Freitag, 26. Juni 2026

Kochen in der Wildnis

Vier Kilometer nordwestlich der Gemeinde Watson Lake befindet sich ein zum Ort gehörender See, der Watson Lake, ein 14 km² großer See, an dessen Südufer „Parks Canada“ einen schönen Wald-Campingplatz eingerichtet hat. Dieser ist von Mai bis Ende September geöffnet und bietet für $20 40 Stellplätze an und garantiert keinen Internet- oder Telefonempfang!
Campingplatz
Ein ruhiger Campground am Watson Lake
Auf fast allen kanadischen Campingplätzen findet man sogenannte „Fire Rings“, manchmal auch als „fire pits“ oder „grill rings“ bezeichnet. Hierbei handelt es sich um offene Eisenringe, die oft in den Boden eingelassen sind. Zum Zweiten sind sie mit einem Grillrost versehen, sodass man direkt über dem offenen Feuer grillen oder kochen kann.
Feuer
Da wir in Watson Lake mehrere Tage verbrachten, nutzten wir diese Kochmöglichkeit in der Wildnis ausgiebig - einmal für das Garen von Steaks, die extrem lecker gelungen waren und am nächsten Tag für ein Kesselgulasch bzw. Irish Stew (allerdings mit Rind- und nicht mit Lammfleisch).
Irish Stew
Steak
Vergessen darf man jedoch nicht, dass oft in den Sommermonaten aufgrund der erhöhten Waldbrandgefahr ein sogenannter „Fire Ban“, ein Feuerverbot, ausgesprochen wird und dann ist auch ein „Kochen in der Wildnis“ auf einer offenen Feuerstelle nicht erlaubt.
Feuerstelle

Donnerstag, 25. Juni 2026

Im Sign Post Forest

Ein absolutes Highlight für Touristen, die auf dem Alaska Highway unterwegs sind, ist der Sign Post Forest (Schilderwald) in Watson Lake. Er befindet sich direkt am Alaska Highway an der Kreuzung zum Robert Campbell Highway (Yukon Highway 4), der ab Watson Lake über 580 Kilometer, überwiegend als Schotterstraße, bis nach Carmacks am Klondike Highway führt.
Ein amerikanischer Soldat aus Illinois, Carl K. Lindley, startete den „Schilderwald“, als er 1942 aus Heimweh ein Schild seines Heimatortes Danville aufstellte.
Carl
Bild aus Visitor Center Watson Lake
Im Laufe der Jahrzehnte hinterließen zahlreiche Besucher Schilder ihrer Herkunftsorte und inzwischen sollen es über 100.000 sein.
Schilderwald
wald
Im Schilderwald
Wir hatten den Sign Post Forest in den letzten Jahren bereits vier Mal besucht und schauten deshalb nur nach, ob die Schilder von Lautertal, die 2004 von dem Ehepaar Karl-Heinz und Ursula Grüner aus dem Lautertal, Ortsteil Staffel, aufgestellt wurden, noch existieren. Und sie waren noch da…
Schilder
Lautertaler Ortsteile-Schilder links im Bild
Schild
Lautertaler-Ortsteile-Schilder halb rechts

Mittwoch, 24. Juni 2026

Jerry - the caretaker

... von Iron Creek Lodge am Alaska Highway bei historischer Mile 596.

