Mittwoch, 24. Juni 2026

Nach Watson Lake

Wir verabschiedeten uns vom Muncho Lake und konnten kurz vor der Abfahrt noch einmal atemberaubende Landschafts-Panoramen als Spiegelungen auf der glatten Oberfläche des Muncho Lakes bestaunen.
Muncho Lake
Muncho Lake
Wir wunderten uns zunächst, dass kein Reiseverkehr Richtung Norden auf dem Alaska Highway zu registrieren war. Nach kurzer Internet-Recherche erfuhren wir, dass knapp vor dem Muncho Lake an der Muncho Lake Pit Road ein Benzin-Laster umgekippt war, was zu einer mehrstündigen Vollsperrung des Highways führte. Der Alaska Highway ist in solchen Fällen tatsächlich ein „Nadelöhr“ - da geht, d.h. fährt nichts mehr.
zu
Wir waren von dieser Vollsperrung glücklicherweise nicht betroffen und konnten unsere 275-Kilometer-Fahrt nach Watson Lake starten.

Der Muncho Lake entwässert in den etwas über 90 Kilometer langen Trout River, der uns zunächst links des Alaska Highways begleitete. Nach 60 Kilometern erreichten wir bei der historic mile 496 seine Einmündung in den Liard River und damit den Liard River Hotsprings Provincial Park, der für seine natürlichen Thermalquellen bekannt ist. Der Liard River ist mit seiner Länge von 1115 Kilometern der längste Nebenfluss in Canada und mündet in den MacKenzie River, der in den Arktischen Ozean fließt.
Liard River
Entlang am Liard River
Im Gebiet des Liard River Provincial Parks ist eine große, freilebende Waldbison-Herde ansässig und wir durften einige der riesigen Tiere am Straßenrand bestaunen.
Bison
Bison
Auch einen jungen Braunbären konnten wir länger beobachten.
Braunbär
braunbär
Kurz darauf querte ein Kragenhuhn mit vier Jungen in aller Ruhe den Highway.
Kragenhuhn
Weiter ging es durch endlose Waldlandschaften, Sumpfgebiete und immer entlang des Liard Rivers, bis wir nach weiteren 65 Kilometern an der historic mile 533 die Einmündung des nächsten größeren Flusses, des Coal Rivers (Länge: 380 Kilometer), in den Liard River erreichten. Im Coal River Valley befindet sich ein großes Braunkohle-Vorkommen, das aber aufgrund der minderen Qualität der dortigen Braunkohle nicht genutzt wird.
Meile 533
Wir hatten nun die nächste Distanz von 150 Kilometern bis nach Watson Lake zu bewältigen und auf dieser Strecke war tatsächlich außer Straße, Landschaft und Natur gewissermaßen „Nichts“, auch kein Telefonempfang.
geradeaus
geradeaus
Zuweilen kamen wir immerhin an aufgegebenen lodges/roadhouses vorbei, wobei beispielsweise die ehemalige aufgegebene Ironside Lodge von den Liard First Nation übernommen und zu einem ansehnlichen Community Center umgebaut wurde (eigener Artikel).
Eine heute noch als Tankstelle betriebene (ehemalige) Lodge erreichten wir nach knapp 100 Kilometern bei der historic mile 590, es ist die Contact Creek Lodge. Die Besitzer betreiben bereits seit 1984 dieses Anwesen.
Contacr Creek Lodge
Der Ort Contact Creek hat für den historischen Alaska Highway eine gewisse Bedeutung, weil dort im September 1942 die Pioniere von zwei US-Regimentern, vom Norden und vom Süden kommend, aufeinandertrafen, um die Bauarbeiten dieses Straßenabschnittes zu beenden.
Contakt Creek
Der letzte Ort kurz vor Watson Lake, der noch in British Columbia liegt, ist „Lower Post“, eine Siedlung der Liard First Nation (Kaska Dena).
Lower Post
Danach passierten wir die Grenze zum Yukon Territorium. Ein Territorium (es gibt nur drei: Yukon, Nunavut und die Northwest Territories) hat im Vergleich zu den restlichen zehn Provinzen in Canada weniger Autonomie-Rechte.
Yukon
Schwer zu entziffern: WELCOME IN YUKON - 
da jeder einen Aufkleber auf dem Schild anbringen möchte
Gleich danach kamen wir in Watson Lake an. Der Ort hat heute 1.100 Einwohner und wurde nach dem Trapper und Goldsucher Frank Watson benannt, der sich um 1898 in der Region des heutigen Watson Lake ansiedelte.

