Ein Rundgang durch das Fort in Haines / Alaska
Als Ende des 19. Jahrhunderts aufgrund der Goldfunde an verschiedenen Orten des nordwestamerikanischen Kontinents hunderttausende Menschen in diese Regionen strömten, versuchte auch die amerikanische Regierung dieses Chaos irgendwie zu regulieren. Deshalb entschied man sich im südlichen Alaska einen Militärposten einzurichten, wählte dazu einen Ort am Port Chilkoot aus, der knapp einen Kilometer entfernt von Haines/Alaska lag und konnte das Fort letztendlich 1904 offiziell eröffnen.
Bei dem Bau des Forts wurde ein zweiter wichtiger Aspekt bedacht, die damals noch nicht beendeten Grenzstreitigkeiten mit Kanada. Mit dem Fort wollte man Präsenz und Stärke für diesen Bereich von Alaska zeigen.
Man benannte es zu Ehren des ehemaligen amerikanischen Außenministers William Henry Seward (1801-1874), der 1867 den Kauf Alaskas von Russland organisiert hatte. 1922 wurde das Fort in „Chilkoot Barracks“ umbenannt. Während des zweiten Weltkrieges diente das Fort überwiegend als Ausbildungsstätte für Soldaten, die anschließend auf die Aleuten geschickt wurden. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Fort aufgelöst. Veteranen kauften 1947 der amerikanischen Armee Gelände und Gebäude ab und verwandelten sie in Privathäuser, Geschäfte und Kultur- und Kunstzentren, die bis heute überwiegend im originalen Stil erhalten geblieben sind.
1978 wurde „Fort Seward“ zur „National Historic Landmark“ erklärt.
Bei der Besichtigung des Geländes war für uns zunächst der zentrale Rasenplatz bzw. das ehemalige Exerziergelände, der „parade ground“, dominierend. Auf ihm fanden der morgendliche Appell und die Exerzierübungen statt. Eine alte verrostete Kanone und die Fahnen von Alaska und den USA erinnern an einst vergangene Zeiten.
Beeindruckend fanden wir die sogenannte „officer’s row“ – hierbei handelt es sich um 1904 erbaute Holzhäuser, deren Farben abgestimmt von Haus zu Haus wechseln. Einst wohnten hier die Offiziere mit ihren Familien in diesen komfortabel eingerichteten zweistöckigen Häusern, die sogar über Toiletten und Badewannen verfügten.
Heute befinden sich diese Häuser alle in Privatbesitz.
An der westlichen Seite des Paradeplatzes entdeckten wir das ehemalige Krankenhaus, in dem später ein Zentrum für indigene Kunst untergebracht war.
| Ehemaliges Krankenhaus |
| Leider zugewachsen und geschlossen |
Am südlichen Ende fanden wir das ehemalige Kasernengebäude, in dem einst fast die Hälfte der einfachen Soldaten wohnten. Heute lagern Tourismusunternehmen ihre Utensilien dort.
Uns gefielen hier vor allem die bemalten Fenster.
Das Hotel „Halsingland“ entstand ursprünglich durch die Verbindung von zwei Offiziershäusern (Clarence und Hilma Mattson waren die Erstbesitzer) und wird auch heute noch als historisches Hotel betrieben. Der zentrale Teil des Hotels war einst das „officer’s headquarter“. Das Hotel liegt auf der östlichen Seite der „parade grounds“.
Direkt nebenan erschien uns auch der noch existierende „Feuer-Turm“ des Forts recht auffällig.
Er diente als Aussichtspunkt für Warnmeldungen und innen konnten die Feuerschläuche zum Trocknen aufgehängt werden.
Wir fanden den Besuch des durch die besonderen Bedingungen des Verkaufes von 1947 noch so gut erhaltenen ehemaligen Fort-Gebäude deshalb interessant, weil man sich so das Leben, das hier vor hundert Jahren stattfand, recht gut vorstellen konnte.
Wir bedauerten, dass wir wohl kaum in Haines im Dezember vorbeikommen würden, wenn alle Gebäude weihnachtlich beleuchtet sind, was wir uns recht romantisch vorstellen konnten.
Wenn man den Ort Haines Richtung Chilkoot-Lake verlässt, hat man die folgende Impression von diesem Ort.
Hinter der Portage Cove von Haines Borough folgt das Fort-Gelände; die Häuserreihe vor dem Wald gehört zu den ehemaligen Offiziersgebäuden des Fort Seward.