Nachdem wir vom Muncho Lake gestartet waren und sechs ehemalige Lodges am Alaska Highway passierten, von denen jedoch derzeit nur noch zwei betrieben werden, erreichten wir die Iron Creek Lodge. Eine Vorläufer-Lodge existierte hier bereits ab 1957. Nach einem letzten Verkauf im Jahr 2005 war das Anwesen viele Jahre nicht bewirtschaftet, ehe es die First Nations von Lower Post erwarben und beabsichtigten ein „Therapiezentrum“ zu errichten.
Im Jahr 2024 war ein Bauunternehmer damit beschäftigt, das Innere der Lodge zu erneuern. Dazu gehörte nicht nur die Installation einer Heizung auf Basis von Warm-Wasser und eine komplette Erneuerung des Bodenbelages, sondern auch der Einbau einer Kaminverblendung und die Herrichtung aller Zimmer im Obergeschoss. Gleichzeitig wollte man den Außenbereich neu gestalten, neue Hütten errichten u.v. mehr: ein Vorhaben für diese Region und den damit verbundenen Ausgaben -  außergewöhnlich!
Kamin
Kaminverkleidung wird fertiggestellt  -  16.06.2024
Ich wollte mich vom Baufortschritt überzeugen und sah zuerst folgendes Bild.
zaun
Nun, der Bretterzaun wurde im Sommer 2025 errichtet, ebenso die Außenveranda am Haus, doch Tore fehlten und im Außenbereich hatte sich so gut wie nichts getan.
bretterzaun - closed
Als ich auf der anderen Seite des Grundstücks auch noch das Schild „CLOSED“ sah, wollte ich schon weiterfahren, da ich dachte: trotz großer Vorhaben hat sich  an der Iron Creek Lodge doch nichts getan,
als plötzlich ein friedfertiger Wachhund auftauchte und kurze Zeit später das dazugehörige „Herrchen“. Jetzt wollte ich es genauer wissen und fragte nach dem derzeitigen Baufortschritt.
Jerry, wie er sich mir vorstellte, sei der "caretaker" dieses Anwesens. Er bedauerte, dass es trotz aller guten Absichten nicht besonders vorangehe. Es fehlen die Teile – z. B. fürs Tor, für die geplanten Hütten usw.. Aber das große Gebäude sei fertig.
Jerry
Folglich fragte ich nach einer möglichen „Hausbesichtigung“, die er spontan ermöglichte. Voller Stolz zeigte er mir das komplette Unter- und Obergeschoss und erwähnte, dass bereits Versammlungen in diesem Haus stattfinden; für Kinder, aber auch Erwachsene. So wurden z. B. Kurse abgehalten, um Stammesangehörige in „trap-line“ zu unterrichten.
Kamin
großer saal
Großer Saal
Im großen Saal und in der Küche fand ich einen neuen Fußboden vor, ansonsten hatte man allerdings nahezu alles vom Vorgänger übernommen, stehen gelassen (Kücheneinrichtung / Empfangstresen, Ausgabetresen für Essen / ...).
Zimmer
Im Obergeschoss zeigte er mir jedes Zimmer incl. den dazugehörigen Nasszellen - nagelneu und sofort bezugsfertig, wie er betonte.
Zum Schluss durfte ich mit ihm noch auf die Veranda, um einen Blick auf den See zu werfen. Die ganze Veranda ist mit Mückenschutz versehen - deshalb auch das etwas unscharfe Bild.
See
Nach der Hausbesichtigung lud er mich auf eine Fahrt mit dem Quad ein; er wolle mir noch das weitere Gelände zeigen.
Zuerst fuhren wir hinter das Haupthaus, wo er mir den Generator und die Heißwasserbereitung für die Heizung zeigte.
Haupthaus
Das Haupthaus von hinten - links Generator / Heizung
Dann fuhren wir hinunter zum ehemaligen großen Campinglatz.
campingplatz
ehemaliger Campingplatz 
Dort standen in einer Ecke sogar noch die (zugewachsenen) Schaukeln aus längst vergangenen Tagen.
Schaukeln
Anschließend zeigte er mir den Platz, wo die Mitglieder der Band bei Treffen ihre Zelte aufstellen können; die „Tipi-Pfosten“ / lodgepole waren an einer Seite aufgereiht.
tipipfosten
Daneben war ein Gestell zu sehen, das sie im Herbst / Winter nutzen, um eine Elchhaut zum Trocknen aufzuspannen.
spanngestell

Eine weitere Hütte am See wolle er mir unbedingt noch zeigen. Mit fließendem Wasser und komplett eingerichtetem Bad bietet es neben einem großen Doppelbett noch einen großen mit Holz zu befeuernden Ofen für kältere Jahreszeiten im Aufenthaltsbereich mit zahlreichen Sitzgelegenheiten.
Hütte
Fast entschuldigend erklärte er mir, dass er sich mit einem weiteren „Caretaker“ alle zwei Wochen abwechseln würde, man also derzeit alleine auf dem Anwesen sei und man somit kaum mit den Außenarbeiten (Gras mähen, Wege frei schneiden, …) nachkommen würde.
Zum Schluss meinte er, ich solle ruhig wiederkommen, allerdings nicht so bald, aber es wird weiter Veränderungen geben.
Für mich war es ein besonderes Erlebnis, dass mich Jerry auf diese Erkundigungstour der Iron Creek Lodge eingeladen hatte.