Samstag, 20. Juni 2026

Zum Muncho Lake

 

Die Distanz, die wir heute zurücklegen wollten, gehört mit den etwa 60 Kilometern weiter auf dem Alaska Highway Richtung Norden, wieder zu den relativ kurzen Strecken während unserer gesamten Fahrt.
Berge

Schon nach wenigen Minuten erreichten wir das Eingangstor zum Muncho Lake Provincial Park (Gesamtfläche: etwas mehr als 860 km²). 
PP
Zunächst fuhren wir am Toad River entlang.
Toad River
Geröll
Eine Geröll-Lawine kam vor Jahren aus einem Seitenarm
in den Toad River (im Vordergrund)
Wenige Kilometer weiter konnten wir uns die interessanten Strukturen der Folded Mountain (gefaltete Berge) anschauen. Vor Millionen von Jahren (der Prozess begann vor 175 Millionen Jahren und endete etwa vor 45 Millionen Jahren) schoben sich hier tektonische Platten aufeinander - in diesem Fall die pazifische Platte, die sich unter die nordamerikanische Kontinentalplatte schob. Dadurch wurden die Gesteinsschichten, die sich an der Oberfläche befanden, zunächst gestaucht, dann „gefaltet“ ineinander geschoben und anschließend in die Höhe gedrückt.
Foldet Mountain
gefaltet
gefaltet
Aufgrund einer Baustelle, in der der frisch aufgetragene Asphalt mit Schotter abgedeckt wurde, war diese Passage extrem staubig.
staubig
staub
Nach den geologischen Betrachtungen durften wir eine ungewöhnliche Tierbeobachtung erleben – direkt neben der Straße in einem kleinen Sumpfgebiet stand eine Elchkuh. Sie ließ sich von uns überhaupt nicht stören und so konnten wir sie aus nächster Nähe und ihr hochbeiniges Staken durch den Sumpf bewundern.
Elch
Elch
Elch
Weiter ging es durch die malerische Bergwelt und bald erreichten wir den Muncho Lake. Dieser Bergsee mit einer Gesamtfläche von 15 km², einer Länge von 12 Kilometern und einer Breite zwischen ein und sechs Kilometern, beeindruckt mit seiner intensiv türkisen Farbe. 
Munch Lake
Im Winter friert dieser See komplett zu. „Muncho“ bedeutet in der Sprache der hier lebenden First Nation, den „Kaska“, „Großes Wasser“. Die Berge am Ufer des Muncho Lakes gehören zu den Northern Rocky Mountains und werden im Westen „Terminal Range“ (range – Gebirgskette) und im Osten „Sentinel Range“ (sentinel – Wächter) genannt. Der See selbst liegt auf einer Höhe von 820 Metern, die umgebenden Berge erreichen eine Höhe von über 2.000 Metern.
blauer see
Je nach Sonneneinstrahlung zeigten sich Himmel und See tief blau
Regen
Ein aufziehender heftiger Regenschauen war bald vorüber
sonnenschein am Muncho Lake
Ehe wir unseren Campingplatz erreichten, begrüßte uns eine Gruppe von „Stone Sheep“, die genüsslich auf der Straße und am Straßenrand nach Mineralien leckte.
Stone-sheep
Muttertier
Muttertier mit zwei Kleinen
stone-sheep
Stone-Sheep am Straßenrand
Wir übernachteten anschließend auf dem RV Park der Northern Rockies Lodge und konnten aufgrund der erst um 22:30 Uhr untergehenden Sonne noch stundenlang die Wolken- und Farbspiele am Muncho Lake bewundern.
am see

Freitag, 19. Juni 2026

Schwalbe im Nistkasten

An einem Baum am Reflection Lake sah ich einen Nistkasten. Nichts besonderes, denn an manch anderen Bäumen hingen ebenso Nistkästen, jedoch alle mit dem Einflugloch in verschiedene Himmelsrichtungen ausgerichtet.
Dieser eine Nistkasten allerdings weckte mein Interesse, da offentsichtlich ein Bewohner aus dem runden Flugloch herausschaute.
Schwalbe
Neugierig, welcher Vogel das wohl sein könnte, beobachtete ich diesen Nistkasten eine Weile. Noch ehe ich jedoch meine Kamera fur eine zweite Aufnahme fertig machen konnte, war der Bewohner auf und davon.
Es dauerte aber nicht lange, da kam der Partner angeflogen.
Schwalbe
Schwalbe
Schwalbe
Jetzt konnte ich den Nistkastenbewohner einordnen - eine Schwalbe!
Nun, die einschlägige Literatur weist diesen Vogel als Baumschwalbe, Tree Swallow [Tachycineta bicolor] aus, eine mittelgroße Schwalbe Nordamerikas. Sie hat ein glänzend blaugrünes Gefieder auf der Oberseite und eine weiße Unterseite. Baumschwalben seien geschickte Flieger, die ihre Nahrung – hauptsächlich Insekten – im Flug fangen. Sie brüten bevorzugt in Baumhöhlen oder Nistkästen und halten sich häufig in der Nähe von Gewässern und offenen Landschaften auf.
Baumschwalbe
Baumschwalbe, Tree Swallow

