familien angesiedelt und Albert Huble eröffnete 1915 ein Postamt.
1919 gingen die Geschäfte mit den Reisenden stark zurück, die Familie Huble zog nach Prince George und nutzte das Anwesen nur noch als Sommer-Quartier. Edward Seebach machte sich selbstständig und eröffnete einen eigenen kleinen Laden.
Albert Huble verkaufte sein Anwesen 1929 an die Amerikanerin Josephine Mitchell (1880-1965), die es bis 1957 als Pferde-Ranch betrieb. In dieser Zeit kamen überwiegend Touristen aus Kalifornien hierher, um Reiterferien und Abenteuer zu erleben. 1957 kaufte George Stauble (1898-1971) die Pferde-Ranch und baute sie zu einer Rinderfarm um. Sein Schwerpunkt lag allerdings auf der Forstwirtschaft und er holzte große Bereiche in der Umgebung ab, um sein Sägewerk in Prince George zu betreiben. 1975 übernahm schließlich die Regierung der Provinz British Columbia das Areal und richtete die Huble Homestead Historic Site ein.
Am Beginn des heutigen "Portage Trails" erinnert dieser Gedenkstein an James Scott, dem es zu verdanken ist, dass diese ehemalige Homesteader Stätte zu einem "Freilichtmuseum" wurde.
| In Gedenken an James Castle Scott |
Die vielen Informationen, die man beim Besuch der Huble Homestead Historic Site erhält, verdankt man übrigens dem Tagebuch von Albert Huble, das er über Jahre konsequent und ausführlich führte und das erhalten geblieben ist.
Albert "Al" Hubble starb 75jährig im Jahr 1947, seine Frau Annie May 65jährig im Jahr 1949.
Annie brachte aus ihrer ersten Ehe mit William Copperthwaite drei Kinder in die Ehe mit Albert Huble.
Lillian, Harry und Ada.
Albert & Annie heirateten Anfang 1911. Gemeinsam hatten sie noch die folgenden Kinder:
Bertha Bernice (Bebe) – geb. 17. Oktober 1911
Martha Marian – geb. 25. April 1913
Frances Patricia – geb. 1914
Gladys May – geb. 1916
Albert James Jr. (Al Jr.) – geb. 1918
Samuel Edward (Sam) – geb. 15. Januar 1921
Dean Richard – geb. 14. September 1930
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