Nach Watson Lake

Wir verabschiedeten uns vom Muncho Lake und konnten kurz vor der Abfahrt noch einmal atemberaubende Landschafts-Panoramen als Spiegelungen auf der glatten Oberfläche des Muncho Lakes bestaunen.
Muncho Lake
Muncho Lake
Wir wunderten uns zunächst, dass kein Reiseverkehr Richtung Norden auf dem Alaska Highway zu registrieren war. Nach kurzer Internet-Recherche erfuhren wir, dass knapp vor dem Muncho Lake an der Muncho Lake Pit Road ein Benzin-Laster umgekippt war, was zu einer mehrstündigen Vollsperrung des Highways führte. Der Alaska Highway ist in solchen Fällen tatsächlich ein „Nadelöhr“ - da geht, d.h. fährt nichts mehr.
zu
Wir waren von dieser Vollsperrung glücklicherweise nicht betroffen und konnten unsere 275-Kilometer-Fahrt nach Watson Lake starten.

Der Muncho Lake entwässert in den etwas über 90 Kilometer langen Trout River, der uns zunächst links des Alaska Highways begleitete. Nach 60 Kilometern erreichten wir bei der historic mile 496 seine Einmündung in den Liard River und damit den Liard River Hotsprings Provincial Park, der für seine natürlichen Thermalquellen bekannt ist. Der Liard River ist mit seiner Länge von 1115 Kilometern der längste Nebenfluss in Canada und mündet in den MacKenzie River, der in den Arktischen Ozean fließt.
Liard River
Entlang am Liard River
Im Gebiet des Liard River Provincial Parks ist eine große, freilebende Waldbison-Herde ansässig und wir durften einige der riesigen Tiere am Straßenrand bestaunen.
Bison
Bison
Auch einen jungen Braunbären konnten wir länger beobachten.
Braunbär
braunbär
Kurz darauf querte ein Kragenhuhn mit vier Jungen in aller Ruhe den Highway.
Kragenhuhn
Weiter ging es durch endlose Waldlandschaften, Sumpfgebiete und immer entlang des Liard Rivers, bis wir nach weiteren 65 Kilometern an der historic mile 533 die Einmündung des nächsten größeren Flusses, des Coal Rivers (Länge: 380 Kilometer), in den Liard River erreichten. Im Coal River Valley befindet sich ein großes Braunkohle-Vorkommen, das aber aufgrund der minderen Qualität der dortigen Braunkohle nicht genutzt wird.
Meile 533
Wir hatten nun die nächste Distanz von 150 Kilometern bis nach Watson Lake zu bewältigen und auf dieser Strecke war tatsächlich außer Straße, Landschaft und Natur gewissermaßen „Nichts“, auch kein Telefonempfang.
geradeaus
geradeaus
Zuweilen kamen wir immerhin an aufgegebenen lodges/roadhouses vorbei, wobei beispielsweise die ehemalige aufgegebene Ironside Lodge von den Liard First Nation übernommen und zu einem ansehnlichen Community Center umgebaut wurde (eigener Artikel).
Eine heute noch als Tankstelle betriebene (ehemalige) Lodge erreichten wir nach knapp 100 Kilometern bei der historic mile 590, es ist die Contact Creek Lodge. Die Besitzer betreiben bereits seit 1984 dieses Anwesen.
Contacr Creek Lodge
Der Ort Contact Creek hat für den historischen Alaska Highway eine gewisse Bedeutung, weil dort im September 1942 die Pioniere von zwei US-Regimentern, vom Norden und vom Süden kommend, aufeinandertrafen, um die Bauarbeiten dieses Straßenabschnittes zu beenden.
Contakt Creek
Der letzte Ort kurz vor Watson Lake, der noch in British Columbia liegt, ist „Lower Post“, eine Siedlung der Liard First Nation (Kaska Dena).
Lower Post
Danach passierten wir die Grenze zum Yukon Territorium. Ein Territorium (es gibt nur drei: Yukon, Nunavut und die Northwest Territories) hat im Vergleich zu den restlichen zehn Provinzen in Canada weniger Autonomie-Rechte.
Yukon
Schwer zu entziffern: WELCOME IN YUKON - 
da jeder einen Aufkleber auf dem Schild anbringen möchte
Gleich danach kamen wir in Watson Lake an. Der Ort hat heute 1.100 Einwohner und wurde nach dem Trapper und Goldsucher Frank Watson benannt, der sich um 1898 in der Region des heutigen Watson Lake ansiedelte.