Nur wenig weiter sah ich eine Felsenschwalbe (Petrochelidon), die gerade dabei war, ihr Nest aus Lehm zu bauen.
Diese Schwalbenart ist dafür bekannt, ihre Nester in Kolonien an Felswänden oder, wie hier, unter geschützten Gebäudeteilen anzubringen. Die Nester sind oft kuppelförmig oder becherartig und bestehen aus hunderten von kleinen Lehmkügelchen.
Diese Vögel stehen unter Schutz, und ihre Nester dürfen nicht beschädigt werden, was aber den Besitzer dieser Hüttenwand nicht daran hinderte, die entstehenden Nester immer wieder zu entfernen, wie unschwerlich aus dem Bild zu erkennen.
Felsenschwalbe (Petrochelidon)

Donnerstag, 18. Juni 2026

Zur Toad River Lodge


Vom Summit Lake ging es über eine kürzere Strecke von knapp 50 Kilometern weiter bis zur Toad River Lodge (historic mile 422). Auf diesem Weg passierten wir zunächst das historische Rocky Mountain Auto Camp / Rocky Mountain Lodge (historic mile 397) von Chris Winkelmeyer, der das Anwesen bereits seit 1985 besitzt. Leider ist die Lodge (in letzter Zeit auch eher nur noch eine Tankstelle) seit dem letzten Jahr geschlossen.
winkelmeyer
Rocky Mountain Lodge - geschlossen - 18.06.2026

zu
Rocky Mountain Lodge mit verschlossener Tür - 18.06.2026
Weiter fuhren wir durch den beeindruckenden Stone Mountain Provincial Park, einem Park in den Northern Rocky Mountains, der sich über mehr als 25.000 Hektar überwiegend in einer felsigen Gebirgslandschaft befindet.
Abfahrt
Diese Landschaft wird der alpinen Tundra zugerechnet. Sie liegt oberhalb der Baumgrenze. Die Pflanzen, die hier wachsen, sind sehr klein, was man z.B. an diesen Orchideen sehen kann, die wir am Wegesrand fanden.
orchideen
Besonders grell gelb leuchtend, und damit besonders auffallend, ist die sehr giftige Wolfsflechte.
Wolfsflechte
Links neben dem Highway 97 Richtung Nordwesten fließt der McDonald Creek, der wenig später in den Racing River mündet. Der Racing River ist einer der Quellflüsse des Toad Rivers.
McDonald Creek
Das Gewässer, das sich hier tief in das Tal eingeschnitten hat, wird mit Creek (= Bach) bezeichnet!
Tief hingen die Regenwolken über dem McDonald Creek, als wir zu ihm hinunter ins Tal fuhren.
Mehrere Wanderwege, beispielsweise der Baba Canyon Trail (hin und zurück:11 Kilometer) führen durch enge Schluchten zu interessanten Steinformationen.
Hier oben begegnete uns am Straßenrand der erste Schwarzbär auf dieser Reise.
Schwarzbär
Schließlich erreichten wir die Toad River Lodge (engl. „toad“: Kröte), die seit 1999 von Mathew Roy und Darrel Stevens betrieben wird. Die beiden haben in den letzten Jahren mehrere der alten Hütten abgerissen und durch neue ersetzt. Die Toad River Lodge befindet sich am Reflection Lake. Hier, in dieser idyllisch gelegenen Region, legten wir für einige Tage Rast ein und schauten uns dabei u.a. das Wolkenspiel und die Reflektionen im See an.
Reflektion
Reflektion
Reflextion
Nordöstlich der Lodge befindet sich die Einmündungsstelle des Racing Rivers in den Toad River (Länge: 180 Km). Einst war die Toad River Lodge für ihre ~ 11.500 Exemplare umfassende „Mützen-Sammlung“ an der Decke des Lodgegebäudes bekannt, die aber aus Brandschutz- und Hygienegründen bereits im Jahr 2021 entfernt und an einen Sammler abgegeben wurde.
Mützen
Foto: 06.2018