Samstag, 20. Juni 2026

Zum Muncho Lake

 

Die Distanz, die wir heute zurücklegen wollten, gehört mit den etwa 60 Kilometern weiter auf dem Alaska Highway Richtung Norden, wieder zu den relativ kurzen Strecken während unserer gesamten Fahrt.
Berge

Schon nach wenigen Minuten erreichten wir das Eingangstor zum Muncho Lake Provincial Park (Gesamtfläche: etwas mehr als 860 km²). 
PP
Zunächst fuhren wir am Toad River entlang.
Toad River
Geröll
Eine Geröll-Lawine kam vor Jahren aus einem Seitenarm
in den Toad River (im Vordergrund)
Wenige Kilometer weiter konnten wir uns die interessanten Strukturen der Folded Mountain (gefaltete Berge) anschauen. Vor Millionen von Jahren (der Prozess begann vor 175 Millionen Jahren und endete etwa vor 45 Millionen Jahren) schoben sich hier tektonische Platten aufeinander - in diesem Fall die pazifische Platte, die sich unter die nordamerikanische Kontinentalplatte schob. Dadurch wurden die Gesteinsschichten, die sich an der Oberfläche befanden, zunächst gestaucht, dann „gefaltet“ ineinander geschoben und anschließend in die Höhe gedrückt.
Foldet Mountain
gefaltet
gefaltet
Aufgrund einer Baustelle, in der der frisch aufgetragene Asphalt mit Schotter abgedeckt wurde, war diese Passage extrem staubig.
staubig
staub
Nach den geologischen Betrachtungen durften wir eine ungewöhnliche Tierbeobachtung erleben – direkt neben der Straße in einem kleinen Sumpfgebiet stand eine Elchkuh. Sie ließ sich von uns überhaupt nicht stören und so konnten wir sie aus nächster Nähe und ihr hochbeiniges Staken durch den Sumpf bewundern.
Elch
Elch
Elch
Weiter ging es durch die malerische Bergwelt und bald erreichten wir den Muncho Lake. Dieser Bergsee mit einer Gesamtfläche von 15 km², einer Länge von 12 Kilometern und einer Breite zwischen ein und sechs Kilometern, beeindruckt mit seiner intensiv türkisen Farbe. 
Munch Lake
Im Winter friert dieser See komplett zu. „Muncho“ bedeutet in der Sprache der hier lebenden First Nation, den „Kaska“, „Großes Wasser“. Die Berge am Ufer des Muncho Lakes gehören zu den Northern Rocky Mountains und werden im Westen „Terminal Range“ (range – Gebirgskette) und im Osten „Sentinel Range“ (sentinel – Wächter) genannt. Der See selbst liegt auf einer Höhe von 820 Metern, die umgebenden Berge erreichen eine Höhe von über 2.000 Metern.
blauer see
Je nach Sonneneinstrahlung zeigten sich Himmel und See tief blau
Regen
Ein aufziehender heftiger Regenschauen war bald vorüber
sonnenschein am Muncho Lake
Ehe wir unseren Campingplatz erreichten, begrüßte uns eine Gruppe von „Stone Sheep“, die genüsslich auf der Straße und am Straßenrand nach Mineralien leckte.
Stone-sheep
Muttertier
Muttertier mit zwei Kleinen
stone-sheep
Stone-Sheep am Straßenrand
Wir übernachteten anschließend auf dem RV Park der Northern Rockies Lodge und konnten aufgrund der erst um 22:30 Uhr untergehenden Sonne noch stundenlang die Wolken- und Farbspiele am Muncho Lake bewundern.
am see